Spitzmaus oder Maus? Feldspitzmaus erkennen und meiden
So erkennen Sie eine Spitzmaus und unterscheiden Feld- von Hausspitzmaus und echten Mäusen – und schützen sich im Garten vor dem Bornavirus BoDV-1.
Kurz gesagt: Die Spitzmaus ist kein Nagetier, sondern ein Insektenfresser – erkennbar am langen, rüsselartigen Spitzmaul, den winzigen Augen und einem strengen, moschusartig-muffigen Geruch ohne die Ammoniaknote von Mäuseurin. Sie geht nicht an Vorräte und nagt nicht. Bekämpfen dürfen Sie sie nicht: Alle heimischen Spitzmausarten sind besonders geschützt, Gift und Fallen sind verboten. Abstand halten genügt – riskant ist allein der direkte Kontakt mit Tier, Kot oder Nestmaterial, weil die Feldspitzmaus BoDV-1 überträgt.
Die Spitzmaus ist kein Nager – und doch wird sie von vielen Menschen mit Hausmaus oder Ratte verwechselt. Diese Verwechslung kann ein Problem sein: Denn die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) gilt als bestätigter Reservoirwirt des Bornavirus BoDV-1, einer der gefährlichsten Zoonosen Deutschlands. Wer im Garten, am Kompost oder in Schuppen auf kleine Säugetiere trifft, sollte wissen, mit welchem Tier er es zu tun hat – und wie er sich richtig verhält. Was BoDV-1 ist, wie es übertragen wird und warum Bayern besonders betroffen ist, erklärt Bornavirus in Bayern – Feldspitzmaus, Symptome und Schutz im Haushalt.
Inhalt · 17 Abschnitte
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bornavirus BoDV-1 ist eine seltene, aber schwerwiegende Zoonose. Bei Fieber, Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder neurologischen Symptomen nach möglichem Kontakt mit Spitzmäusen oder deren Ausscheidungen sofort medizinische Hilfe suchen und den möglichen Tierkontakt nennen.
Spitzmaus oder Maus? Der Unterschied auf einen Blick
Auf den ersten Blick sehen Spitzmaus und Hausmaus ähnlich aus: beide klein, beide grau-braun, beide blitzschnell. Doch bei genauerem Hinsehen sind die Unterschiede eindeutig – und für den richtigen Umgang entscheidend.
Das auffälligste Merkmal der Spitzmaus ist ihre lange, rüsselartig zugespitzte Schnauze, die deutlich über den Unterkiefer hinausragt. Mäuse haben eine abgerundete, stumpfe Schnauze. Außerdem sind die Augen der Spitzmaus auffällig klein – kaum sichtbar, fast wie in das Fell versenkt. Mäuse haben vergleichsweise große, runde Augen.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die Zähne – hier ist allerdings eine verbreitete Verwechslung auszuräumen. Rotbraune Zahnspitzen, entstanden durch eingelagertes Eisenoxid im Zahnschmelz, haben nur die Rotzahnspitzmäuse (Unterfamilie Soricinae): Wald-, Zwerg-, Alpen- und Wasserspitzmaus. Die für dieses Thema wichtigste Art, die Feldspitzmaus, gehört dagegen zu den Weißzahnspitzmäusen (Crocidurinae) und hat weiße Zähne – ihr Artname leucodon bedeutet wörtlich „weißer Zahn“. Dasselbe gilt für Haus- und Gartenspitzmaus.
Praktische Folge: Wer ein weißzahniges Tier findet, hat damit keine Maus ausgeschlossen. Verlassen Sie sich stattdessen auf Schnauze, Augengröße und Schwanz – die drei Merkmale gelten für alle Spitzmäuse gleichermaßen.
Körpergewicht und Größe sind ebenfalls unterschiedlich: Spitzmäuse wiegen je nach Art nur 4 bis 12 Gramm – weniger als eine Hausmaus (15–25 g). Ihr Körper wirkt walzenförmig und kompakter, die Ohren sind kürzer und runder. Der Schwanz ist je nach Art unterschiedlich lang, aber immer dünn behaart – im Gegensatz zum schuppigen, fast nackten Schwanz der Hausmaus.
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal für das Verhalten: Spitzmäuse sind Insektenfresser, keine Nager. Sie fressen Insekten, Würmer, Schnecken, Larven – niemals Getreide, Kabel, Holz oder Vorräte. Wer also Nagespuren an Lebensmitteln findet, hat es mit einer Maus oder Ratte zu tun, nicht mit einer Spitzmaus.
Spitzmauskot ist der Fund, den man in der Praxis weit häufiger macht als das Tier selbst – wie Sie ihn von Mäusekot trennen, steht im nächsten Abschnitt.
Spitzmaus, Maus und Ratte: Merkmale im Vergleich
| Merkmal | Spitzmaus | Hausmaus | Ratte |
|---|---|---|---|
| Schnauze | Lang, rüsselartig zugespitzt | Kurz, abgerundet, stumpf | Mittel, leicht abgerundet |
| Zähne | Rotbraune Spitzen nur bei Waldspitzmaus & Co.; Feld- und Hausspitzmaus haben weiße Zähne | Weiße Schneidezähne | Gelbe bis orange Schneidezähne |
| Augen | Sehr klein, kaum sichtbar | Groß, rund, auffällig | Mittelgroß, rund |
| Schwanz | Dünn behaart, bei Crocidura mit einzelnen abstehenden langen Haaren | Lang, fast nackt, schuppig geringelt | Dick, nackt, deutlich geringelt |
| Gewicht | 4–12 g (je nach Art) | 15–25 g | 150–300 g (Wanderratte) |
| Ernährung | Insekten, Würmer, Schnecken – kein Getreide | Allesfresser, Getreidefresser, nagt | Allesfresser, Getreidefresser, nagt |
| Kot | 2–4 mm, dünn, oft gekrümmt, mit glänzenden Chitinresten | 3–6 mm, reiskornförmig, gleichmäßig krümelig | 10–20 mm, stumpf geformt |
| Bornavirus-Risiko BoDV-1 | Feldspitzmaus: bestätigter Reservoirwirt | Nicht als Reservoirwirt bestätigt | Nicht als BoDV-1-Reservoirwirt bestätigt |
| Naturschutz-Status | Besonders geschützt (§44 BNatSchG) | Nicht geschützt, Schädling | Nicht geschützt, Schädling |
Spitzmaus oder Feldmaus? Die Verwechslung im Garten
Im Garten ist nicht die Hausmaus der häufigste Verwechslungspartner, sondern die Feldmaus (Microtus arvalis). Beide Tiere sind klein und graubraun, beide huschen durch die Grasnarbe, beide hinterlassen Gänge. Für das weitere Vorgehen macht der Unterschied trotzdem alles aus: Die Spitzmaus ist besonders geschützt und rührt keine Pflanze an, die Feldmaus ist nicht geschützt und lebt von Wurzeln, Rinde und Gräsern.
