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Wohnschutz
Überwinterer im Haus → 11 Min. Lesezeit

Bodenwanzen im Haus: Erkennen und schonend loswerden

Kleine schwarz-weiß gemusterte Wanze auf Boden oder Fensterbank? Meist die harmlose Gemeine Bodenwanze. So erkennen Sie sie, bringen sie hinaus und dichten ab.

Von Vyacheslav Levchenko
Gemeine Bodenwanze sitzt innen auf einer weiß lackierten Fensterbank neben einem gekippten Fenster, draußen gelbes Herbstlaub

Im Herbst läuft sie über die Fensterbank, das Parkett oder die Fliesen vor der Terrassentür: eine schlanke, knapp einen Zentimeter lange Wanze, schwarz mit hellen und rotbraunen Feldern, mit langen Beinen und Fühlern. Oft ist das die Gemeine Bodenwanze (Rhyparochromus vulgaris). Sie lebt draußen in Laub, unter Rinde und am Waldrand und sucht ab August oder September ein Winterquartier – manchmal in der Wohnung.

Kurz gesagt: Die Bodenwanze ist harmlos. Sie ist kein Blutsauger, überträgt keine Krankheiten und vermehrt sich nicht in der Wohnung. Bringen Sie sie mit Glas und Pappe hinaus, statt sie zu zerdrücken. Holen Sie Brennholz erst kurz vor dem Anfeuern herein, und schließen Sie Spalten an Fenster, Tür und Rollladenkasten. Ein Insektizid brauchen Sie nicht – davon rät auch das Umweltbundesamt ab.

Inhalt · 7 Abschnitte

Bodenwanze erkennen: die Merkmale

Gemeine Bodenwanze von schräg oben – schlanker Körper, schwarzer Halsschild, auf den Flügeln beige und rotbraune Felder mit schwarzen Flecken, lange dunkle Beine und Fühler
Gemeine Bodenwanze: bis 8 mm, schlank, kontrastreich schwarz, hell und rotbraun gezeichnet. Die langen Beine und die vierteiligen Fühler unterscheiden sie auf den ersten Blick von der flachen, kurzbeinigen Bettwanze. Foto: gbohne from Berlin, Germany · CC BY-SA 2.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Vier Merkmale grenzen die Gemeine Bodenwanze von den anderen Tieren ab, die Sie im Herbst im Haus finden:

  1. Schlanker, länglicher Körper, bis 8 Millimeter. Sie ist etwa doppelt so lang wie breit und deutlich kleiner als die knapp zwei Zentimeter große Kiefernwanze.
  2. Kontrastreiche Zeichnung. Halsschild und Flügeldecken sind schwarz, weiß und rotbraun gefärbt; auf dem Halsschild sitzt ein schwarzes Dreieck.
  3. Lange, dünne Fühler aus vier Gliedern – ein Wanzenmerkmal. Käfer haben meist mehr Fühlerglieder.
  4. Häutige Flügelspitzen. Wie bei allen Wanzen ist das hintere Ende der Flügel dünn und dunkel, nicht hart wie bei einem Käfer.

Bodenwanzen laufen meist einzeln und eher langsam über Boden, Teppich und Fensterbank. Ihren Namen tragen sie, weil sie draußen am Boden leben und dort Samen von Brennnessel, Beifuß, Erdbeere, Ulme und Pappel anstechen und aussaugen.

Bettwanze, Kiefernwanze oder Hausbock?

Die häufigste Sorge beim Fund einer kleinen dunklen Wanze in der Wohnung ist die Bettwanze. Die Unterschiede sind deutlich – ein Blick auf Größe, Form und Fundort reicht.

Was Sie sehen Wahrscheinlich Was es bedeutet
Schlank, bis 8 mm, schwarz-weiß-rotbraun gezeichnet, lange Beine, auf Boden oder Fensterbank Gemeine Bodenwanze Harmloser Wintergast, hinausbringen
4–5 mm, flach wie ein Apfelkern, einfarbig rotbraun, flugunfähig, im Bett oder an der Matratze Bettwanze Echter Befall, sofort handeln
Schlank, rotbraun, knapp 2 cm, weiße Zickzacklinie, blattartig verbreiterte Hinterbeine Amerikanische Kiefernwanze Harmloser Wintergast, hinausbringen
Breit, schildförmig, graubraun marmoriert oder gesprenkelt Baum- oder Gartenwanze Wintergast; Marmorierte Baumwanze ist meldewürdig
Leuchtend rot-schwarz, in Gruppen an der Hauswand Feuerwanze Heimisch, harmlos
Käfer mit harten Flügeldecken und sehr langen Fühlern, ovale Löcher im Dachholz Hausbock Holzschädling, Gebälk prüfen lassen

Die Bettwanze ist kürzer, flacher und einfarbig. Sie misst 4 bis 5 Millimeter, hat keine Zeichnung und kann nicht fliegen. Sie versteckt sich tagsüber in Matratzennähten, Bettritzen und hinter Fußleisten in Bettnähe und kommt nachts zum Blutsaugen. Eine Wanze, die am helllichten Tag über die Fensterbank läuft, ist so gut wie nie eine Bettwanze. Wer dennoch kleine, flache Tiere oder Blutpunkte im Bett findet, liest Bettwanzen erkennen.

