Werre im Garten: Maulwurfsgrille erkennen und richtig handeln
Maulwurfsgrille oder Werre im Garten erkennen: Schäden richtig einordnen, Tiere umsiedeln und bei echtem Befall mit Fangglas oder Nematoden handeln.
Eine Werre im Garten ist nicht automatisch ein Schädling. Die Europäische Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) lebt fast vollständig unter der Erde; erst flache Gangwölbungen, welkende Jungpflanzen oder ihr schnurrender Ruf im Frühsommer machen sie bemerkbar. Einzelne Tiere im Kompost oder in einer ungenutzten Gartenecke müssen Sie nicht bekämpfen.
Handlungsbedarf besteht erst, wenn das Graben und Fressen nachweislich Kulturpflanzen schädigt. Dann sind Fanggläser mit anschließender Umsiedlung die zurückhaltende Lösung. Nematoden kommen bei wiederkehrendem Befall infrage, töten die Tiere jedoch ab und müssen nach dem Hinweis der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft über zwei bis drei Jahre angewendet werden.
Inhalt · 11 Abschnitte
Erst Schaden prüfen, dann eingreifen
Flache Gänge oder ein einzelner Fund reichen als Grund für eine Bekämpfung nicht aus. Prüfen Sie zuerst, ob tatsächlich Wurzeln, Knollen oder Jungpflanzen geschädigt werden. Die Maulwurfsgrille gilt bundesweit als gefährdet. Wo keine konkreten Schäden auftreten, lassen Sie das Tier in Ruhe oder setzen es an einen entfernten, feuchten Platz um.
Maulwurfsgrille sicher erkennen
Die Europäische Maulwurfsgrille wird regional Werre, Reitwurm oder Erdkrebs genannt. Ihr deutscher Name beschreibt das auffälligste Merkmal ziemlich treffend: Die Vorderbeine sind zu breiten, kräftigen Grabschaufeln umgebaut. Damit schiebt sich das Insekt durch feuchte Erde. Der lang gestreckte, bräunliche Körper wirkt auf den ersten Blick fremdartig, doch die Kombination aus Grillengestalt und schaufelförmigen Vorderbeinen ist unverwechselbar.
Anders als ein Heimchen begegnet Ihnen die Werre normalerweise nicht im Haus. Sie lebt im Gartenboden und kommt eher beim Umgraben, an einer feuchten Rasenkante oder auf einem Weg nach kräftigem Regen zum Vorschein. Falls ein grillenähnliches Tier in Küche oder Keller sitzt, hilft die Abgrenzung im Ratgeber Heimchen bekämpfen und richtig bestimmen.
Nicht jeder Fund bedeutet eine Plage. Ein einzelnes Tier im Kompost, unter einem Brett oder am feuchten Beetrand kann dort leben, ohne messbaren Schaden anzurichten. Entscheidend ist daher nicht, ob die ungewöhnlich aussehende Grille vorhanden ist, sondern ob Fundort und Schadbild zusammenpassen.
Lebensweise und Hauptaktivität: Warum feuchte Beete attraktiv sind
Maulwurfsgrillen verbringen den größten Teil ihres Lebens unterirdisch. Sie graben ein Netz aus oberflächennahen Gängen und bevorzugen nach Angaben der LfL feuchte Standorte. Frisch gewässerte Gemüsebeete, dauerhaft feuchte Rasenkanten und die Umgebung eines Komposts bieten lockeren Boden, Deckung und Nahrung. Trockene, feste Bereiche sind für die Grabaktivität weniger günstig.
Besonders auffällig ist die Werre von Mai bis Juni. In dieser Hauptaktivitätszeit lassen sich am Abend die Männchen hören. Ihr Ruf klingt nicht wie das klar voneinander getrennte Zirpen einer Feldgrille an der Erdoberfläche, sondern eher gleichmäßig und schnurrend. Der Ton scheint aus dem Boden zu kommen, weil das Tier am Eingang seines Gangsystems ruft.
