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Wohnschutz
Wespen → 18 Min. Lesezeit

Wespennest entfernen: Selbst oder Fachmann?

Wespennest sicher entfernen – wann Sie selbst handeln können, wann Sie Profis brauchen, und welche Arten unter Naturschutz stehen.

Von Vyacheslav Levchenko
Wespennest entfernen – sicher und rechtssicher
Inhalt · 13 Abschnitte

Rechtlicher Hinweis

Hornissen (Vespa crabro) sind in Deutschland besonders geschützt (§ 44 BNatSchG). Das Entfernen eines Hornissennests ist grundsätzlich verboten und nur mit behördlicher Ausnahmegenehmigung möglich. Wenden Sie sich an die untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer kreisfreien Stadt.

Schnelle Übersicht: Wespennest entfernen – das Wichtigste vorab

Bevor Sie selbst Hand anlegen oder den Schädlingsbekämpfer rufen: Diese sieben Punkte fassen die wichtigsten Entscheidungskriterien zusammen.

Die 7 Schlüsselfragen vor der Entfernung

  1. ✓
    Welche Art? – Hornisse oder Wespe?

    Hornissen sind besonders geschützt (§ 44 BNatSchG) – niemals eigenmächtig entfernen

  2. ✓
    Wie groß ist das Nest?

    Nur ein Nestanfang im Frühjahr kommt für Selbsthilfe in Frage – alles Größere: Fachbetrieb

  3. ✓
    Wo sitzt das Nest?

    Frei zugänglich oder in Wand/Dach? Hohlräume immer durch Profi

  4. ✓
    Gibt es Allergiker im Haushalt?

    Bei bekannter Wespengift-Allergie ausschließlich Profi

  5. ✓
    Wird das Nest tatsächlich zur Gefahr?

    Ohne vernünftigen Grund darf kein Nest zerstört werden (§ 39 BNatSchG) – im hinteren Garten ist Abwarten bis zum Herbst meist die bessere Option

  6. ✓
    Habe ich die richtige Schutzausrüstung?

    Imker-Schutzanzug, Kopfnetz, Lederhandschuhe – nicht improvisieren

  7. ✓
    Ist es Abend oder Nacht?

    Selbst-Entfernung nur nach Einbruch der Dunkelheit

Im Zweifelsfall gilt: Wenn auch nur eine Frage unsicher ist, einen Fachbetrieb oder die Naturschutzbehörde fragen. Die Kosten liegen als Richtwert bei 80–300 € – deutlich unter dem Risiko eines anaphylaktischen Schocks oder eines Bußgelds bei Hornissennestern.

Wespenarten in Deutschland

In Deutschland kommen mehrere Wespenarten vor, die sich in Verhalten, Aussehen und Schutzbedarf unterscheiden:

Erkennungsmerkmale der häufigsten Arten

  1. ✓
    Gemeine und Deutsche Wespe

    Gelb-schwarz, Arbeiterinnen 11–16 mm, Königin bis 20 mm. Die einzigen Arten, die an Kuchen, Limo und Grillfleisch gehen. Völker laut NABU bis rund 10.000 Tiere, volle Stärke im August und September. Nisten meist in Erdhöhlen, auch in Dachböden, Rollladenkästen und anderen dunklen Hohlräumen.

  2. ✓
    Hornisse (Vespa crabro)

    Rötlichbraun-gelb, Arbeiterinnen 18–25 mm, Königin bis 35 mm – besonders geschützt (§ 44 BNatSchG). Volk 400–700 Tiere (NABU). Baut in Baumhöhlen, Nistkästen, Schuppen und Rollladenkästen. Friedfertig, solange das Nest nicht gestört wird.

  3. ✓
    Feldwespe (Polistes spec.)

    Schlanker Körper, im Flug herabhängende gelbe Beine. Baut kleine, offene Waben ohne Hülle unter Dachvorsprüngen. Kleine Völker, friedfertig und nicht an Speisen interessiert.

