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Tigermücke in Deutschland: Risiken und Schutzmaßnahmen

Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Deutschland aus. Was sie von normalen Mücken unterscheidet, welche Krankheiten sie überträgt und wie Sie sich.

Asiatische Tigermücke mit charakteristischen schwarz-weißen Streifen auf einem Blatt

Aktuelle Lage

Die Tigermücke ist in Teilen Deutschlands etabliert. Lokale Übertragungen von Dengue oder Chikungunya sind bislang nicht dokumentiert – das Risiko steigt jedoch mit der weiteren Ausbreitung. Das RKI empfiehlt Prävention und Meldung von Sichtungen.

Was ist die Asiatische Tigermücke?

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist ursprünglich in Südostasien heimisch. Sie wurde durch den weltweiten Handel – vor allem über den Import von Glücksbambuspflanzen und Gebrauchtreifenhandel – nach Europa eingeschleppt. Heute ist sie in über 30 europäischen Ländern nachgewiesen.

Im Unterschied zur heimischen Stechmücke:

  • Tagaktiv – sticht vor allem morgens und in den späten Nachmittagsstunden, nicht nur abends
  • Aggressiver – folgt dem Menschen hartnäckiger und sticht auch durch dünne Kleidung
  • Kleiner Aktionsradius – bewegt sich meist nur 150–200 m vom Brutplatz entfernt
  • Vielzahl von Wirten – sticht Menschen, Tiere und Vögel

Verbreitung in Deutschland

Die Tigermücke wurde in Deutschland erstmals 2019 als etablierte Population bestätigt (UBA, 2024). Schwerpunkte der Ausbreitung. Was das für den Alltag bedeutet und wie Sie sich und Ihre Familie schützen, erklärt der Ratgeber Mücken im Haus – was tun?.

Hauptverbreitungsgebiete in Deutschland (Stand 2025)

  1. Baden-Württemberg

    Am stärksten betroffen – Freiburg, Heidelberg, Stuttgart und der gesamte Oberrheingraben gelten als Kerngebiet der deutschen Population.

  2. Bayern

    Zunehmend etabliert, besonders in München, Augsburg und entlang der Alpentäler.

  3. Hessen & Rheinland-Pfalz

    Einzelne Populationen in städtischen Wärmeinseln (Frankfurt, Mainz, Mannheim).

  4. Nordausbreitung

    Klimawandel begünstigt die weitere Ausbreitung in Richtung Norden. Erste Funde bis NRW und Berlin dokumentiert.

Aktuelle Verbreitungskarten: Tigermücken-Monitoring auf mueckenschutz.info (BUND/BNI).

Aktuelle Ausbreitung 2024–2026 – ECDC-Daten

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlicht jährlich aktualisierte Karten zur Verbreitung der Asiatischen Tigermücke in Europa. Die Daten zeigen eine kontinuierliche Nordausdehnung.

Deutschland 2024–2026 im Detail:

  • Baden-Württemberg: Stärkste Besiedlung entlang des Oberrheingrabens von Freiburg bis Karlsruhe. Städte wie Freiburg, Heidelberg und Stuttgart gelten als dauerhaft etablierte Kernpopulationen. Die KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) bestätigt in Jahresberichten zunehmend dichtere Populationen in städtischen Wärmeinseln.
  • Bayern: Wachsende Besiedlung in Städten mit starkem Wärmeinseleffekt – München, Augsburg, Nürnberg. Entlang der Flusstäler Inn, Donau und Isar werden zunehmend neue Sichtungen gemeldet.
  • Hessen und Rheinland-Pfalz: Populationen in Städten des Rhein-Main-Gebiets (Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Mannheim) bestätigt.
  • Nordrhein-Westfalen und Berlin: Vereinzelte dokumentierte Sichtungen, bislang keine dauerhaft etablierten Populationen.

Klimatrend: Der Temperaturanstieg verlängert die aktive Saison der Tigermücke in Deutschland (UBA, 2024). Die ECDC erwartet bis 2030 eine weitere Ausbreitung in nördliche Bundesländer (ECDC, 2025). Sichtungen können auf mueckenschutz.info gemeldet werden – jede Meldung verbessert die Datenbasis für das wissenschaftliche Monitoring.

