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Garten & Außenbereich 16 Min. Lesezeit

Geschützte Tiere im Garten: Was erlaubt ist und welche Strafen drohen

Hornisse, Fledermaus, Igel – viele Tiere im Garten stehen unter Naturschutz. Welche Arten geschützt sind, was bei Verstößen droht und was Sie tun dürfen.

Geschützte Tiere im Garten – Igel, Hornisse und Fledermaus unter Naturschutz in Deutschland

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Rechtliche Grundlagen wie das BNatSchG können sich ändern, und die Anwendung im Einzelfall hängt von den Umständen ab. Bei konkreten Fragen zu geschützten Tieren in Ihrem Garten wenden Sie sich an die zuständige untere Naturschutzbehörde Ihrer Gemeinde oder an einen zertifizierten Naturschutzberater.

Sie stehen im Garten, entdecken ein großes Hornissennest unter dem Dachvorsprung der Laube – und Ihr erster Impuls ist: Weg damit. Oder Sie bemerken Fledermäuse, die abends aus einem Spalt unter der Dachschräge aus- und einfliegen, und fragen sich, ob Sie die Öffnung beim nächsten Dachausbau einfach verschließen dürfen. Viele Gartenbesitzer stehen genau vor diesen Fragen und wissen nicht: Ein unbedachter Eingriff kann teuer werden – sehr teuer.

In Deutschland schützt das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) eine Vielzahl von Wildtieren, die auch im normalen Hausgarten vorkommen. § 44 BNatSchG definiert klare Verbote: Wer bestimmte Tiere fängt, tötet, verletzt oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zerstört, riskiert Bußgelder bis zu 65.000 Euro – in schweren Fällen sogar Freiheitsstrafen. Diese Seite erklärt, welche Arten in Ihrem Garten unter Schutz stehen, was konkret verboten ist, was Sie trotzdem tun dürfen und wie Sie im Zweifelsfall richtig handeln.

Wenn Sie speziell ein Hornissennest im Garten entdeckt haben, finden Sie dort einen ausführlichen Leitfaden zur sicheren Koexistenz und zu den Schritten für eine behördlich genehmigte Umsiedlung.

Rechtlicher Rahmen: § 44 BNatSchG

Das Bundesnaturschutzgesetz unterscheidet zwei Schutzkategorien, die ganz unterschiedliche Rechtsfolgen nach sich ziehen.

Besonders geschützte Arten (§ 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG) umfassen alle europäischen Vogelarten sowie Tier- und Pflanzenarten, die in Anhang A oder B der EG-Artenschutzverordnung 338/97, in Anhang IV der FFH-Richtlinie oder in der Bundesartenschutzverordnung gelistet sind. Für diese Arten gilt: Fangen, Töten, Verletzen und die erhebliche Störung während sensibler Lebensphasen (Fortpflanzung, Aufzucht, Überwinterung, Wanderung) sind verboten. Ebenso verboten ist das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten.

Streng geschützte Arten (§ 7 Abs. 2 Nr. 14 BNatSchG) bilden eine Untergruppe mit noch härteren Schutzanforderungen. Sie sind zusätzlich in Anhang A der EG-VO 338/97, Anhang IV der FFH-Richtlinie oder als streng geschützt in der Bundesartenschutzverordnung gelistet. Hier gelten dieselben Verbote – aber der Bußgeldrahmen und die Strafbarkeit gehen deutlich weiter.

Sanktionen im Überblick:

  • § 69 BNatSchG (Ordnungswidrigkeit): Bußgelder bis zu 65.000 Euro für Verstöße gegen die Zugriffsverbote bei besonders und streng geschützten Arten.
  • § 71 BNatSchG (Straftat): Bei streng geschützten Arten drohen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen, wenn die Tat gewerbs- oder gewohnheitsmäßig begangen wird oder sich auf ein Exemplar von besonderem wissenschaftlichem oder kulturellem Wert bezieht.

