Stechfliegen im Garten: Brutstätten finden und loswerden
Stechfliegen auf Terrasse oder im Garten? So finden Sie Brutstätten, beseitigen sie und schützen sich ohne Chemie an heißen Tagen draußen.
Stechfliegen, vor allem der Wadenstecher (Stomoxys calcitrans), verwandeln viele deutsche Gärten ab Hochsommer in eine schmerzhafte Zone: schnelle, lautlose Stiche an Wade, Knöchel oder Ellenbogen, oft beim ruhigen Sitzen auf der Terrasse. Anders als bei allgemeinem Insektenschutz reicht es draußen nicht aus, die Fenster zu schließen – die Tiere brüten direkt vor Ihrer Haustür. Allgemeine Informationen zu Wadenstechern, Stichbehandlung und Repellents finden Sie im Stechfliegen-Themen-Hub sowie im Schwerpunkt-Artikel Stechfliegen bekämpfen und Stiche behandeln.
Inhalt · 9 Abschnitte
Medizinischer Hinweis
Stechfliegenstiche sind in Deutschland in der Regel harmlos, können aber bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen. Bei ausgedehnter Schwellung, Atemnot, Kreislaufproblemen oder Fieber nach einem Stich rufen Sie sofort die 112 oder den ärztlichen Notfalldienst 116 117. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.
Warum Stechfliegen Ihren Garten lieben — die 3 Hauptursachen
Stechfliegen sind keine Zufallsbesucher. Wenn sie regelmäßig auf Ihrer Terrasse landen, finden sie in unmittelbarer Umgebung drei Dinge, die sie für Vermehrung und Stich brauchen.
1. Feuchtes, gärendes organisches Material. Stechfliegen brauchen feuchtes, pflanzliches Substrat: Die Weibchen legen ihre 100–280 Eier bevorzugt in Stroh und andere Pflanzenreste, die mit Urin und Kot von Rindern oder Pferden durchsetzt sind – in reinem Kot entwickeln sich die Larven nicht. Im Garten kommen feuchtes Strohlager, faulendes Schnittgut und schlecht belüftete Komposthaufen mit viel Grünabfall hinzu. Die Larven schlüpfen dort nach etwa zwei Tagen, die Puppenruhe dauert sechs bis neun Tage – bei 20 bis 25 Grad steht die nächste Generation damit nach zwölf bis vierzehn Tagen. Über einen Sommer sind so mehr als zehn Generationen möglich.
2. Warmblütige Wirte in der Nähe. Wadenstecher saugen Blut von Säugetieren – vor allem von Rindern und Pferden, aber auch von Mensch, Hund und anderen Tieren; beide Geschlechter stechen, und zwar nur am Tag. Entscheidend ist die Nähe zur Brutstätte: In Wohnungen, die mehr als 100 Meter vom Brutplatz entfernt liegen, dringen sie laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg selten ein. Ein Pferde- oder Rinderstall in direkter Nachbarschaft ist deshalb die häufigste Quelle.
3. Windstille, sonnige Mikrostandorte. Stechfliegen ruhen gern an sonnigen, senkrechten Flächen und stechen vor allem an warmen, windstillen Tagen – also genau dort, wo wir Terrassen, Lounge-Ecken und Spielbereiche anlegen. Zugluft erschwert ihnen das Landen; eine Pergola mit Sichtschutz auf der Wetterseite bietet dagegen Ruheplätze und lebendige Beute.
Die gute Nachricht: Alle drei Faktoren lassen sich beeinflussen. Wer Brutstätten beseitigt und Mikroklima ändert, reduziert die Population im eigenen Garten oft innerhalb weniger Generationen spürbar.
Wichtig zum Verständnis: Stechfliegen halten sich meist in der Nähe ihrer Brutplätze auf und bauen sich an feuchten Mikro-Hotspots immer wieder neu auf. Genau das macht private Gegenmaßnahmen so wirkungsvoll – Sie bekämpfen in der Regel nicht eine anonyme „Sommerfliegenwelle“, sondern eine konkrete Brutquelle auf dem eigenen Grundstück oder in unmittelbarer Nachbarschaft.
Brutstätten erkennen — wo legen Stechfliegen ihre Eier?
