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Marienkäfer-Arten erkennen: heimisch oder asiatisch?

Marienkäfer bestimmen: Der Halsschild verrät die Art, nicht die Punkte. Asiatischer Marienkäfer, Siebenpunkt, Zweipunkt und Co. im direkten Vergleich – mit echten Fotos.

Von Vyacheslav Levchenko
Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) mit roten Flügeldecken, sieben schwarzen Punkten und schwarzem Halsschild
Foto: gailhampshire from Cradley, Malvern, U.K · CC BY 2.0 · via Wikimedia Commons

Ein Marienkäfer sitzt auf dem Fensterbrett, und die Frage ist immer dieselbe: heimisch oder asiatisch? Fast alle zählen zuerst die Punkte – und liegen damit falsch. Der asiatische Marienkäfer trägt zwischen null und 21 Punkten, in Gelb, Orange, Rot oder Schwarz. Nach Punkten lässt sich diese Art schlicht nicht bestimmen.

Das verlässliche Merkmal sitzt weiter vorn: am Halsschild, dem Schild zwischen Kopf und Flügeldecken. Dieser Ratgeber zeigt an echten Aufnahmen, worauf Sie achten müssen, stellt die häufigsten heimischen Arten vor und erklärt, wie Sie auch die Larven zuordnen. Was zu tun ist, wenn die Tiere im Oktober zu Hunderten an der Fassade sitzen, steht im Ratgeber Asiatischer Marienkäfer im Haus.

Inhalt · 10 Abschnitte

Punkte zählen führt in die Irre

Die Punktzahl ist bei Marienkäfern kein Artmerkmal. Der asiatische Marienkäfer variiert zwischen 0 und 21 Punkten und in nahezu jeder Grundfarbe; auch heimische Arten treten in hellen und dunklen Formen auf. Bestimmen Sie deshalb immer über Halsschild, Größe und Körperform – nicht über das Muster der Flügeldecken.

Der Halsschild entscheidet

Der Halsschild (Pronotum) liegt zwischen Kopf und Flügeldecken. Er ist bei Marienkäfern art­typisch gezeichnet und ändert sich – anders als die Flügeldecken – kaum zwischen den Farbvarianten einer Art.

  • Weiß bis cremefarben mit schwarzer Zeichnung, oft als M oder W lesbar → asiatischer Marienkäfer
  • Schwarz mit zwei weißen Ecken an den Vorderkanten → Siebenpunkt
  • Schwarz-weiß gefeldert, wirkt wie ein kleines Schachbrett → Zweipunkt oder Vierzehnpunkt
  • Fast durchscheinend hell mit hellem Rand → Sechzehnfleckiger Pilz-Marienkäfer

Ein zweites Merkmal ist die Größe. Der Asiat ist mit 6 bis 8 Millimetern die kräftigste der häufigen Arten und wirkt stärker gewölbt, fast halbkugelig. Die meisten heimischen Arten bleiben deutlich darunter.

Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis)

Asiatischer Marienkäfer mit orangeroten Flügeldecken, vielen schwarzen Punkten und weißem Halsschild mit schwarzer Zeichnung
Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis): Entscheidend ist nicht die Punktzahl, sondern der überwiegend weiße Halsschild mit der dunklen Zeichnung. Größe 6–8 mm. Foto: USDA photo by Scott Bauer, Image Number K7033-20 [1] · Public domain · via Wikimedia Commons

Seit den 2000er-Jahren ist er in weiten Teilen Deutschlands die häufigste Marienkäferart. Eingeführt wurde er als biologischer Blattlausjäger für Gewächshäuser; heute lebt er flächendeckend im Freiland.

Merkmale:

  • Größe 6–8 mm, kräftig, stark gewölbt
  • Halsschild weiß mit schwarzer M- oder W-Zeichnung (manchmal zu einem dunklen Fleck verschmolzen)
  • Flügeldecken gelb, orange, rot oder schwarz; 0 bis 21 Punkte
  • Häufig eine feine Falte am hinteren Rand der Flügeldecken
  • Verhalten als Merkmal: Massenansammlungen an hellen Hausfassaden im Oktober

Siebenpunkt – der klassische Marienkäfer

Der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata) ist der Marienkäfer aus dem Bilderbuch und in Deutschland weit verbreitet. Er gilt als Glücksbringer und ist ein ebenso gründlicher Blattlausjäger wie der Asiate – nur ohne dessen ökologische Nebenwirkungen.

