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Wohnschutz
Eichenprozessionsspinner → 19 Min. Lesezeit

Eichenprozessionsspinner erkennen: Raupe, Nest, Brennhaare

Eichenprozessionsspinner-Raupen tragen giftige Brennhaare und gefährden Mensch und Tier. So erkennen Sie Raupe, Nest und befallene Eichen rechtzeitig.

Von Vyacheslav Levchenko
Eichenprozessionsspinner-Raupen in Prozessionsformation am Eichenstamm

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist seit etwa 2010 eine der am schnellsten wachsenden gesundheitlichen Bedrohungen in deutschen Parks, Wäldern und Wohngebieten. Nicht der unscheinbare Falter ist gefährlich, sondern seine Raupe: Ab dem dritten Larvenstadium bildet sie mikroskopisch kleine Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopoein. Diese Härchen lösen bei Kontakt mit Haut, Augen oder Atemwegen teils schwere allergische Reaktionen aus – manchmal noch Jahre nach dem ursprünglichen Befall.

Eine vollständige Übersicht über Vorbeugung, Bekämpfung, Symptome und Garten-spezifische Fragen finden Sie auf der Themenseite Eichenprozessionsspinner – Schutz und Bekämpfung. Hier lernen Sie zunächst, wie Sie Raupe, Nest und Brennhaare sicher erkennen – das ist die Grundlage jeder weiteren Schutzmaßnahme.

Inhalt · 11 Abschnitte

Wichtiger Hinweis zur Gesundheitsgefahr

Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners stellen eine ernste Gesundheitsgefahr dar. Sie können schwere Hautreizungen (Raupendermatitis), allergische Reaktionen, Atemnot, Bindehautentzündung und in seltenen Fällen anaphylaktische Schocks auslösen. Nähern Sie sich befallenen Eichen, Raupen oder Nestern niemals ohne Schutzausrüstung. Bei Beschwerden nach Kontakt: Hautstellen mit Wasser spülen, Kleidung wechseln, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Im Notfall: 112. Giftnotruf Deutschland: 030 19240.

Was ist der Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae). Wissenschaftlich heißt er Thaumetopoea processionea. Der Name „Prozessionsspinner” stammt von der charakteristischen Fortbewegung seiner Raupen: Sie laufen in langen, geordneten Reihen – wie in einer Prozession – über Stamm und Äste der Eiche zu ihren Fraßstellen.

Der adulte Falter selbst ist vollkommen harmlos. Er ist unauffällig dunkelbraun gefärbt, hat eine Flügelspannweite von bis zu 35 mm und fliegt im Spätsommer nachts. Die Weibchen legen ihre Eier im oberen Kronenbereich von Eichen ab und tarnen die Gelege mit eigenen grauen Schuppen.

Lebenszyklus – die sechs Larvenstadien:

Die Eier überwintern, voll ausgebildete Räupchen schlüpfen erst im April oder Mai des Folgejahres – synchron zum Blattaustrieb der Eiche. Die Raupe durchläuft anschließend sechs Larvenstadien (L1 bis L6), die sich in Größe, Färbung und – entscheidend – im Vorhandensein der gefährlichen Brennhaare unterscheiden. Erst ab dem dritten Stadium (L3) bildet die Raupe die Nesselhärchen aus – laut Umweltbundesamt ist das Risiko deshalb etwa ab Mai am größten. Ab diesem Zeitpunkt ist sie für den Menschen gefährlich.

Etwa ab Mitte Juni ziehen sich die Raupen in Gespinstnester zurück und verpuppen sich dort ab Ende Juni/Anfang Juli – in den großen, weiß-grauen Nestern, die typischerweise am Stamm oder an Astgabeln sichtbar bleiben. Im Juli bis September schlüpfen die Falter, die Generation beginnt von vorn.