Zusätzlich gilt § 39 BNatSchG als allgemeiner Schutz für alle wild lebenden Tiere: Das mutwillige Verletzen oder Töten auch nicht gelisteter Wildtiere ist grundsätzlich verboten.

Streng geschützte Arten: Höchste Bußgelder

Streng geschützte Arten genießen den umfassendsten Schutz des deutschen Naturschutzrechts. Im Garten und am Haus begegnet man ihnen häufiger als gedacht. Das Besondere: Nicht nur das Tier selbst ist geschützt – auch sein Nest, sein Quartier, seine Schlafplätze und Überwinterungsstätten stehen unter gesetzlichem Schutz. Wer hier eingreift, handelt auch dann illegal, wenn das Tier gerade nicht anwesend ist.

Hornisse (Vespa crabro)

Die Hornisse ist die größte in Deutschland heimische Wespenart – und eine der am besten geschützten. Sie ist in Anhang A der EG-Artenschutzverordnung 338/97 gelistet und damit streng geschützt nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 BNatSchG. Das bedeutet: maximale Schutzwirkung mit den härtesten Sanktionen.

Was ist verboten:

  • Das Zerstören, Beschädigen oder Entfernen eines Hornissennests
  • Das Töten, Fangen oder Verletzen einzelner Hornissen
  • Das Besprühen des Nests mit Insektiziden oder anderen Substanzen
  • Das Verschließen der Nestöffnung
  • Das bewusste Stören des Nests während der Brutzeit

Was ist erlaubt:

  • Das Beobachten des Nests aus sicherem Abstand
  • Das Absperren des Nestbereichs für andere Personen (empfehlenswert)
  • Das Kontaktieren der unteren Naturschutzbehörde für eine Genehmigung zur Umsiedlung
  • Bei akuter Gefahr (Allergiker, Nest am Kinderspielbereich): Antrag auf Ausnahmegenehmigung stellen

Eine Umsiedlung des Hornissennests ist nur mit einer Ausnahmegenehmigung der zuständigen unteren Naturschutzbehörde legal. Viele Gemeinden vermitteln kostenlos zertifizierte Imker oder Naturschutzhelfer, die die Umsiedlung fachgerecht durchführen. Die Genehmigung wird in der Regel bei konkreter Gefahrenlage (nachgewiesene Insektenallergie im Haushalt, direkter Neststandort an Hausdurchgang) erteilt.

Wichtig zu wissen: Hornissenvölker sind einjährig. Das Nest wird im Frühjahr von einer einzelnen Königin gegründet und im Oktober oder November verlassen. Danach ist das leere Nest gefahrlos und legal entfernbar. In vielen Fällen ist Abwarten die einfachste und günstigste Lösung.

Bußgeld bei Verstoß: bis zu 65.000 Euro. In gewerblichen Fällen ist auch eine Strafverfolgung nach § 71 BNatSchG möglich.

Ausführliche Informationen zum richtigen Umgang finden Sie im Ratgeber Wespennest entfernen – was erlaubt ist und was nicht.

Hornissennest unter einem Dachvorsprung – streng geschützt nach BNatSchG
Hornissennester unter Dachvorsprüngen oder in Hohlräumen sind als Fortpflanzungsstätte vollständig geschützt – auch wenn keine Tiere sichtbar sind.

Fledermäuse (alle 25 Arten)

Alle 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten sind streng geschützt – ausnahmslos. Sie sind in Anhang IV der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) gelistet und damit nach § 44 BNatSchG streng geschützt. Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel: Es gibt in Deutschland keine Fledermausart, die nicht unter striktem Schutz steht.

