Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder wasserchemische Beratung. Bei konkretem Verdacht auf eine Belastung Ihres Trinkwassers wenden Sie sich an Ihren Wasserversorger, das zuständige Gesundheitsamt oder ein akkreditiertes Labor.
Die kurze Antwort
Für die allermeisten Haushalte in Deutschland ist ein Wasserfilter überflüssig. Das ist keine Meinung der Redaktion, sondern das Ergebnis der beiden Institutionen, die sich das Thema am genauesten angesehen haben: Die Stiftung Warentest kommt in ihrem Test von 2022 zu dem Schluss, dass Filtern „meist ohnehin überflüssig” ist, weil nahezu überall in Deutschland einwandfreies Trinkwasser aus der Leitung fließt. Das Umweltbundesamt bewertet die deutsche Trinkwasserqualität seit Jahren durchgehend als sehr gut.
Trotzdem verkaufen sich Filterkannen millionenfach. Der Grund ist selten eine gemessene Belastung, sondern ein Gefühl: Das Wasser schmeckt nach Chlor, der Wasserkocher setzt Kalk an, die Wohnung ist alt, in den Nachrichten stand etwas über PFAS. Diese Anlässe sind unterschiedlich berechtigt – und genau darum geht es in diesem Artikel.
Es gibt vier Situationen, in denen ein Filter tatsächlich etwas leistet. Wenn Sie in keiner davon stecken, sparen Sie sich das Geld und die Kartuschen. Wenn doch, lohnt sich die genauere Auswahl – welches Gerät zu welchem Zweck passt, klärt unsere Kaufberatung zu Wasserfiltern.
Was Warentest und das UBA tatsächlich gemessen haben
Die Stiftung Warentest hat 2022 acht Wasserfilter geprüft – Kannen und Systeme für den Wasserhahn. Das Ergebnis fiel für die Branche unangenehm aus: Die Überschrift des Tests lautet „Gut filtert keiner”. Kein einziges Gerät erhielt die Note gut. Zweimal gab es befriedigend, fünfmal ausreichend, einmal mangelhaft.
Drei Befunde aus diesem Test sollten Sie kennen, bevor Sie eine Kaufentscheidung treffen:
Die drei wichtigsten Testbefunde
✓
Keime in allen getesteten Kannen
Die Tester fanden in sämtlichen Filterkannen Bakterien im gefilterten Wasser. In einem Gerät wuchs im Urlaubsszenario zusätzlich Schimmel – also dann, wenn die Kanne mehrere Tage ungenutzt stehen bleibt.
✓
Enthärtung bricht früh ein
Die Entkalkungsleistung ließ bereits nach rund einem Viertel der vom Hersteller angegebenen Kartuschenlaufzeit deutlich nach. Wer nach Herstellerangabe wechselt, filtert einen erheblichen Teil der Zeit kaum noch.
✓
Nur ein anerkannter Nutzen
Die Tester sehen einen sinnvollen Einsatz vor allem bei Teegourmets: Weicheres Wasser verändert den Geschmack von Tee und Kaffee. Das ist ein Genussargument, kein Gesundheitsargument.
Auf der anderen Seite steht die Ausgangsqualität. Trinkwasser ist in Deutschland das am strengsten kontrollierte Lebensmittel überhaupt. Die Wasserversorger prüfen kontinuierlich gegen die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung, und die Auswertungen des Umweltbundesamtes bescheinigen dem Leitungswasser bundesweit eine sehr gute bis exzellente Qualität. Wer in Deutschland ein Glas Wasser aus dem Hahn trinkt, trinkt in aller Regel ein einwandfreies Produkt.
Daraus folgt eine unbequeme Logik: Wenn das Ausgangswasser gut ist und das Filtergerät bestenfalls befriedigend arbeitet und dabei selbst Keime beisteuern kann, dann ist der Filter im Normalfall kein Gewinn, sondern ein zusätzliches Risiko und eine zusätzliche Ausgabe.