  4. ✓
    Mittlere und Sächsische Wespe (Langkopfwespen)

    Bauen freihängende Nester in Hecken, Sträuchern oder unter Dächern. Gehen nicht an menschliche Speisen; ihre Völker brechen oft schon im August zusammen.

Wespenarten in Deutschland – Vergleich

Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)

Größe
11–16 mm (Königin bis 20 mm)
Koloniegröße
Bis rund 10.000 Tiere
Neststandort
Erdhöhlen, Hohlräume, Dach
Schutzstatus
Nicht besonders geschützt – § 39 BNatSchG gilt
Aggressivität
An Speisen aufdringlich, am Nest verteidigungsbereit

Deutsche Wespe (Vespula germanica)

Größe
11–16 mm (Königin bis 20 mm)
Koloniegröße
Bis rund 10.000 Tiere
Neststandort
Erdhöhlen, Hohlräume, Dachbereiche
Schutzstatus
Nicht besonders geschützt – § 39 BNatSchG gilt
Aggressivität
An Speisen aufdringlich, am Nest verteidigungsbereit

Hornisse (Vespa crabro)

Größe
18–25 mm (Königin bis 35 mm)
Koloniegröße
400–700 Tiere
Neststandort
Baumhöhlen, Nistkästen, Schuppen, Rollladenkästen
Schutzstatus
Besonders geschützt § 44 BNatSchG
Aggressivität
Friedfertig – greift höchstens am Nest an

Feldwespe (Polistes spec.)

Größe
Schlank, gelbe Beine hängen im Flug
Koloniegröße
Kleine Völker
Neststandort
Offene Waben unter Dachvorsprüngen
Schutzstatus
Nicht besonders geschützt – § 39 BNatSchG gilt
Aggressivität
Friedfertig

Mittlere Wespe (Dolichovespula media)

Größe
Große Langkopfwespe
Koloniegröße
Völker brechen oft schon im August zusammen
Neststandort
Freihängend in Hecken, Sträuchern
Schutzstatus
Nicht besonders geschützt – § 39 BNatSchG gilt
Aggressivität
Nicht an Speisen interessiert
Wespennest aus Papiermasse unter Dachvorsprung – Gemeine Wespe in Deutschland
Typisches Wespennest der Gemeinen Wespe aus grauer Papiermasse unter einem Dachvorsprung – im Frühsommer noch Tennisball-groß.

Wann selbst entfernen?

Ein Wespennest darf nach § 39 BNatSchG nur mit einem vernünftigen Grund zerstört werden – etwa bei Allergie im Haushalt oder einem Nest am Hauseingang. Das Umweltbundesamt empfiehlt, dafür geschulte Personen einzubinden. Allenfalls unter diesen Bedingungen kommt Selbsthilfe in Frage:

  • Nestgröße: Nur im Anfangsstadium im Frühjahr – die Königin baut noch allein, das Nest ist kaum größer als eine Walnuss
  • Zugänglichkeit: Nest von außen gut erreichbar, kein Mauerwerk oder Hohlraum
  • Kein Hornissennest: Hornissen stehen unter Naturschutz – niemals selbst entfernen
  • Keine Allergiker im Haushalt: Bei bekannter Allergie immer Profi beauftragen
  • Mittel: Nur ein für Verbraucher zugelassenes Biozidprodukt gegen Wespennester, genau nach Gebrauchsanweisung

Wann Fachmann rufen?

In diesen Situationen sollten Sie immer einen professionellen Schädlingsbekämpfer beauftragen:

  • Nest in der Wand, Decke oder im Dach (Zugang schwierig, Schäden möglich)
  • Hornissennest (gesetzlich geschützt)
  • Allergiker oder Kleinkinder im Haushalt
  • Nest bereits groß – ein Volk kann im Spätsommer mehrere tausend Tiere umfassen

Was bei einem Wespenstich sofort zu tun ist und wann es gefährlich wird, erklärt der Ratgeber Wespenstich behandeln – Erste Hilfe und wann zum Arzt.