Die akustische Beobachtung hilft bei der Suche, beweist aber noch keinen Pflanzenschaden. Prüfen Sie am folgenden Morgen die Umgebung: Gibt es flache, leicht angehobene Erdlinien? Welken frisch gesetzte Pflanzen, obwohl der Boden feucht ist? Lassen sich beschädigte Wurzeln oder Knollen finden? Erst diese Kombination macht aus dem Ruf einen begründeten Verdacht.
Auch der Standort liefert Hinweise. In einem trockenen, verdichteten Rasen steckt hinter einer Erhebung eher ein anderes Tier oder eine Bodenunebenheit. In regelmäßig bewässerter, lockerer Gartenerde passt eine Werre deutlich besser zum Befund. Vermeiden Sie trotzdem den Reflex, den gesamten feuchten Bereich zu behandeln. Die Tiere sind nicht überall gleich verteilt, und Maßnahmen sollten auf die tatsächlich betroffenen Kulturflächen begrenzt bleiben.
Schadbild: Warum Jungpflanzen plötzlich welken
Das Wühlen und Fressen der Maulwurfsgrille kann viele Kulturpflanzen schädigen. Besonders empfindlich sind Jungpflanzen, deren Wurzelsystem noch klein ist. Wird eine Hauptwurzel beim Graben durchtrennt oder angefressen, verliert die Pflanze rasch den Kontakt zum Boden. Sie welkt dann trotz ausreichender Feuchtigkeit. Mehr Wasser löst das Problem nicht; zusätzliches Gießen kann den Standort für die Werre sogar noch attraktiver machen.
Der Schaden fällt deshalb vor allem im Frühjahr auf, wenn Salat, Kohl, Kräuter oder andere Kulturen frisch gesetzt wurden. Typisch ist kein gleichmäßiges Vertrocknen des ganzen Beetes, sondern der Ausfall einzelner Pflanzen entlang eines Ganges. Ziehen Sie eine welkende Pflanze vorsichtig heraus und betrachten Sie den Wurzelansatz. Eine abgetrennte oder angefressene Wurzel bei feuchter Erde spricht stärker für einen Bodenschädling als schlappe Blätter allein.
Auch Knollen und bodennahe Pflanzenteile können betroffen sein. Zugleich frisst die Maulwurfsgrille nicht ausschließlich Pflanzenmaterial, sondern nimmt auch tierische Nahrung im Boden auf. Pauschale Urteile wie „jede Werre zerstört das Beet“ sind daher falsch. Ein begrenzter Fraßschaden an Kulturpflanzen ist möglich und kann eine gezielte Abwehr rechtfertigen; ein bloßer Fund ohne Schaden nicht.
Prüfen Sie außerdem andere Ursachen: Staunässe, eine beim Pflanzen bereits verletzte Wurzel, Schneckenfraß oder Wühlmäuse können ähnlich plötzlich sichtbare Probleme verursachen. Bei durchtrennten Wurzeln und Gängen ist auch der Ratgeber Wühlmäuse im Garten erkennen und vertreiben hilfreich. Im Hochbeet kommen wiederum mehrere andere Tiere infrage; eine Übersicht gibt Schädlinge im Hochbeet bestimmen.
Für eine belastbare Einschätzung genügt eine kurze Beobachtungsphase. Markieren Sie verdächtige Stellen mit kleinen Stäben und notieren Sie, welche Pflanzen wann welken. Glätten Sie die Gangwölbung vorsichtig mit der Hand, ohne den Boden festzustampfen. Ist dieselbe Linie am nächsten Morgen wieder angehoben und liegt daneben eine frisch geschädigte Pflanze, verdichtet sich der Verdacht. Bleibt die Stelle unverändert, suchen Sie zunächst nach einer anderen Ursache.