Eier werden nicht in trockene Erde oder auf Blätter gelegt, sondern gezielt in feuchtes, pflanzliches Material, das mit Kot und Urin durchsetzt ist. Die Larven brauchen hohe Feuchtigkeit und Wärme (Optimum 22–30 °C); zum Verpuppen wandern sie in trockenere Bereiche des Substrats. Im Garten kommen dafür mehrere typische Orte infrage – die meisten davon übersieht man im Alltag.
Typische Stechfliegen-Brutstätten im Garten
- Offene Komposthaufen mit hohem Grünschnittanteil und ohne Strukturmaterial
- Misthaufen von Hühnern, Kaninchen, Pferden oder Schafen, vor allem die feuchten Randzonen
- Feuchte Strohlager und alte Heuballen unter Carports oder Vordächern
- Dicke Haufen aus feuchtem Rasen- und Grünschnitt, die zu gären beginnen
- Futterreste und nasses Heu an Raufen und Futterstellen von Kleintieren oder Pferden
- Verrottendes Falllaub in feuchten Beetecken und unter Hecken
- Pflanzenreste und nasses Mulchmaterial in dauerfeuchten Ecken
- Verschmutzte Kleintier-Einstreu (Stroh mit Kot und Urin), die offen liegen bleibt
Achten Sie an warmen Tagen darauf, wo sich besonders viele Fliegen sammeln: Die Brutstätte liegt meist in der Nähe. Typisch ist auch das ruhige Sitzen an sonnigen, senkrechten Flächen – Holzzäune, helle Hauswände, Steinmauern –, wobei Wadenstecher mit dem Kopf nach oben sitzen. Dort lassen sich Stechfliegen tagsüber zwischen Stichen nieder.
Brutstätten-Beseitigung — Schritt für Schritt
Ohne konsequente Brutstätten-Sanierung wirken Repellents und Pflanzen nur als kosmetischer Schutz. Folgender Ablauf hat sich für deutsche Hausgärten bewährt.
Schritt 1: Kompost umstellen. Schichten Sie nicht reinen Grünschnitt, sondern wechseln Sie immer eine dünne Schicht stickstoffreiches Material (Gemüsereste, Rasenschnitt) mit grobem Strukturmaterial (Häcksel, Strauchschnitt) ab. Decken Sie die oberste Schicht mit einem Vlies oder mit Falllaub ab. Geschlossene Thermokomposter aus Kunststoff mit funktionierender Belüftung halten Stechfliegen deutlich besser fern als offene Holzkompostsilos.
Schritt 2: Mist und Einstreu täglich entfernen. Bei Kleintieren reicht es nicht, einmal die Woche auszumisten. Im Sommer Einstreu täglich aus dem Stall in einen geschlossenen Behälter umlagern. Mist möglichst trocken sammeln, niemals offen auf den Komposthaufen werfen. Wer Hühner hält: trockene Sandbäder fördern, feuchte Auslaufzonen mit Häcksel auffüllen.
Schritt 3: Mülltonnen sauber halten. Bio- und Restmülltonnen einmal monatlich mit heißem Wasser und Essigreiniger auswaschen. Tonnen in den Schatten stellen, Deckel immer schließen. Bio-Müll grundsätzlich in Zeitungspapier einwickeln, niemals Flüssigkeiten in die Tonne kippen.
Schritt 4: Grünschnitt nicht anhäufen. Rasenschnitt dünn als Mulch verteilen oder mit trockenem Strukturmaterial gemischt kompostieren, statt ihn in dicken, feuchten Haufen liegen zu lassen. Vogeltränken und Regentonnen sind dagegen eher ein Mückenthema – Stechfliegen brüten nicht im Wasser.
Schritt 5: Feuchte Stellen trockenlegen. Falllaub aus feuchten Beetecken im Spätsommer harken. Drainage von Pflasterfugen kontrollieren – Pfützen, die länger als zwei Tage stehen, sind verdächtig.
Beobachten Sie die Wirkung nicht nach drei Tagen, sondern nach drei bis vier Wochen – ein Entwicklungszyklus dauert bei 20–25 °C rund zwei Wochen, und erst nach zwei Zyklen lässt sich beurteilen, ob die Population tatsächlich sinkt.
