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Wohnschutz
Silberfische → 12 Min. Lesezeit

Springschwänze in der Wohnung: erkennen und ohne Gift loswerden

Springschwänze sind harmlos, beißen nicht und zeigen Feuchtigkeit an. Trocknen Sie nasse Stellen ab, statt unnötig Insektenspray einzusetzen.

Von Vyacheslav Levchenko
Winzige weiße Springschwänze auf feuchter dunkler Blumenerde in einem Topf auf der Fensterbank, daneben ein Streichholz als Größenvergleich

Auf feuchter Blumenerde, auf Badfliesen oder am Kellerboden bewegen sich winzige weiße oder graue Tierchen und springen bei Berührung plötzlich weg. Das sind meist Springschwänze, fachlich Collembolen genannt.

Kurz gesagt: Springschwänze sind harmlos und beißen nicht. Sie zeigen zu viel Feuchtigkeit an; trocknet die betroffene Stelle ab, verschwinden auch die Tiere. Insektenspray ist unnötig, weil es die Nässe als Ursache nicht beseitigt.

Inhalt · 10 Abschnitte
Das Wichtigste vorweg

Bekämpfen Sie nicht zuerst das Tier, sondern die Feuchtigkeit. Springschwänze sind harmlose Bodenbewohner. In Wohnräumen weisen sie jedoch auf nasse Erde, feuchte Fugen oder eine verborgene Feuchtequelle hin.

Die kurze Antwort

Springt ein winziges helles Tier bei Annäherung ruckartig weg, spricht das stark für einen Springschwanz. Die Tiere leben von Pflanzenresten, Pilzen, Schimmel und Algen und finden deshalb in feuchten Blumentöpfen, Bädern und Kellern Nahrung.

Lassen Sie die Fundstelle trocknen und beseitigen Sie stehendes Wasser. Tauchen Springschwänze dauerhaft an einer Wand oder in einem Raum ohne Pflanzen auf, suchen Sie nach einer verdeckten Feuchtequelle. Ein Spray beseitigt zwar sichtbare Tiere, aber nicht den Grund für ihr Auftreten.

Springschwänze erkennen

Springschwänze sind flügellose Sechsfüßer. Früher wurden sie den sogenannten Urinsekten zugerechnet; heute gelten sie als eigene Gruppe neben den Insekten. Weltweit sind rund 9.500 Arten beschrieben, in Deutschland 522. Im Boden zersetzen sie organisches Material und tragen zur Humusbildung bei – draußen sind sie Nützlinge.

Je nach Art werden sie 0,2 mm bis 1 cm lang. Die in Wohnungen typischen Tiere, etwa der Blumentopf-Springschwanz Folsomia candida, messen meist nur 1 bis 3 mm. Ihr Körper ist walzenförmig und oft behaart, mit langen Fühlern, sechs Beinen und ohne Flügel. Bodenbewohnende Arten sind meist heller, an der Oberfläche lebende Arten eher dunkler.

Typische Merkmale von Springschwänzen

  1. ✓
    Meist 1 bis 3 mm groß

    Die in Wohnungen typischen Tiere sind winzig und länglich.

  2. ✓
    Weißlich bis schwarz

    Arten im Boden sind oft heller, Arten an der Oberfläche dunkler.

  3. ✓
    Springt bei Störung weg

    Die Sprunggabel unter dem Hinterleib katapultiert das Tier ungerichtet fort.

  4. ✓
    Immer an einer feuchten Stelle

    Typisch sind nasse Blumenerde, Bad, Keller oder eine feuchte Wandzone.

Weißer Springschwanz (Folsomia candida) in starker Vergrößerung – walzenförmig, hell, dicht behaart
Folsomia candida ist ein typischer heller Springschwanz aus feuchter Blumenerde. Foto: Andy Murray · CC BY-SA 2.0 · via Wikimedia Commons Unsicher, welches Tier es ist? Im Bestimmer mit ähnlichen Arten vergleichen →

Das auffälligste Merkmal ist die Sprunggabel, die Furca, unter dem Hinterleib. Sie liegt eingehakt unter Spannung. Bei einer Störung löst sie sich, schlägt gegen den Untergrund und schleudert das Tier ungerichtet ein Vielfaches seiner Körperlänge weit.

Springschwanz, Staublaus oder Trauermückenlarve?

Bewegung, Körperform und Fundort trennen Springschwänze zuverlässig von ähnlich kleinen Tieren. Entscheidend ist nicht allein die Farbe: Besonders helle Arten sehen auf den ersten Blick fast gleich aus.