Diese Dokumentation verhindert zwei typische Fehler: Zum einen wird nicht jedes welke Blatt vorschnell der Werre zugeschrieben. Zum anderen erkennen Sie, ob der Schaden auf eine kleine Beetzone begrenzt ist. Genau dort können Sie später ein Fanggefäß setzen oder eine mechanische Barriere nachbessern. Eine Behandlung auf Verdacht über die gesamte Fläche wäre teurer, aufwendiger und angesichts der gefährdeten Art fachlich kaum zu rechtfertigen.
Werre, Maulwurf oder Engerling? Spuren sauber trennen
Der Name Maulwurfsgrille führt leicht auf die falsche Fährte. Wer Gänge oder aufgeworfene Erde im Rasen sieht, denkt zuerst an einen Maulwurf. Der Unterschied ist praktisch wichtig: Ein Maulwurf schiebt deutlich sichtbare, größere Erdhügel nach oben und frisst kein Pflanzenmaterial. Seine Anwesenheit erklärt deshalb keine angefressenen Wurzeln oder Knollen. Wie Sie seine Spuren von denen einer Wühlmaus unterscheiden, zeigt Maulwurf oder Wühlmaus?.
Die Werre hinterlässt keine typischen Maulwurfshügel. Ihre oberflächennahen Gänge können als flache Wölbungen oder schmale, leicht angehobene Linien erkennbar sein. Dazu passt ein lokaler Fraß- oder Grabeschaden an Wurzeln, besonders bei jungen Pflanzen. Weil die Spuren unauffällig sind, wird die Ursache oft erst entdeckt, wenn eine Pflanze welkt.
Engerlinge leben ebenfalls im Boden, sehen aber völlig anders aus. Es sind helle, weichhäutige Käferlarven, die meist gekrümmt im Erdreich liegen. Schädliche Arten fressen Graswurzeln; betroffener Rasen vergilbt und lässt sich bei starkem Wurzelverlust leichter anheben. Ausführliche Bestimmungshilfen finden Sie unter Engerlinge im Rasen bekämpfen.
Werre, Maulwurf oder Engerling?
| Spur im Garten | Schaden an Pflanzen | Wann sichtbar | Was zu tun ist |
|---|---|---|---|
| Werre: flache Gangwölbungen, keine typischen Hügel | Wurzeln und Knollen können geschädigt werden; Jungpflanzen welken | Vor allem Mai bis Juni, Ruf abends | Schaden prüfen, Fanggläser nutzen, bei Bedarf Nematoden erwägen |
| Maulwurf: große, deutlich aufgeworfene Erdhügel | Kein Fraß an Pflanzenmaterial; Wühlen kann Wurzeln freilegen | Hügel über längere Zeit möglich | Nicht mit Werre verwechseln; Art und Rechtslage beachten |
| Engerling: Larven unter der Grasnarbe, keine Werre-Gänge | Fraß an Graswurzeln; Rasen vergilbt und lässt sich leichter abheben | Schaden je nach Art und Entwicklungsstadium | Larvenart bestimmen, erst dann passend handeln |
Die Tabelle ersetzt nicht den Blick in den Boden. Heben Sie nur an einer verdächtigen Stelle vorsichtig Erde oder Grasnarbe an. Finden Sie eine Grille mit Schaufelbeinen, ist die Sache klar. Finden Sie eine gekrümmte Larve, bestimmen Sie den Engerling. Sehen Sie lediglich ein weitläufiges Gangsystem mit Hügeln, spricht das nicht für die Werre.
Vorbeugen und ablenken: empfindliche Pflanzen zuerst schützen
Am sinnvollsten ist es, den Schaden an der empfindlichsten Stelle zu verhindern, statt den ganzen Garten gegen ein einzelnes Tier zu behandeln. Jungpflanzen brauchen vor allem in den ersten Wochen Schutz. Ein Kulturschutznetz kann oberirdische Schädlinge fernhalten; gegen seitlich oder von unten kommende Tiere muss es am Rand dicht am Boden anliegen. Ein in die Erde gesetzter Pflanzring bildet zusätzlich eine mechanische Barriere um den jungen Wurzelballen.
