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Dengue-Fieber in Deutschland: Was Reiserückkehrer wissen müssen

Dengue-Fieber-Fälle steigen in Deutschland. Symptome erkennen, Risiko einschätzen, wann zum Arzt – und was die Tigermücke damit zu tun hat.

Arztgespräch nach Tropenreise – Dengue-Fieber Diagnose und Symptome erkennen

Medizinischer Hinweis

Dengue-Fieber kann in seltenen Fällen lebensbedrohlich verlaufen. Bei Fieber nach Tropenaufenthalt immer sofort einen Arzt aufsuchen und auf Reise und Mückenstiche hinweisen.

Dengue in Deutschland: aktuelle Lage

Dengue-Fieber gilt in Deutschland als importierte Infektionskrankheit: Die meisten Fälle betreffen Reisende, die sich in tropischen oder subtropischen Gebieten infiziert haben. In den letzten Jahren melden das RKI und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin jedoch eine deutliche Zunahme eingeschleppter Dengue-Fälle – parallel zur weltweiten Ausbreitung des Virus.

2023 und 2024 wurden global Rekordwerte bei Dengue-Infektionen verzeichnet, vor allem in Südamerika, Südostasien und seit kurzem auch in Südeuropa (Madeira, Teile Spaniens und Italiens). Reisende aus Deutschland kehren häufiger mit Dengue zurück als noch vor zehn Jahren.

Eine lokale Übertragung in Deutschland ist durch die Asiatische Tigermücke – Risiken und Schutzmaßnahmen theoretisch möglich, aber bislang sehr selten dokumentiert.

Weltkarte der Dengue-Risikogebiete – tropische Regionen in Südamerika, Asien und Afrika rot markiert
Dengue-Risiko weltweit: Hauptrisikogebiete sind tropische Länder in Südamerika, Süd- und Südostasien sowie Teile Afrikas. Auch Südeuropa gewinnt an Bedeutung.

Symptome erkennen

Dengue-Fieber verläuft in drei Phasen – das Erkennen der Warnzeichen ist entscheidend, weil der Übergang zu schwerem Dengue (Dengue haemorrhagique) schnell gehen kann.

Dengue-Verlauf: 3 Phasen

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    Phase 1: Fieberphase (Tag 1–3)

    Plötzliches hohes Fieber (39–40 °C), starke Kopfschmerzen, Augenhinterschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen ('Knochenbrecherfieber'). Übelkeit möglich.

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    Phase 2: Kritische Phase (Tag 4–5)

    Fieber kann fallen – aber Vorsicht: Das ist oft trügerisch. Gefäßpermeabilität steigt. Warnzeichen: starke Bauchschmerzen, anhaltenes Erbrechen, Blutungen aus Schleimhäuten, Atemprobleme.

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    Phase 3: Erholungsphase (Tag 6–7)

    Flüssigkeit kehrt ins Gefäßsystem zurück. Typischer Ausschlag (masernähnlich) erscheint. Erschöpfung und Schwäche können noch Wochen anhalten.

Inkubationszeit: 4–10 Tage nach dem Mückenstich. Wer innerhalb von zwei Wochen nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet Fieber bekommt, muss Dengue als Ursache in Betracht ziehen – und es dem Arzt sagen.

Warnzeichen für schweres Dengue

Sofort notfallmedizinische Hilfe suchen bei: starken Bauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen, Blutungen aus Zahnfleisch oder Nase, Blut im Urin oder Stuhl, schneller Atmung, Verwirrtheit oder Ohnmacht.

Tigermücke und Dengue in Deutschland

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist der Hauptvektor für Dengue in Südeuropa und kann das Virus theoretisch auch in Deutschland übertragen. Dafür müsste sie zunächst eine infizierte Person stechen – also einen Reiserückkehrer mit aktivem Dengue-Virus im Blut – und danach eine gesunde Person.

Die Tigermücke hat sich seit 2019 in Deutschland dauerhaft etabliert, vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Mit dem Klimawandel erweitert sie ihr Verbreitungsgebiet jedes Jahr. Das Risiko einer lokalen Übertragung steigt damit langfristig.

Tigermücke als Überträger: So funktioniert es

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    Stich an infiziertem Wirt

    Tigermücke sticht Person mit aktiver Dengue-Infektion (z.B. Reiserückkehrer) – nimmt Virus auf

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    Extrinsische Inkubationszeit

    Virus repliziert sich in der Mücke: 8–12 Tage bei warmen Temperaturen (über 25 °C)

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    Übertragung auf gesunde Person

    Mücke überträgt Virus beim nächsten Stich. Tagaktiv – sticht vor allem morgens und nachmittags

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    Infektionskette entsteht

    Voraussetzung: gleichzeitig infizierter Mensch und Tigermücke im selben Gebiet – in Deutschland bislang Ausnahme

Wie man Tigermücken von heimischen Mücken unterscheidet und Brutplätze eliminiert, erklärt Tigermücke in Deutschland – Risiken und Schutzmaßnahmen.