Leitungswasser gehört in Deutschland zu den am strengsten überwachten Lebensmitteln – der Normalfall braucht keinen Filter.
Vier Fälle, in denen ein Filter sinnvoll ist
Die Aussage „meist überflüssig” ist nicht dasselbe wie „immer überflüssig”. Es gibt konkrete, benennbare Situationen, in denen ein Filter berechtigt ist. Der entscheidende Unterschied zu den Werbeversprechen: Diese Fälle lassen sich prüfen. Sie hängen an Ihrem Haus, Ihrer Region oder Ihrer Wasserquelle – nicht an einem diffusen Unwohlsein.
Situation
Woran Sie es erkennen
Was ein Filter leisten kann
Bleirohre im Altbau
Haus vor 1973 gebaut, Leitungen nie erneuert, graue weiche Rohre
Geeignete Filter können Blei aus dem Zapfwasser reduzieren – die Sanierung ersetzen sie nicht
PFAS-Hotspot in der Region
Bekannte Belastung im Versorgungsgebiet, Angabe im Trinkwasseranalyse-Bericht
Aktivkohle- und Umkehrosmose-Systeme können PFAS teilweise bis weitgehend zurückhalten
Sehr hartes Wasser
Über 14 °dH laut Versorger, starker Kalkbelag im Wasserkocher
Weicheres Wasser für Kaffee und Tee, weniger Kalk in Kleingeräten – ein Geschmacks- und Technikthema
Eigener Brunnen
Private Wasserversorgung ohne Anschluss ans öffentliche Netz
Je nach Laborbefund gezielte Aufbereitung – nur auf Basis einer Analyse
Alles, was nicht in dieser Tabelle steht, ist im Regelfall kein Grund für einen Filter. Insbesondere gilt: Ein Filter macht gutes Wasser nicht besser. Er kann nur etwas entfernen, das vorher drin war.
Fall 1: Bleirohre im Gebäude vor 1973
Blei ist der einzige klassische Schwermetall-Fall, der in deutschen Wohnungen noch praktisch relevant ist – und er hat einen präzisen Stichtag. Bis in die frühen 1970er-Jahre wurden Trinkwasserleitungen vielerorts aus Blei verlegt. Seit 1973 ist das nicht mehr üblich, in Neubauten kommt Blei seither nicht mehr vor.
Wichtig ist die Zuständigkeit: Der Wasserversorger liefert bleifreies Wasser bis zur Übergabestelle am Haus. Was auf den letzten Metern in der Hausinstallation passiert, liegt in der Verantwortung der Eigentümerseite. Genau dort sitzt das Problem – und genau deshalb hilft der Blick in den Trinkwasserbericht des Versorgers hier nicht weiter. Sie müssen Ihr eigenes Zapfwasser messen lassen.
So gehen Sie vor:
Bleiverdacht abklären
✓ Baujahr prüfen: Gebäude vor 1973 errichtet und Leitungen nie erneuert – dann besteht Anlass zur Prüfung
✓ Rohre ansehen: Bleirohre sind mattgrau, weich und lassen sich mit dem Fingernagel anritzen; ein Klopfen klingt dumpf statt hell
✓ Vermieterseite fragen: Angaben zum Leitungsmaterial gehören zur Dokumentation der Hausinstallation
✓ Wasserprobe ziehen: Ein Test aus dem eigenen Hahn ist die einzige belastbare Auskunft – Stagnationswasser nach mehreren Stunden Standzeit ist der kritische Fall
✓ Bei bestätigtem Befund: Austausch der Leitung ansprechen – ein Filter ist die Überbrückung, nicht die Lösung
Ein für Blei geeigneter Filter kann die Belastung am Zapfhahn reduzieren, solange die Rohre noch liegen. Er beseitigt aber nicht die Ursache: Solange Blei im Haus verbaut ist, hängt die Wasserqualität an einer Kartusche, die pünktlich gewechselt werden muss. Der Filter ist deshalb eine Zwischenlösung für die Zeit bis zur Sanierung – nicht deren Ersatz.