Stehendes Wasser in einem Blumentopf-Untersetzer – ideales Brutgewässer für Tigermücken
Bereits 5 ml stehendes Wasser in einem Blumentopf-Untersetzer reichen für die Eiablage der Tigermücke – alle 7 Tage leeren.

Gesundheitsrisiken

Die Tigermücke ist ein potenzieller Überträger mehrerer viraler Erkrankungen:

Krankheiten, die die Tigermücke übertragen kann

  1. 1
    Dengue-Fieber

    Häufigste durch Mücken übertragene Viruserkrankung weltweit. Symptome: hohes Fieber, starke Gliederschmerzen, Ausschlag. In Deutschland bisher keine lokale Übertragung durch Tigermücken dokumentiert.

  2. 2
    Chikungunya

    Starke Gelenkschmerzen, Fieber, Ausschlag – oft wochenlang anhaltend. 2007 erster lokaler Ausbruch in Norditalien durch Tigermücken.

  3. 3
    Zika-Virus

    Besonders gefährlich für Schwangere (Mikrozephalie). In Deutschland kein lokales Übertragungsrisiko durch Tigermücken, aber relevanter Reiserückkehrer-Erreger.

  4. 4
    West-Nil-Virus

    In Deutschland durch heimische Mücken bereits übertragen. Die Tigermücke kann ebenfalls als Vektor fungieren.

Symptome im Detail – Dengue, Chikungunya und Zika:

Wer in Endemiegebieten gestochen wurde oder in einem deutschen Tigermücken-Hotspot lebt, sollte typische Krankheitsverläufe kennen. Frühzeitig erkannte Infektionen verlaufen meist milder – verzögerte Diagnosen erhöhen das Risiko schwerer Verläufe.

Symptomvergleich: Dengue, Chikungunya und Zika

Merkmal Dengue Chikungunya Zika
Inkubationszeit 4–10 Tage 2–7 Tage 3–14 Tage
Fieberverlauf Plötzlich, hoch (über 39 °C), 5–7 Tage Plötzlich, hoch, 2–5 Tage Mäßig oder kein Fieber
Leitsymptom Starke Glieder- und Knochenschmerzen („Knochenbrecherfieber") Schwere, oft wochenlang anhaltende Gelenkschmerzen Hautausschlag, Bindehautentzündung
Hautausschlag Tag 3–4, fleckig (makulopapulös), 50–80 % der Fälle Tag 2–5, fleckig, ca. 50 % Sehr häufig, kleinfleckig, oft juckend
Warnzeichen (Notfall) Bauchschmerzen, Erbrechen, Nasen-/Zahnfleischbluten ab Tag 3–7 – sofort Klinik Sehr hohes Fieber, neurologische Symptome Schwangerschaft: jede Symptomatik abklären lassen
Schwere Verläufe Schweres Dengue („Dengue Hemorrhagic Fever"), ca. 1 % der Fälle Chronische Gelenkschmerzen über Monate, ca. 10–20 % Mikrozephalie bei Ungeborenen (intrauterine Infektion)
Besondere Risikogruppe Zweitinfektion mit anderem Serotyp (vier Serotypen) Ältere Menschen, Vorerkrankungen der Gelenke Schwangere – Übertragung auf Fötus möglich
Therapie Symptomatisch – kein Aspirin/Ibuprofen wegen Blutungsrisiko Symptomatisch – Paracetamol, Ruhe Symptomatisch, Schwangere engmaschige Kontrolle

Wann zum Arzt – die 14-Tage-Regel: Treten innerhalb von 14 Tagen nach einem Mückenstich Fieber, Hautausschlag, starke Gelenk- oder Kopfschmerzen auf, sollte dies ärztlich abgeklärt werden – insbesondere nach Aufenthalt in Endemiegebieten (Südostasien, Karibik, Mittel- und Südamerika, Subsahara-Afrika, Teile Südeuropas). Wichtig: dem Arzt aktiv den Mückenstich, das Reiseland und den Reisezeitraum mitteilen. Eine Bluttest-Diagnostik auf Arboviren ist in Deutschland nur möglich, wenn der Verdacht explizit geäußert wird (RKI, 2026).

