Kellerasseln bekämpfen: Ursachen, Hausmittel und dauerhafte Abwehr
Kellerasseln im Haus oder Keller loswerden – Ursachen, wirksame Hausmittel, Abdichtung und langfristige Vorbeugung gegen Asseln.
Kellerasseln im Badezimmer sind ein Feuchtigkeitssignal. So finden Sie Eintrittsstellen, dichten Silikonfugen ab und beugen Schimmel mit vor.
Kellerasseln selbst sind für Menschen ungefährlich – sie übertragen keine Krankheiten. Anhaltende Feuchteprobleme im Bad können jedoch zu Schimmelbildung führen. Schwarzer Schimmel (Stachybotrys chartarum) und Aspergillus-Arten lösen bei Risikogruppen (Säuglinge, Schwangere, Asthmatiker, Immunsupprimierte) Atemwegsreizungen und allergische Reaktionen aus. Bei sichtbarem Schimmel über 0,5 m² oder bei Atembeschwerden in Verbindung mit Bad-Aufenthalt suchen Sie ärztlichen Rat und kontaktieren einen Sanierungsfachbetrieb.
Wenn Sie nach dem Duschen oder beim morgendlichen Lichteinschalten kleine graue, gepanzerte Tiere auf Bodenfliesen, hinter der Toilette oder rund um den Wäschekorb entdecken, handelt es sich fast immer um Kellerasseln (Porcellio scaber oder Oniscus asellus). Im Bad sind sie kein Zufall – das Bad ist nach dem Keller der zweithäufigste Fundort in deutschen Wohnungen. Der Grund: Kellerasseln sind Krebstiere und atmen über kiemenartige Strukturen, die ständige Feuchtigkeit brauchen. Was sie wirklich anzieht, was Sie heute Abend tun können und wann der Vermieter ins Spiel kommt – das klären die folgenden Abschnitte.
Kellerasseln sind biologisch gesehen Landkrebse aus der Ordnung Isopoda. Sie sterben innerhalb weniger Stunden, wenn die Umgebungsfeuchte unter etwa 50 Prozent fällt. Genau deshalb meiden sie trockene Wohnräume und wandern dorthin, wo es konstant feucht bleibt: in Bäder mit unzureichender Lüftung, hinter Badewannenschürzen, unter losen Bodenfliesen und in den Hohlräumen rund um Abflussrohre.
In einem typischen Badezimmer steigt die Luftfeuchtigkeit beim Duschen kurzzeitig auf 80 bis 95 Prozent. Wird danach nicht ausreichend stoßgelüftet, kondensiert die Feuchte an kühlen Wandflächen, in Silikonfugen und im Bereich zwischen Wanne und Wand. Genau dort entstehen mikroklimatische Inseln mit dauerhaft hoher Feuchte – das perfekte Habitat für Kellerasseln und gleichzeitig der Nährboden für Schimmelpilze.
Drei klassische Risiko-Konstellationen begünstigen Befall im Bad:
Wenn eine oder mehrere dieser Bedingungen vorliegen und Sie regelmäßig Kellerasseln entdecken, behandeln Sie nicht das Tier, sondern die Ursache: die zu hohe Feuchte und die offenen Eintrittspforten.
Kellerasseln sind nachtaktiv und lichtscheu. Tagsüber verstecken sie sich in dunklen, feuchten Hohlräumen und kommen erst bei Dämmerung heraus. Wenn Sie wissen wollen, wie viele Tiere tatsächlich im Bad leben, kontrollieren Sie nachts zwischen 22 und 24 Uhr mit einer Taschenlampe.
Wenn Sie unter der Badewannenschürze beim ersten Abnehmen mehr als zehn Tiere finden, liegt ein etablierter Befall vor – der Hohlraum unter der Wanne ist dauerfeucht und wahrscheinlich auch schimmelbelastet. Ein einzelnes Tier auf der Bodenfliese ist dagegen meist ein verirrtes Exemplar aus dem Treppenhaus oder vom Balkon.
Kellerasseln drücken sich durch Spalten ab etwa 2 Millimetern. Die häufigsten Eintrittspforten ins Bad sind selten offensichtlich – sie liegen in baulichen Details, die im Alltag niemand inspiziert.