Was ist verboten:

  • Das Fangen, Töten oder Verletzen von Fledermäusen
  • Das Stören von Fledermäusen während des Winterschlafs, der Aufzucht oder des Tagschlafs
  • Das Beschädigen, Zerstören oder Verschließen von Fledermausquartieren – also Spalten, Hohlräume unter Dachziegeln, Dachböden, Baumhöhlen
  • Das Verschließen von Gebäudespalten während der Aktivphase (März bis Oktober) ohne Genehmigung

Das Quartier ist ganzjährig geschützt, auch wenn die Fledermäuse gerade nicht anwesend sind. Das bedeutet: Eine Dachsanierung, bei der bekannte Fledermausquartiere betroffen sind, muss vorab mit der Naturschutzbehörde abgestimmt werden. In der Praxis erfordert das eine Bestandserfassung (Kartierung), einen Zeitplan außerhalb der Wochenstubenzeit und in vielen Fällen den Einbau von Ersatzquartieren.

Was tun bei einer Fledermaus im Zimmer:

Falls eine Fledermaus ins Haus geflogen ist: Ruhe bewahren, alle Innentüren schließen, Fenster weit öffnen, Licht ausschalten und warten. Fledermäuse orientieren sich mit Ultraschall und finden den Ausgang in der Regel selbst. Nicht mit Handtüchern schlagen oder einfangen. Falls das Tier verletzt oder bewusstlos ist, können Sie es vorsichtig mit dicken Handschuhen aufheben und in einem Karton mit Luftlöchern zwischenunterbringen – dann umgehend die lokale Wildtierhilfe oder ein Fledermausschutzzentrum kontaktieren.

Bußgeld bei Verstoß: bis zu 65.000 Euro. Schwere Fälle können als Straftat nach § 71 BNatSchG verfolgt werden.

Fledermaus in einem Dachquartier – streng geschützt nach FFH-Richtlinie und BNatSchG
Fledermausquartiere unter Dachziegeln oder in Gebäudespalten stehen ganzjährig unter Schutz – auch bei Leerstand.

Mauersegler & Schwalben

Zwei Vogelarten, die regelmäßig an und in Gebäuden brüten, stehen besonders im Fokus bei Fassaden- und Dacharbeiten: der Mauersegler und die Rauchschwalbe.

Mauersegler (Apus apus) sind streng geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit Anhang IV der FFH-Richtlinie. Sie brüten in Nischen und Spalten an Gebäudefassaden, unter Dachziegeln und in Regenrinnen. Ihre Brutzeit dauert von Mai bis August. Das Verschließen von Niststätten während dieser Zeit ist eine Straftat. Bußgeld: bis zu 65.000 Euro.

Rauchschwalbe (Hirundo rustica) ist besonders geschützt nach § 44 BNatSchG als europäischer Brutvogel. Nester der Rauchschwalbe, die aus Lehm und Speichel an Stalldecken, Scheunen oder Hauswänden gebaut werden, dürfen während der Brutzeit (April bis August) nicht entfernt werden. Bußgeld: bis zu 50.000 Euro.

Was ist verboten:

  • Das Entfernen von Nestern während der Brutzeit (April bis August)
  • Das Verschließen von Mauerseglerquartieren, solange die Tiere anwesend sind oder anwesend sein könnten
  • Das absichtliche Stören der Brut durch Erschütterungen, Lärm oder Abdecken der Nester

Was ist erlaubt:

  • Das Entfernen verlassener Rauchschwalbennester außerhalb der Brutzeit (September bis März) nach sicherem Verlassen
  • Das Planen von Fassadenarbeiten für den Zeitraum September bis Februar
  • Das Anbringen von Nistkästen oder Nisthilfen als Ausgleichsmaßnahme bei unvermeidbaren Eingriffen

Wenn Sie Renovierungsarbeiten an einer Fassade planen, an der Mauersegler oder Schwalben brüten, sollten Sie frühzeitig Kontakt mit der Naturschutzbehörde aufnehmen. Viele Kommunen unterstützen bei der Planung von Ausgleichsmaßnahmen wie der Installation von Kunstnestern.

Mauersegler am Einflugsloch einer Gebäudefassade – streng geschützt während der Brutzeit
Mauersegler kehren jedes Jahr zu denselben Niststätten zurück. Das Verschließen ihrer Einflugslöcher ist auch außerhalb der Brutzeit genehmigungspflichtig.