Raupe erkennen – Aussehen je nach Stadium

Die zuverlässige Erkennung der Raupe hängt vom Larvenstadium ab. Junge Raupen (L1, L2) sind klein, unscheinbar und noch ungefährlich – sie werden oft übersehen. Erst die älteren Stadien zeigen das typische Erscheinungsbild: grau-schwarze Färbung, dunkler Rückenstreifen, lange weißliche Haare und gesellige Prozessionsformationen. Vorsicht: Die langen Haare sind laut UBA nicht die Brennhaare – diese sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Eichenprozessionsspinner – Erkennungsmerkmale der sechs Larvenstadien

Stadium Aussehen Verhalten Brennhaare?
L1–L2 (April/Mai) Klein und unscheinbar, leicht zu übersehen Fressen gesellig am austreibenden Eichenlaub Nein – noch keine Brennhaare ausgebildet
L3 (etwa ab Mai) Grau bis schwarz, lange helle Haare werden auffällig Leben in Verbänden, erste Prozessionen Ja – ab jetzt werden Brennhaare gebildet
L4–L5 (Mai/Juni) Grau-schwarz, dunkler Rückenstreifen mit Warzenfeldern Ab etwa Mitte Juni Rückzug in Gespinstnester, nachts auf Nahrungssuche Ja – Zahl der Brennhaare steigt mit jeder Häutung
L6 (Juni/Juli) Bis zu 4 cm lang Verpuppung im Nest ab Ende Juni/Anfang Juli Ja – ältere Raupen tragen Hunderttausende Brennhaare

Drei Merkmale, die zusammen die Diagnose absichern:

  1. Wirtsbaum: Nahezu ausschließlich Eichen – sehen Sie verdächtige Raupen an anderen Laubbaumarten, ist es wahrscheinlich eine andere Art.
  2. Prozessionsverhalten: Ab L3 wandern die Raupen in Gruppen Kopf-an-Schwanz in geordneten Reihen über Stamm und Äste – kein anderes deutsches Insekt zeigt dieses Verhalten so eindrucksvoll.
  3. Gespinstnester: Weißlich-graue, watteartige Nester am Stamm oder in Astgabeln (siehe nächstes Kapitel).
Raupe des Eichenprozessionsspinners in Nahaufnahme – graublauer Körper mit dunklem Rückenstreifen, braunen Warzen und langen weißen Haaren
Die Raupe trägt einen dunklen Rückenstreifen und darauf braune Warzen, aus denen die langen weißen Haare wachsen. Genau diese Warzenfelder tragen die mikroskopisch kleinen Brennhaare – deshalb gilt: nicht anfassen, auch nicht mit Handschuhen. Foto: This image is created by user B. Schoenmakers at Waarneming.nl, a source of nature observations in the Netherlands. · CC BY 3.0 · via Wikimedia Commons

Nest erkennen – Gespinstnester an Stamm und Ästen

Die Gespinstnester sind oft das auffälligste und am längsten sichtbare Erkennungszeichen eines EPS-Befalls. Die Raupen ziehen sich tagsüber und während der Häutungsphasen in ein gemeinsames Nest zurück – ein wattiges, weiß-graues Geflecht aus Seidenfäden, Häutungsresten, Kotpartikeln und unzähligen Brennhaaren.

Typische Merkmale eines EPS-Gespinstnests:

  • Lage: Meist am Stamm (häufig sonnenexponierte Südseite), in Astgabeln oder an dickeren Ästen. Selten in der äußersten Krone, fast nie an dünnen Zweigspitzen.
  • Form: Anfangs faustgroß und unscheinbar, im Sommer auf bis zu fußballgroße, beutelförmige Strukturen anwachsend. Manche Nester sind flach an die Rinde angedrückt, andere stehen kissenartig ab.
  • Farbe: Schmutzig-weiß bis grau-braun, oft mit dunklen Kotkrümeln und Häutungsresten durchsetzt.
  • Geräusch / Bewegung: Wer mit einem Fernglas vorsichtig beobachtet, sieht oft sichtbare Bewegung – Raupen kriechen in und aus dem Nest. Niemals direkt herantreten oder anstoßen.

Die Gespinstnester bleiben oft monatelang am Baum hängen, auch wenn die Falter längst ausgeflogen sind. Diese „Altnester” können weiterhin Reaktionen auslösen, denn die Brennhaare bleiben darin enthalten und werden bei Wind, Regen oder mechanischer Erschütterung freigesetzt.

