Tigermücke in Deutschland: Risiken und Schutzmaßnahmen
Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Deutschland aus. Warum sie tagsüber sticht, was sie von heimischen Mücken unterscheidet, welche Krankheiten sie überträgt und wie Sie sich schützen.
Kurz gesagt: Die Asiatische Tigermücke ist nicht nur in der Dämmerung, sondern auch tagsüber aktiv – also genau dann, wenn klassischer Abendschutz nicht greift. Erkennbar ist sie an der schwarz-weißen Musterung von Hinterleib und Hinterbeinen und an einer weißen Linie vom Hinterkopf bis zum Flügelansatz. Sie gilt in Deutschland als etabliert, mit Schwerpunkt im Südwesten; eine Übertragung von Dengue, Chikungunya oder Zika durch Tigermücken wurde in Deutschland laut RKI bislang nicht festgestellt. Wirksam sind: alle kleinen Wasseransammlungen beseitigen, tagsüber Repellent und Fliegengitter, die auch am Tag geschlossen bleiben.
Inhalt · 11 Abschnitte
Aktuelle Lage
Die Tigermücke ist in Teilen Deutschlands etabliert. Lokale Übertragungen von Dengue oder Chikungunya sind bislang nicht dokumentiert – das Risiko steigt jedoch mit der weiteren Ausbreitung. Verdächtige Mücken können zur Bestimmung an den Mückenatlas geschickt werden.
Was ist die Asiatische Tigermücke?
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist ursprünglich in Südostasien heimisch. Sie wurde durch den weltweiten Handel – vor allem über den Import von Glücksbambuspflanzen und Gebrauchtreifenhandel – nach Europa eingeschleppt. Laut Umweltbundesamt ist sie heute in fast 30 europäischen Ländern nachgewiesen und in über 20 etabliert, darunter Deutschland.
Im Unterschied zur heimischen Stechmücke:
- Auch tagaktiv – sticht nicht nur in der Abenddämmerung, sondern auch tagsüber
- Aggressiver – folgt dem Menschen hartnäckiger und sticht auch durch dünne Kleidung
- Kleiner Aktionsradius – entfernt sich meist nur wenige hundert Meter vom Brutplatz
- Vielzahl von Wirten – sticht Menschen, Tiere und Vögel
Verbreitung in Deutschland
Die Tigermücke gilt in Deutschland laut Umweltbundesamt inzwischen als etabliert; der Schwerpunkt liegt im Südwesten. Was das für den Alltag bedeutet und wie Sie sich und Ihre Familie schützen, erklärt der Ratgeber Mücken im Haus – was tun?.
Hauptverbreitungsgebiete in Deutschland (Stand 2025)
- ✓ Südwesten
Schwerpunkt der Ausbreitung ist Baden-Württemberg mit dem Oberrheingraben; dort gibt es seit Jahren überwinternde Populationen in mehreren Städten.
- ✓ Weitere Bundesländer
Auch in anderen Bundesländern, vor allem in städtischen Wärmeinseln, werden Populationen nachgewiesen – die Lage ändert sich von Jahr zu Jahr.
- ✓ Einschleppung
Neue Vorkommen entstehen oft entlang von Verkehrs- und Warenwegen, etwa an Autobahnrastplätzen und Umschlagplätzen.
- ✓ Aktuelle Karten
Den Stand in Europa zeigt die ECDC-Karte (April 2026), Funde in Deutschland sammelt der Mückenatlas.
Aktuelle Verbreitungskarten: die ECDC-Karte zu Aedes albopictus (Stand April 2026) und der Mückenatlas von ZALF und Friedrich-Loeffler-Institut.
Aktuelle Ausbreitung 2024–2026 – ECDC-Daten
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Karten zur Verbreitung der Asiatischen Tigermücke in Europa. Sie zeigen eine fortschreitende Ausbreitung – das RKI spricht im Epidemiologischen Bulletin 25/2026 davon, dass sich die Tigermücke in Deutschland „immer weiter“ ausbreitet.
Deutschland 2024–2026 im Detail:
- Baden-Württemberg: Stärkste Besiedlung, vor allem entlang des Oberrheingrabens. Die KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) bekämpft dort Tigermücken-Vorkommen in Städten.
- Andere Bundesländer: Nachweise vor allem in Städten mit starkem Wärmeinseleffekt; wo genau, zeigen die Karten von ECDC und Mückenatlas.