Merkmale:

  • Größe 5–8 mm
  • Flügeldecken kräftig rot mit genau sieben schwarzen Punkten (drei je Seite, einer mittig am Übergang)
  • Halsschild schwarz mit zwei weißen Ecken vorn
  • Überwintert einzeln oder in kleinen Gruppen in Laub, Grasbulten und Mauerritzen – nicht in Massen an Fassaden

Weitere heimische Arten

In Deutschland leben rund 80 Marienkäferarten. Diese begegnen Ihnen im Alltag am ehesten:

Zweipunkt (Adalia bipunctata), 4–5 mm. Klein und sehr variabel: entweder rot mit zwei schwarzen Punkten oder schwarz mit zwei bis sechs roten Flecken. Beide Formen gehören zur selben Art. Häufig in Gärten und an Straßenbäumen.

Vierzehnpunkt (Propylea quatuordecimpunctata), 3–4,5 mm. Gelb mit schwarzem, schachbrettartigem Muster, dessen Flecken oft zu einem Netz verschmelzen. Unverwechselbar, sobald man das Muster einmal kennt.

Sechzehnfleckiger Pilz-Marienkäfer (Halyzia sedecimguttata), etwa 6 mm. Orange mit weißen Flecken und einem auffällig durchscheinenden, hellen Rand an Halsschild und Flügeldecken. Frisst keine Blattläuse, sondern Mehltaupilze.

Sechzehnpunkt (Tytthaspis sedecimpunctata), 2,5–3 mm. Sehr klein, cremefarben bis blassgelb mit vielen kleinen dunklen Punkten. Oft in Wiesen.

Larve des asiatischen Marienkäfers – schwarzer, bedornter Körper mit orangefarbenen Flecken an den Seiten
Larve des asiatischen Marienkäfers: schwarz, bedornt, mit orangefarbenen Seitenflecken. Sie wird oft für eine Raupe gehalten, ist aber harmlos und vertilgt hunderte Blattläuse. Foto: André Karwath aka Aka · CC BY-SA 2.5 · via Wikimedia Commons

Alle Arten im Vergleich

Marienkäfer-Arten an Halsschild und Größe unterscheiden

Art Größe Halsschild Flügeldecken
Asiatischer Marienkäfer 6–8 mm Weiß mit schwarzer M-/W-Zeichnung Gelb bis schwarz, 0–21 Punkte
Siebenpunkt 5–8 mm Schwarz mit zwei weißen Ecken Rot mit genau 7 Punkten
Zweipunkt 4–5 mm Schwarz-weiß gefeldert Rot mit 2 Punkten oder schwarz mit roten Flecken
Vierzehnpunkt 3–4,5 mm Gelb mit dunklem Mittelfleck Gelb, schachbrettartiges Muster
Sechzehnfleckiger Pilz-Marienkäfer ca. 6 mm Hell, durchscheinender Rand Orange mit weißen Flecken
Sechzehnpunkt 2,5–3 mm Blass mit dunkler Zeichnung Cremefarben, viele kleine Punkte
Vierundzwanzigpunkt 3–4 mm Matt, fein behaart Rotbraun, matt – frisst Pflanzen

Larven bestimmen

Marienkäferlarven sehen ihren Eltern nicht im Entferntesten ähnlich. Sie sind länglich, wirken bedornt und werden regelmäßig für Raupen gehalten oder aus Versehen bekämpft – dabei sind sie die effektivsten Blattlausjäger im Garten.

Larven im Garten richtig einordnen

  • Schwarz mit orangefarbenen Seitenflecken und kräftigen Dornen, bis 1 cm: asiatischer Marienkäfer
  • Dunkelgrau mit gelblichen Punktreihen, schlanker: Siebenpunkt und verwandte Arten
  • Weißlich bewachst, wie mit Wollfäden bedeckt: Larve eines Blattlaus-Marienkäfers, ebenfalls nützlich
  • Immer stehen lassen: Jede Marienkäferlarve vertilgt in ihrer Entwicklung mehrere hundert Blattläuse
  • Nicht verwechseln mit Larven des Kartoffelkäfers – die sind rundlich, orangerot und sitzen an Kartoffelblättern

Wer Blattläuse ohnehin biologisch bekämpfen will, findet die passenden Methoden im Ratgeber Blattläuse bekämpfen und im Überblick Nützlinge im Garten fördern.