EPS-Nest sicher identifizieren – fünf Merkmale auf einen Blick

  1. ✓
    Standort am Eichenstamm oder in der Astgabel

    Andere Wirtsbäume sind extrem selten – fast immer Stiel-, Trauben- oder Roteiche

  2. ✓
    Watteartige, schmutzig-weiße Struktur

    Im Laufe des Sommers bis fußballgroß; dichter, kompakter Aufbau

  3. ✓
    Sichtbare dunkle Kotkrümel im Nest

    Kleine schwarz-braune Partikel zwischen den Gespinstfäden – typisch für EPS

  4. ✓
    Häutungshemden mit langen Borsten erkennbar

    Hellbraune, leere Hüllen mit weißlichen Härchen – mehrere pro Nest

  5. ✓
    Prozessionsspuren am Stamm in der Umgebung

    Glänzende Seidenfäden auf der Rinde, oft mit einzelnen verirrten Raupen

Gespinstnest des Eichenprozessionsspinners an einem Eichenstamm – watteartiges weißes Geflecht
Typisches Sommer-Gespinstnest am Stamm einer Stieleiche. Auch wenn keine Raupen mehr sichtbar sind: Die zurückgelassenen Brennhaare können weiter reizen.

Brennhaare – die eigentliche Gefahr

Die Brennhaare sind das, was den Eichenprozessionsspinner überhaupt zum gesundheitlichen Problem macht. Sie sind keine gewöhnlichen Tasthaare, sondern hochspezialisierte Wehrhaare mit einem komplexen biochemischen Wirkmechanismus.

Was sind Brennhaare biologisch?

Brennhaare sind winzige, mit bloßem Auge nicht erkennbare Härchen mit Widerhaken, die leicht abbrechen und sich in Haut und Schleimhaut festsetzen. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, ein Eiweiß, das Entzündungen und bei manchen Menschen allergische Reaktionen auslöst.

Drei Fakten, die die Gefahr einordnen:

  • Ältere Raupen tragen Hunderttausende Brennhaare. Bei einem Massenbefall mit hunderten Raupen pro Baum kommen enorme Mengen zusammen, die der Wind in die Umgebung trägt.
  • Wie lange sie wirken, ist nicht untersucht. Laut Umweltbundesamt stehen Studien dazu aus – sicher ist nur, dass auch ältere Brennhaare aus verlassenen Nestern noch Reaktionen auslösen können. Die Härchen hängen in Nestern, in Bodenstreu, Rinde, Sträuchern und Wäsche. Bei Wind, Regen oder Erschütterung werden sie immer wieder freigesetzt.
  • Sie sind unsichtbar. Mit bloßem Auge nicht erkennbar – Sie spüren erst die Reaktion: Hautjucken, Quaddeln, Brennen, Atemreizung, gerötete Augen.

Symptomatik bei Kontakt (ausführlich im Ratgeber Eichenprozessionsspinner – Hautreaktionen und Symptome):

  • Haut: Stark juckende Quaddeln, Pusteln, Raupendermatitis – oft erst Stunden nach dem Kontakt, kann tagelang anhalten.
  • Atemwege: Reizhusten, Bronchospasmus, bei Vorerkrankungen (Asthma) Atemnot.
  • Augen: Bindehautentzündung, brennender Schmerz, Schwellung der Lider.
  • Allgemein: Laut UBA auch Schwindel oder Fieber; bei Allergikern selten Kreislaufreaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock – Notfall!

Wo Eichenprozessionsspinner in Deutschland vorkommen

Der Eichenprozessionsspinner ist eine wärmeliebende, eigentlich südeuropäische Art. Bis in die 1990er Jahre war er in Deutschland nur regional in Süddeutschland anzutreffen. Seitdem hat er sich deutlich nach Norden und Osten ausgebreitet. Er bevorzugt laut UBA warmtrockene Bedingungen in lichten Eichenwäldern, an Bestandsrändern und an Einzelbäumen; mit wärmeren Frühjahren wird eine weitere Ausweitung erwartet.

Betroffene Bundesländer laut Umweltbundesamt (Stand März 2025): Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Innerhalb dieser Länder ist der Befall ungleich verteilt: Er konzentriert sich auf Regionen mit warmen, trockenen Sommern und vielen frei stehenden Eichen – Alleen, Waldränder, Parks und Einzelbäume in Siedlungen. Wo er aktuell auftritt, wissen die Pflanzenschutzdienste der Länder und die Grünflächenämter; viele Städte veröffentlichen in der Saison Befallskarten oder Warnhinweise.

Tiefe Details zur Lage im eigenen Garten und Maßnahmen rund um Hausbäume erfahren Sie im Ratgeber Eichenprozessionsspinner im Garten.

