Kiefernwanze im Haus: Erkennen und schonend loswerden
Schlanke braune Wanze mit Zickzacklinie am Fenster? Das ist meist die Amerikanische Kiefernwanze. So erkennen Sie sie, bringen sie hinaus und dichten ab.
Im Oktober sitzt sie plötzlich am Fensterrahmen, an der Gardine oder an der Zimmerdecke: eine schlanke, rotbraune Wanze, knapp zwei Zentimeter lang, mit langen Fühlern. Fliegt sie auf, brummt sie hörbar. Fast immer ist das die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis), auch Amerikanische Zapfenwanze genannt. Sie stammt aus dem Westen Nordamerikas, wurde 2006 erstmals in Deutschland nachgewiesen und lebt inzwischen bundesweit überall dort, wo Kiefern stehen.
Kurz gesagt: Die Kiefernwanze ist harmlos. Sie sticht nicht, überträgt nichts und vermehrt sich nicht in der Wohnung. Sie kommt im Herbst nur herein, um zu überwintern. Bringen Sie sie mit Glas und Postkarte hinaus, statt sie zu zerdrücken; dann riecht auch nichts. Gegen Nachzügler helfen ein Fliegengitter und dichte Fugen an Fenster und Rollladenkasten. Gift brauchen Sie nicht.
Inhalt · 8 Abschnitte
Kiefernwanze erkennen: drei sichere Merkmale
Drei Merkmale reichen, um die Kiefernwanze von allen anderen Wanzen am Fenster zu unterscheiden:
- Blattartig verbreiterte Hinterbeine. Die Schienen des hintersten Beinpaars tragen eine flache, blattförmige Verbreiterung. Kein anderes Tier, das Sie im Herbst in der Wohnung finden, hat so etwas.
- Weiße Zickzacklinie. Quer über die Mitte der Flügeldecken läuft eine dünne, helle Zickzacklinie.
- Schlanke, längliche Form. Die Kiefernwanze ist 15 bis 20 Millimeter lang und deutlich schmaler als die schildförmigen Baumwanzen. Die Fühler sind fast körperlang.
Im Flug zeigt sie einen orangegelben Hinterleib mit dunklen Querbinden, den sie in Ruhe unter den Flügeln versteckt. Das laute Brummen beim Fliegen lässt viele an eine Hornisse oder einen großen Käfer denken.
Verwechslung: Baumwanze, Gartenwanze, Bettwanze
Im Herbst suchen mehrere Wanzenarten gleichzeitig ein Winterquartier. Wer die Art kennt, weiß auch, ob mehr zu tun ist als Hinaussetzen – bei der Kiefernwanze ist es das nicht.
| Was Sie sehen | Wahrscheinlich | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| Schlank, rotbraun, knapp 2 cm, weiße Zickzacklinie, verbreiterte Hinterbeine | Amerikanische Kiefernwanze | Harmloser Wintergast, hinaussetzen |
| Breit, schildförmig, graubraun marmoriert, helle Ringe an den letzten Fühlergliedern | Marmorierte Baumwanze | Eingeschleppt, Obst- und Gemüseschädling, Fund melden |
| Breit, schildförmig, graubraun gesprenkelt, Dorn an der Bauchseite | Graue Gartenwanze | Heimisch, harmlos, hinaussetzen |
| Schildförmig, grün oder im Herbst braun-rötlich, ohne Zeichnung | Grüne Stinkwanze | Heimisch, harmlos, hinaussetzen |
| Leuchtend rot-schwarz gemustert, in Gruppen an der Hauswand | Feuerwanze | Heimisch, harmlos, ohne Gift loswerden |
| 4–5 mm, flach, rotbraun, flugunfähig, im Bett oder an der Matratze | Bettwanze | Echter Befall, sofort handeln |
Die breite, marmorierte Wanze ist keine Kiefernwanze. Schildförmige, graubraune Tiere am Fenster sind entweder die heimische Graue Gartenwanze oder die eingeschleppte Marmorierte Baumwanze. Wie Sie die beiden auseinanderhalten und wo Sie die Marmorierte Baumwanze melden, steht im Ratgeber Marmorierte Baumwanze bekämpfen. Rot-schwarze Wanzen in Gruppen an der Hauswand sind Feuerwanzen.
Eine Bettwanze sieht völlig anders aus. Sie ist nur 4 bis 5 Millimeter groß, flach wie ein Apfelkern, kann nicht fliegen und sitzt in Matratzennähten und Bettritzen, nicht am Fenster. Wer kleine, flache Tiere im Bett findet, liest am besten gleich Bettwanzen erkennen.