Silikonfugen mit Mikrorissen. Sanitärsilikon altert. Nach fünf bis acht Jahren bilden sich an stark beanspruchten Übergängen (Wanne-Wand, Dusche-Boden, Waschtisch-Wand) feine Risse, die für Asseln passierbar werden. Prüfen Sie die Fuge mit der Fingerkuppe: Fühlt sie sich brüchig, krümelig oder löst sich vom Untergrund, ist eine Erneuerung fällig.
Bodenablauf und Geruchsverschluss. Defekte oder ausgetrocknete Siphons (vor allem in selten benutzten Gäste-Bädern) sind direkte Autobahnen aus dem Hausabwassersystem ins Bad. Stehen Sie regelmäßig vor einem Bad, das mehrere Wochen leer stand und plötzlich Kellerasseln zeigt – prüfen Sie alle Bodenabläufe auf Wasser-Sperre.
Rohrdurchführungen hinter Vorwandinstallation. Bei der Wand-WC-Konstruktion verlaufen Frischwasser- und Abwasserrohre in einem Hohlraum hinter Gipskartonplatten. Die Manschettendichtungen rund um die Rohrdurchführungen sind häufig undicht – ein direkter Weg vom Estrich ins Bad.
Lüftungsschacht in innenliegenden Bädern. Wenn der mechanische Abluftventilator defekt ist oder nur sporadisch läuft, dreht sich der Luftstrom um: Statt Bad-Luft nach außen abzuführen, strömen Hausluft und Kleintiere aus dem Schacht in den Raum.
Übergang Wandfliesen zu Sockelleiste. Besonders in Altbauten, in denen Holz-Sockelleisten auf Fliesen montiert wurden, klafft hinter der Leiste oft ein 3–5 mm breiter Spalt – Kellerasseln nutzen ihn als Versteck und Wanderweg.
Markieren Sie alle gefundenen Eintrittspforten mit Klebepunkten – Sie brauchen die Übersicht später bei der systematischen Abdichtung.
Bevor Sie an grundlegende Sanierungen denken, reduzieren diese Maßnahmen den Befall innerhalb einer Woche spürbar:
Diese Sofortmaßnahmen senken den Befall innerhalb von 7–10 Tagen um etwa 60–80 Prozent. Sie ersetzen jedoch nicht die nachhaltige Abdichtung.
Nicht jede Abdichtung passt überall. Die Wahl hängt von der Stelle, der Bewegung und der Wasserbelastung ab. Diese Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede.
Sanitärsilikon (essigvernetzend)
Sanitärsilikon (neutralvernetzend)
Acryl-Dichtstoff
Dichtschlämme (mineralisch)
Flüssigfolie / Reaktivabdichtung
Praxis-Tipp: Für die Erneuerung der Silikonfuge zwischen Badewanne und Wand wählen Sie neutralvernetzendes Sanitärsilikon mit Schimmelschutz (Fungizid-Zusatz). Essigvernetzendes Silikon ist günstiger, kann aber Kalk-Naturstein und vereinzelt Aluminium-Profile angreifen. Bei modernen Badewannen mit Acrylwannen funktionieren beide Varianten.
Alte Silikonfugen müssen vor der Neuabdichtung restlos entfernt werden – mit Cuttermesser ausschneiden, mit Silikon-Entferner-Gel die Rückstände lösen, mit Spiritus entfetten und 24 Stunden trocknen lassen. Wer Silikonreste in der neuen Fuge belässt, verkürzt die Haltbarkeit auf 2–3 Jahre.
Kellerasseln zeigen nicht direkt Schimmel an – sie signalisieren überdurchschnittliche Feuchte, die Schimmel begünstigt. Wenn Sie Kellerasseln im Bad finden, prüfen Sie systematisch folgende Hochrisiko-Stellen:
Findet sich bereits sichtbarer Schimmel, ist der Kellerassel-Befall ein Nebeneffekt. Behandeln Sie zuerst den Schimmel – fachgerechte Anleitung und Mittelvergleich finden Sie in unserem Bad-spezifischen Schimmel-Ratgeber. Erst nach Schimmelbeseitigung und Trocknung der Bausubstanz verschwinden auch die Asseln dauerhaft.
Bei Schimmelflächen über 0,5 Quadratmeter empfiehlt das Umweltbundesamt eine Fachfirma einzuschalten. Die Eigenbeseitigung ist nur für oberflächliche, kleine Stellen unter 0,5 m² geeignet.