Halten Sie die unmittelbaren Beetkanten nicht dauerhaft nass. Das bedeutet nicht, Kulturpflanzen austrocknen zu lassen. Gießen Sie gezielt an den Wurzelbereich, vorzugsweise so, dass breite Randstreifen nicht ständig feucht bleiben. Dauerhaftes flächiges Sprengen schafft mehr attraktiven Grabeboden als eine bedarfsgerechte Bewässerung.
Auch die Lage des Komposts spielt eine Rolle. Ein feuchter Kompost direkt neben frisch gesetztem Gemüse verbindet Rückzugsraum und empfindliche Nahrung auf kurzem Weg. Wo wiederholt Werre-Schäden auftreten, ist etwas Abstand zwischen Kompost und Gemüsebeet sinnvoll. Der Kompost selbst muss deshalb nicht trockengelegt oder geräumt werden.
Beobachten Sie neue Pflanzungen einige Tage lang. Eine einzelne welke Pflanze wird kontrolliert, nicht sofort ersetzt und erneut stark gewässert. Prüfen Sie Wurzel und Boden, glätten Sie sichtbare Gangwölbungen und sehen Sie am nächsten Morgen nach, ob sie wieder angehoben sind. Auf diese Weise finden Sie aktive Laufwege, ohne das gesamte Beet umzugraben.
Fangglas ebenerdig eingraben und Tiere umsiedeln
Die LfL nennt eingegrabene Gläser, Blumentöpfe oder Dosen als einfache Fangmöglichkeit. Das Prinzip ist mechanisch: Maulwurfsgrillen folgen ihren oberflächennahen Gängen, geraten in das ebenerdig eingesetzte Gefäß und können an den glatten, steilen Wänden nicht sofort weiterlaufen. Die Methode eignet sich besonders, wenn Sie einzelne aktive Gänge eingegrenzt haben und die Tiere lebend umsiedeln möchten.
Setzen Sie das Gefäß nicht irgendwo ins Beet, sondern direkt in oder an einen erkennbaren Laufweg. Sein Rand muss mit der Bodenoberfläche abschließen. Steht er höher, läuft die Werre daran vorbei; liegt er deutlich tiefer und bleibt eine breite Mulde, verändert sich der Gang zu stark. Drücken Sie die Erde außen wieder an, ohne den Zugang zu verschließen.
Fangglas richtig eingraben
- Aktiven oberflächennahen Gang an einer flachen Bodenwölbung lokalisieren
- Stabiles Glas, einen glatten Blumentopf oder eine Dose direkt am Laufweg einsetzen
- Gefäßrand exakt ebenerdig ausrichten und Hohlräume außen mit Erde schließen
- Fangstelle gegen Regen, Haustiere und versehentliches Hineintreten absichern
- Gefäß morgens und abends kontrollieren, damit kein Tier lange darin bleibt
- Gefangene Werre an einen entfernten, feuchten Platz außerhalb des Kulturbeetes setzen
Eine Abdeckung mit seitlichem Zugang kann verhindern, dass Regen das Gefäß füllt oder andere Tiere hineinfallen. Kontrollieren Sie es mindestens morgens und abends. Lassen Sie gefangene Tiere weder in der Sonne stehen noch im Gefäß verenden. Für die Umsiedlung wählen Sie einen feuchten, bewachsenen Bereich mit Abstand zum Gemüsebeet; idealerweise bleibt das Tier auf demselben Grundstück oder in dessen unmittelbarer Umgebung, damit Sie keine Organismen unbedacht in fremde Flächen verbringen.
Dokumentieren Sie auch beim Fang Ort und Zeitpunkt. Fängt ein Glas mehrere Nächte nichts und entstehen keine neuen Schäden, versetzen Sie es nicht wahllos durch den Garten, sondern beenden die Maßnahme. Finden sich dagegen neue Wölbungen an einer benachbarten Kulturreihe, setzen Sie das Gefäß an den erkennbaren Laufweg um. Fanggläser sind damit vor allem ein Werkzeug für gezielte Kontrolle, nicht für eine dauerhafte Fallenlinie rund um jedes Beet.
