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Garten & Außenbereich 12 Min. Lesezeit

Igel im Garten schützen: Lebensraum gestalten und Gefahren vermeiden

Igel im Garten schützen und fördern: Welche Gefahren Igeln drohen, wie man den Garten igelfreundlich gestaltet und was bei einem verletzten Igel zu tun ist.

Igel im deutschen Garten bei Dämmerung – besonders geschützt nach BNatSchG

Rechtlicher Hinweis

Der Igel (Erinaceus europaeus) ist besonders geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung. Das Fangen, Töten, Verletzen oder dauerhaft in Gefangenschaft Halten ist verboten und kann mit Bußgeldern bis zu 10.000 Euro geahndet werden.

Igel gelten als Sympathieträger – kaum ein Gartentier genießt so viel Zuneigung. Dennoch sterben in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise eine Million Igel durch menschliche Eingriffe: Rasenmäher, Mähroboter, Gartennetze, Schächte, Giftköder und der Straßenverkehr. Dabei ist der Igel einer der nützlichsten Gartenbewohner überhaupt: Er frisst Schnecken, Käfer und deren Larven in beträchtlichen Mengen und reguliert Schädlingspopulationen auf natürliche Weise.

Wer seinen Garten igelfreundlich gestaltet, profitiert doppelt – ökologisch und als biologischer Schädlingsschutz. Umfassende Informationen zum Schutzstatus aller Gartentiere finden Sie auch im Ratgeber Geschützte Tiere im Garten – Strafen und Regeln.

Schutzstatus und Rechtliches

Der Europäische Igel (Erinaceus europaeus) ist in Deutschland besonders geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit Anhang A der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). Das bedeutet:

  • Das Fangen, Töten, Verletzen oder mutwillige Stören ist verboten
  • Das Zerstören von Nestern und Winterschlafquartieren ist verboten
  • Das dauerhafte Halten als Haustier ist verboten
  • Verstöße: Bußgeld bis 10.000 Euro nach § 69 BNatSchG

Was ist erlaubt:

  • Das kurzzeitige Aufnehmen eines verletzten oder kranken Igels zur Pflege (mit Ziel der Auswilderung)
  • Das Aufstellen von Igelhäuschen und Laubhaufen als Quartierangebot
  • Das Kontaktieren einer Igelschutzstation bei Hilfsbedarf

Igel als wertvoller Gartennützling

Ein ausgewachsener Igel frisst pro Nacht 200–500 Gramm Nahrung – das entspricht einem erheblichen Anteil seiner Körpermasse. Auf dem Speiseplan stehen:

  • Nacktschnecken und Gehäuseschnecken – besonders wertvoll für Gemüsegärtner
  • Regenwürmer – wichtige Eiweißquelle
  • Käfer und Käferlarven – darunter Engerlinge (Larven des Maikäfers und des Junikäfers)
  • Kellerasseln, Tausendfüßler, Ohrwürmer
  • Gelegentlich: Raupen, Heuschrecken, Ameisenpuppen

Ein Igel im Garten ersetzt in gewissem Maß Schneckenkorn, Insektizide und andere Interventionen. Er ist damit Teil einer nachhaltigen Schädlingsregulierung. Mehr zu biologischen Alternativen lesen Sie im Ratgeber Nützlinge im Garten fördern.

Die größten Gefahren für Igel im Garten

Rasenmäher und Motorsensen: Igel liegen tagsüber versteckt im hohen Gras oder in Laubhaufen und schlafen tief. Sie flüchten bei Gefahr nicht – sie rollen sich ein. Das führt zu schweren Verletzungen oder Tod. Vor dem Mähen: Fläche absuchen, besonders unter Hecken und in Ecken.

Mähroboter: Mähroboter sind die häufigste Einzelursache für Igelsterblichkeit in Privatgärten. Sie laufen auch nachts – genau dann, wenn Igel aktiv sind. Lösung: Mähroboter nur tagsüber (9–20 Uhr) laufen lassen, nie nachts.

