Wespennest entfernen: Selbst oder Fachmann?
Wespennest sicher entfernen – wann du selbst handeln kannst, wann du Profis brauchst, und welche Arten unter Naturschutz stehen.
Hornissennest im Garten gefunden? Was erlaubt ist, was verboten ist und wie man sicher mit Hornissen im Garten umgeht – ohne Stiche und ohne Bußgeld.
Rechtlicher Hinweis: Hornissen stehen unter Naturschutz
Hornissen (Vespa crabro) sind in Deutschland nach § 44 BNatSchG streng geschützt. Das Entfernen, Töten oder Stören eines Hornissennests ist ohne behördliche Genehmigung verboten. Bußgelder bis 65.000 Euro sind möglich.
Hornissen unterscheiden sich deutlich in ihrem Erscheinungsbild von verwandten Insekten wie Bienen, Wespen und Hummeln. Obwohl alle zur Gruppe der Hautflügler gehören, zeichnen sich Hornissen durch einen im Vergleich zu den anderen Arten größeren Körperbau aus.
Eine typische Hornisse hat einen imposanten Körper, der eine Länge von etwa 2 bis 3 Zentimetern erreichen kann. Ihr Kopf ist groß und auffällig, während ihre Augen meist dunkel und markant sind. Ihre kräftigen Kiefer sind ein weiteres charakteristisches Merkmal.
Die Färbung von Hornissen ist auffällig und kann je nach Art variieren. Typischerweise weisen sie einen dunklen Körper mit gelben oder orangefarbenen Streifen oder Markierungen auf. Dieses Farbmuster dient als Warnung, da es darauf hinweist, dass Hornissen mit ihrem Stachel über eine schmerzhafte Verteidigungsfähigkeit verfügen.
Hornissen werden häufig mit Wespen verwechselt, obwohl sie deutlich größer und weniger aggressiv sind. Die korrekte Bestimmung ist entscheidend – nur für Hornissen gilt der strenge Naturschutz.
Hornissenarbeiterin: 18–25 mm. Hornissenkönigin bis 35 mm. Wespe (Gemeine Wespe): 11–14 mm. Hornissen sind deutlich massiger und größer.
Hornisse: rotbraun-gelb mit wenig Schwarz, Kopf überwiegend rotbraun. Wespe: kräftiges Schwarz-Gelb mit schwarzen Binden.
Hornissennest: papierartig, graubraun, meist in Baumhöhlen, Hohlräumen unter Dachbalken, Gartenhütten. Wespennest: grau, papierartig, freihängend oder in Erdlöchern.
Hornissen fliegen auch nachts (auf Lichtquellen zu). Wespen aktiv nur tagsüber. Hornissen reagieren deutlich gelassener auf Annäherung als Wespen.
Hornissenvolk: 300–700 Tiere. Wespenvolk: bis zu 7.000 Tiere. Ein Hornissennest ist damit deutlich kleiner.
Hornisse, Wespe und Biene – Bestimmungstabelle
| Merkmal | Europäische Hornisse (Vespa crabro) | Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) | Honigbiene (Apis mellifera) |
|---|---|---|---|
| Körperlänge | Arbeiterin 18–25 mm, Königin bis 35 mm | 12–15 mm | 12–15 mm |
| Färbung | Rotbraun-gelb, wenig Schwarz – eher warm wirkend | Kräftiges Schwarz-Gelb | Braun-gelb, behaarter Körper |
| Volksgröße | 300–700 Tiere | Bis 7.000 Tiere | Bis 50.000 Tiere |
| Nestmaterial | Zerkaugte Baumrinde – braun-grauer Karton | Zerkaugte Pflanzenfasern – hellgrauer Karton | Bienenwachs, gelb |
| Neststandort | Baumhöhlen, Vogelnistkästen, Dachböden | Erdnester, Hohlräume, Dachbereiche | Bienenstöcke, Hohlräume, Bäume |
| Stingverhalten | Sehr selten – nur bei direkter Nestbedrohung | Aggressiv bei Störung, auch am Essen | Sticht nur als Todesakt (Stachel bleibt) |
| Naturschutz (D) | Streng geschützt §44 BNatSchG | Nicht geschützt | Nicht gesetzlich, aber ökologisch wichtig |
| Nahrung (Larven) | Insekten und Fleisch – jagen aktiv | Insekten und süße Speisen | Blütenpollen und Nektar |
Hornissen genießen in Deutschland den höchsten Naturschutzstatus. Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) verbietet ausdrücklich:
Zuwiderhandlungen können als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern bis 65.000 Euro geahndet werden. Eine Ausnahmegenehmigung ist nur bei konkreter Gefahr möglich – diese erteilt die untere Naturschutzbehörde der zuständigen Gemeinde.
Der Ruf der Hornisse ist deutlich schlechter als ihre tatsächliche Gefährlichkeit. Einige verbreitete Mythen im Faktencheck:
Falsch. Dieser Mythos ist wissenschaftlich nicht belegt. Hornissengift ist nicht giftiger als Wespengift. Für Nichtallergiker ist ein Hornissenstich schmerzhaft, aber nicht lebensgefährlich. Tödlich wäre eine Menge von etwa 500 Stichen für einen Erwachsenen.