Die Schnauze entscheidet zuerst. Bei der Spitzmaus läuft der Kopf in einen beweglichen, rüsselartigen Fortsatz aus, der deutlich über den Unterkiefer hinausragt. Die Feldmaus hat eine kurze, stumpf abgerundete Schnauze und einen fast kugeligen Kopf. Dieses Merkmal bleibt auch am toten Tier ablesbar.
Der Schwanz bestätigt das Ergebnis. Bei der Feldmaus erreicht er nur etwa ein Drittel der Körperlänge – auffallend kurz für eine Maus. Spitzmäuse tragen einen dünn behaarten Schwanz von etwa der Hälfte bis zwei Dritteln der Körperlänge. Ein langer, fast nackter und deutlich geringelter Schwanz gehört dagegen zur Hausmaus.
Die Größe trennt beide zusätzlich. Eine Feldmaus erreicht 9 bis 12 Zentimeter Kopf-Rumpf-Länge und 18 bis 40 Gramm. Die Feldspitzmaus wiegt 7 bis 15 Gramm, die Waldspitzmaus 4 bis 7,5 Gramm – ein Fund, der spürbar Gewicht hat, ist keine Spitzmaus.
Die Spur am Grün entscheidet endgültig. Angenagte Wurzeln, geschälte Rinde am Stammfuß und oberirdische Laufröhren im dichten Gras sprechen für die Feldmaus. Die Spitzmaus frisst Insekten, Würmer und Schnecken; Nagespuren an Pflanzen stammen nie von ihr.
Die Feldmaus zählt zu den Wühlmäusen und darf bekämpft werden – wie sich ihre Gänge von denen des Maulwurfs trennen lassen, steht in Maulwurf oder Wühlmaus, das Vorgehen im Beet in Wühlmäuse im Garten. Für die Spitzmaus gilt das Gegenteil: Sie ist nach § 44 BNatSchG besonders geschützt, und jede Falle, die sie treffen kann, ist tabu.
Ist die Spitzmaus giftig oder gefährlich?
Giftig im Wortsinn ja, für den Menschen praktisch nein – und das eigentliche Risiko ist ein anderes. Hinter der Suche nach „Spitzmaus giftig” stecken meist zwei verschiedene Fragen: Kann mir das Tier etwas tun? Und darf ich Gift gegen es einsetzen? Die zweite Frage beantwortet der Abschnitt Spitzmäuse im Garten: Vertreiben ohne Schaden – kurz: nein, alle heimischen Arten sind besonders geschützt, und handelsübliche Rodentizide erreichen einen Insektenfresser ohnehin nicht.
Das Speichelgift gibt es wirklich, es gilt aber der Beute. Einige Spitzmausarten – in Deutschland vor allem die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens) – produzieren ein giftiges Speichelsekret, mit dem sie Insekten, Amphibien und kleine Fische lähmen. Für Menschen ist diese Menge ohne Bedeutung: Ein Biss ist schmerzhaft und kann lokal brennen oder anschwellen, eine systemische Vergiftung ist daraus in Europa nicht dokumentiert. Feld-, Haus- und Gartenspitzmaus – also genau die drei Arten, die Sie an Haus und Garten antreffen – gelten zudem nicht als Arten mit ausgeprägtem Giftspeichel.
Gefährlich wird der Kontakt, nicht der Anblick. Ein Tier, das durch Beet oder Keller huscht, ist im Normalfall kein akutes Risiko; entscheidend ist, ob Sie es, seinen Kot oder sein Nestmaterial berühren oder Staub daraus einatmen. Das gilt für die Hausspitzmaus wie für jede andere Art: Nicht die Art macht den Unterschied, sondern die Nähe.
Nach einem Biss zählt nicht das Gift, sondern die Wunde. Das eigentliche Risiko sind eine Wundinfektion und – bei der Feldspitzmaus in Risikogebieten – der Kontakt mit BoDV-1. Deshalb gilt unverändert: Wunde mit Wasser und Seife reinigen, desinfizieren und ärztlich abklären lassen, mit Hinweis auf Tierart und Fundort. Warum ausgerechnet die Feldspitzmaus diese Rolle spielt, erklärt der Abschnitt Warum ist die Feldspitzmaus ein Bornavirus-Träger?.
Spitzmauskot erkennen: 2–4 mm, gekrümmt, mit Chitinresten
Spitzmauskot ist etwa 2–4 mm lang und damit deutlich kleiner und dünner als Mäusekot (3–6 mm). Er wirkt oft leicht gedreht oder gekrümmt statt gerade wie ein Reiskorn, und er enthält glänzende Chitinreste – winzige Flügel-, Bein- und Panzerteilchen der Insekten, von denen sich das Tier ausschließlich ernährt. Mäusekot ist dagegen von pflanzlichen Resten geprägt und bricht gleichmäßig krümelig.
Genau hier ist die Verwechslung am folgenreichsten: Wer Spitzmauskot für Mäusekot hält, greift zu einer Bekämpfung, die weder erlaubt noch wirksam ist. Umgekehrt gilt dasselbe: Sprechen Kotform, Nagespuren und Fundort eindeutig für die Hausmaus, ist der Fang erlaubt – welche Falle dann taugt, klärt Beste Mäusefallen im Vergleich.
Die vier Merkmale im Detail:
- Größe und Form: 2–4 mm, dünn, häufig leicht gekrümmt oder gedreht. Mäusekot ist mit 3–6 mm größer, gerader und gleichmäßig reiskornförmig.
- Chitinreste: Das verlässlichste Merkmal. Halten Sie den Fund unter eine Lupe ins Schräglicht – bei Spitzmauskot glitzern unverdaute Insektenteile im Bruch.
- Fundort: Spitzmäuse setzen Kot an wenigen festen Stellen entlang ihrer Laufwege ab, etwa unter Holzstapeln, Terrassendielen oder an Mauerkanten. Mäusekot taucht verstreut dort auf, wo Nahrung lagert – Schubladen, Schränke, Vorratsregale.
- Begleitspuren: Fehlen Nagespuren an Verpackungen, Kabeln oder Holz vollständig, spricht das gegen Nager. Spitzmäuse nagen nicht.
Kot nie trocken aufkehren oder saugen
Für Spitzmauskot gilt dieselbe Regel wie für Mäusekot: Trockenes Kehren und Staubsaugen wirbeln Partikel auf, die eingeatmet werden können – der wichtigste Übertragungsweg für BoDV-1. Fläche vorher befeuchten, Nitril-Handschuhe und FFP2-Maske tragen, feucht aufnehmen und im Restmüll entsorgen. Die vollständigen Schritte stehen im Abschnitt Tote Spitzmaus gefunden.