Achten Sie beim Umsiedeln darauf, das Tier möglichst wenig anzufassen. Stellen Sie das Gefäß am neuen Platz schräg auf den Boden und lassen Sie die Werre selbst herauskriechen. Ein schattiger, feuchter Bereich mit lockerer Erde bietet bessere Bedingungen als ein trockener Weg oder eine versiegelte Fläche. So endet die Maßnahme tatsächlich mit einer Umsiedlung und nicht nur mit einer Verlagerung in einen ungeeigneten Lebensraum.
Nematoden gegen Maulwurfsgrillen: wirksam, aber keine Einmal-Lösung
Bei wiederkehrendem, eindeutigem Schaden können Nematoden der Art Steinernema carpocapsae eingesetzt werden. Diese mikroskopisch kleinen Fadenwürmer werden mit Wasser ausgebracht und in den Boden eingeschlämmt. Sie suchen geeignete Wirte im Boden und töten die befallenen Maulwurfsgrillen ab. Das muss offen gesagt werden: Nematoden sind keine Umsiedlungsmethode und keine bloße Vergrämung.
Die Anwendung funktioniert nur, wenn der Boden warm und gleichmäßig feucht ist. Trocknet die behandelte Schicht aus, können sich die Nematoden nicht ausreichend bewegen. Bringen Sie sie deshalb nach den konkreten Herstellerangaben aus, vermeiden Sie starke Sonne während der Anwendung und halten Sie die Fläche anschließend entsprechend feucht. Eine pauschale Dosierung gehört nicht in einen Ratgeber, weil Konzentration, Fläche und Produkt voneinander abhängen.
Wichtig für eine realistische Erwartung: Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft weist darauf hin, dass die Anwendung über zwei bis drei Jahre erforderlich ist. Eine einzige Behandlung beseitigt einen etablierten Bestand also nicht zuverlässig. Wer Nematoden kauft, entscheidet sich für eine wiederholte, saisonabhängige Maßnahme und nicht für einen schnellen Einmal-Effekt.
Begrenzen Sie die Behandlung auf nachweislich betroffene Kulturflächen. Ein flächiger Einsatz im gesamten Garten passt weder zur Gefährdung der Art noch zum Grundsatz, nur bei echtem Schaden einzugreifen. Wenn Sie das Töten vermeiden möchten, bleiben Fanggläser und Umsiedlung die passende Wahl. Diese Abwägung ist keine technische Nebensache, sondern Ihre Entscheidung als Gartenbesitzerin oder Gartenbesitzer.
Chemische Alternativen gibt es für den Haus- und Kleingarten nicht. Die LfL formuliert eindeutig: „Eine chemische Bekämpfung ist nicht möglich.“ Für diesen Zweck sind keine Präparate zugelassen. Zweckentfremden Sie deshalb weder Pflanzenschutzmittel gegen andere Schädlinge noch Mittel, die nur aufgrund vager Werbeversprechen im Internet angeboten werden.
Nestsuche im Juni und Juli – und was nicht funktioniert
Die Fachliteratur beschreibt die Suche nach Nestern im Juni und Juli. Das Nest liegt als glatt ausgekleidete Kammer wenige Zentimeter unter der Oberfläche. In der Praxis ist diese Methode aufwendig: Oberflächennahe Gänge verzweigen sich, nicht jede Verdickung führt zu einer Kammer, und großflächiges Aufgraben kann mehr Pflanzenwurzeln beschädigen als die Werre selbst.
Suchen Sie deshalb nur dort, wo frische Gangwölbungen und konkrete Pflanzenschäden zusammentreffen. Arbeiten Sie vorsichtig von einem aktiven Gang aus und legen Sie kleine Bereiche nacheinander frei. Ein Nestfund kann eine örtlich begrenzte Maßnahme ermöglichen; eine erfolglose Suche rechtfertigt kein wahlloses Umgraben des ganzen Beetes.