Verwechslungsgefahr – Goldafter, Schwammspinner und andere Raupen

Nicht jede behaarte Raupe an einer Eiche ist ein Eichenprozessionsspinner. Es gibt mehrere Arten, die ähnlich aussehen können – und einige sind ebenfalls reizend, aber bei Weitem nicht so gefährlich. Die richtige Unterscheidung ist wichtig, damit Sie nicht harmlose Arten unnötig bekämpfen und EPS-Befall nicht übersehen.

Goldafter (Euproctis chrysorrhoea): Ebenfalls behaart und mit reizenden Härchen, aber an Sträuchern und Obstbäumen, nicht ausschließlich an Eichen. Die Raupen sind dunkel mit zwei deutlichen roten Längsstreifen und tragen weiße Seitenpunkte. Sie zeigen kein Prozessionsverhalten, sondern leben einzeln oder in lockeren Gruppen.

Schwammspinner (Lymantria dispar): Größere, graue Raupen mit charakteristischen blauen und roten Warzenpaaren auf dem Rücken. Massenfraß an Eichen möglich, aber ohne Brennhaare wie beim EPS und ohne Prozessionsverhalten. Die Haare können bei empfindlichen Menschen dennoch die Haut reizen.

Ringelspinner (Malacosoma neustria): Auffällige bläuliche und orange Längsstreifen, lebt in Gespinstnestern in Astgabeln – das kann mit EPS-Nestern verwechselt werden. Doch die Streifenzeichnung ist eindeutig und die Behaarung kurz und nicht reizend.

Buchen-Streckfuß (Calliteara pudibunda): Zottelige gelbgrüne Raupe mit auffälligen schwarzen Querstreifen und einem rosa-rotem Haarbüschel am Hinterende. Häufig an Buchen und Eichen, ohne Brennhaare; die Haare können die Haut aber leicht reizen.

Eichenwickler (Tortrix viridana): Hellgrüne, glatte, unbehaarte kleine Raupe – die Hauptursache für blattlose Eichen im Mai. Komplett harmlos, allerdings forstschädlich.

Faustregel: Wenn Sie eine behaarte Raupe in einer geordneten Prozession von vielen Tieren auf einer Eiche sehen – und Sie ein typisches weißlich-graues Gespinstnest finden – ist es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Eichenprozessionsspinner. Im Zweifel: Fotos aus sicherer Distanz an Pflanzenschutzdienst oder Ordnungsamt schicken (zu finden über die Behördensuche des Bundes oder die Behördennummer 115), nicht selbst entfernen.

Jahreszeitliche Aktivität – wann am gefährlichsten?

Die Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner ist nicht ganzjährig gleich. Sie folgt einem klaren saisonalen Muster – das ist eine entscheidende Information für jeden, der in befallenen Regionen Spaziergänge, Gartenarbeit oder Sport im Freien plant.

Risikokalender:

  • April: Schlupf der Räupchen, noch ungefährlich.
  • Mai: Beginn der Brennhaarbildung ab L3. Erste Gesundheitsfälle in Notaufnahmen.
  • Juni: Höchste Gefahr – ältere Raupen mit vielen Brennhaaren, große Prozessionen sichtbar, Nester wachsen zu voller Größe. Hauptsaison für Gesundheitsamt-Warnungen, Sperrungen und kommunale Bekämpfungsaktionen.
  • Juli: Verpuppung, weniger lebende Raupen, aber: Nester voll mit Brennhaaren. Wind verbreitet die Härchen weiträumig. Gefahr bleibt unverändert hoch.
  • August/September: Falterflug. Lebende Raupen meist verschwunden, Nester und Bodenstreu weiter kontaminiert.
  • Oktober bis März: Falter weg, Eier überwintern. Altnester bleiben hängen und gefährlich – besonders bei Stürmen.

Praktisch heißt das: Von Anfang Juni bis Ende Juli ist Hochsaison. In dieser Phase sollten Sie befallene Eichen großräumig meiden, auf Spielplätzen Sperrungen ernst nehmen und im Garten besondere Vorsicht walten lassen.

Eichenprozessionsspinner-Raupen in Prozessionsformation Kopf-an-Schwanz am Stamm
Charakteristische Prozession: Hunderte Raupen wandern Kopf-an-Schwanz über den Eichenstamm zur nächsten Fraßstelle – ein eindeutiges Erkennungsmerkmal.

Was tun bei Sichtung im eigenen Garten?

