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Wohnschutz
Überwinterer im Haus → 12 Min. Lesezeit

Florfliege im Haus: Harmloser Wintergast – was tun?

Eine Florfliege im Haus ist harmlos und überwintert nur. Fangen Sie sie vorsichtig ein und bringen Sie sie kühl unter, statt sie abzusaugen.

Von Vyacheslav Levchenko
Zarte hellgrüne Florfliege mit durchsichtigen, netzartig geaderten Flügeln innen an einer weißen Gardine, dahinter ein Fenster mit Herbstlicht

Zwischen Oktober und Februar sitzt plötzlich ein zartes grünes oder gelblich-braunes Insekt am Vorhang, an der Jalousie oder an der Zimmerdecke. Die großen durchsichtigen Flügel mit ihrem feinen Adernetz verraten die Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea), einen Netzflügler, der im Haus ein Winterquartier sucht.

Kurz gesagt: Die Florfliege ist harmlos und ein Nützling. Sie überwintert nur im Haus und vermehrt sich dort nicht. Fangen Sie das Tier vorsichtig mit Glas und Karte ein und bringen Sie es kühl und geschützt unter, etwa in einem unbeheizten Schuppen, einer Garage oder auf dem Dachboden. Saugen Sie es nicht ab und verwenden Sie kein Spray.

Inhalt · 9 Abschnitte

Florfliege erkennen: Flügel, Augen, Winterfarbe

Gelblich-braune Florfliege in Winterfärbung von der Seite auf der Lamelle einer hellen Jalousie – große, fein geaderte, durchsichtige Flügel, lange Fühler, goldgrün glänzendes Auge
Eine Florfliege im Winterkleid: statt hellgrün blass gelblich-braun. Die großen Netzflügel, die langen Fühler und das goldglänzende Auge bleiben – daran erkennen Sie die Art auch im Winter.

Die Gemeine Florfliege hat einen zarten, etwa 1 bis 1,5 cm langen Körper und eine Flügelspannweite von bis etwa 3 cm. Ihre großen, durchsichtigen Flügel zeigen ein dichtes Netz feiner Adern. In Ruhe sind sie wie ein Dach über dem Körper gefaltet. Dazu kommen lange Fühler und goldglänzende Augen, denen das Tier den Namen Goldauge verdankt.

Im Sommer fällt vor allem die hellgrüne Färbung auf. Im Winter nimmt die Art bräunlichere Töne an. Eine gelbliche oder braune Florfliege hinter der Gardine ist deshalb nicht krank und auch keine andere Art. Es ist dieselbe Florfliege im Winterkleid.

Der Name Chrysoperla carnea bezeichnet dabei eigentlich eine Gruppe sehr ähnlicher Arten. Für den Fund im Haus macht diese feine Einordnung keinen Unterschied: Körperform, Flügel und Verhalten zeigen, dass Sie einen harmlosen Wintergast vor sich haben.

Was sonst am Fenster sitzt

Nicht jedes träge Insekt an der Scheibe ist eine Florfliege. Form, Flügel und Fundort trennen die häufigsten Gäste recht klar voneinander.

Was Sie sehen Wahrscheinlich Was es bedeutet
Zart grün oder bräunlich, große durchsichtige Netzflügel, dachförmig gefaltet, goldene Augen Florfliege Harmlos, kühl unterbringen
Grau, gedrungen, goldene Härchen am Brustabschnitt, sammelt sich träge am Fenster Clusterfliege Wintergast; Eintrittswege schließen
Schildförmig, harte Flügeldecken, grün oder im Herbst braun-rötlich Grüne Stinkwanze Harmloser Wintergast; Wanzen im Herbst unterscheiden
Klein, silbrig-beige, flattert im Kleiderschrank Kleidermotte Textilien auf Larven und Gespinste prüfen
Sehr lange Beine, dünner Körper, schwirrt an der Decke Schnake oder Stechmücke Schnaken sind harmlos; bei Stechmücken hilft Mücken im Haus

Entscheidend sind die großen, netzartig geaderten Flügel, die in Ruhe dachförmig über dem zarten Körper liegen. Zusammen mit den goldglänzenden Augen grenzen sie die Florfliege von den anderen Tieren in der Tabelle ab.

Warum Florfliegen im Herbst ins Haus kommen

Die Gemeine Florfliege überwintert als erwachsenes Tier. Dafür sucht sie kühle, geschützte Stellen: in Wohngebäuden gern hinter Jalousien und Vorhängen oder auf Dachböden, außerdem in Schuppen und Garagen. Draußen nutzt sie Laub- und Heuhaufen oder Spalten hinter Baumrinde. Ein Fund im Zimmer bedeutet daher keinen Befall, sondern nur, dass das Tier einen Ruheplatz gewählt hat.