Mit dem Hausbock verwechseln Laien die Bodenwanze nach Angaben des Umweltbundesamts gelegentlich. Der Hausbock ist ein Käfer: harte Flügeldecken ohne häutige Spitze, auffallend lange Fühler, und er kommt aus verbautem Nadelholz. Typisch sind ovale Ausfluglöcher im Dachstuhl. Wie Sie einen echten Hausbockbefall erkennen, steht unter Hausbock erkennen.

Warum sie im Herbst ins Haus kommt

Die Gemeine Bodenwanze überwintert als erwachsenes Tier. Draußen sammeln sich die Tiere dafür oft in großer Zahl unter loser Rinde und in Spalten von Totholz. Ab August oder September geraten einzelne Tiere auch in Wohnungen, und dort bleiben sie im Warmen den ganzen Winter über aktiv. Sie kommen meist einzeln, selten in Massen wie Marienkäfer.

Filzkorb mit gespaltenen Holzscheiten mit Rinde neben einem Kaminofen mit kleinem Feuer in einem Wohnzimmer, auf dem Parkett etwas lose Rinde
Brennholz direkt aus dem Holzlager ins warme Zimmer: Unter der Rinde überwinternde Bodenwanzen werden in der Wärme munter und laufen los.

Der zweite Weg ist das Brennholz. Das Umweltbundesamt nennt ausdrücklich, dass Bodenwanzen im Winter mit Brennholz ins Haus gelangen. Im Holzstapel draußen sitzen sie kältestarr unter der Rinde. Steht der Korb neben dem Ofen, wird das Tier warm und läuft los – deshalb tauchen Bodenwanzen so oft in Wohnzimmern mit Kamin auf, auch mitten im Winter.

Vermehren können sie sich drinnen nicht. Ihre Nahrung sind Pflanzensamen, die sie in der Wohnung nicht finden. Ein Tier im Zimmer ist ein Wintergast, kein Befall. Häufiger ist die Art in Süddeutschland; nach Norden hin wird sie seltener.

Bodenwanzen aus der Wohnung bringen

Bodenwanze schonend hinausbringen

  1. 1
    Glas darüberstülpen

    Ein Trinkglas oder einen Becher über die Wanze setzen, solange sie auf Boden, Scheibe oder Fensterbank läuft

  2. 2
    Pappe darunterschieben

    Eine Postkarte oder ein Stück Pappe langsam unter den Glasrand schieben, ohne das Tier zu quetschen

  3. 3
    Kühl und geschützt absetzen

    Unter einen Holzstapel, unter Laub an der Hecke oder in einen unbeheizten Schuppen – nicht auf die frostige Fensterbank

  4. 4
    Mehrere Tiere: Staubsauger mit Strumpf

    Einen Nylonstrumpf ins Saugrohr stecken und mit Gummiband sichern, absaugen, draußen ausschütteln

Nicht zerdrücken. Gequetscht gibt die Wanze ihr Abwehrsekret ab, und das riecht unangenehm. Glas und Pappe empfiehlt auch das Umweltbundesamt. Der Staubsauger-Trick mit Strumpf hilft, wenn mehrere Tiere am Kaminplatz oder in einer Zimmerecke sitzen; ohne Strumpf landen sie im Beutel, und der riecht danach.

Im Winter kühl unterbringen, nicht in die Kälte werfen. Draußen überwintern Bodenwanzen ohnehin – sie brauchen nur einen geschützten Platz. Ein Holzstapel oder ein Gartenhaus ist ideal.

Brennholz, Fenster und Türen: so bleiben sie draußen

  • Brennholz draußen lagern, Tagesbedarf hereinholen. Holen Sie nur so viel Holz herein, wie Sie gleich verheizen, und klopfen Sie die Scheite vor der Tür kurz ab. Ein überdachtes Regal an der Hauswand hält das Holz trocken, ohne dass es tagelang im warmen Wohnzimmer liegt.
  • Fliegengitter im Kippfenster. Im Herbst lüften Sie vor allem über gekippte Fenster. Ein Gitter mit Klettband ist in wenigen Minuten angebracht.
  • Spalt unter Terrassen- und Kellertür schließen. Bodenwanzen laufen eher, als dass sie fliegen. Eine Bürstendichtung an der Türunterkante schließt den Weg vom Boden ins Haus.
  • Rollladenkasten und Fensterrahmen prüfen. Der Schlitz für den Rollladengurt und die Revisionsklappe sind typische Schlupflöcher. Selbstklebendes Dichtungsband schließt sie und hält zugleich Kiefernwanzen, Marienkäfer und Florfliegen draußen, die zur selben Zeit Quartier suchen.