Besonders geschützte Arten im Garten

Neben den streng geschützten Arten gibt es eine größere Gruppe von Tieren, die „besonders geschützt” sind – mit etwas niedrigerem Bußgeldrahmen, aber dennoch klaren gesetzlichen Verboten. Auch hier gilt: Das Fangen, Töten und Stören sowie das Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten sind verboten. Wer einen Maulwurf mit einer Tötungsfalle bekämpft oder eine Blindschleiche beim Kompostieren mit dem Spaten erschlägt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Ausführlichere Informationen zu einem häufig verwechselten Gartenbewohner finden Sie im Ratgeber Maulwurf oder Wühlmaus – Unterschiede und was tun?.

Igel (Erinaceus europaeus)

Der Igel ist in Deutschland besonders geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung. Er ist damit der wohl bekannteste geschützte Gartenbewohner – und gleichzeitig einer der am häufigsten gefährdeten, denn die größten Gefahren für Igel gehen von gängiger Gartenarbeit aus.

Was ist verboten:

  • Das Fangen, Töten oder Verletzen von Igeln
  • Das dauerhafte Halten in Gefangenschaft (auch gut gemeint)
  • Das Zerstören von Igelnestern in Laubhaufen, Reisig oder unter Hecken

Häufige Gefahren im Garten, die Sie vermeiden können:

  • Rasenmäher und Motorsensen: Igel schlafen tagsüber versteckt im Gras oder in Laub. Vor dem Mähen lohnt sich ein kurzes Absuchen der Fläche.
  • Laubgebläse und Laubrechen: Igel überwintern in Laubhaufen. Solche Haufen erst im Frühjahr nach Ende der Überwinterungszeit (ab April) bewegen.
  • Gartennetze und Teichfolie: Igel können sich in engen Maschen verfangen und verhungern. Teiche sollten eine flache Ausstiegsmöglichkeit haben (Brett, flache Steinrampe).
  • Kellerabgänge und Schächte ohne Abdeckung sind Todesfallen für Igel, die hineinfallen und nicht mehr herauskommen.

Was tun bei einem verletzten Igel:

Gesunde Igel, die nachts umherlaufen, brauchen keine Hilfe. Aber: Ein Igel, der tagsüber orientierungslos umherläuft, der bewusstlos ist, der offensichtliche Verletzungen hat oder der im Herbst deutlich unter 500 Gramm wiegt (zu leicht für die Überwinterung), braucht Hilfe. Das Aufnehmen zur vorübergehenden Pflege ist legal. Bringen Sie das Tier zu einer Igelstation (Adressen über nabu.de oder die Deutsche Wildtierstiftung) oder zum Tierarzt.

Das dauerhafte Halten eines Igels als Haustier ist dagegen verboten – auch wenn er sich wohlfühlt.

Igel im deutschen Garten – besonders geschützt nach BNatSchG
Igel sind besonders geschützt und nützliche Gartenbewohner. Laubhaufen im Herbst stehen zu lassen schützt ihre Überwinterungsquartiere.

Blindschleiche (Anguis fragilis)

Wer das erste Mal eine Blindschleiche im Garten sieht, erschrickt häufig: Das schlangenähnliche Tier sieht gefährlich aus. Dabei ist die Blindschleiche keine Schlange, sondern eine beinlose Echse – harmlos, nützlich und besonders geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung.

Blindschleichen erkennt man an ihrer schuppenartigen, gleichmäßig bronzefarbenen oder grauen Haut, ihren beweglichen Augenlidern (Schlangen haben keine Lider) und ihrem abgerundeten Schwanz. Sie werden 30 bis 50 cm lang und bewegen sich gleitend, aber ohne das wellenförmige Schlangenkriechen.

Lebensraum im Garten: Blindschleichen leben bevorzugt im Kompost, unter flachen Steinen, unter Folienstücken oder in lockerer Erde. Sie wärmen sich durch Kontakt mit wärmespeichernden Oberflächen auf, da sie wechselwarm sind.

