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Tigermücke in Deutschland: Risiken und Schutzmaßnahmen

Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Deutschland aus. Was sie von normalen Mücken unterscheidet, welche Krankheiten sie überträgt und wie du dich schützt.

Asiatische Tigermücke mit charakteristischen schwarz-weißen Streifen auf einem Blatt

Aktuelle Lage

Die Tigermücke ist in Teilen Deutschlands etabliert. Lokale Übertragungen von Dengue oder Chikungunya sind bislang nicht dokumentiert – das Risiko steigt jedoch mit der weiteren Ausbreitung. Das RKI empfiehlt Prävention und Meldung von Sichtungen.

Was ist die Asiatische Tigermücke?

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist ursprünglich in Südostasien heimisch. Sie wurde durch den weltweiten Handel – vor allem über den Import von Glücksbambuspflanzen und Gebrauchtreifenhandel – nach Europa eingeschleppt. Heute ist sie in über 30 europäischen Ländern nachgewiesen.

Im Unterschied zur heimischen Stechmücke:

  • Tagaktiv – sticht vor allem morgens und in den späten Nachmittagsstunden, nicht nur abends
  • Aggressiver – folgt dem Menschen hartnäckiger und sticht auch durch dünne Kleidung
  • Kleiner Aktionsradius – bewegt sich meist nur 150–200 m vom Brutplatz entfernt
  • Vielzahl von Wirten – sticht Menschen, Tiere und Vögel

Verbreitung in Deutschland

Die Tigermücke wurde in Deutschland erstmals 2019 als etablierte Population bestätigt. Schwerpunkte der Ausbreitung. Was das für den Alltag bedeutet und wie du dich und deine Familie schützt, erklärt der Ratgeber Mücken im Haus – was tun?.

Hauptverbreitungsgebiete in Deutschland (Stand 2025)

  1. Baden-Württemberg

    Am stärksten betroffen – Freiburg, Heidelberg, Stuttgart und der gesamte Oberrheingraben gelten als Kerngebiet der deutschen Population.

  2. Bayern

    Zunehmend etabliert, besonders in München, Augsburg und entlang der Alpentäler.

  3. Hessen & Rheinland-Pfalz

    Einzelne Populationen in städtischen Wärmeinseln (Frankfurt, Mainz, Mannheim).

  4. Nordausbreitung

    Klimawandel begünstigt die weitere Ausbreitung in Richtung Norden. Erste Funde bis NRW und Berlin dokumentiert.

Aktuelle Verbreitungskarten: Tigermücken-Monitoring auf mueckenschutz.info (BUND/BNI).

Gesundheitsrisiken

Die Tigermücke ist ein potenzieller Überträger mehrerer viraler Erkrankungen:

Krankheiten, die die Tigermücke übertragen kann

  1. 1
    Dengue-Fieber

    Häufigste durch Mücken übertragene Viruserkrankung weltweit. Symptome: hohes Fieber, starke Gliederschmerzen, Ausschlag. In Deutschland bisher keine lokale Übertragung durch Tigermücken dokumentiert.

  2. 2
    Chikungunya

    Starke Gelenkschmerzen, Fieber, Ausschlag – oft wochenlang anhaltend. 2007 erster lokaler Ausbruch in Norditalien durch Tigermücken.

  3. 3
    Zika-Virus

    Besonders gefährlich für Schwangere (Mikrozephalie). In Deutschland kein lokales Übertragungsrisiko durch Tigermücken, aber relevanter Reiserückkehrer-Erreger.

  4. 4
    West-Nil-Virus

    In Deutschland durch heimische Mücken bereits übertragen. Die Tigermücke kann ebenfalls als Vektor fungieren.

Bei Fieber, Ausschlag oder Gelenkschmerzen innerhalb von 14 Tagen nach einem Mückenstich – besonders nach Tropenreisen – sofort einen Arzt aufsuchen. Den Stich und den Aufenthaltsort erwähnen.

Tigermücke erkennen

Erkennungsmerkmale der Asiatischen Tigermücke

  1. Schwarz-weiße Streifenmuster

    Charakteristisch: weiße Querbänder auf den Beinen und ein deutlicher weißer Längsstreifen auf dem schwarzen Thorax (Mittelkörper).