Fall 2: PFAS-Hotspot in Ihrer Region
PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sind Industriechemikalien, die in der Umwelt kaum abgebaut werden. Deshalb der Beiname Ewigkeitschemikalien. Sie stecken in Löschschäumen, Beschichtungen und Imprägnierungen und gelangen von dort in Böden und Gewässer.
Der regulatorische Rahmen hat sich gerade geändert: Seit dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland ein Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe von 20 PFAS-Verbindungen. Nach den bisher vorliegenden Auswertungen überschritten rund drei Prozent der Proben diesen Wert. Das ist die entscheidende Zahl für Ihre Entscheidung: PFAS sind ein regionales Thema, kein flächendeckendes. In 97 von 100 Fällen ist die Frage für Sie erledigt.
Der Weg zur Antwort führt nicht über eine Filterwerbung, sondern über den Versorger: Jeder Wasserversorger veröffentlicht eine Trinkwasseranalyse für sein Versorgungsgebiet, meist als PDF auf der eigenen Website. Dort finden Sie die gemessenen Werte. Steht Ihr Gebiet unauffällig da, brauchen Sie an dieser Stelle nichts weiter zu tun. Liegt eine bekannte Belastung vor, informiert der Versorger in aller Regel aktiv und ergreift selbst Maßnahmen – die Aufbereitung im Wasserwerk ist der wirksamere Hebel als eine Kanne in Ihrer Küche.
Bleibt eine Belastung, die Sie im Haushalt adressieren möchten, kommen Aktivkohle- und Umkehrosmose-Systeme infrage. Beide können PFAS zurückhalten – wie gut, hängt stark von Bauart, Durchflussmenge und Wartungszustand ab. Welche Technik was leistet, vergleichen wir in der Wasserfilter-Kaufberatung.
Fall 3: Sehr hartes Wasser – ein Geschmacksthema
Hier ist die wichtigste Klarstellung dieses Artikels: Kalk im Trinkwasser ist kein Gesundheitsproblem. Calcium und Magnesium sind das, was Wasser hart macht, und beides sind Mineralstoffe, die der Körper braucht. Es gibt keinen gesundheitlichen Grund, hartes Wasser zu filtern. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, verkauft etwas.
Was hartes Wasser dagegen tatsächlich beeinflusst, sind zwei Dinge: Geschmack und Technik.
Beim Geschmack ist der Effekt real und für manche Menschen deutlich. Kaffee und besonders Tee schmecken mit weicherem Wasser anders – die Aromen kommen klarer heraus, der leicht stumpfe Eindruck sehr harten Wassers fällt weg. Genau das ist der Anwendungsfall, den die Stiftung Warentest als sinnvoll anerkennt: Teegourmets. Das ist ein legitimer Grund, eine Filterkanne zu kaufen. Nur sollte man ihn nennen, wie er ist – Genuss, nicht Vorsorge.
Bei der Technik geht es um Kalkablagerungen in Wasserkocher, Kaffeemaschine und Dampfgarer. Gefiltertes Wasser reduziert den Belag und verlängert die Entkalkungsintervalle. Ob sich das rechnet, ist eine schlichte Rechnung: Kartuschen kosten Geld, Entkalker auch. Bei sehr hartem Wasser und einem teuren Vollautomaten kann der Filter aufgehen, bei mittlerer Härte und einem 20-Euro-Wasserkocher nicht.
Ihren Härtegrad müssen Sie nicht schätzen. Er steht in der Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers, oft direkt auf der Startseite. Die Einteilung:
Härtebereich
Grad deutscher Härte
Was das praktisch bedeutet
Weich
unter 8,4 °dH
Kaum Kalkbelag, kein Anlass für einen Filter
Mittel
8,4 bis 14 °dH
Sichtbarer Belag über Monate, normales Entkalken reicht aus
Hart
über 14 °dH
Deutlicher Belag, hier kann ein Filter für Kaffee und Tee einen spürbaren Unterschied machen
Fall 4: Wasser aus dem eigenen Brunnen
Der vierte Fall ist der eindeutigste – und der einzige, in dem die Ausgangslage grundsätzlich anders ist. Wer sein Trinkwasser aus einem privaten Brunnen bezieht, hat keinen Versorger, der kontinuierlich prüft, und keine Aufbereitung im Wasserwerk. Die gesamte Verantwortung für die Qualität liegt beim Betreiber.