Insektizide sind der falsche Weg. Das Umweltbundesamt rät ausdrücklich davon ab, Bodenwanzen im Haus oder draußen mit Insektiziden zu bekämpfen: Die Art ist kein Schädling. Ein Spray im Wohnraum belastet vor allem Sie selbst, und an der Fassade erreicht es die Tiere in den Ritzen nicht.

Sticht sie? Geruch, Kinder, Haustiere, Recht

Die Gemeine Bodenwanze ist nach Angaben des Umweltbundesamts kein menschlicher Parasit, überträgt keine Krankheiten und stellt für Menschen keine Gefahr dar. Ihr Rüssel ist dafür gemacht, Samen anzustechen. Sie frisst weder Lebensmittel noch Kleidung, Möbel oder Holz.

  • Geruch: Zur Verteidigung sondert sie über Stinkdrüsen ein unangenehm riechendes Sekret ab. Ein Fleck auf heller Wäsche lässt sich normal auswaschen.
  • Kinder dürfen das Tier ansehen und auf einem Blatt Papier hinaustragen. Fest anfassen sollten sie es nicht – dann riecht es.
  • Katzen und Hunde jagen laufende Wanzen gern. Eine Vergiftungsgefahr besteht nicht.

Rechtlich ist die Gemeine Bodenwanze nicht besonders geschützt und nicht meldepflichtig. Es gilt der allgemeine Artenschutz: § 39 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG verbietet, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Hinausbringen ist genau richtig. Wenn Sie unsicher sind, welches Tier Sie gefunden haben, hilft unsere Bestimmungshilfe mit Fotos.

Kein Mittel nötig

Für Bodenwanzen in der Wohnung brauchen Sie weder Spray noch Falle. Hinausbringen, Brennholz draußen lagern und Spalten an Fenstern und Türen schließen – mehr ist nicht zu tun.

Häufige Fragen

Ist die Bodenwanze gefährlich?

Nein. Die Gemeine Bodenwanze ist kein Blutsauger, überträgt keine Krankheiten und frisst weder Vorräte noch Textilien noch Holz. Ihr Rüssel ist dafür gemacht, Pflanzensamen anzustechen. Das Umweltbundesamt stuft sie als ungefährlich für Menschen ein. Auch für Katzen und Hunde besteht keine Gefahr.

Sind Bodenwanzen Bettwanzen?

Nein. Die Bodenwanze ist mit bis zu 8 mm deutlich länger und schlanker als eine Bettwanze, kontrastreich schwarz, weiß und rotbraun gezeichnet und hat lange Beine und Fühler. Die Bettwanze ist 4 bis 5 mm groß, flach wie ein Apfelkern, einfarbig rotbraun und sitzt in Matratzennähten, nicht auf Fensterbank oder Boden.

Vermehren sich Bodenwanzen in der Wohnung?

Nein. Bodenwanzen leben von Pflanzensamen, die sie in der Wohnung nicht finden. Ins Haus kommen ab August oder September erwachsene Tiere, die einen Platz zum Überwintern suchen. Im warmen Zimmer bleiben sie aktiv, legen aber keine Eier und gründen keinen Befall.

Wie kommen Bodenwanzen ins Haus?

Durch gekippte Fenster, offene Terrassen- und Balkontüren, Spalten unter Türen und am Rollladenkasten – und mit Brennholz. Draußen überwintern sie gern unter loser Rinde und in Holzstapeln. Wer Scheite aus dem Holzlager direkt ins warme Wohnzimmer trägt, bringt die Tiere gleich mit.

Darf man Bodenwanzen töten?

Die Art ist nicht besonders geschützt. Es gilt aber § 39 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG: Wild lebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Das Umweltbundesamt rät ausdrücklich, Bodenwanzen weder im Haus noch draußen mit Insektiziden zu bekämpfen, sondern sie mit Glas und Pappe hinauszubringen.

Riechen Bodenwanzen?

Wie viele Wanzen besitzen sie Stinkdrüsen und sondern bei Bedrohung ein unangenehm riechendes Sekret ab. Das passiert vor allem, wenn man ein Tier zerdrückt oder fest anfasst. Mit Glas und Postkarte hinausgetragen, bemerken Sie davon meist nichts.

Was mache ich im Winter mit einer Bodenwanze aus der Wohnung?

Setzen Sie sie an einen kühlen, geschützten Platz draußen: unter einen Holzstapel, unter Laub an einer Hecke oder in einen unbeheizten Schuppen. Dort überwintern ihre Artgenossen auch. Auf die offene Fensterbank im Frost gesetzt, findet sie dagegen keinen Schutz.

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