Der Marienkäfer, der Pflanzen frisst

Fast alle heimischen Marienkäfer sind Räuber. Eine Ausnahme ist der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquattuorpunctata): Er ernährt sich von Pflanzen und kann an Klee, Luzerne und gelegentlich an Zuckerrüben Fraßspuren hinterlassen.

Erkennen lässt er sich an der Oberfläche. Er ist matt und fein behaart, während alle räuberischen Arten glatt glänzen. Im Hausgarten spielt er praktisch keine Rolle – Bekämpfungsmaßnahmen sind nicht nötig.

Ähnliche Käfer, die keine Marienkäfer sind

Nicht jeder runde, gepunktete Käfer ist ein Marienkäfer:

  • Kartoffelkäfer: deutlich größer (bis 12 mm), gelb mit zehn schwarzen Längsstreifen statt Punkten. Ausführlich im Ratgeber Kartoffelkäfer bekämpfen.
  • Speckkäfer und Teppichkäfer: rundlich, aber nur 2–4 mm, gescheckt in Braun-Weiß und im Haus an Textilien – siehe Teppichkäfer bekämpfen.
  • Marmorierte Baumwanze: schildförmig statt halbkugelig, graubraun, drängt im Herbst ebenfalls ins Haus – siehe Marmorierte Baumwanze bekämpfen.

Welche Käfer sonst noch in Wohnräumen auftauchen, zeigt die Übersicht Käfer in der Wohnung bestimmen.

Häufige Fragen

Kann man Marienkäfer an der Zahl der Punkte bestimmen?

Nein, und das ist der häufigste Irrtum. Der asiatische Marienkäfer trägt zwischen null und 21 Punkten – seine Punktzahl sagt gar nichts. Auch heimische Arten variieren. Verlässlich ist der Halsschild, also das Schild zwischen Kopf und Flügeldecken: weiß mit dunkler M-Zeichnung beim Asiaten, schwarz mit zwei weißen Ecken beim Siebenpunkt.

Woran erkenne ich den asiatischen Marienkäfer sicher?

An drei Dingen: einem überwiegend weißen Halsschild mit schwarzer Zeichnung, die oft ein M oder W bildet; einer Größe von 6 bis 8 Millimetern, also spürbar kräftiger als die meisten heimischen Arten; und dem Massenauftreten an hellen Hausfassaden im Oktober. Heimische Marienkäfer überwintern einzeln in Laub und Mauerritzen.

Welche Marienkäfer-Arten sind in Deutschland heimisch?

Rund 80 Arten. Am häufigsten begegnen Ihnen der Siebenpunkt (rot, sieben Punkte, 5–8 mm), der Zweipunkt (rot mit zwei Punkten oder schwarz mit roten Flecken, 4–5 mm), der Vierzehnpunkt (gelb mit schachbrettartigem Muster, 3–4,5 mm) und der Sechzehnfleckige Pilz-Marienkäfer (orange mit weißen Flecken und durchscheinendem Rand).

Wie sieht die Larve des asiatischen Marienkäfers aus?

Sie ist bis zu einem Zentimeter lang, schwarz und trägt auffällige orangefarbene Flecken an den Körperseiten sowie kräftige, verzweigte Dornen auf dem Rücken. Viele halten sie für eine kleine Raupe. Sie ist völlig harmlos und ein hocheffektiver Blattlausjäger.

Gibt es Marienkäfer, die Pflanzen fressen?

Ja, in Deutschland vor allem den Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer. Er ernährt sich von Pflanzen und kann an Klee, Luzerne und Zuckerrüben Fraßschäden verursachen. Erkennbar ist er an der matten, fein behaarten Oberfläche – alle räuberischen Arten glänzen dagegen glatt.

Sind schwarze Marienkäfer mit roten Punkten selten?

Nein. Das ist meist eine dunkle Farbvariante – entweder des asiatischen Marienkäfers oder des heimischen Zweipunkts. Bei beiden Arten kommen helle und dunkle Formen nebeneinander vor. Auch hier entscheidet der Halsschild, nicht die Färbung der Flügeldecken.

Quellen

Medizinischer Hinweis

Dieser Ratgeber dient der Artbestimmung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Hautreaktionen nach Kontakt mit Käfern oder deren Abwehrflüssigkeit suchen Sie bitte ärztlichen Rat.

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