Hier gilt eine strikte Reihenfolge: erst Laboranalyse, dann Filter – nie umgekehrt. Brunnenwasser kann Nitrat aus der Landwirtschaft enthalten, mikrobiologische Belastungen aus der Umgebung, Eisen und Mangan aus dem Untergrund oder Rückstände aus früherer Nutzung. Diese Stoffe erfordern völlig verschiedene Aufbereitungsschritte. Ein Filter, der auf gut Glück gekauft wird, entfernt womöglich genau das nicht, was drin ist – und erzeugt dabei ein trügerisches Sicherheitsgefühl.
Eine Analyse bei einem akkreditierten Labor kostet je nach Umfang einen mittleren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Betrag und ist bei privater Wasserversorgung ohnehin regelmäßig fällig. Erst wenn Sie wissen, was gemessen wurde, ist die Filterfrage überhaupt sinnvoll zu stellen. Das zuständige Gesundheitsamt gibt Auskunft, welche Parameter für Ihre Situation vorgeschrieben sind.
Filtert ein Wasserfilter Mikroplastik?
Diese Frage stellen viele Leser, und sie kommt nicht von ungefähr: Auf Filterkannen wird das Wort Mikroplastik inzwischen ausdrücklich beworben – Philips etwa bewirbt seine Kanne damit, Chlor, Kalk, Schwermetalle und Mikroplastik zu filtern. Die Formulierung ist nicht falsch, aber sie beantwortet die falsche Frage.
Die richtige Frage lautet: Wie viel Mikroplastik ist überhaupt in deutschem Leitungswasser? Und die Antwort ist: sehr wenig. Leitungswasser ist in dieser Hinsicht die saubere Option. Deutlich mehr Mikroplastik findet sich in Wasser aus Plastikflaschen – Abrieb aus Flasche und Verschluss, besonders bei Mehrwegflaschen mit vielen Umläufen. Wer sich um Mikroplastik im Trinkwasser sorgt und deshalb zur Flasche greift, tauscht die bessere gegen die schlechtere Quelle.
Ein Filter, der Mikroplastik aus Leitungswasser entfernt, entfernt also etwas, das dort ohnehin kaum vorhanden ist. Das Werbeversprechen stimmt technisch und ist praktisch bedeutungslos. Wenn Ihnen Mikroplastik wichtig ist, ist die wirksamste Maßnahme, Leitungswasser statt Flaschenwasser zu trinken – und dafür brauchen Sie keine Kartusche.
Das Keimproblem der Filterkannen – und wie Sie es beherrschen
Der unangenehmste Befund aus dem Warentest verdient eine eigene Erklärung, weil er oft verschwiegen wird: In allen getesteten Kannen fanden sich Bakterien im gefilterten Wasser. In einem Gerät wuchs im Urlaubsszenario zusätzlich Schimmel.
Das ist kein Skandal, sondern Physik. Eine Filterkartusche ist ein feuchter, poröser Körper bei Zimmertemperatur, durch den Nährstoffe strömen. Das sind exakt die Bedingungen, unter denen Bakterien sich vermehren. Aktivkohle bindet zudem Chlor – und damit genau den Stoff, der im Leitungsnetz das Keimwachstum bremst. Der Filter entfernt also den Schutz und schafft gleichzeitig den Lebensraum.
