Zecken & Parasiten 7 Min. Lesezeit

Zecken bei Kindern: Worauf Eltern achten sollten

Wie entferne ich eine Zecke beim Kind? Welche Symptome sind besorgniserregend? Alles zu Schutz, Entfernung und Borreliose bei Kindern – praxisnah erklärt.

Zecken bei Kindern – Eltern kontrollieren Kind auf Zecken nach dem Spielen im Garten

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Anzeichen einer Wanderröte, Fieber oder ungewöhnlichen Symptomen nach einem Zeckenbiss beim Kind sofort ärztlichen Rat einholen.

Warum sind Kinder besonders gefährdet?

Kinder verbringen viel Zeit im Freien – im Gras, im Gebüsch, im Wald. Sie sind neugierig, bewegen sich durch hohes Gras und knieen häufiger am Boden als Erwachsene. Gleichzeitig bemerken sie einen Zeckenbiss meist nicht selbst. Allgemeine Schutzmaßnahmen für die ganze Familie erklärt der Ratgeber Zecken vorbeugen – effektiver Schutz für Garten und Freizeit.

Typische Körperstellen bei Kindern

  1. Haare und Kopfhaut

    Besonders im Haaransatz und am Hinterkopf – häufig bei Kindern übersehen

  2. Nacken und hinter den Ohren

    Warme, feuchte Stellen – typische Zeckenverstecke

  3. Kniekehlen und Leistenbeugen

    Wie bei Erwachsenen – immer kontrollieren

  4. Bauchnabel und Achseln

    Zecken wandern nach oben und suchen Wärme

  5. Unter der Windel oder Unterwäsche

    Bei Kleinkindern oft übersehen

Schutz vor Zecken bei Kindern

Checkliste: Zeckenschutz für Kinder

  • Lange Hosen und langärmlige Shirts bei Aufenthalten in Garten, Park und Wald
  • Helle Kleidung tragen – Zecken sind auf hellem Untergrund besser sichtbar
  • Hosen in die Socken stecken – verhindert das Hochlaufen der Zecke
  • Kopfbedeckung im Wald, besonders bei kleineren Kindern
  • Repellent auf exponierte Hautstellen – altersgerechtes Produkt wählen
  • Spielflächen im Garten: Rasenhöhe kurz halten, Laubhaufen entfernen
Kind im Wald mit langen Hosen und Stiefeln – Schutzkleidung gegen Zecken
Schutzkleidung als erste Verteidigungslinie: lange Hosen in die Socken, helle Kleidung und Kopfbedeckung im Wald.

Repellents für Kinder: Nicht alle Wirkstoffe sind für kleine Kinder geeignet. Die folgende Übersicht hilft bei der Auswahl:

Repellents nach Altersgruppe

  1. Icaridin (20 %)

    Ab 2 Jahren geeignet, gut verträglich, vom BfR empfohlen

  2. IR3535

    Ab 2 Jahren, auch für Schwangere und Stillende geeignet

  3. DEET (10–20 %)

    Erst ab 2 Jahren, nicht auf Hände, Augen oder Mund – zurückhaltend einsetzen

  4. Natürliche Produkte

    Unzuverlässiger Schutz – für Risikogebiete nicht empfohlen

Repellent immer auf Kleidung und sichtbare Haut auftragen – nicht auf Hände (Kinder greifen zum Mund), nicht auf entzündete Haut oder offene Wunden.

Körperkontrolle nach dem Spielen im Freien

Die gründliche Kontrolle nach jedem Aufenthalt im Freien ist der wichtigste Schritt – und dauert weniger als 5 Minuten.

Körperkontrolle beim Kind – Schritt für Schritt

  1. 1
    Kleidung ausschütteln oder wechseln

    Draußen ausgezogene Kleidung bei 60 °C waschen – Zecken überleben Trockner schlechter

  2. 2
    Haare und Kopfhaut durchkämmen

    Mit einem Kamm oder den Fingern – besonders Haaransatz und Nacken

  3. 3
    Körper von oben nach unten absuchen

    Nacken, Ohren, Achseln, Brust, Bauch, Leisten, Kniekehlen, Fußsohlen

  4. 4
    Windel- und Unterwäschebereich kontrollieren

    Besonders bei Kleinkindern – Zecken suchen Wärme

  5. 5
    Haustiere ebenfalls kontrollieren

    Hunde und Katzen können Zecken ins Haus bringen

Zecke beim Kind richtig entfernen

Ruhe bewahren – ein Zeckenbiss ist kein Notfall, aber sollte zügig behandelt werden. Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer das Borreliose-Risiko. Die vollständige Schritt-für-Schritt-Technik erklärt der Ratgeber Zecke richtig entfernen – Anleitung und häufige Fehler.