- Risiko: Trotz der Ausbreitung schätzt das Umweltbundesamt das Risiko einer Infektion mit tropischen Erregern in Deutschland derzeit als gering ein.
- Meldungen: Verdächtige Mücken können an den Mückenatlas geschickt werden – so werden neue Vorkommen früh erkannt.
Klimatrend: Wärmere Sommer und mildere Winter begünstigen die Tigermücke; ihre Eier sind gegen Austrocknung resistent und können eine Ruhepause (Diapause) einlegen. Funde nimmt der Mückenatlas von ZALF und Friedrich-Loeffler-Institut entgegen – jede Einsendung verbessert die Datenbasis.
Gesundheitsrisiken
Die Tigermücke ist ein potenzieller Überträger mehrerer viraler Erkrankungen:
Krankheiten, die die Tigermücke übertragen kann
- 1 Dengue-Fieber
Häufigste durch Mücken übertragene Viruserkrankung weltweit. Symptome: hohes Fieber, starke Gliederschmerzen, Ausschlag. In Deutschland bisher keine lokale Übertragung durch Tigermücken dokumentiert.
- 2 Chikungunya
Starke Gelenkschmerzen, Fieber, Ausschlag – oft wochenlang anhaltend. 2007 erster lokaler Ausbruch in Norditalien durch Tigermücken.
- 3 Zika-Virus
Besonders gefährlich für Schwangere (Mikrozephalie). In Deutschland kein lokales Übertragungsrisiko durch Tigermücken, aber relevanter Reiserückkehrer-Erreger.
- 4 West-Nil-Virus
In Deutschland seit 2019 jedes Jahr durch heimische Culex-Mücken auf Menschen übertragen. Die Tigermücke gilt ebenfalls als möglicher Vektor.
Wenn Sie Malaria ohne Auslandsreise einordnen möchten: Der Artikel Flughafenmalaria in Frankfurt erklärt, warum Malaria in Deutschland nicht durch etablierte Tigermücken-Zyklen entsteht, sondern nur sehr selten durch eingeschleppte Anopheles-Mücken am Flughafen.
Symptome im Detail – Dengue, Chikungunya und Zika:
Wer in Endemiegebieten gestochen wurde oder in einem deutschen Tigermücken-Hotspot lebt, sollte typische Krankheitsverläufe kennen. Frühzeitig erkannte Infektionen verlaufen meist milder – verzögerte Diagnosen erhöhen das Risiko schwerer Verläufe.
Symptomvergleich: Dengue, Chikungunya und Zika
| Merkmal | Dengue | Chikungunya | Zika |
|---|---|---|---|
| Inkubationszeit | 3–14 Tage, meist 4–7 | meist 3–7 Tage | 3–12 Tage |
| Fieberverlauf | Plötzlich, hoch (über 39 °C), 5–7 Tage | Plötzlich, hoch, 2–5 Tage | Mäßig oder kein Fieber |
| Leitsymptom | Starke Glieder- und Knochenschmerzen („Knochenbrecherfieber") | Schwere, oft wochenlang anhaltende Gelenkschmerzen | Hautausschlag, Bindehautentzündung |
| Hautausschlag | Häufig, fleckig (makulopapulös) | Häufig, fleckig | Sehr häufig, kleinfleckig, oft juckend |
| Warnzeichen (Notfall) | Bauchschmerzen, Erbrechen, Nasen-/Zahnfleischbluten ab Tag 3–7 – sofort Klinik | Sehr hohes Fieber, neurologische Symptome | Schwangerschaft: jede Symptomatik abklären lassen |
| Schwere Verläufe | Schweres Dengue mit Blutungen oder Schock – selten, häufiger bei Zweitinfektion | Gelenkschmerzen können über Monate anhalten | Fehlbildungen (Mikrozephalie) bei Infektion in der Schwangerschaft |
| Besondere Risikogruppe | Zweitinfektion mit anderem Serotyp (vier Serotypen) | Ältere Menschen, Vorerkrankungen der Gelenke | Schwangere – Übertragung auf Fötus möglich |
| Therapie | Symptomatisch – kein Aspirin/Ibuprofen wegen Blutungsrisiko | Symptomatisch – Paracetamol, Ruhe | Symptomatisch, Schwangere engmaschige Kontrolle |
Wann zum Arzt – die 14-Tage-Regel: Treten innerhalb von 14 Tagen nach einem Mückenstich Fieber, Hautausschlag, starke Gelenk- oder Kopfschmerzen auf, sollte dies ärztlich abgeklärt werden – insbesondere nach Aufenthalt in Endemiegebieten (Südostasien, Karibik, Mittel- und Südamerika, Subsahara-Afrika, Teile Südeuropas). Wichtig: dem Arzt aktiv den Mückenstich, das Reiseland und den Reisezeitraum mitteilen. Auf diese Viren wird nur gezielt getestet – ohne Hinweis auf Reise und Stich denkt in der Praxis kaum jemand daran.