Gartennetze und Teichfolien: Igel verfangen sich in engen Netzen (Erdbeernetze, Obstnetze, Teichfolie mit Falten) und verhungern oder erwürgen sich. Alternative: Teiche mit flacher Rampe oder Steintreppe ausstatten, engmaschige Netze vermeiden.

Kellerabgänge und Schächte: Offene Schächte, Abwassergräben oder Kellertreppen ohne Ausstiegsmöglichkeit sind Todesfallen. Abdecken oder mit Rampe ausstatten.

Gartenchemikalien: Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd ist für Igel hochgiftig – sie fressen vergiftete Schnecken und vergiften sich. Eisen-III-Phosphat-Präparate (z. B. Ferramol) sind igelverträglich und rechtlich empfohlen. Rodentizide (Rattengift) töten Igel sekundär durch vergiftete Nagetiere.

Bonfire-Gefahr im Herbst: Reisig- und Laubhaufen, die im Herbst angelegt und dann verbrannt werden, können schlafende Igel enthalten. Vor dem Anzünden: Haufen komplett umsetzen und kontrollieren.

Igelfreundlichen Garten gestalten

Maßnahmen für einen igelfreundlichen Garten

  • Laubhaufen in einer ruhigen Gartenecke als Winterschlafquartier belassen (Oktober bis April nicht bewegen)
  • Holzstapel und Reisighaufen als Tagesquartiere anbieten
  • Igeldurchgänge in Zäunen: Mindestens 13×13 cm Öffnung, damit Igel wandern können
  • Gartenteich mit flacher Steinrampe oder Brett als Ausstiegshilfe ausstatten
  • Mähroboter nur tagsüber (9–20 Uhr) betreiben, nie nachts
  • Vor dem Rasenmähen Fläche auf schlafende Igel absuchen
  • Schneckenkorn mit Metaldehyd ersetzen durch Eisen-III-Phosphat (igelverträglich)
  • Schächte und Kellerzugänge abdecken oder mit Ausstiegsmöglichkeit versehen
  • Auf engmaschige Gartennetze verzichten oder erst abends aufhängen
  • Wildblumen und Wildkräuter zulassen: Sie fördern die Insekten, die Igel fressen
Igel im Laubhaufen – Winterschlafquartier unter der Gartenhecke
Laubhaufen unter Hecken sind ideale Winterschlafquartiere. Sie sollten von Oktober bis April unberührt bleiben.

Verletzter oder hilfloser Igel – was tun?

Wann ist ein Igel wirklich in Not?

  • Tagsüber aktiv und sichtbar (Igel schlafen tagsüber – Ausnahme: kurz nach Sonnenuntergang)
  • Taumelt, dreht sich im Kreis oder liegt auf der Seite
  • Hat sichtbare Wunden, Blut oder starken Parasitenbefall
  • Wiegt im Herbst (Oktober/November) unter 500 Gramm (zu leicht für den Winterschlaf)
  • Liegt regungslos und reagiert nicht auf leichte Berührung

Was zu tun ist:

  1. Igel mit dicken Gartenhandschuhen in eine Kiste mit Luftlöchern setzen (mit altem Tuch als Unterlage)
  2. Kiste ruhig und warm stellen – kein Zugluft, kein Lärm
  3. Nächste Igelstation kontaktieren (Adressen: nabu.de oder igel-in-not.de)
  4. Alternativ: Tierarzt anrufen – die meisten behandeln Igel, oft kostenlos oder günstig

Was nicht tun: Kein Milch! Igel sind laktoseintolerant und bekommen Durchfall. Kein Hundefutter (oft zu salzig). Kein Aufwärmen mit Heizung (Überhitzungsgefahr). Den Igel nicht dauerhaft behalten – das ist verboten.