Mehrere häufig empfohlene Methoden überzeugen nicht oder verursachen zusätzliche Probleme:
- Öl-Wasser-Gemische: Die LfL erwähnt ein solches Gemisch, um entkommene Tiere für die Erfassung hervorzulocken. Es ist kein Verfahren, mit dem sich ein Bestand im Garten bekämpfen lässt. Öl gehört nicht flächig in den Boden.
- Gänge fluten: Wasser verteilt sich unkontrolliert, kann Wurzeln und Bodenstruktur belasten und treibt ein Tier allenfalls vorübergehend in einen anderen Gang. Ein dauerhafter Effekt ist nicht belegt.
- Ultraschallstäbe: Für eine verlässliche Wirkung gegen die unterirdisch lebende Werre gibt es keinen belastbaren Nachweis. Ein summender Stab ersetzt keine Diagnose des Schadens.
- Karbid und aggressive Hausmittel: Solche Stoffe können Bodenorganismen, Pflanzen und Anwender gefährden. Sie sind keine sachgerechte Gartenmaßnahme.
- Fremde Pflanzenschutzmittel: Ein Mittel gegen einen anderen Schädling darf nicht einfach gegen Maulwurfsgrillen verwendet werden. Für den Haus- und Kleingarten ist kein chemisches Präparat zugelassen.
Das nüchterne Vorgehen ist meist erfolgreicher: aktive Stelle bestimmen, empfindliche Pflanzen mechanisch schützen, ein Fanggefäß setzen und nur bei wiederholtem wirtschaftlichem oder gärtnerischem Schaden über Nematoden nachdenken. Die Werre ist kein Gegner, gegen den der Garten zur Kampfzone werden muss. Sie ist ein heimisches Tier, das an der falschen Stelle durchaus lästig werden kann.
Rechtsstatus: gefährdet, aber nicht besonders geschützt
Im Internet wird häufig behauptet, die Maulwurfsgrille sei „besonders geschützt“ und dürfe grundsätzlich weder gefangen noch getötet werden. Diese pauschale Aussage ist nicht nachweisbar. Die Art ist in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung nicht aufgeführt. Auch die amtliche Darstellung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft nennt keinen besonderen Schutzstatus, sondern beschreibt zulässige Bekämpfungsverfahren.
Nachweisbar ist etwas anderes: Die Europäische Maulwurfsgrille steht auf der Roten Liste Deutschlands in Kategorie 3 („gefährdet“). Ihr langfristiger Bestandstrend ist rückläufig. Die Rote Liste ist eine fachliche Gefährdungsbewertung; sie ist nicht automatisch dasselbe wie der besondere gesetzliche Schutz einer Art. Wer beides gleichsetzt, macht aus einer wichtigen Warnung eine falsche Rechtsauskunft.
Unabhängig davon gilt § 39 Absatz 1 Nummer 1 Bundesnaturschutzgesetz. Danach ist es verboten, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Diese allgemeine Vorschrift gilt für alle wild lebenden Tiere, also auch für Arten ohne besonderen Schutzstatus. Weitere Beispiele zur Unterscheidung zwischen allgemeinem und besonderem Schutz finden Sie im Ratgeber geschützte Tiere im Garten und mögliche Strafen.
Für den Garten folgt daraus eine klare, vernünftige Linie: Ein belegter Fraßschaden an Kultur- oder besonders an Jungpflanzen kann einen Grund für gezielte Abwehrmaßnahmen darstellen. Das flächige Töten im gesamten Garten, nur weil die Maulwurfsgrille ungewohnt oder unheimlich aussieht, ist kein vernünftiger Grund. Setzen Sie einzelne Tiere um, begrenzen Sie Maßnahmen auf Schadstellen und gehen Sie Nester nur dort an, wo tatsächlich Pflanzen ausfallen.