Besondere Vorsicht bei Schwangerschaft: Das Auswärtige Amt und das RKI raten Schwangeren grundsätzlich von Reisen in Zika-Endemiegebiete ab. Auch bei einem Aufenthalt in europäischen Regionen mit aktiven Tigermücken-Populationen sollten Schwangere konsequent Repellents anwenden und lange Kleidung tragen. Bei jeder fieberhaften Erkrankung nach Aufenthalt in Risikogebieten ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.

Eine weitere durch Mücken übertragene Erkrankung, die in Deutschland seit 2018 dokumentiert ist und nicht primär mit der Tigermücke zusammenhängt, ist das West-Nil-Virus. Eine ausführliche Darstellung der aktuellen Lage in Deutschland findet sich im Ratgeber West-Nil-Virus in Deutschland – Risikogebiete, Symptome, Schutz.

Bei Fieber, Ausschlag oder Gelenkschmerzen innerhalb von 14 Tagen nach einem Mückenstich – besonders nach Tropenreisen – sofort einen Arzt aufsuchen. Den Stich und den Aufenthaltsort erwähnen. Bei Verdacht auf Dengue keine Selbstmedikation mit Aspirin oder Ibuprofen (Blutungsrisiko).

Tigermücke erkennen

Erkennungsmerkmale der Asiatischen Tigermücke

  1. Schwarz-weiße Streifenmuster

    Charakteristisch: weiße Querbänder auf den Beinen und ein deutlicher weißer Längsstreifen auf dem schwarzen Thorax (Mittelkörper).

  2. Körpergröße 5–10 mm

    Etwas kleiner als die heimische Stechmücke, aber durch die kontrastreiche Zeichnung gut erkennbar.

  3. Tagaktivität

    Wird sie tagsüber gestochen – vor allem im Schatten und in Bodennähe – kann es eine Tigermücke sein. Heimische Mücken stechen hauptsächlich abends.

  4. Meldepflicht (freiwillig)

    Sichtungen können auf mueckenschutz.info gemeldet werden – das hilft dem wissenschaftlichen Monitoring.

Tigermücke vs. Hausmücke vs. Malariamücke – die drei wichtigsten Arten in Deutschland

Merkmal Tigermücke (Aedes albopictus) Hausmücke (Culex pipiens) Malariamücke (Anopheles)
Körpergröße 5–10 mm 3–7 mm 6–10 mm
Aussehen / Streifen Schwarz-weiß gestreift, weißer Längsstreifen auf Thorax Einfarbig braun/graubraun, kein Muster Schlank, lange Beine, dunkle Flecken auf den Flügeln
Sitzhaltung Parallel zur Oberfläche Parallel zur Oberfläche Hinterleib schräg nach oben (charakteristisch)
Aktivität (Tag/Nacht) Tagaktiv – morgens und nachmittags Dämmerungs- und nachtaktiv Dämmerungs- und nachtaktiv
Stechverhalten Aggressiv, hartnäckig, sticht durch dünne Kleidung Normal – einmal und zurückziehen Lautlos, oft unbemerkt
Krankheitsüberträger Dengue, Chikungunya, Zika, West-Nil (potenziell) West-Nil-Virus (in DE dokumentiert), Vogelmalaria Malaria (in DE aktuell nicht endemisch), historisch heimisch
Lebensraum Städtische Wärmeinseln, Hausgärten, Friedhöfe Überall – Stadt, Land, Wohnung, Keller Feuchtgebiete, Auen, Sümpfe
Brutgewässer Kleinstwasser ab 2 cm – Behälter, Untertassen, Reifen Stehende Gewässer, Regentonnen, Pfützen, Dachrinnen Größere Gewässer, Sümpfe, Tümpel, Reisfelder
Aktionsradius Nur 150–200 m vom Brutplatz 1–3 km vom Brutplatz Bis zu mehreren Kilometern
Verbreitung in Deutschland Etabliert seit 2019: Oberrhein, BW, Bayern, RLP, Hessen Ubiquitär in ganz Deutschland Heimisch, vor allem in feuchten Niederungen

Schutzmaßnahmen

Effektiver Schutz vor Tigermücken

  1. 1
    Brutplätze konsequent beseitigen

    Tigermücken brüten in kleinsten Wassermengen – 2 cm reichen. Vogeltränken täglich leeren, Gießkannen umdrehen, Regentonnen abdecken, Untertassen von Blumentöpfen leeren.