Schritt 6: Nachbarschaft prüfen. Wenn Sie alle Eigenmaßnahmen umgesetzt haben und der Druck nicht nachlässt, schauen Sie sich die angrenzenden Grundstücke an. Ein offener Misthaufen hinter dem Zaun, ein verlassener Hühnerstall oder ein verwilderter Komposthaufen beim Nachbarn liefert die Tiere zuverlässig in Ihren Garten. Sprechen Sie das Thema freundlich an oder fragen Sie beim Ordnungs- oder Umweltamt der Gemeinde nach, welche Vorgaben für Mistlagerung vor Ort gelten.
Schritt 7: Dokumentation. Notieren Sie sich Datum, Wetter und Hotspots auf einem einfachen Gartenplan. Diese Daten helfen Ihnen, im Folgejahr früher zu handeln, und sind später ein wichtiges Argument, falls Sie Behörden oder den Nachbarn einschalten müssen.
Pflanzen gegen Stechfliegen — was wirkt wirklich?
Belastbare Belege, dass Pflanzen am Sitzplatz Stechfliegen fernhalten, gibt es nicht. Der Duft ätherischer Öle kann Insekten allenfalls kurzfristig und im Nahbereich stören – deutlich weniger zuverlässig als ein Repellent auf der Haut. Sinnvoll sind Pflanzen deshalb nur als Ergänzung: Sie verbessern das Mikroklima rund um den Sitzplatz und riechen für den Menschen angenehm. Eine reine Pflanzen-Strategie ersetzt Brutstätten-Sanierung nicht.
Pflanzen gegen Stechfliegen – Wirkung im Garten
| Pflanze | Wirkung gegen Stechfliegen | Idealer Standort | Pflegeaufwand |
|---|---|---|---|
| Lavendel | Nicht belegt – allenfalls Duft im Nahbereich, kein Stichschutz | Vollsonnig, durchlässiger Boden, Terrassenrand | Gering – 1× Rückschnitt im Frühjahr |
| Zitronengras (Cymbopogon) | Nicht belegt – zitroniger Duft (Citral), kein Stichschutz | Sonnig, geschützt, Kübel (nicht winterhart) | Mittel – im Herbst frostfrei überwintern |
| Pfefferminze | Nicht belegt – Mentholduft nur beim Zerreiben | Halbschatten, feucht, in Wurzelsperre | Mittel – wuchert stark, regelmäßig zurückschneiden |
| Tagetes (Studentenblume) | Nicht belegt – Wirkung gegen Stechfliegen nicht untersucht | Vollsonnig, Beet oder Balkonkasten | Gering – einjährig, pflegeleicht |
| Basilikum | Nicht belegt – Duft nur frisch zerrieben spürbar | Vollsonnig, geschützt, im Kübel auf Tisch | Mittel – regelmäßig gießen, nicht überdüngen |
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Wer Duftpflanzen trotzdem nutzen will, stellt sie in Kübeln direkt an den Sitzplatz – nicht in zehn Meter Entfernung ins Staudenbeet, denn die Duftkonzentration fällt mit der Distanz rasch ab.
Frisch zerriebene Blätter von Basilikum oder Pfefferminze geben deutlich mehr Duft ab als die intakte Pflanze. Eine nachgewiesene Schutzwirkung gegen Stechfliegen hat aber auch das nicht – rechnen Sie eher mit einem angenehmen Nebeneffekt als mit einem Stichschutz.
Zwei häufige Irrtümer sollten Sie kennen. Erstens: Reine ätherische Öle, etwa aus dem Drogeriemarkt, in Schälchen offen zu verdampfen, ist auf großer Fläche unwirksam – die Konzentration verflüchtigt sich in Sekunden in die Atmosphäre. Zweitens: „Anti-Mücken“-Pflanzen schützen nicht automatisch gegen Stechfliegen – Wadenstecher sind tagaktive Fliegen und keine Mücken.
Terrasse und Sitzplatz schützen
Selbst bei einwandfreier Brutstätten-Hygiene werden vereinzelte Stechfliegen aus der Nachbarschaft Ihren Garten erreichen. Für den Sitzplatz gilt: Bewegung und Wind sind Ihre stärksten Verbündeten.
Ventilator als physikalische Barriere. Für Zugluft zu sorgen gehört zu den Abwehrmaßnahmen, die das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nennt: Ein kräftiger Luftstrom erschwert es Stechfliegen, gezielt an Bein oder Arm zu landen. Stellen Sie einen Outdoor-Ventilator schräg von hinten auf die Sitzplatzfläche – eine chemiefreie Maßnahme, deren Wirkung Sie sofort selbst überprüfen können.