  • Nest direkt an Eingangstüren, Spielplätzen oder häufig genutzten Bereichen
  • Wiederholter Befall nach eigenem Entfernungsversuch

Schritt-für-Schritt wenn Sie selbst handeln

Anleitung zur Eigenbehandlung (nur bei kleinem Nest)

  1. 1
    Abends oder nachts handeln

    Nach Einbruch der Dunkelheit sind Wespen inaktiv und im Nest – geringstes Risiko

  2. 2
    Schutzkleidung anlegen

    Handschuhe, Insektenschutz-Netz über dem Kopf, langärmliges Hemd, geschlossene Schuhe

  3. 3
    Zugelassenes Mittel nach Gebrauchsanweisung

    Nur ein für Verbraucher zugelassenes Biozidprodukt gegen Wespennester verwenden – Abstand, Menge und Wartezeit stehen auf dem Etikett

  4. 4
    Warten

    Erst weiterarbeiten, wenn keine Flugaktivität mehr erkennbar ist

  5. 5
    Nest entfernen und sicher entsorgen

    In verschlossenen Beutel, sofort in Außenmülltonne entsorgen

  6. 6
    Einflugstelle sichern

    Hohlraum oder Spalt nach dem Entfernen verschließen, damit im nächsten Frühjahr keine Königin einzieht

Person in Schutzanzug entfernt nachts ein kleines Wespennest – sichere Eigenbehandlung
Nur nachts handeln: Bei Dunkelheit sind Wespen inaktiv. Schutzanzug, Kopfnetz und Handschuhe sind Pflicht bei der Eigenbehandlung.

Hornissen unter Naturschutz

Hornissen sind in Deutschland besonders geschützt (§ 44 BNatSchG). Das eigenmächtige Entfernen ist verboten und kann mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.

Was tun bei Hornissennest?

  1. Kontakt mit der unteren Naturschutzbehörde (Landkreis oder kreisfreie Stadt)
  2. Behörde kann eine Ausnahme erteilen und Hornissenberater vermitteln, die das Nest nach Möglichkeit umsiedeln
  3. Geduld: Hornissenvölker sterben im Herbst natürlich ab – das verlassene Nest darf danach entfernt werden

Hornissen greifen laut NABU nie grundlos an und sind scheuer als Honigbienen. Abstand halten (mindestens 2 m, so das Umweltbundesamt) und ruhiges Verhalten reicht in den meisten Fällen aus. Alles über Naturschutz, Umsiedlung und Verhalten bei einem Hornissennest im Garten erklärt der Ratgeber Hornissen im Garten – Nest entdeckt, was jetzt?. Wie Sie generell sicher mit Wespen im Garten umgehen und Konflikte vermeiden, erklärt der Ratgeber Wespen im Garten – sicherer Umgang und Abwehr.

Häufige Fehler beim Wespennest entfernen

  • Nest am Tag bei aktiven Wespen angehen – wartet bis zum Abend
  • Wasser auf das Nest schütten – erhöht die Aggressivität erheblich
  • Hornissennest eigenmächtig entfernen – ist gesetzlich verboten
  • Nest mit Feuer bekämpfen – brandgefährlich, verbreitet aufgeregte Wespen

Warum Wespen trotz allem nützlich sind

Wespen gelten als lästig, spielen aber eine wichtige ökologische Rolle: Sie jagen Fliegen, Mücken, Blattläuse und Raupen als Futter für ihre Larven, verwerten tote Insekten und Fallobst und bestäuben gemeinsam mit anderen Insekten Pflanzen (NABU). Ein gut entwickeltes Hornissenvolk vertilgt laut Umweltbundesamt bis zu einem halben Kilogramm Insekten am Tag.

Das bedeutet nicht, dass ein Nest direkt am Hauseingang toleriert werden muss. Aber: Wenn das Nest an einer ungefährlichen Stelle ist, ist Abwarten die sicherste und umweltfreundlichste Option. Die Völker von Deutscher und Gemeiner Wespe sterben im September oder Oktober ab; das verlassene Nest darf dann – in der Regel ab Oktober – entfernt werden und wird nicht wieder bezogen.