Ein warmes Wohnzimmer hilft der Florfliege nicht. In der Winterruhe braucht sie Kühle. Wird sie durch die Heizung aktiv, fliegt sie umher, verbraucht ihre Reserven und stirbt meist vor dem Frühjahr. Deshalb sollte sie aus dem beheizten Zimmer an einen kühlen Ort umziehen.

Die Eier legt die Florfliege im Frühjahr und Sommer einzeln auf langen, dünnen Stielen an Pflanzen in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Diese Bedingungen fehlen im Wohnraum. Florfliegen vermehren sich in der Wohnung nicht. Auch mehrere Tiere an einer Jalousie sind überwinternde Erwachsene und keine neue Generation.

Florfliege aus der Wohnung bringen

Florfliege schonend umsetzen

  1. 1
    Glas darüberstellen

    Ein Trinkglas oder einen Becher langsam über das ruhende Tier setzen, ohne die Flügel am Rand einzuklemmen

  2. 2
    Karte darunterschieben

    Eine feste Postkarte vorsichtig zwischen Untergrund und Glas führen und die Öffnung vollständig schließen

  3. 3
    Kühl und geschützt absetzen

    Das Tier in einem unbeheizten Schuppen, einer Garage, einem Gartenhaus, auf dem Dachboden oder in einem kühlen Abstellraum freilassen

  4. 4
    Im Frühjahr öffnen

    Am Winterquartier Fenster oder Tür öffnen, damit die Florfliege selbst hinausfinden kann

Umgedrehtes Trinkglas über einer hellgrünen Florfliege an der Fensterscheibe, Finger schieben eine weiße Postkarte zwischen Glasrand und Scheibe
Glas und Postkarte schützen die empfindlichen Flügel. Setzen Sie die Florfliege anschließend kühl und vor Wetter geschützt ab.

Nicht absaugen. Die Flügel sind so zart, dass das Tier im Luftstrom oder im Staubsaugerbeutel stirbt. Auch ein Insektenspray ist unnötig: Es löst kein Problem, denn die Florfliege frisst nichts im Haus und vermehrt sich dort nicht.

Setzen Sie die Florfliege im Winter nicht einfach auf die äußere Fensterbank in den Frost. Ein bereits warm gewordenes Tier braucht einen kühlen, aber geschützten Platz. Dort kann es seine Winterruhe fortsetzen, bis es im Frühjahr durch eine geöffnete Tür oder ein Fenster ins Freie gelangt.

Warum die Florfliege ein Nützling ist

Die erwachsene Florfliege ernährt sich nur von Pollen, Nektar und Honigtau. Sie interessiert sich weder für Kleidung und Teppiche noch für Vorräte, Möbel oder Bauholz. Ihre Bedeutung als Nützling verdankt sie vor allem ihrem Nachwuchs.

Die Larve heißt wegen ihres großen Appetits Blattlauslöwe. Sie frisst vor allem Blattläuse, außerdem kleine Raupen, Wollläuse und Spinnmilben – bis zu 100 Blattläuse am Tag. Bei Nahrungsmangel greift sie auch Marienkäferlarven und Artgenossen an. Stark bedrängte Larven können zwicken; das ist harmlos.

Wer Florfliegen im Außenbereich geeignete Plätze lässt, gewinnt damit einen Helfer gegen Pflanzenschädlinge. Welche Strukturen außerdem nützlich sind, lesen Sie unter Nützlinge im Garten fördern.

Winterquartier anbieten und Fenster abdichten

Ein Florfliegenkasten ist ein Holzkasten mit Lamellen, der mit Stroh gefüllt wird. Er bietet den erwachsenen Tieren ein geschütztes Winterquartier im Garten. Hängen Sie ihn ab September an einer geschützten Stelle auf, etwa an einem Pfosten oder unter einem Dachvorsprung. Wer draußen ein Quartier anbietet, hat weniger Florfliegen hinter der Gardine.

Die Wege ins Haus lassen sich zusätzlich schließen. Ein Fliegengitter im Kippfenster hält die Tiere beim Lüften draußen. Prüfen Sie außerdem den Rollladenkasten und Fugen am Fensterrahmen: Offene Spalten dienen Florfliegen ebenso wie anderen Wintergästen als Zugang. Dichten Sie passende Fugen ab, ohne vorgesehene Lüftungsöffnungen zu verschließen.