Warum sie so wertvoll sind: Blindschleichen sind ausgezeichnete Nützlinge. Ihre Hauptnahrung sind Nacktschnecken, Regenwürmer und Insektenlarven. Wer Blindschleichen im Garten hat, braucht weniger Schneckenkorn. Deshalb ist es auch aus gärtnerischer Sicht sinnvoll, diese Tiere zu schützen und zu fördern.

Was ist verboten:

  • Das Fangen, Töten oder Verletzen von Blindschleichen
  • Das Zerstören ihrer Verstecke und Überwinterungsquartiere (z. B. Steinhaufen, Komposthaufen)

Als natürliche Schneckenbekämpfer ergänzen Blindschleichen andere umweltfreundliche Methoden – mehr dazu im Ratgeber Schnecken im Garten bekämpfen.

Blindschleiche auf dem Gartenboden – besonders geschützte beinlose Echse
Die Blindschleiche ist keine Schlange, sondern eine beinlose Echse. Sie ist besonders geschützt und bekämpft wirkungsvoll Nacktschnecken im Garten.

Wildbienen & Hummeln

Deutschland beheimatet rund 570 Wildbienenarten – und die überwiegende Mehrheit davon steht unter besonderem Schutz nach § 44 BNatSchG. Dazu zählen neben den verschiedenen Mauerbienen-, Sandbienen- und Blattschneiderbienen auch alle Hummelarten.

Erdbienen-Nester: Viele Wildbienenarten nisten im Boden. Wer im Frühjahr plötzlich eine rege Flugaktivität über einem sandigen Gartenbereich beobachtet, hat wahrscheinlich eine Erdbienen-Kolonie entdeckt. Diese Nester dürfen nicht umgegraben, übergossen oder anderweitig zerstört werden. Erdbienen sind nicht aggressiv und stechen in der Regel nicht.

Hummeln: Hummelkolonien entstehen ebenfalls oft im Boden – in alten Mäusenestern, unter Terrassenplatten oder im Kompost. Auch Hummelkolonien sind besonders geschützt. Wird ein Hummelnest bei Gartenarbeiten entdeckt, sollte der Bereich bis zum Ende der Saison (Oktober/November) gemieden werden.

Was Sie aktiv tun können:

  • Ein Insektenhotel aufhängen fördert Hohlraumbewohner (Mauerbienen, Solitärwespen) und ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht
  • Offene Sandflächen im Garten belassen fördert Erdbienen
  • Auf chemische Pestizide verzichten schützt alle Bestäuber

Das Aufstellen eines Insektenhotels ist eine legale, sinnvolle und geförderte Maßnahme zur Artenförderung – keine Einschränkung.

Insektenhotel im Garten für Wildbienen – Förderung besonders geschützter Arten
Ein Insektenhotel fördert Wildbienen und andere nützliche Hohlraumbewohner. Die meisten Wildbienenarten in Deutschland stehen unter besonderem Naturschutz.

Erdkröte (Bufo bufo)

Die Erdkröte ist das häufigste Amphibium Deutschlands – und einer der nützlichsten Gartenbewohner. Eine einzige Erdkröte frisst pro Nacht bis zu 100 Insekten, Schnecken und Würmer. Trotzdem ist sie in Deutschland besonders geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). Das Töten, Fangen oder erhebliche Stören von Erdkröten sowie das Zerstören ihrer Laich- und Überwinterungsquartiere ist eine Ordnungswidrigkeit – Bußgeld bis zu 10.000 Euro.

Lebensweise im Garten:

Erdkröten verbringen den Sommer nahezu vollständig an Land – unter Hecken, in Komposthaufen, unter Steinen oder Holzstapeln. Tagsüber ruhen sie in feuchten Verstecken, nachts jagen sie aktiv Schnecken, Würmer und Insekten. Im Herbst graben sie sich für den Winterschlaf ein, bevorzugt in lockerem Erdreich unter Wurzeln oder in Laubhaufen. Ihr Lebensraum überschneidet sich damit erheblich mit typischen Gartenbereichen – sie kommen also zu Ihnen, nicht umgekehrt.