Wenn Sie auf einer Eiche in Ihrem Garten oder am Grundstücksrand Raupen oder Gespinstnester entdecken, ist die wichtigste Botschaft sehr klar: Nicht selbst entfernen. Das ist keine Aufgabe für Heim- und Hobbygärtner. Die Brennhaare verbreiten sich bei jeder Erschütterung weiträumig und kontaminieren Garten, Kleidung, Boden und Haustiere. Das Umweltbundesamt rät ausdrücklich, Nester auf keinen Fall selbst zu entfernen.

Vorgehen bei EPS-Sichtung im eigenen Garten

  • Abstand halten – einen amtlich festgelegten Mindestabstand gibt es nicht, bei Wind auf der windabgewandten Seite mehr Abstand; Kinder und Haustiere fernhalten
  • Garten- und Spielbereiche vorübergehend sperren oder kennzeichnen
  • Fotos aus sicherer Distanz machen – für Behörde und Schädlingsbekämpfer
  • Wäsche, Spielzeug, Polster und Gartenmöbel aus dem Umfeld entfernen
  • Ordnungsamt oder Pflanzenschutzdienst informieren – manche Kommunen übernehmen die Bekämpfung
  • Fachfirma mit Erfahrung in EPS-Sanierung beauftragen – Absauggerät, Schutzanzug, Atemschutz

Wer ist zuständig? Bei Bäumen auf öffentlichem Grund (Straße, Park, Schulhof) ist die Kommune zuständig. Bei privaten Bäumen sind grundsätzlich Sie als Eigentümer verantwortlich und tragen die Kosten der Fachfirma. Allgemeingültige Preise gibt es nicht: Methode, Zahl der Nester, Baumhöhe und Entsorgung bestimmen den Aufwand – holen Sie Angebote nach Vor-Ort-Termin ein.

Methoden, die Fachfirmen einsetzen:

  • Absaugung mit Industriestaubsauger und HEPA-Filter, Schutzanzug, Vollmaske mit Partikelfilter P3.
  • Thermische Behandlung mit Heißwasser oder Heißschaum; ein ungeschütztes Abflammen der Nester oder das Fällen des Baums empfiehlt das UBA nicht.
  • Biologische Spritzung mit Bacillus thuringiensis var. kurstaki in den frühen Larvenstadien (L1/L2) – nur effektiv im April/Mai vor Brennhaarbildung. Details zum chemischen und biologischen Wirkprinzip im Ratgeber Eichenprozessionsspinner bekämpfen.

Gefahr für Haustiere – Hund, Katze, Pferd

Haustiere sind durch ihr Verhalten besonders gefährdet: Hunde schnüffeln am Boden, Katzen klettern an Eichen, Pferde grasen unter befallenen Bäumen auf Koppeln. Die Brennhaare gelangen über Nase, Maul, Pfoten und Fell in Kontakt mit Schleimhäuten; laut UBA können Tiere sie außerdem im Fell verschleppen.

Typische Symptome bei Hunden:

  • Speicheln, Aufstoßen, Schwellung der Zunge
  • Atemnot, Husten, Hecheln
  • Gerötete Augen, Lichtempfindlichkeit
  • In schweren Fällen: Nekrosen an Zunge und Maul, Schockreaktion

Bei Verdacht: sofort Tierarzt. Maul mit Wasser ausspülen (vorsichtig, nicht aspirieren lassen), Pfoten und Fell mit Wasser abspülen, Tier ruhig halten. Auch Pferde auf Koppeln unter befallenen Eichen können mit Haut-, Schleimhaut- und Atemwegsreizungen reagieren – auch hier sofort Tierarzt rufen.

Vorbeugung: In befallenen Regionen Hunde an der Leine führen, befallene Eichen meiden, Pferde aus betroffenen Koppeln nehmen, Wassertröge abdecken (Wind weht Brennhaare hinein).

Wann sich der Fachbetrieb rechnet

Zur sicheren Entfernung gehört Absauggerät und Schutzausrüstung. Auch ältere Brennhaare reizen noch und verteilen sich beim falschen Vorgehen erst recht – deshalb rät das Umweltbundesamt ausdrücklich von der Eigenentfernung ab.

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Meldepflicht und kommunale Maßnahmen

Eine bundesweit einheitliche Meldepflicht für den Eichenprozessionsspinner gibt es nicht. Viele Kommunen bitten aber um Meldung von Befall, damit sie öffentliche Bäume behandeln und Warnhinweise aufstellen können. Ob es bei Ihnen eine Online-Meldestelle gibt, erfahren Sie beim Ordnungs- oder Grünflächenamt – zu finden über die Behördensuche des Bundes oder die Behördennummer 115.

