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Insekten & Mücken 11 Min. Lesezeit

Hornissen im Garten – Nest entdeckt, was jetzt?

Hornissennest im Garten gefunden? Was erlaubt ist, was verboten ist und wie man sicher mit Hornissen im Garten umgeht – ohne Stiche und ohne Bußgeld.

Großes Hornissennest in einer Gartenhütte – Hornissen unter Naturschutz in Deutschland

Rechtlicher Hinweis: Hornissen stehen unter Naturschutz

Hornissen (Vespa crabro) sind in Deutschland nach § 44 BNatSchG streng geschützt. Das Entfernen, Töten oder Stören eines Hornissennests ist ohne behördliche Genehmigung verboten. Bußgelder bis 65.000 Euro sind möglich.

Wie sehen Hornissen aus?

Hornissen unterscheiden sich deutlich in ihrem Erscheinungsbild von verwandten Insekten wie Bienen, Wespen und Hummeln. Obwohl alle zur Gruppe der Hautflügler gehören, zeichnen sich Hornissen durch einen im Vergleich zu den anderen Arten größeren Körperbau aus.

Eine typische Hornisse hat einen imposanten Körper, der eine Länge von etwa 2 bis 3 Zentimetern erreichen kann. Ihr Kopf ist groß und auffällig, während ihre Augen meist dunkel und markant sind. Ihre kräftigen Kiefer sind ein weiteres charakteristisches Merkmal.

Die Färbung von Hornissen ist auffällig und kann je nach Art variieren. Typischerweise weisen sie einen dunklen Körper mit gelben oder orangefarbenen Streifen oder Markierungen auf. Dieses Farbmuster dient als Warnung, da es darauf hinweist, dass Hornissen mit ihrem Stachel über eine schmerzhafte Verteidigungsfähigkeit verfügen.

Europäische Hornisse – Nahaufnahme von Kopf, Kiefer und Körperfärbung zur Bestimmung
Hornisse (Vespa crabro): rotbrauner Kopf, kräftige Kiefer, braun-gelbe Körperfärbung – deutlich größer als Wespe oder Biene, bis 35 mm Körperlänge.

Hornisse oder Wespe? Sicher unterscheiden

Hornissen werden häufig mit Wespen verwechselt, obwohl sie deutlich größer und weniger aggressiv sind. Die korrekte Bestimmung ist entscheidend – nur für Hornissen gilt der strenge Naturschutz.

Hornisse vs. Wespe – Unterschiede auf einen Blick

  1. Größe

    Hornissenarbeiterin: 18–25 mm. Hornissenkönigin bis 35 mm. Wespe (Gemeine Wespe): 11–14 mm. Hornissen sind deutlich massiger und größer.

  2. Färbung

    Hornisse: rotbraun-gelb mit wenig Schwarz, Kopf überwiegend rotbraun. Wespe: kräftiges Schwarz-Gelb mit schwarzen Binden.

  3. Nest

    Hornissennest: papierartig, graubraun, meist in Baumhöhlen, Hohlräumen unter Dachbalken, Gartenhütten. Wespennest: grau, papierartig, freihängend oder in Erdlöchern.

  4. Verhalten

    Hornissen fliegen auch nachts (auf Lichtquellen zu). Wespen aktiv nur tagsüber. Hornissen reagieren deutlich gelassener auf Annäherung als Wespen.

  5. Volksgröße

    Hornissenvolk: 300–700 Tiere. Wespenvolk: bis zu 7.000 Tiere. Ein Hornissennest ist damit deutlich kleiner.

Hornisse, Wespe und Biene – Bestimmungstabelle

Merkmal Europäische Hornisse (Vespa crabro) Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) Honigbiene (Apis mellifera)
Körperlänge Arbeiterin 18–25 mm, Königin bis 35 mm 12–15 mm 12–15 mm
Färbung Rotbraun-gelb, wenig Schwarz – eher warm wirkend Kräftiges Schwarz-Gelb Braun-gelb, behaarter Körper
Volksgröße 300–700 Tiere Bis 7.000 Tiere Bis 50.000 Tiere
Nestmaterial Zerkaugte Baumrinde – braun-grauer Karton Zerkaugte Pflanzenfasern – hellgrauer Karton Bienenwachs, gelb
Neststandort Baumhöhlen, Vogelnistkästen, Dachböden Erdnester, Hohlräume, Dachbereiche Bienenstöcke, Hohlräume, Bäume
Stingverhalten Sehr selten – nur bei direkter Nestbedrohung Aggressiv bei Störung, auch am Essen Sticht nur als Todesakt (Stachel bleibt)
Naturschutz (D) Streng geschützt §44 BNatSchG Nicht geschützt Nicht gesetzlich, aber ökologisch wichtig
Nahrung (Larven) Insekten und Fleisch – jagen aktiv Insekten und süße Speisen Blütenpollen und Nektar

Gesetzlicher Schutz – was ist verboten?