Falls bereits Tiere hinter der Jalousie ruhen, müssen Sie den Rollladenkasten nicht öffnen und sie herausholen. Lassen Sie sie an der kühlen Stelle überwintern und ermöglichen Sie ihnen im Frühjahr den Weg nach draußen. Abdichten sollten Sie erst, wenn keine Tiere mehr in der Fuge sitzen.

Florfliegenlarven in der Wohnung

Eine Florfliegenlarve an einer Zimmerpflanze ist etwas anderes als die erwachsene Florfliege am Vorhang. Die Larven stammen fast immer von gekauften Nützlingen gegen Pflanzenschädlinge oder sind mit Pflanzen von draußen hereingekommen. Sie sind dort erwünscht, solange Blattläuse, Wollläuse oder andere kleine Beutetiere vorhanden sind.

Lassen Sie die Larven auf der Pflanze arbeiten. Bei Blattläusen an Pflanzen und Wollläusen an Zimmerpflanzen fressen sie die Schädlinge und verschwinden mit ihnen. Ein Spray würde nicht nur die Läuse, sondern auch den Nützling treffen.

Wenn eine Larve abseits der Pflanze auftaucht, setzen Sie sie mit einem Blatt Papier zurück. Greifen Sie nicht mit den Fingern nach ihr: Stark bedrängte Larven können zwicken. Mehr steckt dahinter nicht.

Sticht sie? Kinder, Haustiere und Recht

Erwachsene Florfliegen stechen und beißen nicht. Sie besitzen weder Interesse an Menschen noch an Haustieren und fressen im Haus kein Material. Kinder können das Tier im Glas ansehen und beim Umsetzen helfen; an den empfindlichen Flügeln sollten sie es nicht anfassen. Halten Sie auch neugierige Katzen oder Hunde kurz fern, damit das Tier unversehrt in sein Winterquartier gelangt.

Die Gemeine Florfliege ist nicht besonders geschützt. Trotzdem gilt der allgemeine Artenschutz: § 39 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG verbietet, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten oder zu verletzen. Das vorsichtige Umsetzen aus dem beheizten Zimmer an einen kühlen, geschützten Ort ist daher genau richtig.

Kein Mittel nötig

Gegen eine Florfliege im Haus brauchen Sie weder Spray noch Falle. Fangen Sie das Tier mit Glas und Karte ein, bringen Sie es kühl und geschützt unter und schließen Sie für den nächsten Herbst die Zugänge an Fenster und Rollladenkasten.

Häufige Fragen

Ist die Florfliege im Haus schädlich?

Nein. Die erwachsene Florfliege sticht und beißt nicht. Sie frisst weder Textilien noch Vorräte noch Holz und vermehrt sich nicht in der Wohnung. Sie sucht dort lediglich einen kühlen Platz zum Überwintern.

Warum ist die Florfliege im Winter braun?

Die Gemeine Florfliege nimmt im Winter bräunlichere Töne an. Ein gelbliches oder braunes Tier am Vorhang ist deshalb meist dieselbe Art wie die hellgrüne Florfliege im Sommer – weder eine andere Art noch ein krankes Tier.

Vermehren sich Florfliegen in der Wohnung?

Nein. Florfliegen legen ihre Eier im Frühjahr und Sommer einzeln auf langen, dünnen Stielen an Pflanzen nahe einer Blattlauskolonie ab. In der Wohnung fehlen ihnen die passenden Bedingungen dafür.

Was mache ich im Winter mit einer Florfliege aus der Wohnung?

Fangen Sie das Tier mit Glas und Karte ein und setzen Sie es an einen kühlen, geschützten Ort wie einen unbeheizten Schuppen, eine Garage, ein Gartenhaus, einen Dachboden oder einen kühlen Abstellraum. Werfen Sie es nicht ungeschützt in den Frost.

Können Florfliegen stechen oder beißen?

Erwachsene Florfliegen stechen und beißen nicht. Stark bedrängte Florfliegenlarven können zwicken; das ist harmlos. Fassen Sie die zarten Tiere trotzdem besser nicht mit den Fingern an.

Woher kommen Florfliegenlarven in der Wohnung?

Meist wurden sie als Nützlinge gegen Schädlinge an Zimmerpflanzen gekauft oder kamen mit einer Pflanze von draußen herein. Dort sind sie erwünscht: Sie fressen vor allem Blattläuse und verschwinden wieder, wenn ihre Beute fehlt.

Darf ich Florfliegen töten?

Die Gemeine Florfliege ist nicht besonders geschützt. Nach § 39 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG dürfen wild lebende Tiere jedoch nicht ohne vernünftigen Grund getötet oder verletzt werden. Setzen Sie das Tier deshalb kühl und geschützt um.

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