Die Krötenwanderung: höchste Gefährdungszeit

Von Februar bis April wandern Erdkröten zu ihren angestammten Laichgewässern zurück. Diese sogenannte „Krötenwanderung” erfolgt instinktgesteuert und führt regelmäßig über stark befahrene Straßen. Allein auf deutschen Straßen sterben jedes Jahr schätzungsweise mehrere Millionen Amphibien im Straßenverkehr. Das mutwillige Überfahren von Kröten ist nach § 39 BNatSchG bußgeldbewehrt.

Viele Kommunen und Naturschutzvereine betreiben während der Wanderzeit Krötenzäune mit ehrenamtlichen Helfern, die Tiere täglich in Eimern auffangen und sicher über die Straße tragen. Das aktive Helfen bei diesen Aktionen ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Kontakt zu lokalen Aktionen vermittelt der NABU oder die jeweilige Gemeinde.

Was ist verboten:

  • Das Fangen, Töten oder Verletzen von Erdkröten
  • Das Zerstören von Laichgewässern oder Laichschnüren (die charakteristischen, meterlangen Laichschnüre – im Unterschied zu den Laichballen der Frösche)
  • Eingriffe in Überwinterungsquartiere zur Herbst-/Winterzeit (z. B. tief umgraben, wo Kröten eingewintert sind)
  • Das mutwillige Überfahren bei der Frühjahreswanderung

Was ist erlaubt und aktiv hilfreich:

  • Erdkröten beim Überqueren von Straßen oder gefährlichen Stellen vorsichtig umsetzen – das ist kein Verstoß, sondern Artenschutzhilfe
  • Einen Gartenteich mit flachem Ufer und Flachwasserzone anlegen: schafft idealen Laichraum
  • Steinhaufen, Laubreste und Holzstapel als Verstecke und Überwinterungsquartiere stehen lassen
  • Bei lokalen Krötenwanderaktionen mitmachen und mithelfen

Laichschnüre im Teich – was tun?

Wenn Sie im Frühjahr lange, gallertartige Schnüre mit schwarzen Punkten in Ihrem Gartenteich entdecken, handelt es sich wahrscheinlich um Erdkrötenlaich. Diese Laichschnüre dürfen keinesfalls entfernt, umgepflanzt oder in andere Gewässer verbracht werden. Einfach in Ruhe lassen: Die Kaulquappen schlüpfen nach 2–3 Wochen und verlassen den Teich nach der Metamorphose im Frühsommer als winzige Jungkröten. Achten Sie darauf, dass Teichfolie oder Beeteinfassungen keine unüberwindbaren Barrieren darstellen.

Häufiger Irrtum: Kröten und Warzen

Der Kontakt mit Erdkröten verursacht keine Warzen – das ist ein hartnäckiger Volksmythos. Die Haut der Erdkröte enthält milde Abwehrstoffe (Bufadienolide) in den Ohrspeicheldrüsen (Parotoiddrüsen) hinter den Augen. Diese können bei Hautkontakt leichte Reizungen verursachen, aber keine Warzen. Nach dem Anfassen die Hände waschen – das genügt.

Erdkröte (Bufo bufo) auf Moos im deutschen Garten – besonders geschützt nach BNatSchG
Die Erdkröte ist Deutschlands häufigste Amphibienart – besonders geschützt und ein wertvoller Nützling, der nächtelang Schnecken und Insekten jagt.

Strafrahmen im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt den gesetzlichen Bußgeldrahmen für die häufigsten im Garten vorkommenden geschützten Arten. Zu beachten: Die angegebenen Beträge sind gesetzliche Höchstgrenzen. Die tatsächliche Höhe des Bußgelds hängt von den Umständen des Einzelfalls ab – Absicht, Ausmaß des Eingriffs, Vorschäden und Kooperationsbereitschaft spielen eine Rolle. Bei streng geschützten Arten ist zusätzlich immer zu prüfen, ob eine Strafverfolgung nach § 71 BNatSchG in Betracht kommt.