Hornissen genießen in Deutschland den höchsten Naturschutzstatus. Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) verbietet ausdrücklich:

  • Töten oder Fangen von Hornissen
  • Zerstören oder Beschädigen eines Hornissennests (auch verlassene Nester während der Saison)
  • Erhebliches Stören des Brutgeschäfts

Zuwiderhandlungen können als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern bis 65.000 Euro geahndet werden. Eine Ausnahmegenehmigung ist nur bei konkreter Gefahr möglich – diese erteilt die untere Naturschutzbehörde der zuständigen Gemeinde.

Wie gefährlich sind Hornissen wirklich?

Der Ruf der Hornisse ist deutlich schlechter als ihre tatsächliche Gefährlichkeit. Einige verbreitete Mythen im Faktencheck:

Hornissen-Mythen und die Realität

  1. 1
    Mythos: 7 Hornissenstiche töten einen Menschen

    Falsch. Dieser Mythos ist wissenschaftlich nicht belegt. Hornissengift ist nicht giftiger als Wespengift. Für Nichtallergiker ist ein Hornissenstich schmerzhaft, aber nicht lebensgefährlich. Tödlich wäre eine Menge von etwa 500 Stichen für einen Erwachsenen.

  2. 2
    Mythos: Hornissen sind besonders aggressiv

    Falsch. Hornissen sind deutlich friedfertiger als Wespen. Sie stechen nicht beim Essen oder am Kaffeetisch. Gefährlich wird es nur direkt am Nest oder bei direkter Bedrohung einer Hornisse.

  3. 3
    Fakt: Allergiker sind gefährdet

    Wie bei allen Stechinsekten gilt: Personen mit bekannter Insektengiftallergie müssen ein Hornissennest in der Nähe ernst nehmen. Hier ist eine Umsiedlung begründet und behördlich genehmigbar.

  4. 4
    Fakt: Hornissen sind Nützlinge

    Ein Hornissenvolk vernichtet täglich bis zu 500 g Insekten – darunter viele Gartenschädlinge wie Raupen, Fliegen und Mücken. Hornissen sind ein wichtiger Teil des Ökosystems.

Hornissennest aus grauer Papiermasse unter einem Holzbalken im Garten – typischer Neststandort
Typischer Neststandort: Hornissen bauen ihre Nester aus zerkautem Holz in Hohlräumen – hier unter einem Gartenhausbalken. Das Nest ist noch im Aufbau (Frühsommer).
Europäische Hornisse auf einer Blüte im Garten – wichtiger Nützling und Insektenjäger
Hornissen sind wichtige Nützlinge: Ein Volk vernichtet täglich bis zu 500 g Insekten – darunter viele Gartenschädlinge.

Nest entdeckt – was jetzt konkret tun?

Schritt für Schritt bei einem Hornissennest im Garten

  1. 1
    Ruhe bewahren und Abstand halten

    Mindestens 2–3 Meter Abstand zum Nest. Keine hektischen Bewegungen, keine Erschütterungen, kein Anleuchten mit Taschenlampe. Hornissen reagieren empfindlich auf direkte Bedrohung des Nests.

  2. 2
    Situation einschätzen

    Liegt das Nest an einer kaum genutzten Stelle (Dachboden, hinterer Schuppen, alter Baum)? Dann ist abwarten die beste Option – im Oktober ist das Nest verlassen.

  3. 3
    Bereich absichern

    Kinder und Haustiere vom Nestbereich fernhalten. Bei Nestöffnung in Richtung Terrasse oder Spielbereich: Absperrband aufstellen und Bereich meiden.

  4. 4
    Behörde kontaktieren bei Bedarf

    Wenn das Nest eine konkrete Gefahr darstellt (Allergikerhaushalt, Kindergarten, direkter Eingang): Untere Naturschutzbehörde der Gemeinde anrufen. Diese vermitteln Imker oder autorisierte Umsiedler – oft kostenlos.

Warten lohnt sich

Hornissenvölker verlassen ihr Nest spätestens Ende Oktober vollständig. Ein verlassenes Nest kann dann gefahrlos entfernt werden. Wenn keine akute Gefahr besteht, ist Abwarten die einfachste und gesetzeskonforme Lösung.

Umsiedlung, Genehmigung und Ansprechpartner

Wenn eine Umsiedlung notwendig ist, gibt es in Deutschland klare Zuständigkeiten:

Wer hilft bei einem Hornissennest?

  • Untere Naturschutzbehörde der Gemeinde – Anlaufstelle für Genehmigungen und Vermittlung
  • Imkerverein – viele Imker nehmen Hornissenvölker kostenlos um
  • NABU und BUND – vermitteln lokale Ansprechpartner und beraten kostenlos
  • Zugelassener Schädlingsbekämpfer – bei behördlich genehmigter Entfernung
  • Feuerwehr – rückt in manchen Gemeinden zur Beratung aus, übernimmt aber keine Entfernung

Für den Umgang mit Wespennestern – die deutlich weniger Schutz genießen – erklärt der Ratgeber Wespennest entfernen – selbst oder Fachmann? alle Optionen. Wenn Wespen im Garten zur Plage werden, hilft Wespen im Garten – sicher grillen und entspannen.