  2. 2
    Repellent tagsüber anwenden

    Anders als bei heimischen Mücken reicht abendlicher Schutz nicht aus. DEET (20–30 %) oder Icaridin (20 %) tagsüber auftragen – besonders morgens und in der zweiten Tageshälfte.

  3. 3
    Kleidung als Barriere

    Lange Ärmel und Hosen aus dicht gewebtem Stoff. Mit Permethrin imprägnierte Kleidung bietet zusätzlichen Schutz – besonders bei Gartenarbeit.

  4. 4
    Fliegengitter auch tagsüber schließen

    Da die Tigermücke tagaktiv ist, reicht es nicht, abends die Fenster zu schließen. Fliegengitter dauerhaft anbringen.

Wie Sie Brutplätze im Garten konsequent beseitigen, erklärt der Ratgeber Mücken vorbeugen – Schutz für Garten und Wohnung. Welche Repellents und Mittel gegen Mücken im Vergleich am effektivsten sind, zeigt Mücken bekämpfen – Sprays, Fallen und Lampen im Vergleich.

Checkliste: Ihr Garten gegen Tigermücken

  • Vogeltränken täglich leeren und neu füllen
  • Gießkannen nach Gebrauch umdrehen
  • Regentonnen mit engmaschigem Netz abdecken
  • Blumentopf-Untertassen wöchentlich leeren
  • Teiche mit Fischen oder Bti-Granulat behandeln
  • Spielzeug, Eimer, alte Reifen nicht im Freien stehen lassen
  • Dachrinnen auf Verstopfungen prüfen
Tigermücke-Biss vs. Stechmücken-Biss – Vergleich der Rötung auf menschlicher Haut
Tigermückenstiche bilden oft ausgeprägtere, intensiver juckende Quaddeln als die gemeine Stechmücke – und treten auch tagsüber auf.

Aedes-Brutstätten beseitigen – der Bürger-Beitrag

Die Asiatische Tigermücke unterscheidet sich von heimischen Stechmücken durch einen entscheidenden ökologischen Punkt: Sie brütet nicht in Teichen oder Seen, sondern in kleinsten Wasseransammlungen im urbanen Raum. Damit verschiebt sich die Bekämpfung von kommunaler Verantwortung zu individueller Eigenverantwortung jedes Grundstücksbesitzers. Wer in einem Hotspot-Gebiet wohnt, kann durch wöchentliche Routine-Kontrollen die Vermehrung wirksam unterbrechen.

Warum die 7-Tage-Regel entscheidend ist: Aedes-Eier reifen unter sommerlichen Temperaturen in etwa 7–10 Tagen zur fertigen Mücke heran. Wer alle Wasserbehälter im 7-Tage-Rhythmus leert, durchbricht den Entwicklungszyklus, bevor Larven schlüpfen können (UBA-Empfehlung). Die Eier selbst sind extrem widerstandsfähig – sie überleben Trockenheit über Monate und schlüpfen, sobald wieder Wasser vorhanden ist. Reines Wegkippen reicht; die Behälter müssen jedoch tatsächlich austrocknen, damit auch anhaftende Eier zerstört werden.

Wöchentliche Brutplatz-Kontrolle – die wichtigsten Punkte

  1. Regentonnen mit engmaschigem Netz abdecken

    Maschenweite max. 1 mm. Tigermücken legen Eier auch durch grobe Gitter ab. Wer ohne Abdeckung sammelt, sollte das Wasser im 7-Tage-Rhythmus komplett entnehmen.

  2. Blumentopf-Untertassen wöchentlich leeren

    Klassischer Brutplatz Nummer 1. Nach dem Gießen Untertassen ausschütten oder ganz weglassen – bereits 5 mm Wasserstand reichen für die Eiablage.