Wer einen Fund im Haus nicht sicher zuordnen kann, findet die Abgrenzung zu Ratten-, Fledermaus- und Schabenkot samt Reinigungsschritten in Mäusekot entfernen – sicher und hygienisch.
Wie sich Spitzmauskot von dem der Maus, der Ratte und der Fledermaus abgrenzt, zeigt der Größen- und Formvergleich in Tierkot bestimmen.
Spitzmaus am Geruch erkennen
Der Geruch ist das Merkmal, das viele Menschen zuerst bemerken – oft noch bevor sie das Tier überhaupt sehen. Spitzmäuse besitzen an den Körperseiten Flankendrüsen, die ein moschusartiges, streng riechendes Sekret absondern. Es dient der Reviermarkierung und der Verständigung untereinander, und es hängt in der Luft, wo sich Tiere längere Zeit aufhalten: in Holzstapeln, unter Terrassendielen, in Gartenhäusern.
Der Geruch wird meist als muffig-süßlich bis moschusartig beschrieben, deutlich anders als der scharfe Ammoniakgeruch von Mäuse- oder Rattenurin. Wer in einem Schuppen einen strengen, aber nicht ammoniakalischen Geruch bemerkt und dazu keine Nagespuren an Vorräten findet, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Spitzmäuse und keine Nager.
Dasselbe Sekret erklärt eine Beobachtung, die viele Katzenhalter kennen: Katzen erbeuten Spitzmäuse, fressen sie aber meist nicht. Sie lassen die toten Tiere liegen – häufig auf der Terrasse oder vor der Haustür. Genau diese Kadaver sind der praktisch wichtigste Kontaktpunkt für Menschen, denn sie werden achtlos mit bloßen Händen aufgehoben. Wie Sie dabei richtig vorgehen, steht im Abschnitt Tote Spitzmaus gefunden.
Wichtig zur Einordnung: Der Geruch sagt nichts über eine Infektionsgefahr aus. Er ist ein Bestimmungsmerkmal, kein Warnsignal – ein geruchsintensiver Fund ist weder gefährlicher noch harmloser als ein geruchloser.
Feldspitzmaus, Hausspitzmaus, Waldspitzmaus
Drei Arten kommen in und an Gebäuden regelmäßig vor. Die folgenden Bilder zeigen sie im direkten Vergleich – entscheidend ist jeweils, wie scharf die dunkle Oberseite gegen die helle Unterseite abgesetzt ist.
Die heimischen Spitzmäuse teilen sich in zwei Gruppen, und diese Einteilung ist zugleich das schnellste Bestimmungsmerkmal:
- Weißzahnspitzmäuse (Gattung Crocidura) – Feldspitzmaus, Hausspitzmaus, Gartenspitzmaus. Weiße Zähne, am Schwanz stehen einzelne lange Haare zwischen der kurzen Behaarung ab. In dieser Gruppe liegt das Bornavirus-Thema.
- Rotzahnspitzmäuse (Gattungen Sorex und Neomys) – Wald-, Zwerg-, Alpen-, Schabracken-, Wasser- und Sumpfspitzmaus. Rotbraune Zahnspitzen durch eingelagertes Eisenoxid, Schwanz gleichmäßig kurz behaart.
Für das Thema Bornavirus sind drei Arten besonders relevant:
Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) ist die aus virologischer Sicht bedeutsamste Art. Sie ist der bestätigte Reservoirwirt für BoDV-1 in Deutschland. Ihr Körper ist 6–9 cm lang (ohne Schwanz), das Fell oben graubraun bis dunkelgrau, unten deutlich heller bis fast weiß – diese zweifarbige Zeichnung ist ihr wichtigstes Erkennungsmerkmal. Sie lebt bevorzugt in Offenlandbereichen: Äcker, Wiesen, Gartenränder, Hecken. In Bayern und Teilen Thüringens ist sie häufig. Ihr Schwanz ist kurz behaart mit vereinzelten längeren Haaren (charakteristisch für die Gattung Crocidura).
Hausspitzmaus (Crocidura russula) ist die häufigste Spitzmaus in Westdeutschland und kommt auch in Innenräumen vor – Keller, Erdgeschoss-Räume. Ihre Oberseite ist graubraun, Flanken und Unterseite sind gelb- bis braungrau, und der Übergang zwischen Ober- und Unterseite ist fließend, nicht scharf abgesetzt – genau darin unterscheidet sie sich von der Feldspitzmaus. Sie gehört zur gleichen Gattung und könnte ebenfalls in Kontakt mit BoDV-1 kommen, ist aber nicht als Hauptreservoirwirt identifiziert.
Waldspitzmaus (Sorex araneus) ist die häufigste Art in bewaldeten Regionen Deutschlands. Sie gehört zur Gattung Sorex – erkennbar an einem einheitlich dunkelbraunen Rücken ohne die klare zweifarbige Abgrenzung der Crocidura-Arten. Als Waldspitzmaus-Träger für BoDV-1 sind keine gesicherten Belege bekannt, doch direkter Kontakt sollte wie bei allen Kleinsäugern vermieden werden.
Feldspitzmaus, Hausspitzmaus oder Gartenspitzmaus? Die Unterschiede
Das entscheidende Merkmal ist nicht die Farbe, sondern die Kante: Bei der Feldspitzmaus ist die dunkle Oberseite scharf gegen die weißgraue Unterseite abgesetzt – eine sichtbare Trennlinie, die ihr den Zweitnamen „Zweifarbige Spitzmaus“ eingebracht hat. Bei Hausspitzmaus und Gartenspitzmaus geht die Oberseite fließend in die hellere Unterseite über. Wer das Tier von der Seite betrachtet und keine klare Linie erkennt, hat keine Feldspitzmaus vor sich.
Die dritte Art im Bunde, die Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens), ist die kleinste europäische Weißzahnspitzmaus und über das Gewicht gut abzugrenzen: 4–7,5 Gramm gegenüber 7–15 Gramm bei ihren beiden Schwestern. Sie zieht im September regelmäßig in Gebäude ein, um dort zu überwintern – wer im Herbst eine sehr kleine Spitzmaus im Keller findet, hat oft sie und nicht die Hausspitzmaus.