Wo Sie Sichtungen melden können:

  • Kommunales Ordnungsamt oder Grünflächenamt: Erste Anlaufstelle in Städten und Gemeinden – kümmert sich um öffentliche Bäume.
  • Pflanzenschutzdienst des Bundeslands: Erfasst die Verbreitung systematisch, koordiniert in einigen Ländern Bekämpfungsaktionen.
  • Forstamt: Zuständig für Waldgebiete.
  • Gesundheitsamt: Bei akuten Gesundheitsfällen oder Schulhof- und Kindergarten-Befall.

Kommunale Maßnahmen umfassen meist eine Mischung aus:

  • Monitoring und Kartierung befallener Bäume; für den Wald gibt es zudem das Frühwarnsystem PHENTHAUproc, auf das auch das UBA verweist.
  • Frühzeitige biologische Bekämpfung im April/Mai an Risikobäumen (Schulen, Kitas, Spielplätze, Parks).
  • Mechanische Nestentfernung durch beauftragte Fachfirmen in der Hochsaison.
  • Information und Warnschilder in Erholungsgebieten und Wohnsiedlungen.

Da die Anforderungen je nach Bundesland und Kommune unterschiedlich sind, lohnt sich vor der ersten EPS-Saison immer ein kurzer Anruf bei der Kommune – so wissen Sie, an wen Sie sich im Ernstfall wenden müssen.

Häufige Fragen

Wie erkennt man den Eichenprozessionsspinner zuverlässig?

Drei Merkmale zusammen sichern die Diagnose: erstens der Wirtsbaum – fast ausschließlich Eichen; zweitens das Prozessionsverhalten – Raupen wandern Kopf-an-Schwanz in geordneten Reihen über Stamm und Äste; drittens das typische weißlich-graue Gespinstnest am Stamm oder in der Astgabel. Ältere Raupen sind grau-schwarz mit langen hellen Haaren und werden bis zu 4 cm lang; die eigentlichen Brennhaare sind mit bloßem Auge nicht zu sehen.

Wann sind Eichenprozessionsspinner am gefährlichsten?

Die Hauptgefahr besteht von Anfang Juni bis Ende Juli. Die Brennhaare entstehen ab dem dritten Larvenstadium, laut Umweltbundesamt ist das Risiko etwa ab Mai am größten; ältere Raupen tragen Hunderttausende Brennhaare. Auch nach der Verpuppung ab Ende Juni bleiben die Nester voller Brennhaare und stellen weiter eine Gefahr dar.

Wie lange bleiben die Brennhaare gefährlich?

Das ist nicht untersucht – laut Umweltbundesamt stehen Studien dazu aus. Sicher ist, dass auch ältere Brennhaare aus verlassenen Nestern noch Reaktionen auslösen können. Sie haften an Rinde, Bodenstreu, Kleidung, Polstermöbeln und Wäsche und werden bei Wind, Regen oder mechanischer Erschütterung immer wieder freigesetzt. Auch alte, leere Gespinstnester sind weiterhin gefährlich.

In welchen Bundesländern ist der Eichenprozessionsspinner am stärksten verbreitet?

Laut Umweltbundesamt sind derzeit Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt betroffen (Stand März 2025). Mit wärmeren Frühjahren wird eine weitere Ausweitung erwartet. Innerhalb der Länder konzentriert sich der Befall auf warme, trockene Lagen mit frei stehenden Eichen.

Darf ich Eichenprozessionsspinner-Nester selbst entfernen?

Nein – das Umweltbundesamt rät ausdrücklich davon ab, Nester selbst zu entfernen; die Selbstentfernung ist sehr riskant. Die Brennhaare verbreiten sich bei jeder Erschütterung weiträumig und kontaminieren Garten, Kleidung und Atemluft. Beauftragen Sie eine Fachfirma mit Industriestaubsauger, Schutzanzug und P3-Atemschutz. Bei Bäumen auf öffentlichem Grund ist die Kommune zuständig.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische oder pflanzenschutzfachliche Beratung. Bei Verdacht auf Kontakt mit Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners suchen Sie ärztliche Hilfe auf, bei akuten Atemnot- oder Schocksymptomen wählen Sie den Notruf 112. Die Bekämpfung von Befall im eigenen Garten sollte ausschließlich durch sachkundige Fachfirmen erfolgen.

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