Citronella-Kerzen und Outdoor-Räucherspiralen. Kerzen mit ätherischen Ölen (Citronella, Geraniol, Eukalyptus) verteilen den Duftraum lokal um den Tisch. Die Wirkung ist auf den unmittelbaren Tischbereich begrenzt und gegen Stechfliegen nicht belegt; einen Stichschutz ersetzen sie nicht. Wichtig: Kerzen niemals unbeaufsichtigt brennen lassen, Abstand zu trockener Vegetation halten, bei Asthmatikern und Kleinkindern lieber auf Lavendelkerzen ohne starken Rauch ausweichen.
UV-Insektenfallen. Elektrische UV-Fallen mit Klebefolie oder Hochspannungsgitter fangen einen Teil der adulten Stechfliegen, eignen sich aber nicht als alleinige Strategie: Im Freien fangen sie viele Nicht-Zielinsekten (Nachtfalter, Nützlinge) – ihr Betrieb im Außenbereich ist deshalb nach § 4 Bundesartenschutzverordnung sogar verboten. Sinnvoll sind sie vor allem in Innenräumen oder im Stall, um eingedrungene Fliegen abzufangen. Gegen Bremsen, die tagsüber an sonnigen Stellen anfliegen, wirkt statt UV-Licht eine Kugelfalle mit dunkler, aufgeheizter Attrappe – Bauanleitung und Standortwahl im Ratgeber Bremsenfalle zum Selberbauen. Welche Bauarten überhaupt selektiv arbeiten und woran man ein taugliches Gerät erkennt, ordnet die Kaufberatung zu Insektenvernichtern ein.
Sitzplatzgestaltung. Wählen Sie für Lounge-Ecken eher offene, leicht zugige Positionen statt geschlossener Sichtschutz-Nischen. Sonnige, senkrechte Stein- oder Holzflächen nutzen Wadenstecher als Ruheplatz.
Kleidung am Sitzplatz. Stechfliegen reagieren auf Kontraste und dunkle Flächen und stechen beim Menschen bevorzugt an Knöchel und Wade. Lange, helle Baumwoll- oder Leinenhose, geschlossene Socken und leichte Sneaker reduzieren den Anflugsdruck spürbar – besonders an windstillen Abenden auf der Terrasse. Wer barfuß im Garten arbeitet, sollte vor der Pause kurz Repellent auf die unbedeckten Stellen auftragen. Ist der Stich trotzdem passiert, führt Bremsenstich behandeln Schritt für Schritt durch die Wundversorgung – die Vorgehensweise ist bei Bremse und Wadenstecher dieselbe.
Haustiere im Garten schützen
Hunde, Katzen und Pferde sind für Stechfliegen attraktive Wirte – sie geben Wärme und Kohlendioxid ab und können sich kaum gezielt wehren. Tierhalter müssen ihre Tiere nach § 2 Tierschutzgesetz angemessen pflegen und verhaltensgerecht unterbringen; dazu gehört, sie nicht schutzlos starkem Fliegendruck auszusetzen.
Hund. Im Garten sind besonders die unbehaarten Stellen am Bauch, an der Innenseite der Hinterläufe und an den Ohren betroffen. Verlegen Sie die Hundeliegeplätze in windige, halbschattige Bereiche – nicht in geschlossene Sitzecken. Ob ein Mittel direkt am Tier sinnvoll ist, entscheidet die Tierarztpraxis; Hausmittel auf Basis ätherischer Öle (vor allem Teebaumöl) können für Hunde toxisch sein.
Katze. Katzen reagieren extrem empfindlich auf viele ätherische Öle – Citronella, Teebaumöl, Eukalyptus und Pfefferminzöl sind potenziell lebertoxisch. Setzen Sie auf physikalischen Schutz: Citronella-Kerzen niemals in räumlich engen Bereichen mit Katzenzugang aufstellen. Ob ein Mittel direkt an der Katze in Frage kommt, klären Sie mit der Tierarztpraxis. Verzichten Sie unbedingt auf Permethrin-Produkte – diese sind für Katzen hochgiftig.