Die drei Weißzahnspitzmäuse Deutschlands im Vergleich
| Merkmal | Feldspitzmaus | Hausspitzmaus | Gartenspitzmaus |
|---|---|---|---|
| Grenze Ober-/Unterseite | Scharf abgesetzt – klare Trennlinie | Fließender Übergang | Fließender Übergang |
| Fellfarbe | Oben braungrau, unten weißgrau | Oben graubraun, unten gelb- bis braungrau | Oben bräunlichgrau, unten grau, oft gelblich getönt |
| Kopf-Rumpf-Länge | 65–85 mm | 63–83 mm | 50–75 mm (selten 80) |
| Schwanzlänge | 28–43 mm | 32–45 mm | 25–40 mm |
| Gewicht | 7–15 g | 7–15 g | 4–7,5 g – deutlich leichter |
| In Gebäuden | Selten, bevorzugt Offenland | Häufig – Keller, Erdgeschoss | Regelmäßig ab September zur Überwinterung |
| Verbreitung in Deutschland | Ost- und Süddeutschland; fehlt im Nordwesten – in Bayern fast flächendeckend, nur im Nordwesten Bayerns ohne Virusnachweis | Westdeutschland bis zur Linie Bremen–Celle–Quedlinburg–Dresden | Nördliche Grenze etwa Stuttgart–Franken–Thüringen–Brandenburg; bundesweit gefährdet |
| Zähne | Weiß | Weiß | Weiß |
| BoDV-1-Reservoirwirt | Bestätigt – die einzige gesicherte Art | Nicht bestätigt | Nicht bestätigt |
Der Wohnort als zweiter Filter: Weil sich die drei Areale nur teilweise überlappen, grenzt die Region die Möglichkeiten oft schneller ein als das Fell. Im Nordwesten Deutschlands scheidet die Feldspitzmaus praktisch aus; östlich von Dresden ist die Hausspitzmaus unwahrscheinlich. Im fränkisch-thüringischen Raum dagegen können alle drei Arten auftreten – dort lohnt der genaue Blick auf die Flankenlinie.
Und wenn die Zähne rot sind? Dann ist die Bestimmung sofort beendet: Rotbraune Zahnspitzen kommen bei keiner der drei Crocidura-Arten vor. Das Tier gehört dann zu den Rotzahnspitzmäusen – in Gärten meist die Waldspitzmaus. Für das Bornavirus-Risiko ist das die Entwarnung, denn als Reservoirwirt ist bislang allein die Feldspitzmaus gesichert.
Im Zweifel gilt dieselbe Vorsicht
Die Artbestimmung entscheidet nicht über das Verhalten. Da sich Haus- und Feldspitzmaus im Freiland ohne Nahaufnahme kaum sicher trennen lassen und alle Kleinsäuger Erreger tragen können, gilt bei jedem Fund dasselbe: nicht mit bloßen Händen anfassen, nichts trocken aufwirbeln.
Warum ist die Feldspitzmaus ein Bornavirus-Träger?
Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) hat sich in der Feldspitzmaus als seinem natürlichen Reservoirwirt eingefunden: Das Tier trägt das Virus, erkrankt aber selbst nicht daran. Dieses Prinzip – ein asymptomatischer Wirtsorganismus – ist bei Zoonosen häufig und macht die Eindämmung schwierig.
Die Feldspitzmaus scheidet BoDV-1 über ihre Ausscheidungen aus – Urin, Kot, Speichel. In der Umwelt kann das Virus in getrocknetem Zustand in Staub und Partikel übergehen. Ob die Übertragung auf den Menschen über eingeatmeten Staub, über verunreinigte Erde, Lebensmittel oder Wasser oder über direkten Kontakt und Biss geschieht, ist nicht geklärt – das LGL nennt alle diese Wege als denkbar.
Warum gerade die Feldspitzmaus diesen Reservoirwirt-Status erlangt hat, ist evolutionär noch nicht vollständig verstanden. Fest steht: Das Virus und sein Wirt haben sich offenbar über Jahrtausende koevolutionär angepasst – eine Infektion schadet der Spitzmaus nicht, für andere Säugetiere, darunter Pferde, Schafe und gelegentlich Menschen, kann sie jedoch schwere Folgen haben.
Eine ausführliche Darstellung der Epidemiologie in Deutschland, der bestätigten Fälle und der geografischen Risikoverteilung bietet Bornavirus in Bayern – Feldspitzmaus, Symptome und Schutz im Haushalt.
BoDV-1 und die Feldspitzmaus: Reservoirwirt-Mechanismus
- 1 Asymptomatisches Tragen
Die Feldspitzmaus trägt BoDV-1, erkrankt aber selbst nicht – klassisches Reservoir-Prinzip wie bei Hantavirus und der Rötelmaus
- 2 Ausscheidung über Urin, Kot, Speichel
Das Virus wird in die Umgebung abgegeben; eingeatmeter Staub gilt als einer von mehreren denkbaren Übertragungswegen
- 3 Geografischer Schwerpunkt Bayern
Über 90 % der menschlichen Fälle seit 2020; weitere Endemiegebiete in Teilen Ost- und Süddeutschlands
- 4 Keine Impfung verfügbar
Der einzige wirksame Schutz ist Kontaktvermeidung – keine prophylaktische Impfung gegen BoDV-1 ist zugelassen
Viele Details der Übertragungskette sind noch Gegenstand laufender Forschung. Die Grundregel bleibt: Kontakt mit Spitzmäusen und deren Ausscheidungen konsequent vermeiden.
Wo lebt die Feldspitzmaus?
Die Feldspitzmaus bevorzugt strukturreiche Lebensräume mit Deckung und guter Verfügbarkeit ihrer Beute – Insekten, Würmer, Larven. Im und rund um den Garten findet sie ideale Bedingungen.
Typische Aufenthaltsorte:
- Kompostbereiche und Komposthaufen – reich an Insekten und Bodentieren, oft feucht und warm
- Hecken, Wildblumenstreifen, Staudenbeete – dichte Bodenvegetation bietet Deckung
- Holzstapel und Reisighaufen – beliebte Unterschlüpfe, besonders im Winter
- Scheunen, Schuppen und Gartenhäuser – besonders in ländlichen Gebieten, wenn die Gebäude schlecht abgedichtet sind
- Schrebergartenanlagen und Kleingärten – strukturreiches Gelände mit vielen Mikrohabitaten
- Felder und Wiesenränder – ihr ursprünglicher Lebensraum, von dem aus sie in Gärten eindringen
Risikogebiete in Deutschland: Das höchste BoDV-1-Risiko liegt in Bayern: Dort trägt die Feldspitzmaus das Virus laut LGL nahezu flächendeckend, nur aus dem Nordwesten Bayerns fehlen Nachweise. Weitere Endemiegebiete liegen in Teilen von Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Im Nordwesten Deutschlands fehlt die Feldspitzmaus, dort dominiert die Waldspitzmaus. Welche Landkreise als Endemiegebiet gelten und wie die Karte der gemeldeten Fälle zu lesen ist, zeigt Bornavirus-Risikogebiete in Deutschland.