  3. Vogeltränken alle 5–7 Tage spülen

    Wasser komplett ausschütten, Schale mit Bürste reinigen (Eier kleben am Rand), frisch befüllen. Im Hochsommer besser alle 5 Tage.

  4. Verstopfte Dachrinnen freiräumen

    Laub und Moos halten Wasser über Wochen. Jährliche Reinigung im Frühjahr und Herbst – in Hotspot-Regionen zusätzlich nach starkem Laubfall.

  5. Alte Reifen, Eimer, Spielzeug entfernen

    Lagerung im Freien nur kopfüber oder unter Dach. Alte Reifen waren historisch der Haupt-Eintragsweg von Tigermücken nach Europa.

  6. Gießkannen, Eimer und Kinderplanschbecken nach Gebrauch entleeren

    Umdrehen, nicht stehen lassen. Planschbecken nach jedem Bad ausschütten – ein Wochenende ungenutzt reicht zur Eiablage.

  7. Friedhofsvasen, Brunnenschalen, Pflanzen-Zwischenuntersätze

    Auf Friedhöfen koordinierte Pflege wichtig – Vasen mit Sand statt Wasser füllen ist die einfachste Lösung.

  8. Versteckte Wasseransammlungen suchen

    Markisen-Falten, umgedrehte Frisbees, Plastikplanen, Schubkarren, Kellerschächte mit Pumpensumpf. Einmal pro Saison systematisch das Grundstück durchgehen.

Wassermenge: 2 cm reichen. Die häufigste Fehleinschätzung lautet, dass Tigermücken größere Wasserstellen benötigen. Tatsächlich genügen bereits 2 cm Wassertiefe und ein Volumen ab etwa 50 ml – damit kommen praktisch alle im Garten oder auf Balkonen anzutreffenden Gefäße als Brutplatz in Frage. Wer wirksam vorbeugen will, sollte alle stehenden Wasseransammlungen auf dem Grundstück beseitigen, nicht nur „die offensichtlichen”.

Nachbarschaftseffekt – warum allein nicht reicht: Mit einem Aktionsradius von nur 150–200 m bleiben Tigermücken auf engem Raum. Ist ein einziges Grundstück in der Straße ein Brutherd, profitiert die gesamte Nachbarschaft von dessen Bewohnern als Stichquelle. In stark betroffenen Gebieten (Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Frankfurt) lohnt sich daher die Abstimmung mit Nachbarn – das Gesundheitsamt unterstützt mit Informationsmaterial.

Ovitrap-Monitoring – wie Wissenschaftler Tigermücken überwachen

Die wissenschaftliche Überwachung der Tigermücken-Ausbreitung in Deutschland basiert auf zwei Säulen: professionellen Ovitrap-Fallen der Gesundheitsämter und Citizen Science durch Bürgermeldungen. Beide Datenquellen ergänzen sich – das eine liefert systematische Stichprobendaten, das andere großflächige Frühwarnsignale.

Was ist eine Ovitrap? Eine Ovitrap (von lateinisch ovum = Ei) ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Überwachungsinstrument: ein schwarzer Plastikbehälter (meist 0,5 Liter) wird zur Hälfte mit Wasser gefüllt und mit einem rauen Holzspatel oder einem speziellen Papierstreifen versehen, der bis ins Wasser ragt. Die dunkle Farbe und das stehende Wasser locken weibliche Aedes-Mücken zur Eiablage an. Die Eier werden am feuchten Holz oberhalb der Wasserlinie abgelegt. Nach einer Standzeit von ein bis zwei Wochen sammelt das Gesundheitsamt die Spatel ein und untersucht sie mikroskopisch auf Aedes-Eier.

Wie Ovitraps positioniert werden: In Hotspot-Regionen wie dem Oberrheingraben werden Ovitraps systematisch in einem Gitterraster über Stadtteile verteilt – typischerweise eine Falle pro 250 × 250 Meter. Vorzugsweise an schattigen, vegetationsnahen Standorten: Hauseingänge, Friedhöfe, Spielplätze, Parkplätze. So entsteht über die Saison (Mai bis Oktober) eine räumliche Karte der Eiablage-Intensität. Neue Hotspots können binnen weniger Wochen identifiziert und durch gezielte Bti-Behandlung eingedämmt werden, bevor sich eine etablierte Population aufbaut.