Winzige Tiere in der Wohnung unterscheiden

Was Sie sehen Wahrscheinlich Was es bedeutet
Weiß oder grau, 1–3 mm, springt bei Berührung weg, feuchte Erde oder Bad Springschwanz Feuchtigkeit senken
Blassgelb, lange Fühler, krabbelt nur, an Tapeten und Büchern Staublaus Krabbelt, springt aber nicht
Glasig weiße Made mit schwarzem Kopf in der Blumenerde, springt nicht, darüber kleine schwarze Fliegen Trauermückenlarve Larve statt Springschwanz
Silbrig, fischförmig, drei Schwanzfäden, flink Junges Silberfischchen Drei Schwanzfäden statt Sprunggabel
Rot, auf Fensterbank oder Hauswand Samtmilbe Rote Milbe statt Springschwanz
Braun, seitlich abgeflacht, springt, beim Haustier, sticht Floh Tierbezug und Stiche abklären

Wo sie auftreten und was sie anzeigen

Springschwänze brauchen Feuchtigkeit und Nahrung. Sie fressen abgestorbenes organisches Material, Pflanzenreste, Pilze, Schimmel und Algen. Ihre Entwicklung ist kurz, ihre Vermehrungsrate hoch; manche Arten vermehren sich ohne Männchen. Sobald eine Stelle feucht genug ist, können deshalb plötzlich sehr viele Tiere sichtbar werden.

Typische Fundorte sind nasse Blumenerde, Bad und Keller. In sonst trockenen Räumen sitzen sie mitunter an verborgenen feuchten Stellen, etwa an Außenwänden hinter Schränken oder in der Dämmung von Wasserrohren. Begünstigend wirken außerdem feuchte Neubauten und Flachdächer mit Kiesbelag, auf dem Algen und Moose wachsen. Auch von einem Komposthaufen oder modernden Blättern in der Dachrinne können Tiere einwandern.

Das Landesgesundheitsamt ordnet ihr Auftreten in Wohnungen sinngemäß stets als Zeichen hoher Feuchtigkeit ein. Der Fund ist daher ein Anlass, die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung und vor allem die konkrete Fundstelle zu prüfen.

Sind Springschwänze gefährlich?

Aus hygienischer Sicht sind Springschwänze völlig harmlos. Sie gehen nicht an Menschen und beißen nicht. Krabbeln viele Tiere über die Haut, kann das jucken; ein Biss steckt nicht dahinter. Ein Massenauftreten bleibt trotzdem lästig.

Auch Zimmerpflanzen werden nur selten geschädigt. Solange abgestorbenes Material, Pilze oder Algen vorhanden sind, nutzen die Tiere diese Nahrung. Erst wenn sie knapp wird, können Springschwänze bei großer Zahl Feinwurzeln oder Keimlinge anfressen. Dauerhaft nasse Erde ist für die Pflanze meist das wichtigere Warnsignal.

Springschwänze in der Blumenerde loswerden

Gießen Sie weniger und lassen Sie die Oberfläche zwischen den Wassergaben abtrocknen. Wasser darf nicht im Untersetzer stehen bleiben. Eine Schicht Sand auf der Erde hält die Oberfläche trockener; bei starkem Befall können Sie die Pflanze in frische Erde umtopfen.

Bei einem Massenbefall nennt das Landesgesundheitsamt ein Tauchbad: Stellen Sie den Topf für einige Stunden bis zum Rand unter Wasser. Die Springschwänze werden aus der Erde getrieben und sammeln sich auf der Wasseroberfläche. Gießen Sie die Tiere mit dem Wasser ab und lassen Sie die Erde anschließend gut abtropfen. Danach bleibt weniger Gießen entscheidend, sonst kehrt das feuchte Milieu zurück.

Ein Pflanzentopf steht bis zum Rand in einem Eimer mit Wasser, auf der Wasseroberfläche treiben viele winzige weiße Springschwänze
Beim Tauchbad werden Springschwänze aus der Blumenerde an die Wasseroberfläche getrieben und anschließend abgegossen.

Springschwänze im Bad und im Keller

Im Bad sollten Sie nach dem Duschen lüften und Wasser von Boden sowie Fugen abziehen. Prüfen Sie Fugen, Silikon und Anschlüsse auf Stellen, die dauerhaft nass bleiben. Wie bei Silberfischen im Bad ist nicht das einzelne Tier das Problem, sondern das feuchte Mikroklima.