Besondere Vorsicht bei Schwangerschaft: Das Auswärtige Amt und das RKI raten Schwangeren grundsätzlich von Reisen in Zika-Endemiegebiete ab. Auch bei einem Aufenthalt in europäischen Regionen mit aktiven Tigermücken-Populationen sollten Schwangere konsequent Repellents anwenden und lange Kleidung tragen. Bei jeder fieberhaften Erkrankung nach Aufenthalt in Risikogebieten ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.
Eine weitere durch Mücken übertragene Erkrankung, die in Deutschland seit 2018 bei Vögeln und Pferden und seit 2019 bei Menschen dokumentiert ist und nicht primär mit der Tigermücke zusammenhängt, ist das West-Nil-Virus. Eine ausführliche Darstellung der aktuellen Lage in Deutschland findet sich im Ratgeber West-Nil-Virus in Deutschland – Risikogebiete, Symptome, Schutz.
Bei Fieber, Ausschlag oder Gelenkschmerzen innerhalb von 14 Tagen nach einem Mückenstich – besonders nach Tropenreisen – sofort einen Arzt aufsuchen. Den Stich und den Aufenthaltsort erwähnen. Bei Verdacht auf Dengue keine Selbstmedikation mit Aspirin oder Ibuprofen (Blutungsrisiko).
Ob ein Virus in einer Region überhaupt zirkuliert, zeigt sich meist zuerst an den Vögeln – beim West-Nil-Virus ist das Vogelsterben das etablierte Frühwarnsystem: West-Nil-Virus bei Vögeln.
Das zweite Virus, das über Mücken hierhergekommen ist, hat einen anderen Überträger und eine andere Geografie: West-Nil zirkuliert in Deutschland über heimische Culex-Mücken und konzentriert sich bislang auf den Osten. Wie die Lage in Berlin aussieht, steht in West-Nil-Virus in Berlin.
Tigermücke erkennen
Erkennungsmerkmale der Asiatischen Tigermücke
- ✓ Schwarz-weiße Musterung
Vor allem Hinterleib und Hinterbeine sind schwarz-weiß gemustert; eine weiße Linie zieht vom Hinterkopf bis zum Flügelansatz. Die Flügel sind durchsichtig ohne Muster.
- ✓ Selten größer als 9 mm
Relativ klein. Verwechselt wird sie oft mit der Ringelschnake – die hat ebenfalls gestreifte Beine, aber keine Zeichnung auf der Brust und ist mit 10–13 mm deutlich größer.
- ✓ Tagaktivität
Werden Sie tagsüber gestochen – vor allem im Schatten und in Bodennähe – kann es eine Tigermücke sein. Heimische Mücken stechen hauptsächlich abends.
- ✓ Fund melden
Verdächtige Mücken können an den Mückenatlas von ZALF und Friedrich-Loeffler-Institut geschickt werden.