Wann zum Arzt

Nach Rückkehr aus einem Dengue-Risikogebiet gilt: Fieber innerhalb von 14 Tagen = Arztbesuch ohne Verzögerung. Wichtig beim Arztgespräch:

Was beim Arztbesuch sagen

  • Reiseziel und -zeitraum nennen – konkrete Region und Daten
  • Mückenstiche erwähnen – auch wenn diese 'normal' schienen
  • Symptombeginn genau benennen – Fieber, Kopfschmerzen, Ausschlag
  • Blutverdünnende Mittel nicht nehmen (kein Aspirin/Ibuprofen!) – erhöht Blutungsrisiko
  • Paracetamol ist bei Dengue die einzige empfohlene Fiebermedikation
  • Bei Warnzeichen (Bauchschmerzen, Blutungen): sofort Notaufnahme

Eine Diagnose erfolgt durch Bluttest (NS1-Antigen oder PCR in der akuten Phase, Antikörpertest ab Tag 5). Dengue ist in Deutschland meldepflichtig nach Infektionsschutzgesetz.

Schutz vor und nach Reisen

Gegen Dengue gibt es keinen universellen Impfstoff für Erstinfizierte. Schutz entsteht ausschließlich durch konsequente Mückenabwehr – vor allem in Risikogebieten.

Dengue-Schutz vor, während und nach der Reise

  1. Vor der Reise: reisemedizinische Beratung

    Tropenarzt oder reisemedizinisches Zentrum aufsuchen – Risikoeinschätzung und Impfstatus klären

  2. Unterwegs: Repellent konsequent nutzen

    DEET (30–50 %) oder Picaridin auf alle exponierten Stellen – auch tagsüber, da Tigermücke tagaktiv ist

  3. Unterwegs: Schutzkleidung

    Lange, helle Kleidung. Kleidung mit Permethrin imprägnieren für Langzeitschutz

  4. Unterwegs: Unterkunft prüfen

    Klimatisierte Räume, Moskitonetz mit feiner Maschenweite (max. 1,2 mm)

  5. Nach der Reise: Fieber beobachten

    Bis 14 Tage nach Rückkehr Temperatur im Blick behalten – bei Fieber sofort Arzt aufsuchen

Wie man Mücken generell effektiv bekämpft und fernhält, erklärt Mücken bekämpfen – welche Mittel und Methoden wirklich helfen.

Häufige Fragen

Kann man sich in Deutschland mit Dengue infizieren?

Eine Übertragung innerhalb Deutschlands ist theoretisch möglich, wenn eine Tigermücke eine infizierte Person sticht und danach eine gesunde Person. Dokumentierte Fälle in Deutschland sind bislang Einzelfälle. Das Hauptrisiko besteht in tropischen und subtropischen Reisegebieten.

Welche Symptome hat Dengue-Fieber?

Plötzlich einsetzendes hohes Fieber (39–40 °C), starke Kopfschmerzen, Schmerzen hinter den Augen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie ein masernähnlicher Ausschlag am 3.–5. Tag. Die Inkubationszeit beträgt 4–10 Tage nach dem Stich.

Gibt es eine Dengue-Impfung für Reisende nach Deutschland?

Es gibt eine Dengue-Impfung (Dengvaxia), die aber nur für Personen empfohlen wird, die eine Dengue-Infektion bereits durchgemacht haben und erneut in Risikogebiete reisen. Für Erstinfizierte ist die Impfung nicht geeignet. Reisemedizinische Beratung ist vor Tropenreisen sinnvoll.

Welche Schmerzmittel darf man bei Dengue nicht nehmen?

Ibuprofen, Aspirin und andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sind bei Dengue kontraindiziert – sie erhöhen das Blutungsrisiko. Einzige empfohlene Fiebermedikation ist Paracetamol. Kein Selbst-Medikamentieren – immer Arzt aufsuchen.

Wie lange ist man nach Dengue-Fieber krank?

Die akute Erkrankungsphase dauert 7–10 Tage. Erschöpfung, Schwäche und depressive Verstimmung können noch mehrere Wochen anhalten – bekannt als post-Dengue-Fatigue. Schwere Verläufe erfordern stationäre Behandlung und längere Erholung.

Kann man Dengue mehrfach bekommen?

Ja – und eine Zweitinfektion verläuft oft schwerer als die Erstinfektion. Es gibt 4 Dengue-Serotypen; wer einen überstanden hat, ist nur gegen diesen immun. Eine Infektion mit einem anderen Serotyp kann durch Antikörper-abhängige Verstärkung (ADE) zu schwereren Verläufen führen.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fieber nach Tropenreise immer sofort einen Arzt aufsuchen. Dengue kann unbehandelt lebensbedrohlich verlaufen.

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