Art Schutzstatus max. Bußgeld Straftat möglich
Hornisse streng geschützt 65.000 € Ja (§ 71)
Fledermaus streng geschützt 65.000 € Ja (§ 71)
Mauersegler streng geschützt 65.000 € Ja (§ 71)
Igel besonders geschützt 10.000 € Nein
Schwalbe besonders geschützt 50.000 € Nein
Blindschleiche besonders geschützt 10.000 € Nein
Wildbiene besonders geschützt 10.000 € Nein
Maulwurf besonders geschützt 10.000 € Nein
Erdkröte besonders geschützt 10.000 € Nein

Ein häufiges Missverständnis: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Die Naturschutzbehörden sind gesetzlich verpflichtet, Verstöße zu verfolgen. Wer bei einem Nachbarn ein Hornissennest vernichten sieht und dies meldet, löst in der Regel ein Bußgeldverfahren aus. Ebenso können Handwerker haftbar gemacht werden, die bei Renovierungsarbeiten Fledermausquartiere zerstören, ohne dies vorab gemeldet zu haben.

Was tun bei Begegnung?

Der richtige Umgang mit geschützten Tieren im Garten folgt einem einfachen Grundprinzip: Beobachten, nicht eingreifen, im Zweifelsfall fragen. Die folgende Checkliste gibt Ihnen einen praktischen Leitfaden für die häufigsten Situationen.

Geschützte Tiere im Garten: Richtiges Verhalten

  • Nest oder Quartier entdeckt: Abstand halten, Bereich absperren, nicht berühren oder stören
  • Tier verletzt oder in Not: Lokale Wildtierhilfe oder Tierarzt kontaktieren – nicht selbst behandeln
  • Renovierung geplant: Vorab prüfen, ob geschützte Arten anwesend sind, Naturschutzbehörde informieren
  • Genehmigung nötig: Ausnahmegenehmigung bei der unteren Naturschutzbehörde beantragen – vor dem Eingriff
  • Igel in Not: Nur kranke oder verletzte Igel aufnehmen, gesunde Igel in Ruhe lassen
  • Gartenarbeit im Herbst: Laubhaufen stehen lassen bis April – schützt Igel und Blindschleichen
  • Rasenmähen: Fläche vorher auf schlafende oder versteckte Tiere absuchen
  • Fledermaus im Haus: Fenster öffnen, Licht aus, Ruhe bewahren – Tier findet selbst den Ausweg
  • Insektenhotel aufstellen: Immer erlaubt und aktive Naturschutzmaßnahme
  • Teiche: Immer flache Ausstiegsmöglichkeit für Igel und Amphibien einbauen

Falls Sie unsicher sind, ob ein Tier in Ihrem Garten geschützt ist oder wie Sie mit einer konkreten Situation umgehen sollen, empfehlen sich folgende Anlaufstellen:

  • Die untere Naturschutzbehörde Ihrer Stadt oder Gemeinde: zuständig für Genehmigungen, Beratung und Ausnahmeanträge
  • Der NABU (Naturschutzbund Deutschland): www.nabu.de – mit regionalen Gruppen und einer Notfallhotline für Wildtiere
  • Das Bundesamt für Naturschutz (BfN): www.bfn.de – mit aktuellen Artenlisten und rechtlichen Grundlagen
  • Lokale Igelstationen für verletzte Igel
  • Lokale Fledermausschutzzentren bei Quartiersfragen oder verletzten Tieren

Grundsätzlich gilt: Ein freundliches Telefonat mit der Naturschutzbehörde schützt Sie vor unbeabsichtigten Verstößen – und kostet nichts. Die Behörden beraten in der Regel unkompliziert und kostenlos.

Mehr zum sicheren Umgang mit Wespen und anderen Gartentieren finden Sie im Ratgeber Wespen im Garten – sicher und entspannt den Sommer genießen. Allgemeine Vorbeugemaßnahmen gegen unerwünschte Gäste erklärt der Artikel Schädlingsbefall vorbeugen – was wirklich hilft.