Tigermücke vs. Hausmücke vs. Malariamücke – die drei wichtigsten Arten in Deutschland
| Merkmal | Tigermücke (Aedes albopictus) | Hausmücke (Culex pipiens) | Malariamücke (Anopheles) |
|---|---|---|---|
| Körpergröße | Selten über 9 mm | Etwa 6–10 mm inkl. Rüssel | 6–10 mm |
| Aussehen / Streifen | Schwarz-weiß gestreift, weißer Längsstreifen auf Thorax | Einfarbig braun/graubraun, kein Muster | Schlank, lange Beine, dunkle Flecken auf den Flügeln |
| Sitzhaltung | Parallel zur Oberfläche | Parallel zur Oberfläche | Hinterleib schräg nach oben (charakteristisch) |
| Aktivität (Tag/Nacht) | Dämmerung und tagsüber | Dämmerungs- und nachtaktiv | Dämmerungs- und nachtaktiv |
| Stechverhalten | Aggressiv, hartnäckig, sticht durch dünne Kleidung | Normal – einmal und zurückziehen | Lautlos, oft unbemerkt |
| Krankheitsüberträger | Dengue, Chikungunya, Zika, West-Nil (potenziell) | West-Nil-Virus (in DE dokumentiert), Vogelmalaria | Malaria (in DE aktuell nicht endemisch), historisch heimisch |
| Lebensraum | Städtische Wärmeinseln, Hausgärten, Friedhöfe | Überall – Stadt, Land, Wohnung, Keller | Feuchtgebiete, Auen, Sümpfe |
| Brutgewässer | Kleinste Wasseransammlungen in Behältern – Untersetzer, Vasen, Regentonnen, Reifen, Astlöcher | Stehende Gewässer, Regentonnen, Pfützen, Dachrinnen | Größere Gewässer, Sümpfe, Tümpel |
| Aktionsradius | Klein – meist nur wenige hundert Meter vom Brutplatz | Größer als bei der Tigermücke | Größer als bei der Tigermücke |
| Verbreitung in Deutschland | Etabliert, Schwerpunkt Südwesten | Ubiquitär in ganz Deutschland | Heimisch, vor allem in feuchten Niederungen |
Schutzmaßnahmen
Effektiver Schutz vor Tigermücken
- 1 Brutplätze konsequent beseitigen
„Kein Wasser, keine Vermehrung“: Eimer, Gießkannen und Untersetzer leeren, Regentonnen dicht abdecken, Vogeltränken mindestens einmal pro Woche restlos leeren und gründlich reinigen.
- 2 Repellent tagsüber anwenden
Anders als bei heimischen Mücken reicht abendlicher Schutz nicht aus. Unbedeckte Haut mit einem Repellent (z. B. DEET oder Icaridin) behandeln – auch tagsüber.
- 3 Kleidung als Barriere
Helle, weite Kleidung – Stechmücken fliegen bevorzugt dunkle Farben an. Bei umfangreichen Outdoor-Aktivitäten bietet mit Repellent behandelte Kleidung zusätzlichen Schutz.
- 4 Fliegengitter auch tagsüber schließen
Da die Tigermücke tagaktiv ist, reicht es nicht, abends die Fenster zu schließen. Fliegengitter dauerhaft anbringen.
Wie Sie Brutplätze im Garten konsequent beseitigen, erklärt der Ratgeber Mücken vorbeugen – Schutz für Garten und Wohnung. Welche Repellents und Mittel gegen Mücken im Vergleich am effektivsten sind, zeigt Mücken bekämpfen – Sprays, Fallen und Lampen im Vergleich.
Checkliste: Ihr Garten gegen Tigermücken
- Vogeltränken mindestens einmal pro Woche restlos leeren und gründlich reinigen
- Gießkannen nach Gebrauch umdrehen
- Regentonnen dicht abdecken
- Blumentopf-Untertassen wöchentlich leeren
- Gefäße umdrehen, mit Abläufen versehen oder mit Sand oder Kies füllen
- Spielzeug, Eimer, alte Reifen nicht im Freien stehen lassen
- Dachrinnen auf Verstopfungen prüfen
Aedes-Brutstätten beseitigen – der Bürger-Beitrag
Die Asiatische Tigermücke unterscheidet sich von heimischen Stechmücken durch einen entscheidenden ökologischen Punkt: Sie brütet nicht in Teichen oder Seen, sondern in kleinsten Wasseransammlungen im urbanen Raum. Damit hängt viel an der Eigenverantwortung jedes Grundstücksbesitzers. Wer in einem Hotspot-Gebiet wohnt, kann durch wöchentliche Routine-Kontrollen die Vermehrung wirksam unterbrechen.
Warum die Wochen-Regel entscheidend ist: Die Tigermücke legt ihre schwarzen, gegen Austrocknung resistenten Eier dicht oberhalb kleiner Wasseransammlungen ab. Werden sie überflutet, schlüpfen die Larven; Larven- und Puppenentwicklung dauern je nach Bedingungen etwa 7 bis 20 Tage. Das Umweltbundesamt rät deshalb, Wasserbehälter wie Vogeltränken mindestens einmal pro Woche restlos zu entleeren und gründlich zu reinigen – denn die Eier haften am Rand und überstehen das bloße Ausgießen.