Zecke entfernen – Schritt für Schritt

  • Zeckenpinzette oder Tick Twister bereithalten – möglichst hautnah ansetzen
  • Zecke gerade und ohne Drehbewegung herausziehen – nicht quetschen
  • Nicht mit Öl, Nagellack oder Klebstoff behandeln – erhöht das Infektionsrisiko
  • Einstichstelle mit Wunddesinfektionsmittel behandeln
  • Datum, Körperstelle und Größe der Rötung notieren
  • Rötung umkreisen – so erkennt man eine Ausbreitung sofort

Bei Schwierigkeiten: Arzt aufsuchen

Wenn die Zecke nicht vollständig entfernt werden kann, der Kopf stecken bleibt oder das Kind sehr unruhig ist – lieber einen Arzt aufsuchen. Reste im Gewebe verursachen zwar meist keine Infektion, sollten aber vom Arzt kontrolliert werden.

Zecke bei Kind mit feiner Pinzette entfernen – Nahaufnahme der korrekten Entfernung
Zecke bei Kindern mit feiner Pinzette gerade herausziehen – nicht drehen, nicht quetschen, die Zecke so nah wie möglich an der Haut fassen.

Symptome nach dem Zeckenbiss beobachten

Nach dem Entfernen der Zecke die Einstichstelle mindestens 4 Wochen beobachten. Was eine Wanderröte bedeutet und welche Symptome auf eine Borreliose-Infektion hinweisen, erklärt der Ratgeber Borreliose-Symptome erkennen – Wanderröte, Fieber und Spätfolgen.

Wann sofort zum Arzt?

  1. Wanderröte

    Ringförmige, sich ausbreitende Rötung (> 5 cm) nach Tagen bis Wochen – typisches Borreliose-Zeichen

  2. Fieber über 38,5 °C

    In Kombination mit Zeckenbiss immer abklären lassen

  3. Hängender Mundwinkel oder Augenlid

    Hinweis auf Neuroborreliose – umgehend zum Arzt

  4. Starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit

    Kann auf Hirnhautentzündung hinweisen – Notfall

  5. Ungewöhnliche Müdigkeit oder Gelenkschmerzen

    Wochen nach dem Biss – Borreliose abklären lassen

FSME-Impfung für Kinder

Die FSME-Impfung ist ab dem 1. Lebensjahr verfügbar und wird von der STIKO für Kinder in Risikogebieten empfohlen.

  • Encepur Kinder und FSME-IMMUN Junior: ab 1 Jahr, spezielle Kinderdosierung
  • Grundschutz: 3 Impfungen (0, 1–3, 9–12 Monate)
  • Auffrischung: alle 3–5 Jahre je nach Alter
  • Gesetzliche Krankenkassen erstatten in Risikogebieten

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung – daher bleibt die körperliche Kontrolle nach jedem Außenaufenthalt unverzichtbar. Alles zur FSME-Impfung für Kinder und Erwachsene erklärt der Ratgeber FSME-Impfung in Deutschland – Empfehlungen, Kosten und Schutz.

Häufige Fragen

Wie entferne ich eine Zecke bei einem Kind?

Mit einer feinen Zeckenpinzette oder einem Tick Twister die Zecke möglichst hautnah fassen und gerade herausziehen – nicht drehen, nicht quetschen. Danach die Stelle mit Wunddesinfektionsmittel behandeln. Kein Öl, kein Nagellack.

Wann muss ich mit einem Kind nach einem Zeckenbiss zum Arzt?

Sofort bei: Wanderröte (ringförmige, sich ausbreitende Rötung), Fieber über 38,5 °C, Lähmungserscheinungen, hängender Mundwinkel, starker Kopfschmerz, Nackensteifigkeit oder Schluckbeschwerden. Auch ohne Symptome nach 30 Tagen Beobachten.

Können Kinder gegen FSME geimpft werden?

Ja. FSME-Impfstoffe sind ab dem 1. Lebensjahr zugelassen (Encepur Kinder, FSME-IMMUN Junior). Die STIKO empfiehlt die Impfung für Kinder in oder mit regelmäßigem Aufenthalt in FSME-Risikogebieten.

Wie schütze ich mein Kind am besten vor Zecken?

Lange Kleidung, helle Farben, Hosen in Socken gesteckt, Repellents (altersgerecht, z. B. Icaridin oder IR3535 ab 2 Jahren), Kopfbedeckung im Wald. Nach dem Aufenthalt im Freien gründlich absuchen – besonders Haare, Nacken, Kniekehlen und hinter den Ohren.

Ab welchem Alter darf man Zeckenspray bei Kindern verwenden?

IR3535 und Icaridin-basierte Repellents sind ab 2 Jahren für Kinder geeignet. DEET sollte bei Kindern unter 2 Jahren nicht verwendet werden und bei älteren Kindern nur verdünnt (10–20 %). Mittel immer nicht auf Hände, Mund und Augen auftragen.

Wie lange sollte ich nach einem Zeckenbiss beim Kind beobachten?

Die Einstichstelle mindestens 4 Wochen beobachten. Eine Wanderröte kann bis zu 30 Tage nach dem Biss auftreten. Datum und Stelle des Bisses notieren. Bei Wanderröte oder anderen Auffälligkeiten sofort zum Arzt.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle Symptome nach einem Zeckenbiss bei Kindern ernst nehmen und im Zweifel einen Kinderarzt aufsuchen.

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