Citizen Science: Wie Bürger das Monitoring unterstützen können

  1. 1
    Verdächtige Mücke fotografieren

    Möglichst von oben, mit Linealmaß oder Münze als Größenreferenz. Wichtig: die Streifen auf Beinen und Thorax müssen erkennbar sein.

  2. 2
    Tier vorsichtig fangen (optional)

    Mit einem Glas abdecken, kurz in den Tiefkühler stellen zur Betäubung, in ein verschlossenes Röhrchen geben. Lebende Exemplare lassen sich am sichersten bestimmen.

  3. 3
    Online melden – Mückenatlas

    Die Plattform mueckenatlas.com des ZALF (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) und Friedrich-Loeffler-Instituts nimmt eingesendete Mücken zur kostenlosen Bestimmung entgegen. Adresse und Versandinformationen auf der Website.

  4. 4
    Sichtung auf mueckenschutz.info melden

    BUND und Bernhard-Nocht-Institut betreiben eine zweite Plattform für reine Sichtungsmeldungen mit Foto. Schneller, aber ohne taxonomische Verifizierung.

  5. 5
    Rückmeldung abwarten

    Wissenschaftler bestätigen die Art per E-Mail. Bei positivem Tigermücken-Nachweis informiert das System ggf. das zuständige Gesundheitsamt zur Vor-Ort-Kontrolle.

Warum Bürgermeldungen wertvoll sind: Wissenschaftliche Ovitrap-Netze decken aus Kapazitätsgründen nur die bekannten Risikogebiete ab. Neue Einschleppungen – etwa entlang von Autobahnraststätten, Logistikzentren oder Häfen – werden meist zuerst von aufmerksamen Bürgern bemerkt. Die langjährige Mückenatlas-Datenbasis hat mehrfach neue Etablierungsgebiete in Deutschland erstmals dokumentiert, lange bevor systematisches Monitoring nachzog (Mückenatlas, ZALF/FLI). Jede einzelne Meldung verbessert die Datenbasis.

Was nach einer Meldung passiert: Bei einem bestätigten Tigermücken-Fund informieren die wissenschaftlichen Plattformen routinemäßig das zuständige Gesundheitsamt. In etablierten Hotspot-Regionen folgt eine Vor-Ort-Kontrolle, gegebenenfalls ergänzt um lokale Bti-Behandlung und Bürgerinformation der Nachbarschaft. Datenschutzrechtlich werden Adressdaten nur an Behörden weitergegeben, nicht öffentlich publiziert.

Kommunale Bekämpfungsprogramme – was Gemeinden tun

In stark betroffenen Regionen koordinieren Kommunen und Landkreise aktive Bekämpfungsprogramme. Die Methoden basieren fast ausschließlich auf biologischen Wirkstoffen, um Nichtzielorganismen zu schonen.

Bti-Flächenausbringung: In überschwemmungsgefährdeten Gebieten und Auwiesen wird Bti-Granulat (Bacillus thuringiensis israelensis) aus Hubschraubern oder Booten ausgebracht. Die KABS, die im Oberrheingraben seit Jahrzehnten gegen Flussschnaken kämpft, hat diese Methode auf Tigermücken-Hotspots ausgeweitet.

Ovitrap-Monitoring: Gesundheitsämter installieren in betroffenen Stadtteilen spezielle Eierfallen (Ovitrap-Fallen), die Tigermücken-Eier nachweisen. So können neue Besiedlungszentren früh erkannt und durch gezielte lokale Bti-Behandlung eingedämmt werden.

Bürgerinformation: Gemeinden in Baden-Württemberg und Bayern informieren aktiv über Brutplatzelimination. Die Tigermücke benötigt so geringe Wassermengen, dass die Eigenverantwortung der Einwohner effektiver ist als jede kommunale Maßnahme allein.