Warum sie im Herbst ins Haus kommt
Die Kiefernwanze überwintert als erwachsenes Tier. Ab Ende September, wenn die Nächte kühl werden, sucht sie geschützte, trockene Spalten: unter Rinde, in Holzstapeln – und an Häusern. Sonnige Süd- und Westwände ziehen sie an, weil sie dort tagsüber Wärme tanken. Von der Fassade krabbelt sie in Rollladenkästen, Fensterfalze und Lüftungsschlitze, und durch ein gekipptes Fenster landet sie im Zimmer. Am auffälligsten ist das im Oktober und November, an einzelnen warmen Wintertagen auch noch später, wenn Tiere aus ihrem Versteck in die warme Wohnung wandern.
Vermehren kann sie sich drinnen nicht. Die Weibchen legen ihre Eier im Frühjahr in Reihen an Kiefernnadeln, die Larven saugen den Sommer über an Zapfen und Samen von Kiefer, Douglasie und anderen Nadelbäumen. In der Wohnung gibt es nichts davon. Ein Tier im Zimmer ist ein Wintergast, kein Befall.
Mehrere Tiere auf einmal sind in Siedlungen am Waldrand oder mit Kiefern im Garten normal. Auch dann bleibt es bei denselben Schritten: hinausbringen, Wege schließen.
Kiefernwanzen aus der Wohnung bringen
Kiefernwanze schonend hinausbringen
- 1 Glas darüberstülpen
Ein Trinkglas oder Becher über das Tier setzen, solange es an Wand, Scheibe oder Rahmen sitzt
- 2 Postkarte darunterschieben
Langsam zwischen Wand und Glasrand schieben, ohne das Tier zu quetschen – dann bleibt auch der Geruch aus
- 3 Kühl und geschützt absetzen
Draußen in einen Holzstapel, unter eine Hecke oder in einen unbeheizten Schuppen, nicht auf die offene Fensterbank
- 4 Mehrere Tiere: Staubsauger mit Strumpf
Einen Nylonstrumpf ins Saugrohr stecken und mit Gummiband sichern, absaugen, draußen ausschütteln
Nicht zerdrücken. Gequetscht gibt die Wanze ihr Abwehrsekret ab, und das riecht unangenehm. Mit Glas und Karte oder einem Insektenfänger mit Klappe bemerken Sie davon meist nichts. Der Staubsauger-Trick eignet sich, wenn sich viele Tiere am Rollladenkasten oder in einer Zimmerecke gesammelt haben. Ohne Strumpf landen die Tiere im Beutel, und der riecht danach.
Im Winter nicht in die Kälte werfen, sondern kühl unterbringen. Draußen überwintert die Kiefernwanze ohnehin; sie braucht nur einen geschützten Platz. Ein Holzstapel, ein Gartenhaus oder eine unbeheizte Garage sind ideal. In der warmen Wohnung dagegen bleibt sie aktiv, verbraucht ihre Reserven und stirbt meist vor dem Frühjahr.
Fenster und Rollladenkasten abdichten
Die meisten Kiefernwanzen kommen auf denselben drei Wegen ins Haus. Wer diese schließt, hat im nächsten Herbst Ruhe.
- Fliegengitter im Kippfenster. Das ist der wichtigste Schritt, weil Sie im Herbst vor allem über gekippte Fenster lüften. Ein Gitter mit Klettband ist in wenigen Minuten angebracht; ein Spannrahmen aus Aluminium ist die dauerhafte Lösung.
- Rollladenkasten prüfen. Der Spalt, durch den der Rollladengurt läuft, und die Revisionsklappe innen sind typische Schlupflöcher. Eine Bürstendichtung am Gurtdurchlass und selbstklebendes Dichtungsband an der Klappe schließen sie.
- Fugen an Fensterrahmen und Fassade. Gerissene Silikonfugen, offene Mauerdurchführungen und Lüftungsschlitze ohne Gitter verschließen oder mit feinem Gitter versehen. Das hält zugleich Marienkäfer, Baumwanzen und Clusterfliegen draußen, die zur selben Zeit Quartier suchen.
Insektizide sind im Haus der falsche Weg. Ein Spray an der Fassade erreicht die Tiere in den Ritzen nicht, und im Wohnraum belastet es vor allem Sie selbst. Die Zahl der Wanzen im nächsten Jahr hängt von den Kiefern in der Umgebung ab, nicht von einzelnen getöteten Tieren.
Sticht sie? Geruch, Kinder, Haustiere
Die Kiefernwanze sticht und beißt Menschen nicht. Ihr Saugrüssel ist dafür gemacht, Kiefernzapfen und Samen anzustechen. Sie überträgt keine Krankheiten und frisst weder Holz noch Möbel, Kleidung oder Lebensmittel.
- Geruch: Bei Bedrohung sondert sie ein Sekret aus Duftdrüsen ab. Das riecht unangenehm, ist aber harmlos. Ein Fleck auf heller Wäsche lässt sich normal auswaschen.