  2. Körpergröße 5–10 mm

    Etwas kleiner als die heimische Stechmücke, aber durch die kontrastreiche Zeichnung gut erkennbar.

  3. Tagaktivität

    Wird sie tagsüber gestochen – vor allem im Schatten und in Bodennähe – kann es eine Tigermücke sein. Heimische Mücken stechen hauptsächlich abends.

  4. Meldepflicht (freiwillig)

    Sichtungen können auf mueckenschutz.info gemeldet werden – das hilft dem wissenschaftlichen Monitoring.

Schutzmaßnahmen

Effektiver Schutz vor Tigermücken

  1. 1
    Brutplätze konsequent beseitigen

    Tigermücken brüten in kleinsten Wassermengen – 2 cm reichen. Vogeltränken täglich leeren, Gießkannen umdrehen, Regentonnen abdecken, Untertassen von Blumentöpfen leeren.

  2. 2
    Repellent tagsüber anwenden

    Anders als bei heimischen Mücken reicht abendlicher Schutz nicht aus. DEET (20–30 %) oder Icaridin (20 %) tagsüber auftragen – besonders morgens und in der zweiten Tageshälfte.

  3. 3
    Kleidung als Barriere

    Lange Ärmel und Hosen aus dicht gewebtem Stoff. Mit Permethrin imprägnierte Kleidung bietet zusätzlichen Schutz – besonders bei Gartenarbeit.

  4. 4
    Fliegengitter auch tagsüber schließen

    Da die Tigermücke tagaktiv ist, reicht es nicht, abends die Fenster zu schließen. Fliegengitter dauerhaft anbringen.

Wie du Brutplätze im Garten konsequent beseitigst, erklärt der Ratgeber Mücken vorbeugen – Schutz für Garten und Wohnung. Welche Repellents und Mittel gegen Mücken im Vergleich am effektivsten sind, zeigt Mücken bekämpfen – Sprays, Fallen und Lampen im Vergleich.

Checkliste: Dein Garten gegen Tigermücken

  • Vogeltränken täglich leeren und neu füllen
  • Gießkannen nach Gebrauch umdrehen
  • Regentonnen mit engmaschigem Netz abdecken
  • Blumentopf-Untertassen wöchentlich leeren
  • Teiche mit Fischen oder Bti-Granulat behandeln
  • Spielzeug, Eimer, alte Reifen nicht im Freien stehen lassen
  • Dachrinnen auf Verstopfungen prüfen

Häufige Fragen

Ist die Tigermücke in Deutschland verbreitet?

Ja, die Tigermücke hat sich seit 2019 in Deutschland etabliert – vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Aktuelle Verbreitungskarten zeigt das Tigermücken-Monitoring des BUND und des Bernhard-Nocht-Instituts.

Kann die Tigermücke Dengue übertragen?

In Deutschland bisher nicht dokumentiert – dafür müsste die Tigermücke zuerst eine infizierte Person stechen. In tropischen Ländern ist sie Hauptüberträger von Dengue, Chikungunya und Zika. Bei Reiserückkehrern besteht theoretisch ein Risiko. Das RKI beobachtet die Lage kontinuierlich.

Wie erkenne ich eine Tigermücke?

Charakteristisch: schwarz-weiße Streifenmuster auf Körper und Beinen, ein weißer Längsstreifen auf dem Rücken, Körperlänge 5–10 mm. Sie ist kleiner und auffälliger gestreift als die heimische Stechmücke. Tagaktiv – sticht vor allem morgens und abends.

Was tun bei einem Tigermückenstich?

Wie bei normalen Mückenstichen: kühlen, nicht kratzen. Bei ungewöhnlichen Symptomen (Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen) innerhalb von 14 Tagen nach dem Stich – besonders nach Tropenreisen – sofort einen Arzt aufsuchen und auf Stich hinweisen.

Wie kann ich Tigermücken bekämpfen?

Brutplätze eliminieren: alle stehenden Gewässer beseitigen – Vogeltränken, Gießkannen, Untertassen, Regentonnen abdecken. Tigermücken brüten bereits in 2 cm Wassertiefe. Repellents mit DEET oder Icaridin schützen zuverlässig vor Stichen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen nach einem Mückenstich – insbesondere nach Reisen in tropische Länder – sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

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