Wöchentliche Brutplatz-Kontrolle – die wichtigsten Punkte
- ✓ Regentonnen dicht abdecken
Deckel oder engmaschiges Netz ohne Lücken. Wer ohne Abdeckung sammelt, sollte das Wasser regelmäßig komplett entnehmen.
- ✓ Blumentopf-Untertassen wöchentlich leeren
Klassischer Brutplatz. Nach dem Gießen Untertassen ausschütten oder ganz weglassen – schon kleine Wassermengen reichen.
- ✓ Vogeltränken mindestens wöchentlich leeren
Wasser komplett ausschütten, Schale gründlich reinigen (Eier haften am Rand), frisch befüllen.
- ✓ Verstopfte Dachrinnen freiräumen
Laub und Moos halten Wasser über Wochen. Jährliche Reinigung im Frühjahr und Herbst – in Hotspot-Regionen zusätzlich nach starkem Laubfall.
- ✓ Alte Reifen, Eimer, Spielzeug entfernen
Lagerung im Freien nur kopfüber oder unter Dach. Alte Reifen waren historisch der Haupt-Eintragsweg von Tigermücken nach Europa.
- ✓ Gießkannen, Eimer und Kinderplanschbecken nach Gebrauch entleeren
Umdrehen, nicht stehen lassen. Planschbecken nach jedem Bad ausschütten – ein Wochenende ungenutzt reicht zur Eiablage.
- ✓ Friedhofsvasen, Brunnenschalen, Pflanzen-Zwischenuntersätze
Auf Friedhöfen koordinierte Pflege wichtig – Vasen mit Sand statt Wasser füllen ist die einfachste Lösung.
- ✓ Versteckte Wasseransammlungen suchen
Markisen-Falten, umgedrehte Frisbees, Plastikplanen, Schubkarren, Kellerschächte mit Pumpensumpf. Einmal pro Saison systematisch das Grundstück durchgehen.
Schon kleinste Mengen reichen. Die häufigste Fehleinschätzung lautet, dass Tigermücken größere Wasserstellen benötigen. Als „Containerbrüter“ nutzt sie jedoch nahezu jedes wassergefüllte Behältnis – von Astlöchern über Blumenvasen bis zu Regentonnen. Wer wirksam vorbeugen will, sollte alle stehenden Wasseransammlungen auf dem Grundstück beseitigen, nicht nur „die offensichtlichen“.
Nachbarschaftseffekt – warum allein nicht reicht: Weil Tigermücken meist nur wenige hundert Meter weit fliegen, bleiben sie auf engem Raum. Ist ein einziges Grundstück in der Straße ein Brutherd, sticht es die ganze Nachbarschaft. In betroffenen Gebieten lohnt sich daher die Abstimmung mit Nachbarn – viele Kommunen und Gesundheitsämter stellen Informationsmaterial bereit.
Ovitrap-Monitoring – wie Wissenschaftler Tigermücken überwachen
Die Überwachung der Tigermücken-Ausbreitung in Deutschland stützt sich auf Eiablagefallen (Ovitraps) in betroffenen Gebieten und auf Citizen Science durch Einsendungen an den Mückenatlas. Beide Datenquellen ergänzen sich – das eine liefert systematische Stichprobendaten, das andere großflächige Frühwarnsignale.
Was ist eine Ovitrap? Eine Ovitrap (von lateinisch ovum = Ei) ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Überwachungsinstrument: ein schwarzer Plastikbehälter (meist 0,5 Liter) wird zur Hälfte mit Wasser gefüllt und mit einem rauen Holzspatel oder einem speziellen Papierstreifen versehen, der bis ins Wasser ragt. Die dunkle Farbe und das stehende Wasser locken weibliche Aedes-Mücken zur Eiablage an. Die Eier werden am feuchten Holz oberhalb der Wasserlinie abgelegt. Nach einer Standzeit werden die Spatel eingesammelt und mikroskopisch auf Aedes-Eier untersucht.
Wie Ovitraps eingesetzt werden: In betroffenen Gebieten werden Ovitraps über Stadtteile verteilt, vorzugsweise an schattigen, vegetationsnahen Standorten wie Friedhöfen, Kleingärten und Hinterhöfen. So entsteht über die Saison eine Karte der Eiablage-Aktivität, und neue Vorkommen können früh erkannt und gezielt bekämpft werden.