Was Sie konkret tun können:

  • Eigenes Grundstück konsequent von stehenden Wassermengen freihalten (auch kleine Mengen ab 2 cm reichen zur Brut)
  • Sichtungen unter mueckenschutz.info melden
  • Nachbarn informieren – die Tigermücke hat einen sehr kleinen Aktionsradius von nur 150–200 m, daher ist die Nachbarschaft direkt betroffen
  • Bei lokalen Bekämpfungsaktionen des Gesundheitsamts mitmachen

Weitere Informationen zur effektiven Mückenbekämpfung mit Repellents und Fallen: Mücken bekämpfen – Sprays, Fallen und Lampen im Vergleich.

Dengue in Europa: Erste lokale Ausbrüche durch Tigermücken

Was lange nur als theoretisches Risiko galt, ist in Europa Realität geworden: Das ECDC dokumentiert seit 2007 erste lokale Dengue- und Chikungunya-Übertragungen durch die Asiatische Tigermücke in Südeuropa – mit zunehmender Häufigkeit (ECDC, 2025).

Dokumentierte lokale Ausbrüche:

  • Italien (2007): Erster bestätigter lokaler Chikungunya-Ausbruch in Europa durch Aedes albopictus in der Emilia-Romagna. Über 200 Fälle – Startschuss für das europäische Tigermücken-Monitoring
  • Frankreich (2010–2024): Jährliche lokale Dengue-Cluster in Südfrankreich (Var, Bouches-du-Rhône). 2022: über 60 lokale Dengue-Fälle ohne Auslandsreise
  • Italien (2023): Über 80 bestätigte lokale Dengue-Fälle, vor allem in Norditalien und Latium
  • Kroatien und Spanien (2023/2024): Erste dokumentierte lokale Dengue-Fälle

Was das für Deutschland bedeutet: Deutschland liegt klimatisch nördlicher als die bisherigen Ausbruchsgebiete. Das ECDC stuft das Risiko lokaler Übertragungen in Deutschland für die nächsten 10–15 Jahre aber als „zunehmend” ein – abhängig von der weiteren Nordausbreitung der Tigermücke und der Häufigkeit von Reiserückkehrern aus Dengue-Endemiegebieten.

Reiserückkehrer und Dengue in Deutschland: Das RKI registriert jährlich 800–1.500 importierte Dengue-Fälle (RKI, 2026). Jeder Erkrankte ist während der virämischen Phase eine potenzielle Infektionsquelle, falls er von einer heimischen Tigermücke gestochen wird. Das macht Tigermücken-Monitoring zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe – Sichtungen auf mueckenschutz.info melden hilft, die Datenbasis zu verbessern.

Häufige Fragen

Ist die Tigermücke in Deutschland verbreitet?

Ja, die Tigermücke hat sich seit 2019 in Deutschland etabliert – vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Aktuelle Verbreitungskarten zeigt das Tigermücken-Monitoring des BUND und des Bernhard-Nocht-Instituts.

Kann die Tigermücke Dengue übertragen?

In Deutschland bisher nicht dokumentiert – dafür müsste die Tigermücke zuerst eine infizierte Person stechen. In tropischen Ländern ist sie Hauptüberträger von Dengue, Chikungunya und Zika. Bei Reiserückkehrern besteht theoretisch ein Risiko. Das RKI beobachtet die Lage kontinuierlich.

Wie erkenne ich eine Tigermücke?

Charakteristisch: schwarz-weiße Streifenmuster auf Körper und Beinen, ein weißer Längsstreifen auf dem Rücken, Körperlänge 5–10 mm. Sie ist kleiner und auffälliger gestreift als die heimische Stechmücke. Tagaktiv – sticht vor allem morgens und abends.

Was tun bei einem Tigermückenstich?

Wie bei normalen Mückenstichen: kühlen, nicht kratzen. Bei ungewöhnlichen Symptomen (Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen) innerhalb von 14 Tagen nach dem Stich – besonders nach Tropenreisen – sofort einen Arzt aufsuchen und auf Stich hinweisen.

Wie kann ich Tigermücken bekämpfen?

Brutplätze eliminieren: alle stehenden Gewässer beseitigen – Vogeltränken, Gießkannen, Untertassen, Regentonnen abdecken. Tigermücken brüten bereits in 2 cm Wassertiefe. Repellents mit DEET oder Icaridin schützen zuverlässig vor Stichen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen nach einem Mückenstich – insbesondere nach Reisen in tropische Länder – sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

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