Pferd und Hof. Auf Reiterhöfen sind Wadenstecher und Herbstfliegen ein klassisches Problem. Tägliches Ausmisten, geschlossene Mistlager, Fliegenmasken am Pferdekopf, Abschwitzdecken aus engmaschigem Insektenstoff und der Einsatz von Permethrin-Imprägnierungen an Decken (nicht direkt auf der Haut) sind etablierte Maßnahmen. Bei massivem Befall: Stallhygieneberatung über Veterinäramt oder Landwirtschaftskammer.
Herbst: Wenn die Stechfliegen an die Hauswand und ins Haus ziehen
Ab Ende September ändert sich das Verhalten. Die Entwicklung im Brutsubstrat kommt mit sinkenden Bodentemperaturen zum Erliegen, die vorhandenen Fliegen bleiben aber wochenlang am Leben und suchen Wärme. Das führt zu einem Bild, das viele Gartenbesitzer überrascht: Stechfliegen sitzen an sonnigen Hauswänden, an der Südseite von Schuppen und Gewächshäusern – und kommen bei geöffneter Tür herein.
Der Stich in der Wohnung im Oktober wird dann meist falsch zugeordnet. Eine Stubenfliege sticht nicht; sie kann es nicht. Wer im Herbst in den Knöchel gestochen wird, während eine unscheinbare graue Fliege im Zimmer sitzt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Wadenstecher vor sich. Zwei Merkmale trennen sie zuverlässig:
Graue Fliege im Herbstzimmer: welche ist es?
| Merkmal | Wadenstecher (Stechfliege) | Cluster- und Herbstfliegen |
|---|---|---|
| Mundwerkzeug | Steifer Stechrüssel, ragt nach vorn wie eine Nadel | Weicher Tupfrüssel, kein Stich möglich |
| Verhalten am Menschen | Sticht durch dünne Kleidung, bevorzugt Knöchel und Waden | Setzt sich auf Haut und Kleidung, sticht nie |
| Sitzplatz | Einzeln an senkrechten, sonnigen Wänden, Kopf nach oben | In Gruppen an Fensterrahmen und in Dachräumen |
| Was hilft | Zugänge dicht, Brutstätten im Garten sanieren | Einschlupf abdichten – siehe eigener Ratgeber |
Wenn die Tiere in Gruppen am Fensterrahmen oder im Dachboden sitzen und niemand gestochen wird, handelt es sich um harmlose Überwinterer; wie Sie diese aussperren, steht in Clusterfliegen bekämpfen.
Der wichtigere Teil der Herbstarbeit betrifft aber das nächste Jahr. Die Population, mit der Sie im Juni starten, entsteht aus dem, was im Oktober liegen bleibt:
Drei Herbstmaßnahmen, die den Sommerstart senken
- Mähgut und Laubhaufen vor dem Winter auflösen oder abdecken: feucht verdichtetes Grüngut ist das ideale Brutsubstrat, und es überdauert die kalte Jahreszeit
- Kompost ein letztes Mal umsetzen und die feuchte Randzone am Boden auflockern – dort können Larven und Puppen geschützt überdauern
- Regentonnen-Überlauf, tropfende Hähne und dauerfeuchte Bodenstellen vor dem Frost trockenlegen; im Frühjahr sind sie sonst die erste warme Brutstelle
Wann reicht Eigenmaßnahme nicht aus?
In Hausgärten lässt sich der Wadenstecher-Druck in der Regel durch Brutstätten-Hygiene und mechanischen Schutz gut reduzieren. In folgenden Situationen sollten Sie professionelle Schädlingsbekämpfer oder die zuständigen Behörden einbeziehen.
- Sehr starker, ortskonstanter Befall trotz vier Wochen konsequenter Brutstättenhygiene – möglicherweise gibt es eine Quelle auf einem Nachbargrundstück (offener Misthaufen, ungenutzter Hühnerstall), die Sie nicht beeinflussen können.
- Allergische Reaktionen bei Familienmitgliedern oder Haustieren mit großflächigen Quaddeln, Atembeschwerden oder Kreislaufproblemen.
- Tierhaltung in unmittelbarer Nachbarschaft mit offenem, feuchtem Mistlager – hier ist zunächst das Gespräch mit dem Halter, danach das Ordnungs- oder Umweltamt der Gemeinde der richtige Weg.