Citizen Science: Wie Bürger das Monitoring unterstützen können
- 1 Verdächtige Mücke fotografieren
Möglichst von oben, mit Linealmaß oder Münze als Größenreferenz. Wichtig: die Streifen auf Beinen und Thorax müssen erkennbar sein.
- 2 Tier vorsichtig fangen (optional)
Mit einem Glas abdecken, kurz in den Tiefkühler stellen zur Betäubung, in ein verschlossenes Röhrchen geben. Lebende Exemplare lassen sich am sichersten bestimmen.
- 3 Einsenden – Mückenatlas
Der Mückenatlas von ZALF (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) und Friedrich-Loeffler-Institut nimmt eingesandte Mücken zur kostenlosen Bestimmung entgegen. Versandhinweise stehen auf mueckenatlas.com.
- 4 Tier nicht zerdrücken
Ein zerquetschtes Exemplar lässt sich kaum noch bestimmen – besser vorsichtig fangen.
- 5 Rückmeldung abwarten
Die Fachleute bestimmen die Art und melden sich zurück.
Warum Bürgermeldungen wertvoll sind: Systematische Fallennetze decken aus Kapazitätsgründen nur bekannte Risikogebiete ab. Neue Einschleppungen – etwa entlang von Autobahnrastplätzen, Logistikzentren oder Häfen – werden oft zuerst von aufmerksamen Bürgern bemerkt. Jede Einsendung an den Mückenatlas verbessert die Datenbasis.
Was nach einem Fund passiert: Bei neuen Tigermücken-Vorkommen werden in der Regel die zuständigen Behörden eingebunden; vor Ort folgen Kontrollen, gegebenenfalls Bekämpfung in Brutgefäßen und Information der Nachbarschaft.
Kommunale Bekämpfungsprogramme – was Gemeinden tun
In stark betroffenen Regionen koordinieren Kommunen und Landkreise aktive Bekämpfungsprogramme. Die Methoden basieren fast ausschließlich auf biologischen Wirkstoffen, um Nichtzielorganismen zu schonen.
Bti gegen Stechmückenlarven: Die KABS bekämpft im Oberrheingraben seit Jahrzehnten Stechmückenlarven mit dem biologischen Wirkstoff Bti (Bacillus thuringiensis israelensis). Gegen die Tigermücke, die in kleinen Behältern brütet, wird Bti gezielt in Brutgefäßen eingesetzt statt großflächig.
Ovitrap-Monitoring: In betroffenen Stadtteilen werden Eiablagefallen aufgestellt, die Tigermücken-Eier nachweisen. So können neue Besiedlungszentren früh erkannt und gezielt behandelt werden.
Bürgerinformation: Gemeinden in Baden-Württemberg und Bayern informieren aktiv über Brutplatzelimination. Die Tigermücke brütet in so kleinen Wassermengen, dass kommunale Maßnahmen ohne die Mithilfe der Einwohner kaum greifen.
Was Sie konkret tun können:
- Eigenes Grundstück konsequent von stehenden Wasseransammlungen freihalten – auch kleinste Mengen reichen zur Brut
- Verdächtige Mücken an den Mückenatlas schicken
- Nachbarn informieren – die Tigermücke fliegt meist nur wenige hundert Meter, daher ist die Nachbarschaft direkt betroffen
- Bei lokalen Bekämpfungsaktionen des Gesundheitsamts mitmachen
Weitere Informationen zur effektiven Mückenbekämpfung mit Repellents und Fallen: Mücken bekämpfen – Sprays, Fallen und Lampen im Vergleich.
Dengue in Europa: Erste lokale Ausbrüche durch Tigermücken
Wie die Lage in Deutschland selbst aussieht — gemeldete Fälle, Reiserückkehrer und die Frage, ab wann eine heimische Übertragung realistisch wird — steht in Dengue-Fieber in Deutschland.
Was lange nur als theoretisches Risiko galt, ist in Europa Realität geworden: Seit 2007 werden in Südeuropa lokale Chikungunya- und Dengue-Übertragungen durch die Asiatische Tigermücke dokumentiert; laut RKI werden dort mittlerweile jedes Jahr solche Ausbrüche festgestellt.