Wann Nester unbedingt entfernt werden müssen:

  • Bei bekannter Wespengiftallergie im Haushalt
  • Nest in der Wand oder im Mauerwerk mit Eindringgefahr ins Wohninnere
  • Nest direkt an häufig genutzten Eingangsbereichen, die nicht gemieden werden können
  • Kinderspielplätze oder Sandkästen in direkter Nestnähe

Wann Abwarten die bessere Wahl ist:

  • Nest im hinteren Gartenbereich oder unter einem Carport-Dach
  • Nest gut sichtbar und leicht umgehbar
  • Es sind keine Allergiker im Haushalt

Kosten und Ablauf beim professionellen Schädlingsbekämpfer

Ein Schädlingsbekämpfer für Wespennester ist meist schnell organisiert. Was erwartet Sie dabei konkret?

Ablauf eines Profi-Einsatzes:

  1. Erstbeurteilung: Schädlingsbekämpfer bestimmt die Wespenart, schätzt Koloniestärke und Zugänglichkeit
  2. Behandlung: Häufig wird ein Insektizid am Einflugloch ausgebracht, das die Tiere ins Nest tragen – wo möglich, wird stattdessen umgesiedelt
  3. Wartezeit: in der Regel ein bis wenige Tage, bis das Volk abgestorben ist
  4. Nestentfernung: optional, nach vollständigem Absterben

Kosten (Richtwerte):

  • Kleines Nest, gut zugänglich: 80–150 €
  • Nest in Hohlraum oder Dachbereich: 150–300 €
  • Hornissennest (nur mit Ausnahmegenehmigung): 200–400 €

Wer trägt die Kosten? Im Mietverhältnis trägt in der Regel der Vermieter die Kosten, wenn das Nest an der Gebäudestruktur sitzt (Wand, Dach, Mauerwerk). Bei Unsicherheit über Artbestimmung oder die Frage, ob ein Nest weg darf, ist die untere Naturschutzbehörde der erste Ansprechpartner.

Tipp: Achten Sie auf einen Betrieb mit Fachkunde – etwa mit Abschluss als Geprüfte Schädlingsbekämpferin oder Geprüfter Schädlingsbekämpfer (IHK) oder mit Mitgliedschaft im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband, dessen Betriebssuche nach Postleitzahl sucht.

Rechtliche Hinweise: Naturschutz, Mietvertrag und Versicherung

Die Entfernung eines Wespen- oder Hornissennests ist auch eine rechtliche Frage. Wespen sind nach § 39 BNatSchG geschützt, Hornissen (Vespa crabro) nach § 44 BNatSchG als besonders geschützte Art – ein Wespennest darf nur bei einem „vernünftigen Grund“ (etwa konkreter Gefahr für Allergiker oder kleine Kinder) zerstört werden, ein Hornissennest selbst dann nur mit einer Ausnahme der Naturschutzbehörde. Verstöße können empfindliche Bußgelder auslösen. Den genauen Schutzstatus, den Bußgeldrahmen je Bundesland und das Vorgehen über die untere Naturschutzbehörde erklärt ausführlich der Ratgeber Wespennest entfernen: erlaubt oder Bußgeld? Die Rechtslage.

Mietrecht und Versicherung – kurz: Im Mietverhältnis trägt in der Regel der Vermieter die Kosten für die Beseitigung eines Nests an der Gebäudestruktur (§ 535 BGB), sofern der Mieter den Befall nicht selbst verursacht hat. Bei Schäden greifen je nach Fall Haftpflicht-, Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung – prüfen Sie die Vertragsklauseln. Bei Hornissen oder unklarer Artbestimmung ist die untere Naturschutzbehörde die richtige Anlaufstelle; sie vermittelt oft ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater, die Nester umsiedeln statt zerstören. Die Feuerwehr ist meist nur bei akuter Gefahr zuständig.