Daraus folgt keine Panik, sondern eine Betriebsanleitung. Wer eine Kanne nutzt, muss sie führen wie ein Lebensmittelgerät:
Filterkanne hygienisch betreiben
✓ Kartusche nach Herstellerintervall wechseln – bei der Enthärtung lässt die Leistung ohnehin schon nach etwa einem Viertel der Laufzeit nach
✓ Gefiltertes Wasser im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb eines Tages verbrauchen, nicht tagelang auf der Arbeitsplatte stehen lassen
✓ Kanne regelmäßig komplett auseinandernehmen und reinigen – Deckel und Trichter gehören dazu, dort sitzt der Biofilm
✓ Nach dem Urlaub oder längerer Standzeit: Kartusche wechseln, nicht weiterbenutzen – das war im Test das kritischste Szenario
✓ Kanne nicht in der Sonne oder neben dem Herd platzieren – Wärme beschleunigt das Keimwachstum spürbar
✓ Bei Immunschwäche, Säuglingen im Haushalt oder Schwangerschaft die Filternutzung vorher ärztlich besprechen
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Für gesunde Erwachsene sind die gefundenen Keimzahlen in aller Regel unproblematisch. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gilt das nicht automatisch – hier ist ungefiltertes Leitungswasser meist die vernünftigere Wahl. Wie sich Hygiene im Haushalt insgesamt sinnvoll priorisieren lässt, ohne in Übertreibung zu kippen, zeigt unser Ratgeber zur Hygiene im Haushalt.
Der Kartuschenwechsel ist kein Detail, sondern die Bedingung dafür, dass eine Filterkanne hygienisch bleibt.
Sind Wasserfilter schädlich?
Nein – jedenfalls nicht bei bestimmungsgemäßem Betrieb. Diese Formulierung ist wichtig, denn die Risiken eines Wasserfilters entstehen nicht durch das Gerät selbst, sondern durch seine Vernachlässigung.
Drei Punkte fassen den Stand zusammen:
Keime. Das oben beschriebene Problem ist real, aber beherrschbar. Eine gepflegte Kanne mit frischer Kartusche und kurzer Standzeit liegt in einem Bereich, der für gesunde Menschen unbedenklich ist. Eine seit drei Monaten nicht gewechselte Kartusche nach zwei Wochen Urlaub ist etwas anderes.
Entzogene Mineralien. Enthärtende Filter entfernen Calcium und Magnesium. Über die Ernährung nimmt ein durchschnittlicher Haushalt diese Stoffe überwiegend aus fester Nahrung auf, der Beitrag des Trinkwassers ist begrenzt. Bei ausgewogener Ernährung ist das kein Thema. Bei Umkehrosmose, die das Wasser weitgehend entmineralisiert, wird die Frage relevanter – ein weiterer Grund, diese Technik nicht ohne Anlass zu wählen.
Falsche Sicherheit. Das unterschätzte Risiko. Wer eine Kanne kauft, hakt das Thema innerlich ab. Bei Bleirohren oder einem unbekannten Brunnen ist genau das gefährlich: Die eigentliche Aufgabe – messen, sanieren, prüfen lassen – bleibt liegen, weil ein Gerät auf der Arbeitsplatte steht und das Gefühl vermittelt, es sei erledigt.
So prüfen Sie Ihr eigenes Wasser – in drei Schritten
Bevor Sie irgendeinen Filter kaufen, kostet Sie die folgende Prüfung eine halbe Stunde und meist keinen Cent. Sie führt in den allermeisten Fällen zu dem Ergebnis, dass Sie nichts kaufen müssen.
Drei Schritte zur eigenen Antwort
1
Trinkwasseranalyse des Versorgers lesen
Jeder Versorger veröffentlicht die Werte für sein Gebiet, meist als PDF auf der Website. Hier finden Sie Härtegrad, Nitrat und – neu seit 2026 – die PFAS-Summe. Diese Analyse gilt bis zur Übergabestelle am Haus.
2
Hausinstallation prüfen
Baujahr vor 1973 und nie erneuerte Leitungen sind das einzige verbreitete Risiko, das der Versorgerbericht nicht abdeckt. Rohre ansehen, Vermieterseite oder Verwaltung fragen.