Falsch. Hornissen sind deutlich friedfertiger als Wespen. Sie stechen nicht beim Essen oder am Kaffeetisch. Gefährlich wird es nur direkt am Nest oder bei direkter Bedrohung einer Hornisse.
Wie bei allen Stechinsekten gilt: Personen mit bekannter Insektengiftallergie müssen ein Hornissennest in der Nähe ernst nehmen. Hier ist eine Umsiedlung begründet und behördlich genehmigbar.
Ein Hornissenvolk vernichtet täglich bis zu 500 g Insekten – darunter viele Gartenschädlinge wie Raupen, Fliegen und Mücken. Hornissen sind ein wichtiger Teil des Ökosystems.
Mindestens 2–3 Meter Abstand zum Nest. Keine hektischen Bewegungen, keine Erschütterungen, kein Anleuchten mit Taschenlampe. Hornissen reagieren empfindlich auf direkte Bedrohung des Nests.
Liegt das Nest an einer kaum genutzten Stelle (Dachboden, hinterer Schuppen, alter Baum)? Dann ist abwarten die beste Option – im Oktober ist das Nest verlassen.
Kinder und Haustiere vom Nestbereich fernhalten. Bei Nestöffnung in Richtung Terrasse oder Spielbereich: Absperrband aufstellen und Bereich meiden.
Wenn das Nest eine konkrete Gefahr darstellt (Allergikerhaushalt, Kindergarten, direkter Eingang): Untere Naturschutzbehörde der Gemeinde anrufen. Diese vermitteln Imker oder autorisierte Umsiedler – oft kostenlos.
Warten lohnt sich
Hornissenvölker verlassen ihr Nest spätestens Ende Oktober vollständig. Ein verlassenes Nest kann dann gefahrlos entfernt werden. Wenn keine akute Gefahr besteht, ist Abwarten die einfachste und gesetzeskonforme Lösung.
Wenn eine Umsiedlung notwendig ist, gibt es in Deutschland klare Zuständigkeiten:
Für den Umgang mit Wespennestern – die deutlich weniger Schutz genießen – erklärt der Ratgeber Wespennest entfernen – selbst oder Fachmann? alle Optionen. Wenn Wespen im Garten zur Plage werden, hilft Wespen im Garten – sicher grillen und entspannen.
In vielen Fällen ist die beste Lösung, das Hornissennest zu akzeptieren und die Saison abzuwarten. Bis Ende Oktober stirbt das Volk natürlich ab. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich die Zeit problemlos überbrücken.
Abstand und Ruhe als wichtigste Regeln: Hornissen reagieren empfindlich auf direkte Bedrohung des Nests. Ein Sicherheitsabstand von 2–3 Metern genügt in fast allen Fällen. Keine hektischen Bewegungen, kein Anleuchten mit Taschenlampe, keine Erschütterungen am Neststandort.
Im Garten:
Kinder und Haustiere schützen:
Licht abends: Hornissen fliegen auf Lichtquellen zu. Offene Fenster am Abend mit Fliegengitter sichern. Gartenlampen wenn möglich in die andere Richtung ausrichten oder gelb-oranges Licht (Insekten-unattraktiv) verwenden.
Was NICHT tun:
Für den Umgang mit Wespenstichen – die häufiger vorkommen als Hornissenstiche – erklärt Wespenstich behandeln – Erste Hilfe und wann zum Arzt alle wichtigen Schritte.
Nein. Hornissen sind deutlich weniger aggressiv als Wespen und stechen nur, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht fühlen. Der Mythos, dass 7 Hornissenstiche einen Menschen töten, ist wissenschaftlich falsch. Hornissengift ist nicht giftiger als Wespengift – die Menge pro Stich ist aber höher, weshalb Stiche schmerzhafter sein können.
Nein. Hornissen (Vespa crabro) stehen in Deutschland unter strengem Naturschutz (§ 44 BNatSchG). Das eigenmächtige Entfernen, Töten oder Zerstören eines Hornissennests ist verboten und kann mit einem Bußgeld bis zu 65.000 Euro bestraft werden. Eine Ausnahmegenehmigung der unteren Naturschutzbehörde ist erforderlich.
Wende dich an die untere Naturschutzbehörde deiner Gemeinde oder an einen zertifizierten Schädlingsbekämpfer. Viele Gemeinden vermitteln kostenlos Imker oder Naturschutzhelfer, die das Nest fachgerecht umsiedeln. Eine Genehmigung zum Entfernen wird bei konkreter Gefahr erteilt.
Hornissenvölker sind nur einjährig. Das Nest wird im Frühjahr gegründet und im Oktober/November verlassen. Danach stirbt die Kolonie ab – nur begattete Königinnen überwintern anderswo. Ein verlassenes Hornissennest kann gefahrlos entfernt werden.
Hornissen fliegen abends auf Lichtquellen zu und können durch offene Fenster ins Haus gelangen. Fliegengitter oder Mückennetze an Fenstern sind die einfachste Lösung. Einzelne Hornissen lassen sich ruhig mit einem Glas und Papier ins Freie befördern.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei bekannter Insektengiftallergie immer Notfallset (Adrenalin-Autoinjektor) bereithalten und nach einem Stich umgehend ärztliche Hilfe suchen. Bei Schwellung im Hals- oder Gesichtsbereich sofort den Notruf 112 wählen.
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