Häufige Fragen

Welche Tiere im Garten sind in Deutschland geschützt?

Alle in Deutschland heimischen Wildtiere genießen grundsätzlichen Schutz nach § 39 BNatSchG. Besonders oder streng geschützt sind u. a. alle Fledermausarten, Hornissen, Igel, Mauersegler, Schwalben, Blindschleichen, Erdkröten und Wildbienen. Das eigenmächtige Fangen, Töten oder Stören dieser Tiere ist verboten.

Wie hoch ist die Strafe für das Zerstören eines Hornissennests?

Das Zerstören eines Hornissennests ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 69 BNatSchG und kann mit einem Bußgeld von bis zu 65.000 Euro geahndet werden. Hornissen (Vespa crabro) sind streng geschützt. Für eine Umsiedlung ist eine Ausnahmegenehmigung bei der unteren Naturschutzbehörde erforderlich.

Darf ich Fledermäuse aus meinem Dach entfernen?

Nein. Alle 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten sind streng geschützt (Anhang IV FFH-Richtlinie, § 44 BNatSchG). Weder die Tiere selbst noch ihre Quartiere dürfen gestört, beschädigt oder zerstört werden. Baumaßnahmen am Dach müssen mit der Naturschutzbehörde abgestimmt werden. Verstöße können mit bis zu 65.000 Euro Bußgeld bestraft werden.

Was soll ich tun, wenn ich einen verletzten Igel im Garten finde?

Gesunde Igel brauchen keine Hilfe. Einen verletzten oder bewusstlosen Igel können Sie aufnehmen und bei einer Igelstation oder einem Tierarzt abgeben. Das Aufnehmen zur Pflege ist legal – das dauerhafte Halten in Gefangenschaft dagegen nicht. Igelstationen sind über die Deutsche Wildtierstiftung oder nabu.de zu finden.

Sind Maulwürfe in Deutschland geschützt?

Ja. Der Maulwurf (Talpa europaea) ist besonders geschützt nach § 44 BNatSchG. Das Fangen oder Töten ist verboten. Maulwurfshügel dürfen eingeebnet werden, solange der Maulwurf selbst nicht verletzt wird. Lebendfallen sind legal, sofern das Tier unversehrt umgesiedelt wird.

Was droht beim Überfahren eines Igels?

Das absichtliche Überfahren eines Igels ist nach § 69 BNatSchG bußgeldbewehrt. Bei nachgewiesener Absicht sind Bußgelder bis zu 10.000 Euro möglich. Im Straßenverkehr gilt ein versehentliches Überfahren als nicht strafbar – das mutwillige Überfahren mit dem Auto ist dagegen eine Ordnungswidrigkeit.

Darf ich Erdkröten im Garten umsetzen oder anfassen?

Ja. Das vorsichtige Umsetzen von Erdkröten von einer gefährlichen Stelle (z. B. einer Straße) ist erlaubt und gilt sogar als aktive Artenschutzhilfe. Erdkröten sind besonders geschützt nach § 44 BNatSchG, aber das Anfassen oder kurzfristige Umsetzen zur Rettung ist kein Verstoß. Das dauerhafte Halten in Gefangenschaft ist dagegen verboten. Nach dem Kontakt Hände waschen.

Dieser Artikel stellt allgemeine Informationen zum deutschen Artenschutzrecht bereit und ersetzt keine Rechtsberatung. Bußgeldrahmen und Schutzstatus einzelner Arten können sich durch Gesetzesänderungen oder neue Verordnungen ändern. Wenn Sie in Ihrem Garten auf eine Situation stoßen, bei der geschützte Tiere betroffen sein könnten, wenden Sie sich immer zuerst an die untere Naturschutzbehörde Ihrer Gemeinde. Eine unverbindliche Anfrage vor dem Eingriff ist immer der sicherste Weg – und schützt Sie zuverlässig vor unbeabsichtigten Verstößen.

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