3
Nur bei konkretem Verdacht messen lassen
Ein Test des eigenen Zapfwassers ist sinnvoll, wenn Schritt 2 einen Verdacht ergeben hat oder Sie einen Brunnen betreiben. Für alle anderen ist er nicht nötig.
Der Geschmackstest ersetzt keinen dieser Schritte. Ein chlorartiger Geruch bedeutet nicht, dass etwas nicht stimmt – Chlor ist eine zugelassene Desinfektionsmaßnahme und in vielen Netzen normal. Wer den Geruch nicht mag: Wasser eine Stunde offen im Kühlschrank stehen lassen, der Chlorgeruch verfliegt von selbst. Das kostet nichts und braucht keine Kartusche.
Fazit: Meist nein, manchmal ja
Wenn Sie in einer normalen deutschen Wohnung leben, deren Leitungen nach 1973 verlegt wurden, in einem Versorgungsgebiet ohne PFAS-Auffälligkeit, mit mittlerem Härtegrad und Anschluss ans öffentliche Netz – dann brauchen Sie keinen Wasserfilter. Ihr Leitungswasser ist ein hochwertiges, kontrolliertes Lebensmittel, und ein Gerät mit der Testnote ausreichend macht daraus nichts Besseres.
Ein Filter ist berechtigt, wenn Sie Bleirohre haben (als Überbrückung bis zur Sanierung), in einem bekannten PFAS-Hotspot wohnen, sehr hartes Wasser haben und den Geschmack von Kaffee und Tee verbessern möchten, oder einen eigenen Brunnen betreiben und eine Analyse vorliegt.
Fällt Ihre Antwort in eine dieser vier Kategorien, geht es an die Auswahl – und die ist nicht trivial, weil Kanne, Aufsatzfilter, Aktivkohle und Umkehrosmose völlig unterschiedliche Dinge tun. Welche Technik zu welchem Anlass passt, was Brita gegenüber den Alternativen kann und worauf bei den laufenden Kosten zu achten ist, steht in unserer Kaufberatung: die besten Wasserfilter im Vergleich.
In den meisten Haushalten nicht. Die Stiftung Warentest kam 2022 zu dem Ergebnis, dass Filtern meist überflüssig ist, weil nahezu überall in Deutschland einwandfreies Trinkwasser aus der Leitung fließt. Kein einziger der acht getesteten Filter erhielt die Note gut. Sinnvoll ist ein Filter vor allem bei Bleirohren, in PFAS-Hotspots, bei sehr hartem Wasser aus Geschmacksgründen und bei eigenem Brunnenwasser.
Bringt eine Brita-Kanne wirklich etwas?
Sie macht hartes Wasser weicher, was Kaffee und Tee anders schmecken lässt und Kalkbelag in Kleingeräten reduziert. Einen gesundheitlichen Nutzen hat sie bei einwandfreiem Leitungswasser nicht. Die Stiftung Warentest erkennt den Einsatz vor allem für Teegourmets an – als Geschmacksfrage, nicht als Vorsorge.
Sind Wasserfilter schädlich?
Bei bestimmungsgemäßem Betrieb nicht. Der Warentest fand allerdings in allen geprüften Kannen Bakterien im gefilterten Wasser, in einem Gerät zusätzlich Schimmel nach längerer Standzeit. Entscheidend sind deshalb pünktlicher Kartuschenwechsel, Aufbewahrung im Kühlschrank und regelmäßige Reinigung. Bei geschwächtem Immunsystem ist ungefiltertes Leitungswasser meist die vernünftigere Wahl.
Filtert ein Wasserfilter Mikroplastik?
Technisch können manche Filter Partikel zurückhalten, praktisch löst das kein Problem: In deutschem Leitungswasser ist sehr wenig Mikroplastik enthalten. Deutlich höhere Gehalte finden sich in Wasser aus Plastikflaschen durch Abrieb von Flasche und Verschluss. Wer Mikroplastik meiden möchte, trinkt am besten Leitungswasser – ohne Filter.
