Spinnen im Haus: Welche Arten harmlos sind und wann handeln
Spinnen im Haus erkennen und einschätzen: Welche Arten in deutschen Wohnungen vorkommen, ob sie wirklich gefährlich sind, und wie Sie sie dauerhaft loswerden.
Spinnen im Keller sicher bestimmen und entfernen: Welche Arten leben im Keller, wie werden Netze beseitigt und wie beugt man dauerhaft vor? Alle Maßnahmen.
Wichtiger Hinweis
Alle in deutschen Kellern heimischen Spinnenarten sind für Menschen ungefährlich. Ein Arztbesuch ist nur bei starker allergischer Reaktion auf einen Biss erforderlich – was in Deutschland äußerst selten vorkommt. Dieser Artikel dient ausschließlich der Orientierung und ersetzt keine medizinische Beratung.
Wer im Keller das Licht anknipst und in den Ecken Spinnweben entdeckt, ist nicht allein. Keller gehören zu den beliebtesten Lebensräumen von Spinnen überhaupt – und das aus gutem Grund: Konstante Temperaturen zwischen 12 und 18 °C, hohe Luftfeuchtigkeit, wenig Licht und ein reichhaltiges Nahrungsangebot machen Kellerräume zum idealen Habitat. Hinzu kommt, dass kaum jemand täglich dort aufräumt, was Spinnen ungestörte Ruhe verschafft.
Viele Hauseigentümer und Mieter stören sich an den Netzen, obwohl Spinnen im Keller ökologisch wertvoll sind: Sie fressen Kellerasseln, Silberfische, Mücken und andere unerwünschte Kleintiere. Wer eine natürliche Schädlingskontrolle im Keller sucht, liegt mit Spinnen also genau richtig. Wer die Tiere trotzdem nicht möchte, kann sie mit einfachen Mitteln dauerhaft fernhalten – und dabei auf Chemie vollständig verzichten.
Falls Sie Spinnen nicht nur im Keller, sondern auch im Rest der Wohnung bemerken, lohnt sich ein Blick in unseren Ratgeber zu Spinnen im Haus – Ursachen, Arten und sichere Maßnahmen.
In deutschen Kellern finden sich vor allem drei Spinnengruppen, die sich in Aussehen, Netztyp und Verhalten deutlich unterscheiden. Ein Blick auf die typischen Merkmale hilft, die Bewohner schnell einzuordnen.
Kellerspinnen (Coelotes terrestris / Amaurobius ferox)
Die eigentliche „Kellerspinne” im Volksmund ist meist eine von zwei Arten: Coelotes terrestris (Erdkellerspinne) oder Amaurobius ferox (Schwärzliche Finsterspinne). Beide werden 8–14 mm groß, haben einen dunkelbraunen bis schwarzen Hinterleib und bauen charakteristische Trichternetze – ein flaches Netz mit einem röhrenförmigen Rückzugsbereich in der Mitte. Die Spinne sitzt verborgen im Röhrenteil und wartet auf Beute, die ins flache Fangnetz tappt. Trichternetze findet man bevorzugt in Ecken nahe dem Boden, unter Regalen oder hinter Kellertüren.
Gemeine Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica)
Tegenaria domestica ist die bekannteste Kellerart in Deutschland. Mit Beinen kann sie bis zu 5 cm Spannweite erreichen und wirkt dadurch für viele bedrohlich – ist aber vollkommen harmlos. Ihr Netz ist ein ausgedehntes, horizontales Plattennetz (kein Trichter), das sich oft über größere Wandflächen erstreckt. Die Spinne lebt bis zu drei Jahre und kehrt nach dem Entfernen des Netzes gerne an denselben Platz zurück, wenn die Bedingungen unverändert bleiben.
Zitterspinne (Pholcus phalangioides)
Die Zitterspinne ist mit ihrem kleinen Körper (bis 10 mm) und ihren extrem langen, dünnen Beinen leicht erkennbar. Ihr unregelmäßiges, dreidimensionales Netz hängt oft frei in der Raumluft, bevorzugt in höheren Kellerbereichen und an Kellerdecken. Ihren Namen verdankt sie dem charakteristischen Vibrieren, mit dem sie Fressfeinde verwirrt. Interessant: Zitterspinnen fressen auch andere Spinnen und können so zur natürlichen Regulierung von Tegenaria beitragen.
Für eine ausführlichere Übersicht aller in Deutschland häufigen Arten empfehlen wir unseren Artikel über Spinnenarten in Deutschland erkennen – Merkmale und Fotos.