Koexistenz mit Hornissen – praktische Tipps für den Alltag

In vielen Fällen ist die beste Lösung, das Hornissennest zu akzeptieren und die Saison abzuwarten. Bis Ende Oktober stirbt das Volk natürlich ab. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich die Zeit problemlos überbrücken.

Abstand und Ruhe als wichtigste Regeln: Hornissen reagieren empfindlich auf direkte Bedrohung des Nests. Ein Sicherheitsabstand von 2–3 Metern genügt in fast allen Fällen. Keine hektischen Bewegungen, kein Anleuchten mit Taschenlampe, keine Erschütterungen am Neststandort.

Im Garten:

  • Bereich direkt vor dem Nesteingang meiden – Hornissen haben ein klar definiertes Flugschneise
  • Garten-Sprinkler so ausrichten, dass der Nestbereich trocken bleibt – Wasserspritzer am Nest lösen Alarm aus
  • Süße Getränke und Obst nicht offen stehen lassen – Hornissen suchen im Spätsommer nach Zuckern für die Larven
  • Keine Parfums und keine süßlich duftenden Sonnenschutzmittel in Nestnähe

Kinder und Haustiere schützen:

  • Spielbereich durch einfaches Absperrband oder Sichtschutz vom Nestbereich trennen
  • Kindern erklären: Hornisse schauen, aber nie anfassen oder anpusten
  • Hunde an der Leine halten in Nestnähe – Hunde schnappen instinktiv nach Insekten

Licht abends: Hornissen fliegen auf Lichtquellen zu. Offene Fenster am Abend mit Fliegengitter sichern. Gartenlampen wenn möglich in die andere Richtung ausrichten oder gelb-oranges Licht (Insekten-unattraktiv) verwenden.

Was NICHT tun:

  • Kein Wasser auf das Nest – löst massive Abwehrreaktion aus
  • Kein Einsprühen mit Insektenspray – gesetzlich verboten und kontraproduktiv
  • Kein Verstopfen des Nesteingangs – Panik im Inneren, gefährliche Schwarmausbrüche

Sicher durch die Hornissen-Saison

  • 2–3 m Abstand zum Nest halten – auch beim Gartenarbeiten
  • Nestbereich mit Absperrband markieren damit Besucher gewarnt sind
  • Abends Fenster in Nestnähe mit Fliegengitter sichern
  • Süße Getränke und Obst im Freien abdecken oder wegräumen
  • Keine Parfums und Insektensprays in unmittelbarer Nestnähe
  • Ab Oktober: Aktivität im Nest nimmt ab – Kolonie stirbt natürlich

Für den Umgang mit Wespenstichen – die häufiger vorkommen als Hornissenstiche – erklärt Wespenstich behandeln – Erste Hilfe und wann zum Arzt alle wichtigen Schritte.

Häufige Fragen

Sind Hornissen gefährlicher als Wespen?

Nein. Hornissen sind deutlich weniger aggressiv als Wespen und stechen nur, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht fühlen. Der Mythos, dass 7 Hornissenstiche einen Menschen töten, ist wissenschaftlich falsch. Hornissengift ist nicht giftiger als Wespengift – die Menge pro Stich ist aber höher, weshalb Stiche schmerzhafter sein können.

Darf ich ein Hornissennest selbst entfernen?

Nein. Hornissen (Vespa crabro) stehen in Deutschland unter strengem Naturschutz (§ 44 BNatSchG). Das eigenmächtige Entfernen, Töten oder Zerstören eines Hornissennests ist verboten und kann mit einem Bußgeld bis zu 65.000 Euro bestraft werden. Eine Ausnahmegenehmigung der unteren Naturschutzbehörde ist erforderlich.

Was soll ich tun, wenn das Hornissennest zu nah am Haus ist?

Wende dich an die untere Naturschutzbehörde deiner Gemeinde oder an einen zertifizierten Schädlingsbekämpfer. Viele Gemeinden vermitteln kostenlos Imker oder Naturschutzhelfer, die das Nest fachgerecht umsiedeln. Eine Genehmigung zum Entfernen wird bei konkreter Gefahr erteilt.

Wie lange bleibt ein Hornissennest aktiv?

Hornissenvölker sind nur einjährig. Das Nest wird im Frühjahr gegründet und im Oktober/November verlassen. Danach stirbt die Kolonie ab – nur begattete Königinnen überwintern anderswo. Ein verlassenes Hornissennest kann gefahrlos entfernt werden.

Können Hornissen in die Wohnung eindringen?

Hornissen fliegen abends auf Lichtquellen zu und können durch offene Fenster ins Haus gelangen. Fliegengitter oder Mückennetze an Fenstern sind die einfachste Lösung. Einzelne Hornissen lassen sich ruhig mit einem Glas und Papier ins Freie befördern.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei bekannter Insektengiftallergie immer Notfallset (Adrenalin-Autoinjektor) bereithalten und nach einem Stich umgehend ärztliche Hilfe suchen. Bei Schwellung im Hals- oder Gesichtsbereich sofort den Notruf 112 wählen.

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