Dokumentierte lokale Ausbrüche:
- Italien (2007): Erster bestätigter lokaler Chikungunya-Ausbruch in Europa durch Aedes albopictus in der Emilia-Romagna. Über 200 Fälle – Startschuss für das europäische Tigermücken-Monitoring
- Frankreich (2010–2024): Jährliche lokale Dengue-Cluster in Südfrankreich (Var, Bouches-du-Rhône). 2022: über 60 lokale Dengue-Fälle ohne Auslandsreise
- Italien (2023): Über 80 bestätigte lokale Dengue-Fälle, vor allem in Norditalien und Latium
- Kroatien (2010) und Spanien (2018): Erste lokal erworbene Dengue-Fälle in diesen Ländern
Was das für Deutschland bedeutet: Bislang wurden in Deutschland laut RKI keine von der Tigermücke übertragenen Chikungunya-, Dengue- oder Zika-Infektionen festgestellt, und das Umweltbundesamt schätzt das Risiko derzeit als gering ein. Ein Ausbruch setzt voraus, dass infizierte Menschen – meist Reiserückkehrer – auf ausreichend viele Tigermücken treffen und das Wetter für Mücke und Erreger passt.
Reiserückkehrer und Dengue in Deutschland: 2024 stiegen die Meldezahlen importierter Dengue-Fälle stark an; 2025 und im ersten Halbjahr 2026 lagen sie laut RKI unter denen der Vorjahre. Jeder Erkrankte ist während der virämischen Phase eine potenzielle Infektionsquelle, falls er von einer heimischen Tigermücke gestochen wird. Das macht das Tigermücken-Monitoring wichtig – verdächtige Mücken an den Mückenatlas zu schicken, hilft der Datenbasis.
Häufige Fragen
Ist die Tigermücke in Deutschland verbreitet?
Ja, die Tigermücke gilt in Deutschland laut Umweltbundesamt als etabliert, mit Schwerpunkt im Südwesten, vor allem am Oberrhein; sie breitet sich weiter aus. Aktuelle Karten liefern das ECDC und der Mückenatlas von ZALF und Friedrich-Loeffler-Institut, an den man verdächtige Mücken schicken kann.
Kann die Tigermücke Dengue übertragen?
In Deutschland wurde bisher laut RKI keine Übertragung von Dengue, Chikungunya oder Zika durch Tigermücken festgestellt – dafür müsste die Mücke zuerst eine infizierte Person stechen. Grundsätzlich kann sie diese Viren übertragen; in Südeuropa kommt es inzwischen jedes Jahr zu lokalen Ausbrüchen. Das Umweltbundesamt schätzt das Risiko in Deutschland derzeit als gering ein.
Wie erkenne ich eine Tigermücke?
Charakteristisch: schwarz-weiße Musterung vor allem an Hinterleib und Hinterbeinen und eine weiße Linie vom Hinterkopf bis zum Flügelansatz; sie wird selten größer als 9 mm. Verwechselt wird sie oft mit der größeren Ringelschnake (10–13 mm), die keine Zeichnung auf der Brust hat. Die Tigermücke sticht auch tagsüber.
Ist die Tigermücke nachtaktiv?
Nicht nur. Anders als die heimische Hausmücke, die in der Dämmerung und nachts sticht, ist die Asiatische Tigermücke auch tagsüber aktiv. Deshalb reicht es bei ihr nicht, abends die Fenster zu schließen: Repellent auch tagsüber auftragen und Fliegengitter dauerhaft geschlossen halten.
Was tun bei einem Tigermückenstich?
Wie bei normalen Mückenstichen: kühlen, nicht kratzen. Bei ungewöhnlichen Symptomen (Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen) innerhalb von 14 Tagen nach dem Stich – besonders nach Tropenreisen – sofort einen Arzt aufsuchen und auf Stich hinweisen.
Wie kann ich Tigermücken bekämpfen?
Brutplätze eliminieren: Eimer, Gießkannen und Untersetzer leeren, Regentonnen dicht abdecken, Vogeltränken mindestens einmal pro Woche restlos leeren und reinigen – Tigermücken brüten schon in kleinsten Wasseransammlungen. Gegen Stiche helfen helle, weite Kleidung und Repellents mit DEET oder Icaridin.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen nach einem Mückenstich – insbesondere nach Reisen in tropische Länder – sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
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