Die Feldspitzmaus ist nacht- und dämmerungsaktiv. Tagsüber hält sie sich versteckt – wer sie also zu sehen bekommt, sieht entweder ein verendetes oder erschöpftes Tier, oder ein Tier, das durch Katzen aufgescheucht wurde.
Bornavirus-Übertragungsrisiko: Was die Wissenschaft weiß
BoDV-1 beim Menschen ist eine der seltensten Zoonosen Deutschlands. Seit Beginn der Meldepflicht 2020 werden 1 bis 7 Fälle pro Jahr gemeldet; 2026 zählte allein Bayern bis Anfang Juli fünf. Unerkannt bleiben können schwere Fälle, die als andere Enzephalitis gelten. Leichte, unbemerkte Infektionen gibt es dagegen offenbar kaum: In einem oberbayerischen Ort mit zwei Erkrankungsfällen hatte keiner von 679 untersuchten Einwohnern Antikörper gegen das Virus.
Mögliche Übertragungswege (nach aktuellem Kenntnisstand):
- Inhalation von kontaminiertem Staub oder Aerosolen – getrockente Ausscheidungen der Feldspitzmaus, aufgewirbelt beim Kehren, Graben oder Belüften von Holzstapeln und Kompost
- Direkter Kontakt mit dem Tier – anfassen einer lebenden oder toten Spitzmaus ohne Schutzhandschuhe
- Biss durch eine Spitzmaus – selten, da Spitzmäuse menschlichen Kontakt meiden; bisher kein eindeutig durch Biss bestätigter Übertragungsfall beim Menschen publiziert
- Kontaminierte Erde oder Oberflächen – Gartenarbeit ohne Handschuhe in Bereichen mit Spitzmaus-Aktivität
Statistik: Bis Juli 2025 waren in Deutschland 51 Infektionen nachgewiesen, 50 davon verliefen tödlich – über 90 %, eine der höchsten Sterblichkeitsraten aller Zoonosen in Deutschland. Das macht BoDV-1 trotz seiner Seltenheit zu einem ernst zu nehmenden Risiko.
Was passiert, wenn sich BoDV-1 im menschlichen Körper etabliert, welche neurologischen Symptome auftreten und wie die Diagnose abläuft, erklärt Bornavirus-Symptome beim Menschen: Anzeichen, Verlauf und Diagnose. Welche konkreten Gartentätigkeiten besonders riskant sind und wie Sie tote Tiere sicher entsorgen, zeigt Bornavirus im Garten: Risiko durch Spitzmäuse erkennen.
Risikoreiche Situationen im Garten
Das Risiko ist nicht der Anblick einer Spitzmaus aus sicherem Abstand. Es entsteht beim direkten Kontakt, beim Anfassen ohne Handschuhe und besonders beim Einatmen von kontaminiertem Staub – etwa beim trockenen Kehren von Schuppen, Gartenhaus oder Holzlager. Diese Tätigkeiten sollten in Risikogebieten immer mit Schutzausrüstung erfolgen.
So vermeiden Sie Kontakt mit Spitzmäusen
Der beste Schutz vor BoDV-1 ist konsequente Kontaktvermeidung. Da keine Impfung verfügbar ist, bleibt Prävention der einzige verlässliche Weg. Diese Maßnahmen sind besonders in Endemiegebieten wie Bayern wichtig.
Schutzmaßnahmen bei Gartenarbeit in Risikogebieten
- Einweghandschuhe (Nitril) bei jeder Gartenarbeit in der Nähe von Kompost, Holzstapeln, Hecken
- FFP2-Maske beim Umschaufeln von Kompost, Komposterde oder feuchter Gartenerde
- FFP2-Maske und Handschuhe beim Räumen von Holzstapeln, Reisighaufen und Schuppen
- Niemals Kompost oder Mulch trocken aufwirbeln – vorher befeuchten
- Tote Kleinsäuger nie mit bloßen Händen anfassen
- Offenes Tierfutter oder Vogelkörner im Außenbereich abends einräumen
- Nach Gartenarbeit in Risikobereichen: Handschuhe ausziehen, Hände waschen, ggf. Kleidung wechseln
- Haustiere (Katzen) nach Draußengang beobachten – Katzen bringen Spitzmäuse als Beute ins Haus
Zur Schutzausrüstung: Nicht jeder Handschuh und nicht jede Maske ist gleich wirksam. Für Gartenarbeiten in Risikogebieten empfehlen sich Nitril-Einweghandschuhe (nicht Latex, da Latexallergie möglich) und FFP2-Masken. Einfache chirurgische Masken filtern keine Aerosole ausreichend.
Tote Spitzmaus gefunden: Schritt-für-Schritt
Eine tote Spitzmaus im Garten, Gartenhaus oder im Keller ist keine Seltenheit – besonders wenn Katzen im Haushalt leben. Das Tier muss entsorgt werden, aber es gelten klare hygienische Regeln. Niemals mit bloßen Händen anfassen, nicht trocken aufkehren, nicht mit dem Staubsauger aufnehmen.
Tote Spitzmaus sicher entsorgen: 5 Schritte
- 1 Schutzausrüstung anlegen
Nitril-Einweghandschuhe + FFP2-Maske anlegen, bevor Sie den Bereich betreten. Kinder und Haustiere fernhalten.
- 2 Bereich befeuchten
Das Tier und die unmittelbare Umgebung (ca. 50 cm) mit Wasser oder verdünntem Desinfektionsmittel leicht befeuchten – verhindert Aufwirbelung von Staub und Aerosolen.
- 3 Tier aufnehmen
Plastiktüte über die Hand stülpen, Tier greifen, Tüte umwenden – das Tier ist nun im Beutel, ohne direkten Kontakt.
- 4 Doppelt verpacken und entsorgen
Ersten Beutel mit einem zweiten Beutel umschließen, fest verknoten. Über den Hausmüll (Restmüll) entsorgen – keine Biotonne, kein Kompost.
- 5 Nachreinigung
Fundstelle feucht reinigen. Handschuhe ausziehen (von hinten nach vorne), sofort Hände waschen. Ggf. Kleidung wechseln, wenn Kontakt mit dem Boden möglich war.
Bei Unsicherheit, mehreren Tieren oder größeren Verunreinigungen durch Ausscheidungen: Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung kontaktieren.