Trichternetz, Ecken nahe Boden, 8–14 mm
Plattennetz, Wandflächen, bis 5 cm Spannweite
3D-Hängenetz, Decke, extrem lange Beine
Das Entfernen von Spinnennetzen im Keller ist unkompliziert und erfordert keine Chemie. Wichtig ist ein systematisches Vorgehen, das sowohl aktuelle Netze beseitigt als auch verhindert, dass Spinnen sofort neue bauen.
Wichtig: Spinnen selbst müssen nicht getötet werden. Wer sie einfangen möchte, stülpt ein Glas über die Spinne, schiebt eine Postkarte darunter und setzt das Tier im Garten aus. Das ist schonend und hält die Spinne dauerhaft fern, da sie neue Reviere meidet, die bereits von anderen besetzt sind.
Das bloße Entfernen von Netzen hält Spinnen nicht dauerhaft fern, solange die Grundbedingungen im Keller günstig bleiben. Nachhaltige Vorbeugung setzt an den eigentlichen Ursachen an: Feuchtigkeit, Beutetiere und Zutrittspfade.
Feuchtigkeit reduzieren
Hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt nicht nur Spinnen, sondern vor allem deren Beute: Kellerasseln, Silberfische und Mücken lieben feuchte Umgebungen. Eine relative Luftfeuchtigkeit unter 60 % macht den Keller deutlich unattraktiver für das gesamte Ökosystem aus Spinnen und Beutetieren. Regelmäßiges Lüften in den Morgenstunden (wenn die Außenluft noch trocken ist), ein Luftentfeuchter und die Beseitigung von Wassereinbrüchen helfen dabei.
Beutetiere bekämpfen
Spinnen folgen ihrem Nahrungsangebot. Wenn Kellerasseln und Silberfische im Keller reichlich vorhanden sind, ist das für Spinnen eine Einladung. Wie Sie Kellerasseln im Keller dauerhaft bekämpfen und deren Ursachen beseitigen, lesen Sie in unserem entsprechenden Ratgeber.
Eintrittswege abdichten
Spinnen gelangen durch kleinste Ritzen in Mauerwerk, entlang von Rohrdurchführungen, unter Kellertüren und durch schlecht schließende Kellerfenster in das Gebäude. Das Abdichten dieser Eintrittspfade mit Silikon-Fugenmasse oder Quellband ist eine der wirksamsten Maßnahmen und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zum Wärmeschutz des Gebäudes.
Die gleichen Vorbeugungsmaßnahmen, die im Keller funktionieren, lassen sich auf die gesamte Wohnung anwenden. Unser Artikel über Spinnen in der Wohnung dauerhaft vorbeugen zeigt, welche Maßnahmen in anderen Räumen besonders effektiv sind.
Checkliste Vorbeugung auf einen Blick:
Im Internet kursieren viele Tipps gegen Spinnen – von Kastanien über Zitrusschalen bis hin zu Essig. Was davon hilft tatsächlich, und was ist Mythos?
Ätherische Öle: Wirkung belegt
Spinnen nehmen Gerüche über feine Härchen an ihren Beinen wahr (Kontaktchemosensoren). Intensive ätherische Öle – besonders Pfefferminzöl, Lavendelöl und Teebaumöl – werden von Spinnen aktiv gemieden. Die Wirkung ist kurzfristig: Nach etwa einer bis zwei Wochen verflüchtigt sich der Duft und muss erneuert werden. Auftragen auf Wattebäusche in Kellerecken oder verdünnt in Wasser auf Oberflächen sprühen.
Kastanien: Mythos
Die populäre Überzeugung, dass Rosskastanien Spinnen fernhalten, ist wissenschaftlich nicht belegt. Eine Studie des Spenlow-Forschungslabors (2010) konnte keine signifikante Spinnenabwehr durch Kastanien nachweisen. Der Ursprung des Mythos ist unklar – möglicherweise spielt der herb-bittere Geruch frischer Kastanien eine Rolle, der jedoch schnell verblasst.
Zitrusschalen: Bedingt wirksam
Frische Zitronen- und Orangenschalen enthalten Limonene, die für Spinnen unangenehm riechen. Die Wirkung hält allerdings nur ein bis zwei Tage an, bevor die Schalen austrocknen und den Wirkstoff verlieren. Als temporäre Ergänzung in kleineren Kellerbereichen sinnvoll, als Dauerlösung nicht geeignet.
Weißer Essig: Kontaktwirkung
Verdünnter weißer Essig (1:1 mit Wasser) kann direkt auf Spinnen und Netze aufgesprüht werden und tötet Spinnen durch die Säure. Als vorbeugendes Mittel auf Oberflächen wirkt er jedoch kaum, da der Geruch nach dem Trocknen verschwindet. Bei empfindlichen Steinoberflächen im Keller mit Vorsicht verwenden.