Im Keller helfen angepasstes Lüften und bei Bedarf ein Entfeuchter. Ein Hygrometer zeigt, ob die Luftfeuchte tatsächlich sinkt; das bloße Gefühl täuscht in kühlen Räumen leicht. Kontrollieren Sie außerdem Wandanschlüsse, Rohrbereiche und den Boden dort, wo sich die Tiere sammeln.

Wenn sie immer wieder kommen: Feuchteschaden suchen

Kehren Springschwänze trotz trockener Oberflächen zurück, liegt die Quelle möglicherweise tiefer. Prüfen Sie die Außenwand hinter Schränken, gedämmte Wasserrohre und feuchte Bauteile im Neubau. Achten Sie auch auf sichtbaren oder muffig riechenden Schimmel.

In einer Mietwohnung sollten Sie einen wiederkehrenden Fund an Wand oder Boden dokumentieren und dem Vermieter melden. Der Ratgeber zu Schimmel in der Mietwohnung erklärt das Vorgehen bei einem Feuchteschaden.

Mitunter taucht zugleich ein Steinläufer auf. Er frisst Springschwänze. Wer beide Tiere am selben Ort findet, sieht damit eine kleine Nahrungskette – und einen zusätzlichen Hinweis auf eine feuchte Stelle mit ausreichend Beute.

Was nicht hilft

Insektenspray tötet allenfalls die sichtbaren Tiere. Die Feuchtigkeit bleibt, und mit ihr bleiben Nahrung und Lebensraum für die nächste Population. Auch selbst gemischte Hausmittel-Sprays ändern an dieser Ursache nichts.

Gelbtafeln sind ebenfalls nicht für Springschwänze gedacht. Sie fangen fliegende Trauermücken, aber keine Tiere, die über Erde und Fliesen laufen und bei Störung springen. Wer nur Fallen aufstellt, übersieht womöglich eine nasse Fuge, dauerhaft feuchte Blumenerde oder einen baulichen Schaden.

Kein Mittel nötig

Springschwänze sind harmlos und reagieren empfindlich auf Trockenheit. Entfernen Sie stehendes Wasser, trocknen Sie die Fundstelle und suchen Sie bei wiederkehrendem Auftreten nach einer verdeckten Feuchtequelle. Ein Insektenspray löst das Problem nicht.

Häufige Fragen

Was sind Springschwänze?

Springschwänze, fachlich Collembolen, sind flügellose Sechsfüßer. Sie leben von abgestorbenem organischem Material, Pilzen, Schimmel und Algen und sind im Boden an Zersetzung und Humusbildung beteiligt. In der Wohnung zeigen sie eine feuchte Stelle an.

Sind Springschwänze gefährlich?

Nein. Springschwänze sind aus hygienischer Sicht harmlos und gehen nicht an Menschen. Bei einem Massenauftreten sind sie lästig; ihr Krabbeln auf der Haut kann Juckreiz auslösen.

Beißen Springschwänze?

Nein. Springschwänze gehen nicht an Menschen und beißen nicht. Wenn das Krabbeln auf der Haut juckt, ist das keine Bissreaktion. Entfernen Sie die Tiere und suchen Sie nach der feuchten Stelle, an der sie sich vermehren.

Warum habe ich Springschwänze in der Wohnung?

Ihr Auftreten ist ein Zeichen hoher Feuchtigkeit. Häufig stammen sie aus dauerhaft nasser Blumenerde, feuchten Fugen, einem Keller oder einer verborgenen feuchten Stelle hinter Möbeln und an Wasserrohren. Auch Neubaufeuchte kann sie begünstigen.

Wie werde ich Springschwänze in der Blumenerde los?

Gießen Sie weniger, leeren Sie den Untersetzer und lassen Sie die Erdoberfläche zwischen den Wassergaben abtrocknen. Bei einem Massenbefall können Sie den Topf für einige Stunden bis zum Rand unter Wasser setzen, die oben treibenden Tiere abgießen und die Erde danach gut abtropfen lassen.

Was hilft gegen Springschwänze im Bad?

Lüften Sie nach dem Duschen, ziehen Sie Wasser von Boden und Fugen ab und prüfen Sie Silikonfugen sowie Anschlüsse auf anhaltende Nässe. Kommen die Tiere trotz trockener Oberflächen wieder, sollte eine verborgene Feuchtequelle gesucht werden.

Schaden Springschwänze den Zimmerpflanzen?

Meist nicht. Springschwänze verwerten vor allem abgestorbenes organisches Material, Pilze und Algen. Nur wenn ihre übliche Nahrung knapp wird, können sie bei großer Zahl Feinwurzeln oder Keimlinge anfressen.

Weitere Ratgeber

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