Ab wann ist Wasser zu hart und ein Filter lohnt sich?
Ab etwa 14 Grad deutscher Härte gilt Wasser als hart. Dann sind Kalkbelag im Wasserkocher und ein veränderter Kaffee- und Teegeschmack deutlich spürbar. Den Härtegrad Ihres Gebiets nennt die Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers. Gesundheitlich ist Kalk unbedenklich – Calcium und Magnesium sind Mineralstoffe, keine Schadstoffe.
Woher weiß ich, ob mein Haus Bleirohre hat?
Relevant sind nur Gebäude, die vor 1973 gebaut und deren Leitungen nie erneuert wurden. Bleirohre sind mattgrau, weich und lassen sich mit dem Fingernagel anritzen. Die Angabe zum Leitungsmaterial gehört zur Dokumentation der Hausinstallation, danach können Sie die Vermieterseite oder Verwaltung fragen. Bei Verdacht bringt nur eine Wasserprobe aus dem eigenen Hahn Gewissheit – der Bericht des Versorgers gilt nur bis zur Übergabestelle am Haus.
Wie oft muss ich die Filterkartusche wechseln?
Mindestens nach dem vom Hersteller angegebenen Intervall, meist vier Wochen. Der Warentest zeigte allerdings, dass die Enthärtungsleistung schon nach etwa einem Viertel der angegebenen Laufzeit deutlich nachlässt. Nach längerer Standzeit, etwa nach dem Urlaub, sollte die Kartusche unabhängig vom Kalender getauscht werden.
Muss ich wegen PFAS mein Wasser filtern?
In den meisten Regionen nicht. Seit dem 12. Januar 2026 gilt ein Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe aus 20 PFAS-Verbindungen; rund drei Prozent der Proben überschritten diesen Wert. Ob Ihr Versorgungsgebiet betroffen ist, steht in der Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers. Bei bekannter Belastung informiert der Versorger in der Regel aktiv und bereitet selbst auf.
Die Angaben in diesem Artikel ersetzen keine medizinische Beratung und keine Wasseranalyse. Bei bestätigter Belastung des Trinkwassers, bei Beschwerden nach dem Trinken von Leitungswasser oder wenn Säuglinge, Schwangere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem im Haushalt leben, holen Sie ärztlichen Rat ein und wenden Sie sich an das zuständige Gesundheitsamt.
Deutsches Leitungswasser hält laut Umweltbundesamt zu über 99 Prozent alle Grenzwerte ein. Was die Trinkwasserverordnung regelt, wo Blei, PFAS und Kalk eine Rolle spielen – und wo die Kontrolle an Ihrer Hausinstallation endet.
Legionellen sind ein Warmwasser-Thema, keine Frage des Trinkens. Wie die Ansteckung über Aerosole funktioniert, was die 60-Grad-Regel leistet und wann eine Legionellenprüfung Pflicht ist.
Seit dem 12. Januar 2026 sind Bleirohre verboten, die Austauschfrist ist abgelaufen. Wer betroffen ist, wie Sie Bleileitungen erkennen, was das Gesetz verlangt und wie Sie Ihr Wasser prüfen.
Seit dem 12. Januar 2026 gilt ein PFAS-Grenzwert im Trinkwasser. Was die Ewigkeitschemikalien sind, wie stark Deutschland betroffen ist, wie Sie Ihre Werte finden und welche Filter PFAS wirklich reduzieren.
Welcher Wassertest misst wirklich was? Teststreifen, TDS-Messgerät und Laboranalyse im Vergleich – mit Kosten, richtiger Probenahme und ehrlicher Antwort, wann sich ein Test überhaupt lohnt.
Schwarze Punkte, brauner Belag oder Flocken im Wasserkocher: Woran Sie Kalk, Biofilm und echten Schimmel unterscheiden, wie Sie das Gerät gründlich reinigen und wann Sie es entsorgen sollten.