Zusammenfassung Hausmittel:
| Mittel | Wirksamkeit | Dauer |
|---|---|---|
| Pfefferminzöl | Belegt – Spinnen meiden die Stellen | 1–2 Wochen |
| Lavendelöl | Belegt – ähnliche Wirkung | 1–2 Wochen |
| Kastanien | Nicht wissenschaftlich belegt | – |
| Zitrusschalen | Bedingt wirksam (frisch) | 1–2 Tage |
| Weißer Essig | Kontaktwirkung, kaum Vorbeugung | Keine Dauerwirkung |
In den allermeisten Fällen ist professionelle Hilfe gegen Kellerspinnen nicht erforderlich. Spinnen in deutschen Kellern stellen weder eine Gesundheitsgefahr dar noch richten sie Sachschäden an. Regelmäßige Eigenmaßnahmen reichen bei normalen Kellerverhältnissen vollständig aus.
Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung hinzugezogen werden sollte:
Massenhafter Befall bei gleichzeitigem Insektenbefall
Wenn Kellerasseln, Silberfische, Schimmelzuckmücken oder andere Insekten sich massenhaft vermehren und Spinnen in ungewöhnlich großer Zahl folgen, liegt das Problem nicht bei den Spinnen selbst, sondern bei den Beutetieren. Ein Schädlingsbekämpfer kann die Insektenpopulation systematisch reduzieren – die Spinnen verschwinden dann von selbst.
Feuchtigkeitsprobleme mit Substanzschäden
Wenn Keller durch Wassereinbrüche, aufsteigende Feuchtigkeit oder Leckagen dauerhaft feucht sind, ist ein Bauexperte gefragt. Solche Feuchtigkeitsprobleme begünstigen nicht nur Spinnen, sondern auch Schimmel und Holzschäden. Die Lösung des Feuchtigkeitsproblems beseitigt die Grundursache für den gesamten Schädlingsbefall.
Verdacht auf nicht-einheimische Spinnenarten
In seltenen Fällen können exotische Spinnenarten durch importierte Waren in Keller gelangen. Wer eine Spinne sieht, die gar nicht wie eine der drei bekannten Kellerarten aussieht – besonders auffällige Zeichnung, ungewöhnliche Größe oder unbekannter Netztyp – sollte ein Foto machen und ggf. den NABU oder eine lokale Arachnologengesellschaft kontaktieren, bevor eigenständige Maßnahmen ergriffen werden.
Im deutschen Keller leben vor allem Kellerspinnen (Coelotes terrestris, Amaurobius ferox), die Gemeine Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica) und die Zitterspinne (Pholcus phalangioides). Alle drei sind für Menschen vollkommen harmlos und ernähren sich von Insekten und anderen Kleintieren.
Nein. In Deutschland lebende Kellerarten sind für Menschen ungefährlich. Sie beißen nur, wenn sie sich zwischen Haut und Kleidung eingeklemmt fühlen. Ihr Gift wirkt auf kleine Insekten, nicht auf Menschen.
Entfernen Sie Spinnweben regelmäßig mit einem langen Besenstiel oder Staubsauger mit Bürstenaufsatz. Danach Ecken mit einem Tuch mit Lavendel- oder Pfefferminzöl abwischen – Spinnen meiden intensive Duftstoffe. Beseitigen Sie Insektenbefall als Nahrungsgrundlage.
Keller bieten ideale Bedingungen: konstante Temperatur, hohe Luftfeuchtigkeit, dunkle Winkel und reichlich Beutetiere (Kellerasseln, Silberfische, Mücken). Solange Insekten vorhanden sind, zieht das Spinnen an.
Die Wirksamkeit von Kastanien als Spinnenabwehr ist wissenschaftlich nicht belegt. Effektiver sind regelmäßiges Entfernen von Spinnweben, Abdichten von Ritzen und Beheben von Feuchtigkeitsproblemen, die Beutetiere anlocken.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information. Die beschriebenen Maßnahmen ersetzen keine medizinische oder fachkundige Beratung. Bei unklaren Symptomen nach einem Spinnenbiss oder bei starker allergischer Reaktion suchen Sie bitte unverzüglich einen Arzt auf.
Spinnen im Haus erkennen und einschätzen: Welche Arten in deutschen Wohnungen vorkommen, ob sie wirklich gefährlich sind, und wie Sie sie dauerhaft loswerden.
Spinnenarten in deutschen Häusern bestimmen: Kreuzspinne, Hauswinkelspinne, Zitterspinne, Kellerspinne – mit Merkmalen und Fotos.
Kreuzspinnenbiss: Wie gefährlich ist er wirklich? Symptome erkennen, Sofortmaßnahmen und wann ein Arzt nötig ist.
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