Tipp: Erst Behörde kontaktieren, dann handeln

Wer bei einem Hornissennest eigenmächtig zur Tat schreitet, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern auch erhebliche gesundheitliche Schäden. Ein Anruf bei der Naturschutzbehörde dauert wenige Minuten und klärt die rechtliche Situation eindeutig.

Wann sich der Fachbetrieb rechnet

Wespen stehen unter Schutz – ein Nest darf nicht einfach entfernt werden. Bei Nestern in Wand oder Dach, bei Hornissen und bei Allergie im Haushalt entscheidet der Fachbetrieb, ob umgesiedelt oder entfernt wird, und holt die nötige Genehmigung ein.

Was ein Kammerjäger kostet – Preise nach Schädling und wer sie zahlt

Wespennester vorbeugen: Was vor der Saison sinnvoll ist

Wer regelmäßig Wespennester am Haus hat, kann durch einige Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit senken. Vorbeugung greift am besten im Frühjahr, wenn die Königinnen ihre Nester gründen.

Wespen-Prävention: Maßnahmen vor und während der Saison

  • Rollladenkästen, Dachvorsprünge und Mauerritzen im Frühjahr (März/April) auf Anbauten der Königinnen kontrollieren
  • Kleine Nestanfänge an Stellen, an denen ein Volk später zum Problem würde (Rollladenkasten, Eingang), früh entfernen – die Königin ist dann noch allein; Hornissen ausgenommen
  • Offene Lüftungsschächte mit feinmaschigem Edelstahl-Gitter (Maschenweite max. 5 mm) sichern
  • Komposthaufen und Fallobst vom Wohnbereich entfernt halten – beides zieht Wespen an
  • Süße Getränke und Lebensmittel im Sommer abgedeckt halten, besonders Limonade in Dosen
  • Mülltonnen dicht halten und regelmäßig reinigen
  • Draußen auf bunte Kleidung verzichten – sie zieht Wespen an (NABU)
  • Keine starken Düfte (Parfüm, Cremes, Holzmöbelpolitur) im Garten – sie ziehen Wespen an

Was nicht funktioniert:

  • CDs an Schnüren: Reflexionen halten Wespen kurzfristig fern, schaffen aber keine dauerhafte Lösung
  • Plastikbeutel mit Wasser: Verkaufter Mythos – keine wissenschaftliche Wirkung nachgewiesen
  • Bittere Pflanzen am Hauseingang: Marginale Wirkung; ersetzt keine baulichen Maßnahmen

Häufige Fehler beim Umgang mit Wespennestern

Diese Fehler sollten Sie vermeiden

  • Tagsüber bei aktiven Wespen ein Nest angreifen – nur abends oder nachts ist die Kolonie inaktiv
  • Wasser oder Hochdruckreiniger einsetzen – erhöht massive Aggressivität, Stichgefahr
  • Feuer oder offene Flamme verwenden – Brandgefahr und panische Reaktion der Wespen
  • Hornissennest eigenmächtig entfernen – Bußgeld und Verlust einer geschützten Art
  • Hektische Bewegungen in Nestnähe – wird als Angriff interpretiert
  • Geöffnetes Nest mit Saugnapf des Staubsaugers ansaugen – Schlauchverstopfung und lebendige Wespen im Beutel
  • Wespennest in der Wand mit Bauschaum verschließen – Wespen suchen neuen Ausgang, häufig ins Wohninnere
  • Hausmittel ohne Wirksamkeitsnachweis (Essig, Knoblauch, ätherische Öle) statt eines Profi

Wespengift-Allergie: Häufigkeit und Notfallmanagement

Insektengift-Allergien sind in Deutschland deutlich verbreiteter als oft angenommen – und die Gemeine sowie Deutsche Wespe (Vespula vulgaris/germanica) ist für die Mehrheit der schwerwiegenden Reaktionen verantwortlich.