- Kinder dürfen das Tier ansehen und auch auf einem Blatt Papier hinaustragen. Fest anfassen sollten sie es nicht – dann riecht es.
- Katzen und Hunde jagen die brummende Wanze gern. Gefressene Tiere schmecken bitter und werden meist wieder ausgespuckt; eine Vergiftungsgefahr besteht nicht.
Kiefern im Garten: richtet sie Schaden an?
Im Wald und in Samenplantagen gilt die Kiefernwanze als Schädling am Saatgut: Larven und Erwachsene saugen an jungen Zapfen und Samen, die dann taub bleiben. Für Förster, die Kiefernsaatgut ernten, ist das ein Verlust. Für den Hausgarten spielt es kaum eine Rolle. Ihre Kiefer, Schwarzkiefer oder Zirbe wächst weiter; es bilden sich nur weniger keimfähige Samen. Nadeln, Triebe und Holz greift die Kiefernwanze nicht an.
Einen Grund zum Spritzen gibt es deshalb nicht. Pflanzenschutzmittel an hohen Nadelbäumen im Privatgarten zu versprühen, träfe vor allem andere Insekten und Vögel, die sich von ihnen ernähren.
Rechtlich ist die Kiefernwanze nicht geschützt und nicht meldepflichtig. Es gilt nur der allgemeine Artenschutz: Wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten, verbietet § 39 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG. Ein Tier aus der Wohnung nach draußen zu bringen, ist dagegen genau richtig. Weitere Arten, die im Herbst ein Winterquartier im Haus suchen, finden Sie im Ratgeber Asiatischer Marienkäfer und in unserer Bestimmungshilfe.
Kein Mittel nötig
Für Kiefernwanzen in der Wohnung brauchen Sie weder Spray noch Falle. Hinaussetzen, im Winter kühl unterbringen und im nächsten Herbst Fenster und Rollladenkasten dicht halten – mehr ist nicht zu tun.
Häufige Fragen
Ist die Amerikanische Kiefernwanze gefährlich?
Nein. Sie sticht und beißt Menschen nicht, überträgt keine Krankheiten und frisst weder Holz noch Textilien noch Vorräte. Ihr Rüssel ist für Kiefernzapfen und Nadelbaumsamen gemacht. Auch für Katzen und Hunde ist sie ungefährlich. Lästig ist sie nur, wenn im Herbst mehrere Tiere ins Haus kommen.
Warum stinkt die Kiefernwanze?
Wie die meisten Wanzen gibt sie bei Bedrohung ein Abwehrsekret aus Duftdrüsen ab. Das passiert vor allem, wenn man sie zerdrückt oder fest anfasst. Der Geruch ist unangenehm, aber harmlos. Wer das Tier mit Glas und Postkarte oder mit einem Insektenfänger hinausbringt, bemerkt davon meist nichts.
Vermehrt sich die Kiefernwanze in der Wohnung?
Nein. Die Eier legt sie im Frühjahr an Kiefernnadeln, die Larven saugen den Sommer über an Zapfen. In der Wohnung findet sie dafür nichts. Ins Haus kommen im Oktober und November nur erwachsene Tiere, die einen geschützten Platz für den Winter suchen.
Wie kommt die Kiefernwanze ins Haus?
Durch gekippte Fenster, offene Balkontüren, Spalten am Rollladenkasten und undichte Fensterrahmen. Im Herbst sitzt sie gern an warmen, sonnigen Hauswänden und krabbelt von dort in jede Ritze. Ein Fliegengitter und abgedichtete Fugen halten sie zuverlässig draußen.
Darf man Kiefernwanzen töten?
Die Art ist nicht geschützt. Trotzdem verbietet § 39 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Sinnvoller ist ohnehin das Hinaussetzen: Ein zerdrücktes Tier riecht stark, ein hinausgetragenes nicht. Insektizide sind im Wohnraum unnötig.
Wie unterscheide ich die Kiefernwanze von der Marmorierten Baumwanze?
An der Form. Die Kiefernwanze ist schlank und länglich, knapp 2 cm lang, hat eine weiße Zickzacklinie quer über den Flügeln und blattartig verbreiterte Hinterbeine. Die Marmorierte Baumwanze ist breit und schildförmig, graubraun marmoriert und trägt helle Ringe auf den letzten Fühlergliedern.
Was mache ich im Winter mit einer Kiefernwanze aus der Wohnung?
Setzen Sie sie an einen kühlen, geschützten Platz draußen: in einen Holzstapel, unter Rinde, in einen unbeheizten Schuppen oder in die Garage. Dort überwintert sie wie ihre Artgenossen und fliegt im Frühjahr zu den Kiefern zurück. In der warmen Wohnung verbraucht sie ihre Reserven und stirbt meist vor dem Frühjahr.
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