Ausrüstung für Fund und Bergung – was wofür gebraucht wird
| Ausrüstung | Wozu genau | Worauf achten |
|---|---|---|
| Nitril-Einweghandschuhe | Schritt 1 und 3: Anlegen vor dem Betreten, Tier über die umgestülpte Tüte greifen | Nitril statt Latex – Latexallergie ist häufig; lieber eine Größe zu groß als zu eng |
| FFP2-Maske | Schutz vor Aerosolen beim Befeuchten und Aufnehmen | CE-Kennzeichnung und EN 149; OP-Masken filtern Aerosole nicht ausreichend |
| Flächendesinfektion, Wirkbereich begrenzt viruzid | Schritt 2 und 5: Fundstelle befeuchten und feucht nachreinigen | Etikett muss „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ ausweisen – reine Bakterizide reichen nicht |
| Greifzange oder kleine Schaufel | Aufnehmen ohne Bücken und ohne Handkontakt, etwa im Lichtschacht oder unter Holz | Nach Gebrauch desinfizieren oder für diesen Zweck reservieren |
| Reißfeste Abfallbeutel | Schritt 4: doppelt verpacken, fest verknoten, in den Restmüll | Dünne Beutel reißen an Krallen und Knochen – kein Biomüll, kein Kompost |
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Pflichthinweis: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gelten auch für Mäusekot und Nagerspuren im Keller oder Gartenhaus. Die konkreten Reinigungsschritte für solche Situationen beschreibt Mäusekot entfernen – sicher und hygienisch. Wer auch das Hantavirus-Risiko bei Nagerfunden berücksichtigen möchte, findet alle Schutzmaßnahmen in Hantavirus Schutz – Prävention im Haushalt.
Wann sich der Fachbetrieb rechnet
Spitzmäuse stehen unter Naturschutz – bekämpft wird hier nichts. Ein Fachbetrieb hilft bei Unsicherheit über die Art, bei mehreren Tieren im Haus und bei großflächigen Verunreinigungen durch Ausscheidungen.
Was ein Kammerjäger kostet – Preise nach Schädling und wer sie zahlt
Stehen Spitzmäuse unter Naturschutz?
Ja – alle in Deutschland heimischen Spitzmausarten sind besonders geschützt. Sie stehen in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV); die daran geknüpften Verbote selbst stehen in § 44 Absatz 1 BNatSchG. Verboten ist danach, die Tiere zu fangen, zu verletzen, zu töten oder während der Fortpflanzungs- und Überwinterungszeiten erheblich zu stören; ebenso, ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu zerstören.
Diese Unterscheidung ist mehr als Formalie: Der Schutzstatus wird über die Anlage der BArtSchV zugewiesen, die Rechtsfolge steht im Gesetz. Für den Gartenbesitzer bedeutet das in der Praxis drei Dinge:
- Fallen sind tabu. Schlag-, Kleber- und Lebendfallen, die auf Spitzmäuse abzielen, sind unzulässig. Lebendfallen für andere Kleinsäuger dürfen Spitzmäuse als Beifang haben, müssen dann aber täglich kontrolliert und die Tiere unverzüglich freigelassen werden.
- Gift ist tabu – rechtlich wie fachlich, siehe den Abschnitt weiter unten.
- Beobachten und Abstand halten ist immer erlaubt und im Regelfall auch die richtige Reaktion.
Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Bußgeldern belegt werden; welche Größenordnungen die Bundesländer dafür ansetzen, zeigt der Ratgeber Geschützte Tiere im Garten – was erlaubt ist und welche Strafen drohen.
Nicht geschützt sind dagegen Haus-, Wander- und Feldmaus sowie die Ratte – ein weiterer Grund, warum die Bestimmung vor jeder Maßnahme steht und nicht danach.
Spitzmäuse im Garten: Vertreiben ohne Schaden
Weil Fangen und Töten ausscheiden, bleibt genau ein zulässiger Weg: die Umgebung so gestalten, dass sie für Spitzmäuse weniger attraktiv wird.
Zulässige Maßnahmen zum indirekten Vertreiben:
- Lebensraum reduzieren: Holzstapel erhöht lagern (nicht direkt auf dem Boden), Reisighaufen außerhalb des unmittelbaren Gartenwohnbereichs anlegen, Komposthaufen mit Deckel abschließen
- Futterzugang unterbinden: Vogelfutter, Tiernahrung und offene Kompostzugaben abends einräumen oder in geschlossene Behälter füllen – Spitzmäuse suchen nach Insekten, nicht nach Körnern, aber offene Futterquellen locken generell Kleinsäuger an
- Ultraschall-Vertreiber: Elektrische Geräte, die Ultraschall emittieren, können Spitzmäuse aus bestimmten Bereichen vertreiben. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, aber anekdotisch beschrieben. Nur im Außenbereich verwenden; Haustiere können ebenfalls darauf reagieren
- Geruchsbarrieren: Bestimmte Pflanzen und Duftstoffe (z. B. Pfefferminze, Lavendel, Zeder) sollen abstoßend wirken. Effekt ist begrenzt und nicht dauerhaft
Was nicht erlaubt ist: Mausefallen, Klebefallen, Gift, Ertränken – all das ist bei Spitzmäusen verboten. Lebend-Fallen für andere Kleinsäuger dürfen zufällig Spitzmäuse einfangen, müssen dann aber täglich kontrolliert und die Tiere unverzüglich freigelassen werden.
Ist Gift gegen Spitzmäuse erlaubt?
Nein – und zwar aus zwei voneinander unabhängigen Gründen.
Rechtlich: Spitzmäuse sind besonders geschützt. Der Einsatz von Gift gegen sie erfüllt den Tatbestand des Tötens nach § 44 BNatSchG und ist eine Ordnungswidrigkeit; welche Bußgelder die Bundesländer dafür ansetzen, zeigt der Ratgeber Geschützte Tiere im Garten – was erlaubt ist und welche Strafen drohen.
Fachlich: Handelsübliche Rodentizide sind auf Nager ausgelegt – sie wirken über Getreide- oder Fettköder. Die Spitzmaus ist kein Nager, sondern Insektenfresser: Sie geht an solche Köder normalerweise gar nicht. Wer Rodentizide auslegt, weil er eine Spitzmaus gesehen hat, erreicht das Tier also nicht, gefährdet aber Igel, Vögel und Haustiere, die vergiftete Nager oder Köder aufnehmen.
Steht wirklich ein Nagerbefall dahinter – Nagespuren an Vorräten, Kot in Schubladen, angefressene Verpackungen –, dann handelt es sich nicht um eine Spitzmaus, und die Vorgehensweise unterscheidet sich grundlegend. Für diesen Fall ist der Ratgeber Mäuse vertreiben die richtige Anlaufstelle.
Fazit: Die Spitzmaus im Garten ist kein Feind – sie frisst täglich ihr eigenes Körpergewicht an Insekten, Larven und Schnecken und leistet einen erheblichen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Das Bornavirus-Risiko ist real, aber beherrschbar: Abstand halten, Schutzausrüstung tragen, kein direkter Kontakt – das reicht in den allermeisten Fällen aus.