Igel füttern: Was erlaubt und was sinnvoll ist

Grundsätzlich brauchen gesunde Igel keine menschliche Fütterung. Sie finden in einem strukturreichen Garten genug Nahrung. Fütterung kann jedoch in zwei Situationen sinnvoll sein:

Sinnvoll: Im Herbst (Oktober/November) bei Igelwelpen, die noch zu leicht für den Winterschlaf sind (unter 500 g), oder bei Igeln, die nach dem Winterschlaf sehr geschwächt aufwachen.

Geeignetes Futter: Feuchtes Katzenfutter (Fleisch, kein Fisch), hartgekochte Eier, ungewürzte Hackfleischbällchen. Frisches Wasser bereitstellen.

Niemals füttern mit: Milch (laktoseintolerant), Brot und Gebäck, Rosinen und Obst, gewürzten Speiseresten.

Wenn gefüttert wird: Fütterungsplatz abends aufstellen, morgens wieder reinräumen – damit keine Ratten angelockt werden.

Winterschlaf schützen: Oktober bis April

Igel halten von Oktober/November bis März/April Winterschlaf. Dabei sinkt ihre Körpertemperatur auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz fallen drastisch. In dieser Zeit verbrauchen sie ihre Fettreserven – sie benötigen mindestens 500–600 Gramm Körpergewicht, um den Winter zu überleben.

Typische Winterschlafquartiere: Laubhaufen, Reisighaufen, unter Holzstapeln, in Komposthaufen, unter Gartenhütten oder in speziellen Igelhäuschen.

Was im Winter zu unterlassen ist: Laubhaufen umsetzen oder verbrennen, Kompost tief umgraben, Holzstapel abräumen ohne Kontrolle.

Igelhäuschen: Fertige Igelhäuschen aus Holz mit kleinem Eingang (nur Igel-groß) sind sinnvolle Ergänzungen, ersetzen aber keine natürlichen Strukturen. Eingang sollte von Katzen nicht erreichbar sein – langer Gang zur Schlafkammer ist wichtig.

Gartenteich mit Rampe als Ausstiegshilfe für Igel – igelfreundliche Gestaltung
Gartenteiche ohne flachen Ausstieg sind Todesfallen für Igel. Eine einfache Holzrampe oder ein Stein am Rand kann Leben retten.

Häufige Fragen

Darf ich einen Igel im Garten anfassen?

Gesunde Igel sollten nicht angefasst werden. Einen verletzten, kranken oder tagsüber orientierungslos umherlaufenden Igel darf man mit Handschuhen aufnehmen und zur Igelstation bringen. Das Aufnehmen zur Pflege ist legal, das dauerhafte Halten verboten.

Was fressen Igel im Garten?

Igel fressen hauptsächlich Regenwürmer, Käfer, Schnecken, Kellerasseln und andere Bodentiere. Sie brauchen keine Fütterung. Milch ist schädlich – Igel sind laktoseintolerant.

Wann sind Igel aktiv?

Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv, von April bis Oktober. Im Winter halten sie Winterschlaf. Ein tagsüber aktiver Igel ist meist krank oder in Not.

Wie erkenne ich einen hilflosen Igel?

Hilfsbedarf: Igel liegt regungslos, taumelt, ist tagsüber aktiv, hat Verletzungen oder wiegt im Herbst unter 500 Gramm. Igelstation oder Tierarzt kontaktieren.

Sind Igelflöhe auf Menschen übertragbar?

Igelflöhe befallen gelegentlich Menschen, stechen aber selten. Sie sind wirtsspezifisch und verlassen den Menschen schnell. Eine dauerhafte Infestation ist nicht möglich. Nach Igelkontakt Hände waschen.

Igel sind besonders geschützt nach § 44 BNatSchG. Das Fangen, Töten oder dauerhafte Halten ist verboten. Verletzten Igeln kann durch Aufnahme und Übergabe an eine Igelstation geholfen werden – das ist ausdrücklich erlaubt. Igelstationen finden Sie über nabu.de oder igel-in-not.de.

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