Epidemiologie: In Europa berichten laut AWMF-Leitlinie etwa 3 % der Allgemeinbevölkerung von allergischen Allgemeinreaktionen nach Bienen- oder Wespenstichen. Bei Imkern und ihren Familien sind solche Reaktionen deutlich häufiger. Im Erwachsenenalter sind Stiche von Bienen und Wespen im deutschsprachigen Raum die häufigste Ursache schwerer allergischer Allgemeinreaktionen.

Todesfälle: Das Statistische Bundesamt erfasste zwischen 2015 und 2019 jährlich 16 bis 29 Todesfälle durch Stiche von Bienen, Wespen oder Hornissen – fast nur Erwachsene, überwiegend Männer. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, weil eine Anaphylaxie bei plötzlichen Todesfällen übersehen werden kann (AWMF-Leitlinie).

Risikostellen: Wespennester in unmittelbarer Wohnnähe erhöhen das Stichrisiko. Sehr viele Stiche in kurzer Zeit können auch bei nicht allergischen Personen zu Vergiftungserscheinungen führen; Kleinkinder sind besonders gefährdet.

Was bei anaphylaktischer Reaktion zu tun ist:

  1. Sofort Notruf 112 – bei Schwellung im Hals- und Mundbereich, Atemnot, Schwindel oder Bewusstlosigkeit
  2. Adrenalin-Autoinjektor bei bekannter Allergie und Zeichen einer schweren Reaktion sofort in den Außenoberschenkel injizieren – so steht es im ärztlichen Anaphylaxie-Notfallplan
  3. Weitere Notfallmedikamente aus dem verordneten Notfallset (Antihistaminikum, Kortison) nach Plan einnehmen
  4. Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit, Beine hochlagern bei Schockzeichen
  5. Nicht selbst fahren und ärztlich überwachen lassen – nach einer schweren Reaktion können die Beschwerden erneut auftreten

Was bei einem Wespenstich sofort zu tun ist und wann es gefährlich wird, erklärt der Ratgeber Wespenstich behandeln – Erste Hilfe und wann zum Arzt.

Häufige Fragen

Sind Hornissen geschützt?

Ja. Hornissen (Vespa crabro) sind in Deutschland besonders geschützt – sie stehen als einzige Faltenwespe in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung, weshalb § 44 BNatSchG greift. Das eigenmächtige Entfernen eines Hornissennests ist verboten und kann mit Bußgeldern geahndet werden. Eine behördliche Ausnahmegenehmigung ist erforderlich.

Wann ist ein Wespennest gefährlich?

Ein Wespennest ist gefährlich, wenn es an häufig genutzten Stellen sitzt (Eingangstür, Spielplatz), wenn Allergiker im Haushalt leben, wenn es sich im Mauerwerk oder in Hohlräumen befindet, oder wenn es bereits eine Tennisball-Größe überschritten hat.

Was kostet ein Schädlingsbekämpfer für Wespen?

Die Kosten für professionelle Wespenbekämpfung liegen je nach Region und Nestzugang als Richtwert bei 80–300 EUR. Hornissennester sind aufwendiger und teurer. Erste Anlaufstelle, wenn unklar ist, ob ein Nest weg darf, ist die untere Naturschutzbehörde; sie vermittelt oft auch Wespen- und Hornissenberater.

Muss ich ein leeres Wespennest nach dem Winter entfernen?

Nein. Ein verlassenes Wespennest stellt keine Gefahr dar und wird nicht wieder bezogen. Laut NABU kann es sogar helfen, es hängen zu lassen: Direkt daneben wird meist kein zweites Nest gebaut. Entfernen dürfen Sie es, sobald es nicht mehr bewohnt ist, in der Regel ab Oktober – sinnvoll ist das vor allem in genutzten Innenräumen oder Rollladenkästen.

Was ist bei einem Wespennest in der Wand zu tun?