Diese Abstufung ist weder Untätigkeit noch übertriebener Artenschutz. Sie verbindet den Schutz des Beetes mit der belegten Gefährdung der Art: beobachten, Schaden bestätigen, möglichst umsiedeln und erst bei wiederkehrendem Schaden eine abtötende Methode erwägen. Wer so vorgeht, handelt fachlich sauberer als mit der falschen Behauptung eines absoluten Fangverbots – und verantwortungsvoller als mit pauschaler Vernichtung.
Häufige Fragen
Steht die Maulwurfsgrille unter Naturschutz?
Die Maulwurfsgrille ist in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung nicht als besonders geschützte Art aufgeführt. Sie steht jedoch auf der Roten Liste Deutschlands in Kategorie 3 (gefährdet), und ihr langfristiger Bestand ist rückläufig. Zusätzlich gilt § 39 Absatz 1 Nummer 1 BNatSchG für alle wild lebenden Tiere: Ohne vernünftigen Grund dürfen sie nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Ein konkreter Fraßschaden an Kulturpflanzen kann gezielte Abwehr rechtfertigen; bloßes Unbehagen oder das ungewöhnliche Aussehen des Tieres nicht.
Wie erkenne ich eine Werre im Garten?
Die Werre oder Europäische Maulwurfsgrille erkennen Sie an ihren breiten, kräftigen Grabschaufeln an den Vorderbeinen. Sie lebt überwiegend unterirdisch und hinterlässt eher flache Gangwölbungen als Erdhügel. Von Mai bis Juni ist abends außerdem der gleichmäßig schnurrende Ruf der Männchen aus dem Boden zu hören.
Ist die Maulwurfsgrille schädlich oder nützlich?
Beides lässt sich nicht pauschal sagen. Die Maulwurfsgrille nimmt tierische Nahrung im Boden auf, kann durch Wühlen und Fressen aber Wurzeln, Knollen und besonders Jungpflanzen schädigen. Ein einzelnes Tier im Kompost ist kein Bekämpfungsgrund. Entscheidend ist ein konkretes Schadbild an Kulturpflanzen.
Was hilft gegen Maulwurfsgrillen im Beet?
Bei einzelnen Tieren sind ebenerdig eingegrabene Fanggläser mit anschließender Umsiedlung die zurückhaltende Lösung. Schützen Sie Jungpflanzen zusätzlich mit einem eingegrabenen Pflanzring und halten Sie Beetkanten nicht dauerhaft nass. Bei wiederkehrendem, bestätigtem Schaden kommen Nematoden der Art Steinernema carpocapsae infrage; sie töten die Tiere jedoch ab.
Wie lange muss man Nematoden gegen Werre anwenden?
Nach dem Hinweis der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist die Anwendung über zwei bis drei Jahre nötig. Nematoden sind daher keine Einmal-Lösung. Der Boden muss während der Anwendung warm und feucht sein; Dosierung und Ausbringung richten sich nach den Angaben des jeweiligen Produkts.
Darf man Maulwurfsgrillen mit chemischen Mitteln bekämpfen?
Nein. Für den Haus- und Kleingarten sind keine chemischen Präparate gegen Maulwurfsgrillen zugelassen. Die LfL stellt ausdrücklich fest, dass eine chemische Bekämpfung nicht möglich ist. Pflanzenschutzmittel gegen andere Schädlinge dürfen nicht zweckentfremdet werden.
Wie unterscheidet man Werre und Maulwurf?
Ein Maulwurf wirft große, typische Erdhügel auf und frisst kein Pflanzenmaterial. Die Werre erzeugt eher flache, oberflächennahe Gangwölbungen; zu ihr passen außerdem geschädigte Wurzeln oder Knollen. Finden Sie das Tier selbst, machen die schaufelförmigen Vorderbeine der Maulwurfsgrille die Bestimmung eindeutig.
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