Spitzmaus im Haus, Keller oder in der Wohnung: was tun?
Eine Spitzmaus im Haus ist kein Befall, sondern ein einzelnes Tier am falschen Ort. Das ist der wichtigste Unterschied zur Hausmaus, und er entscheidet über jede weitere Handlung: Spitzmäuse vermehren sich nicht in Wohnungen, gehen nicht an Vorräte und nagen nicht. Sie folgen Insekten – hinter einem Fund steckt fast immer ein offener Kellerschacht, eine undichte Kellertür oder ein Lichtschacht, in den das Tier gefallen ist.
Wer typischerweise hereinkommt: die Hausspitzmaus ganzjährig in Keller und Erdgeschoss, die Gartenspitzmaus regelmäßig ab September, wenn sie sich ein Winterquartier sucht – wer im Herbst eine auffällig kleine Spitzmaus im Keller findet, hat meist sie. Die Feldspitzmaus, die einzige gesicherte BoDV-1-Trägerin, meidet Gebäude dagegen weitgehend; welche der drei vor Ihnen sitzt, klärt der Abschnitt Feldspitzmaus, Hausspitzmaus oder Gartenspitzmaus?.
Hier zählt die Zeit, nicht die Gelassenheit
Spitzmäuse haben einen extrem hohen Stoffwechsel und fressen täglich fast ihr eigenes Körpergewicht. Ohne Nahrung überleben sie nur wenige Stunden. „Erst mal beobachten, ob sie von allein wieder rausfindet” ist deshalb bei keinem anderen Kleinsäuger so falsch wie hier – in einer glatten Kellerwanne verhungert das Tier, bevor der nächste Tag anbricht.
So bekommen Sie das Tier hinaus – rechtlich sauber und ohne Kontakt:
- Weg freimachen. Kellertür oder Terrassentür weit öffnen, Licht im Raum dämpfen und die Richtung nach draußen hell lassen. Viele Tiere gehen von selbst.
- Raum eingrenzen. Türen zu den übrigen Räumen schließen, damit die Suche nicht durchs ganze Haus geht.
- Mit Gefäß und Karton fangen, nicht mit der Hand. Ein hohes Glas oder einen Eimer über das Tier stülpen, festen Karton darunterschieben, tragen. Immer Handschuhe – nicht wegen des Bisses, sondern wegen Kot und Speichel am Fell.
- In Hausnähe freilassen. Unter Hecke, Holzstapel oder Reisig, nicht auf offener Fläche. Ein Umsetzen über weite Strecken ist weder nötig noch im Sinne des Tieres.
- Fundstelle feucht reinigen. Kot niemals trocken aufkehren oder saugen – die Schritte stehen im Abschnitt Tote Spitzmaus gefunden und ausführlich in Mäusekot entfernen.
Was Sie nicht tun dürfen: Mausefalle, Klebefalle, Gift, Ertränken. Alle heimischen Spitzmausarten sind nach § 44 BNatSchG besonders geschützt; das gilt im Keller genauso wie im Garten. Eine Lebendfalle, die für Mäuse steht und zufällig eine Spitzmaus fängt, muss täglich kontrolliert und das Tier unverzüglich freigelassen werden – bei einem Tier, das nach Stunden ohne Futter verhungert, ist die Kontrolle über Nacht keine Formalie.
Damit es nicht wieder passiert: Kellerfenster und Lichtschächte abdecken, Türdichtungen und Kellerabgänge prüfen, Spalten ab etwa einem Zentimeter schließen, Laub- und Reisighaufen nicht direkt an die Hauswand legen. Das sind dieselben Maßnahmen, die auch Mäuse draußen halten – nur dass sie hier die einzige zulässige sind.
Und wenn es doch eine Maus ist? Nagespuren an Verpackungen, Kot in Schubladen und Schränken, angefressene Vorräte: Das ist keine Spitzmaus. Dann gelten andere Regeln und andere Mittel – nachzulesen in Mäuse vertreiben.
Spitzmaus: Biologie, Schutzstatus und Risikodaten
In Deutschland leben Spitzmäuse aus beiden Gruppen — Weißzahn- und Rotzahnspitzmäuse. Alle heimischen Arten stehen unter gesetzlichem Schutz, und eine davon ist als Hauptreservoirwirt des gefährlichsten zoonotischen Erregers Deutschlands identifiziert.
Biologie der Feldspitzmaus (Crocidura leucodon): Die Feldspitzmaus erreicht eine Körperlänge von 6–8 cm (ohne Schwanz) und wiegt 6–14 Gramm. Mit einer Lebensdauer von nur 12–18 Monaten und einem extrem hohen Stoffwechsel ist sie auf dauerhaft verfügbare Insektennahrung angewiesen. Diese intensive Bodenaktivität führt zu regelmäßigen Ausscheidungen in ihren Habitaten — Kompost, Holzstapel, Gartenränder — und damit zur potenziellen Kontamination für Menschen.
Naturschutz: Alle in Deutschland heimischen Spitzmausarten sind besonders geschützt – gelistet in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung, mit den Zugriffsverboten aus § 44 Absatz 1 BNatSchG. Das Töten, Fangen, Verletzen oder erhebliche Stören ist verboten und kann als Ordnungswidrigkeit nach § 69 BNatSchG geahndet werden. Spitzmäuse sind ökologisch wertvolle Nützlinge: Sie fressen täglich nahezu ihr eigenes Körpergewicht an Insekten, Larven und Schnecken.
Abgrenzung zur Maus: Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die lange rüsselartige Schnauze — Mäuse haben eine abgerundete Schnauze. Spitzmäuse nagen nicht und hinterlassen keine Fraßspuren. Wer im Garten Nagespuren an Holz oder Vorräten findet, hat es mit Mäusen oder Ratten zu tun, nicht mit Spitzmäusen.
Häufige Fragen
Ist eine lebende Spitzmaus im Garten gefährlich?
Eine lebende Spitzmaus, der man nicht nahe kommt, ist im Normalfall kein akutes Risiko. Das Infektionsrisiko entsteht hauptsächlich durch direkten Kontakt mit dem Tier oder seinen Ausscheidungen – Anfassen, Bisse, Inhalation von kontaminiertem Staub. Im Garten beobachten und Abstand halten ist die richtige Reaktion.
Spitzmaus im Haus gefunden – was tun?