- Stallhaltung mit eigenen Tieren, wo sich die Population nicht durch Misthygiene allein eindämmen lässt – hier helfen IPM-Konzepte (Integrated Pest Management) mit Schlupfwespen, die Fliegenpuppen parasitieren, koordiniert durch Fachberater.
Ein IHK-geprüfter oder staatlich anerkannter Schädlingsbekämpfer erkennt Brutstätten, die Laien übersehen, und kann zugelassene Larvizide gezielt einsetzen. Sprechen Sie das Vorgehen vorab durch, lassen Sie sich die eingesetzten Wirkstoffe nennen und auf Bienen- sowie Nützlingsverträglichkeit hinweisen. Pauschalsprühaktionen sind selten zielführend und ökologisch problematisch.
Häufige Fragen
Mich hat im Oktober eine Fliege in der Wohnung gestochen – geht das überhaupt?
Ja, aber es war keine Stubenfliege: Die kann nicht stechen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war es ein Wadenstecher. Stechfliegen suchen ab Ende September Wärme, sitzen an sonnigen Hauswänden und kommen bei geöffneter Tür herein; sie stechen bevorzugt in Knöchel und Waden, auch durch dünne Kleidung. Erkennbar sind sie am steifen Stechrüssel, der wie eine Nadel nach vorn ragt. Sitzen dagegen viele graue Fliegen in Gruppen am Fensterrahmen und niemand wird gestochen, sind es harmlose Cluster- oder Herbstfliegen.
Können Stechfliegen in Vogeltränken brüten?
Nein. Stechfliegen brüten nicht im Wasser – Vogeltränken sind eher Brutstätte für Mücken. Wadenstecher brauchen feuchtes, pflanzliches Material, das mit Kot und Urin durchsetzt ist, etwa verschmutztes Stroh oder gärenden Grünschnitt. Reinigen Sie Tränken trotzdem regelmäßig – das hilft gegen Mücken.
Hilft Lavendel wirklich gegen Stechfliegen?
Ein Stichschutz ist Lavendel nicht: Belastbare Belege für eine Wirkung gegen Stechfliegen gibt es nicht. Er ersetzt weder ein Repellent für die Haut noch die Brutstätten-Sanierung. Als duftende Kübelpflanze am Sitzplatz schadet er nicht – erwarten Sie aber keinen messbaren Effekt auf die Stiche.
Was hilft schnell auf der Terrasse, wenn Stechfliegen kommen?
Schalten Sie einen Outdoor-Standventilator ein – Zugluft erschwert Stechfliegen das Landen. Ergänzend ein Hautrepellent mit Icaridin oder DEET an Knöcheln und Waden auftragen, wo am häufigsten gestochen wird, und lange, helle Hosen tragen. Alle Produkte, die wir in unseren Ratgebern zu Stechfliegen & Bremsen empfehlen, stehen gesammelt in der Produktübersicht.
Warum gibt es im August und September besonders viele Stechfliegen?
Stechfliegen haben kurze Entwicklungszyklen: Bei 20 bis 25 Grad dauert die Entwicklung vom Ei zur fertigen Fliege nur zwölf bis vierzehn Tage, sodass mehr als zehn Generationen pro Sommer möglich sind. Die Populationen bauen sich deshalb bis zum Spätsommer auf. Dazu kommt: An warmen, windstillen Tagen stechen die Tiere besonders häufig.
Was wirkt besser – Geräte (UV-Falle, Ventilator) oder pflanzliche Mittel?
Auf der Terrasse selbst sind Zugluft durch einen Ventilator, lange helle Kleidung und ein Hautrepellent die sinnvollsten Maßnahmen. UV-Fallen sind im Freien nach § 4 Bundesartenschutzverordnung verboten, weil sie auch geschützte Arten fangen; im Haus können sie eingedrungene Fliegen abfangen. Pflanzen und Duftkerzen haben keine belegte Wirkung gegen Stechfliegen und ersetzen weder Brutstätten-Sanierung noch mechanischen Schutz.
Medizinischer Hinweis
Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische, tierärztliche oder schädlingskundliche Beratung im Einzelfall. Bei starken oder anhaltenden Reaktionen auf Insektenstiche – bei Mensch oder Haustier – wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis, Ihre Tierarztpraxis oder im Notfall an die 112.
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