Wespennester in Hohlräumen, Mauerwerk oder Dachbereichen sind besonders gefährlich zu entfernen und erfordern fast immer einen Fachmann. Eigenmächtiges Aufstemmen von Wänden kann die Wespen aufschrecken und ist gefährlich. Professionelle Bekämpfer haben Spezialgeräte und Schutzausrüstung für solche Situationen.

Welche Schutzausrüstung brauche ich beim Wespennest entfernen?

Für die Eigenbehandlung eines kleinen Nests sind ein imkerartiger Schutzanzug mit Kopfschutz-Netz, enganliegende Handschuhe ohne Lücken, ein langärmeliges Hemd und geschlossene Schuhe notwendig. Im Zweifel immer einen Fachmann beauftragen. Alle Produkte, die wir in unseren Ratgebern zu Wespen empfehlen, stehen gesammelt in der Produktübersicht.

Kann der Vermieter mich zwingen, ein Wespennest selbst zu entfernen?

Nein. Wespennester an der Gebäudestruktur (Wand, Dach, Mauerwerk, Rollladenkasten) fallen unter die Erhaltungspflicht des Vermieters nach § 535 BGB. Der Mieter ist nur verantwortlich, wenn er den Befall nachweislich selbst verursacht hat – etwa durch Lockstoffe oder offene Lebensmittel. Bei Streitfragen helfen Mietervereine oder die zuständige Naturschutzbehörde.

Wann verschwindet ein Wespennest von selbst?

Wespenvölker sind einjährig. Die Völker von Deutscher und Gemeiner Wespe sterben im September oder Oktober ab, an warmen Stellen im Haus manchmal erst im November; nur die jungen, begatteten Königinnen überwintern an anderen Orten. Das Nest bleibt leer zurück und wird nicht wieder besiedelt. Wenn das Nest an einer ungefährlichen Stelle sitzt, ist Abwarten oft die ökologisch und finanziell sinnvollste Lösung.

Wer ist die richtige Anlaufstelle bei einem Hornissennest?

Die untere Naturschutzbehörde, meist beim Landratsamt oder bei der kreisfreien Stadt. Sie vermittelt geprüfte Fachkräfte – häufig auch ehrenamtliche Hornissenberater des NABU, die Nester nach Möglichkeit umsiedeln statt zu zerstören. Die Feuerwehr ist in der Regel nicht zuständig, außer bei akuter Gefahrenlage in stark frequentierten öffentlichen Bereichen.

Wie unterscheide ich ein Wespennest von einem Hornissennest?

Hornissen (Vespa crabro) sind mit 18–25 mm (Königin bis 35 mm) deutlich größer als Deutsche und Gemeine Wespe (11–16 mm) und rötlichbraun-gelb statt gelb-schwarz gefärbt. Hornissen interessieren sich nicht für Kuchen oder Limo. Ihre Nester sitzen oft in Baumhöhlen, Nistkästen, Schuppen oder Rollladenkästen; Deutsche und Gemeine Wespe nisten meist in Erdhöhlen oder dunklen Hohlräumen am Haus. Wer unsicher ist: Foto machen und bei der Naturschutzbehörde nachfragen – Hornissen sind besonders geschützt.

Kann ich ein Wespennest mit Hausmitteln vertreiben?

Nein – verlässliche Hausmittel zur Vertreibung etablierter Wespennester gibt es nicht. Für mit Wasser gefüllte Tüten, Räucherstäbchen oder ätherische Öle am Nest ist keine Wirkung belegt. Vorbeugung beginnt im Frühjahr mit der Kontrolle möglicher Bauplätze; ein Nestanfang an einer problematischen Stelle lässt sich entfernen, solange die Königin noch allein ist. Bei größeren Nestern bleibt nur der Fachbetrieb, das Umsiedeln durch einen Wespenberater oder Abwarten bis zum Herbst.

Allergie-Hinweis

Bei bekannter Wespenallergie das Nest keinesfalls selbst entfernen. Im Notfall nach einem Stich sofort den Notruf 112 wählen.

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