Nicht fangen und nicht vergiften: Spitzmäuse sind nach § 44 BNatSchG besonders geschützt, und Rodentizide wirken bei einem Insektenfresser ohnehin nicht. Tür oder Kellerfenster öffnen, den Weg nach draußen hell lassen, sonst das Tier mit einem hohen Gefäß und einem Karton einfangen – mit Handschuhen – und in Hausnähe unter einer Hecke freilassen. Eile ist geboten: Spitzmäuse fressen täglich fast ihr eigenes Körpergewicht und überstehen nur wenige Stunden ohne Nahrung. Nagespuren und Kot in Schränken sprechen dagegen für eine Maus, nicht für eine Spitzmaus.
Warum steht die Spitzmaus unter Naturschutz?
Alle in Deutschland heimischen Spitzmausarten sind besonders geschützt – sie stehen in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung; die Zugriffsverbote selbst stehen in § 44 BNatSchG. Sie frisst große Mengen Insekten, Schnecken und Schädlinge und ist ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts. Fangen, töten oder absichtlich stören ist verboten und kann mit Bußgeldern geahndet werden.
Wie riecht eine Spitzmaus?
Spitzmäuse haben Flankendrüsen, die ein moschusartiges, streng riechendes Sekret zur Reviermarkierung absondern. Der Geruch wird meist als muffig-süßlich beschrieben und unterscheidet sich deutlich vom scharfen Ammoniakgeruch von Mäuse- oder Rattenurin. Ein strenger, aber nicht ammoniakalischer Geruch im Schuppen ohne Nagespuren an Vorräten spricht für Spitzmäuse. Derselbe Geruch ist der Grund, warum Katzen Spitzmäuse zwar erbeuten, aber meist nicht fressen.
Ist Gift gegen Spitzmäuse erlaubt?
Nein. Spitzmäuse sind nach §44 BNatSchG besonders geschützt – Gift einzusetzen erfüllt den Tatbestand des Tötens und ist eine Ordnungswidrigkeit. Hinzu kommt: Handelsübliche Rodentizide wirken über Getreide- und Fettköder und sind auf Nager ausgelegt. Die Spitzmaus ist Insektenfresser und geht an solche Köder normalerweise nicht – das Gift erreicht sie also gar nicht, gefährdet aber Igel, Vögel und Haustiere.
Sind Spitzmäuse giftig?
Für Menschen praktisch nicht. Einige Arten, in Deutschland vor allem die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens), produzieren ein giftiges Speichelsekret, um Beutetiere zu lähmen. Für Menschen ist die Menge ohne Bedeutung: Ein Biss ist schmerzhaft und kann lokal anschwellen, eine systemische Vergiftung ist in Europa nicht dokumentiert. Das eigentliche Risiko eines Bisses sind Wundinfektion und – bei der Feldspitzmaus in Risikogebieten – BoDV-1.
Wie sieht ein Spitzmaus-Biss aus?
Ein Spitzmaus-Biss ist meist klein und punktförmig, ähnlich einer Nadelstich-Verletzung. Spitzmäuse haben sehr spitze Zähne und beißen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Bei einem Biss: Wunde reinigen, desinfizieren und einen Arzt aufsuchen – mit konkretem Hinweis auf die Tierart und den Aufenthaltsort (Risikogebiet?).
Darf ich Spitzmaus-Fallen aufstellen?
Nein. Spitzmäuse stehen unter Naturschutz (§44 BNatSchG). Fallen, die Spitzmäuse fangen oder töten, sind verboten. Zulässig ist nur das indirekte Vertreiben: Lebensraum weniger attraktiv gestalten, Ultraschallgeräte, Duftbarrieren. Lebend-Fallen für andere Kleinsäuger dürfen Spitzmäuse als Beifang haben, müssen aber täglich kontrolliert werden.
Was frisst die Spitzmaus?
Spitzmäuse sind Insektenfresser und fressen ausschließlich tierische Nahrung: Insekten, Larven, Regenwürmer, Schnecken, kleine Spinnen. Sie sind keine Getreidefresser und nagen nicht an Kabeln, Holz oder Vorräten – das unterscheidet sie fundamental von Mäusen und Ratten.
Wie unterscheidet sich die Spitzmaus von Maus und Ratte?
Die wichtigsten Merkmale: Spitzmäuse haben eine lange, rüsselartig zugespitzte Schnauze, sehr kleine Augen und einen dünn behaarten Schwanz. Sie sind deutlich kleiner als Ratten (4–12 g) und leichter als Mäuse. Ihr Körper ist eher walzenförmig, die Ohren kurz und rund. Mäuse und Ratten haben abgerundete Schnauzen, deutlich größere Augen und einen nackten, geschuppten Schwanz. Die oft genannten roten Zahnspitzen taugen nur eingeschränkt: Sie kommen ausschließlich bei den Rotzahnspitzmäusen wie der Waldspitzmaus vor, nicht bei Feld- und Hausspitzmaus.
Wie unterscheide ich Feldspitzmaus und Hausspitzmaus?
Am Übergang zwischen Ober- und Unterseite. Bei der Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) ist die braungraue Oberseite scharf gegen die weißgraue Unterseite abgesetzt – daher ihr Zweitname „Zweifarbige Spitzmaus“. Bei der Hausspitzmaus (Crocidura russula) verläuft dieser Übergang fließend, ihre Unterseite ist gelb- bis braungrau. Größe und Gewicht helfen kaum weiter, beide wiegen 7–15 Gramm. Ein zweiter Hinweis ist die Region: In Nordwest- und Norddeutschland sowie in Südbayern fehlt die Feldspitzmaus, östlich von Dresden fehlt die Hausspitzmaus.
Haben alle Spitzmäuse rote Zähne?
Nein. Rotbraune Zahnspitzen durch eingelagertes Eisenoxid haben nur die Rotzahnspitzmäuse – Wald-, Zwerg-, Alpen- und Wasserspitzmaus. Die Weißzahnspitzmäuse der Gattung Crocidura, zu denen Feld-, Haus- und Gartenspitzmaus gehören, haben weiße Zähne; der Artname der Feldspitzmaus, leucodon, bedeutet wörtlich „weißer Zahn“. Weiße Zähne schließen eine Spitzmaus also keineswegs aus.
Was tun, wenn eine Spitzmaus mich gebissen hat?
Wunde sofort mit Wasser und Seife reinigen und desinfizieren. Einen Arzt aufsuchen und den möglichen Kontakt konkret nennen – Tierart, Aufenthaltsort (Endemiegebiet wie Bayern?), Datum. Bei neurologischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit in den Folgewochen sofort wieder zum Arzt. Das Risiko einer BoDV-1-Übertragung durch Biss ist unklar, sollte aber ernst genommen werden.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fieber, Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder anderen neurologischen Symptomen nach möglichem Kontakt mit Spitzmäusen, Kleinsäugern oder deren Ausscheidungen sofort ärztliche Hilfe suchen und den möglichen Tierkontakt – auch wenn er Wochen oder Monate zurückliegt – konkret nennen.
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