Ein wiederkehrender Kellerassel-Befall im Bad ist juristisch betrachtet kein Mangel an sich – aber das zugrundeliegende Feuchteproblem ist es. Das Mietrecht behandelt drei Ursachen-Konstellationen unterschiedlich:
1. Bauseitige Mängel (Vermieter haftet vollständig). Aufsteigende Feuchte aus dem Erdreich, undichte Wasserrohre, fehlerhafte Bauwerksabdichtung, defekte Lüftungsanlage in innenliegenden Bädern, Brückenkälte an Außenwänden. Hier hat der Vermieter nach §535 BGB die Pflicht, den vertragsgemäßen Zustand wiederherzustellen.
2. Gemischte Verantwortung. Alte, aber noch funktionsfähige Silikonfugen kombiniert mit unzureichendem Lüftungsverhalten. In der Praxis trägt der Vermieter die Erneuerung der Silikonfugen (über 5 Jahre alt = Verschleiß), der Mieter die korrekte Lüftung.
3. Nutzerverhalten (Mieter haftet). Stundenlanges Duschen bei geschlossenem Fenster ohne Lüftung danach, Trocknen großer Wäschemengen im Bad, dauerhaft offener Wäschekorb mit feuchten Handtüchern.
Vorgehen bei Vermieter-Verdacht: Dokumentieren Sie mit Fotos (mit Datum) den Befall, die betroffenen Stellen und parallel die Hygrometer-Werte über mindestens zwei Wochen. Führen Sie ein einfaches Lüftungsprotokoll (Datum, Uhrzeit, Lüftungsdauer). Senden Sie dem Vermieter eine schriftliche Mängelanzeige per Einschreiben mit Fristsetzung von 14 Tagen zur Stellungnahme.
Bei berechtigter Mängelanzeige besteht nach §536 BGB ein Anspruch auf Mietminderung. Die Höhe richtet sich nach Schweregrad und Bad-Nutzbarkeit – in der Rechtsprechung bewegen sich Minderungen bei Schimmel und wiederkehrendem Schädlingsbefall im Bad zwischen 5 und 20 Prozent. Eine pauschale Empfehlung ist nicht möglich, im Streitfall ist Beratung durch einen Mieterverein sinnvoll.
Eine erfolgreiche Sanierung scheitert oft am Alltag: Nach drei Monaten ohne sichtbare Asseln lässt die Disziplin nach, das Lüftungsfenster bleibt zu, der Befall kehrt zurück. Diese vier Routinen verhindern das:
1. Lüftungsplan an den Spiegel. Eine kleine Notiz mit «5 Min nach jedem Duschen, 10 Min morgens und abends» reicht aus, um die Routine zu etablieren. Nach 6–8 Wochen läuft die Lüftung automatisch.
2. Hygrometer dauerhaft sichtbar. Ein digitales Hygrometer mit Min-Max-Funktion zeigt nicht nur die aktuelle Feuchte, sondern auch das nächtliche Maximum. Springt der Wert über 65 Prozent, ist das ein Warnsignal – nicht das Auftauchen einer Assel.
3. Bademattenstapel reduzieren und durchtrocknen lassen. Bademattenstapel halten unter sich dauerhaft Feuchte. Verwenden Sie eine einzige Badematte und hängen Sie sie nach dem Duschen über den Wannenrand zum Trocknen.
4. Halbjahres-Inspektion Silikon und Abdichtung. Zweimal im Jahr (Frühjahr und Herbst) prüfen Sie alle Silikonfugen mit der Fingerkuppe und kontrollieren Sie die Bodenabläufe auf Geruch und Wasserstand. Diese 10 Minuten ersetzen teure Sanierungen.
Bei Mietwohnungen mit innenliegendem Bad ohne funktionierende Lüftung führt kein Disziplinkonzept langfristig zum Ziel – hier muss der Vermieter aktiv werden. Ohne mechanische Abluftanlage ist ein dauerhafter Feuchteabbau in einem innenliegenden Bad nicht erreichbar.
Wenn Sie das Bad saniert haben, die Feuchte stabil unter 55 Prozent liegt und nach drei Monaten weiterhin Asseln auftauchen, prüfen Sie angrenzende Räume: Aus dem feuchten Keller oder einer angrenzenden ungenutzten Abstellkammer können die Tiere durch die Wand- und Deckenkonstruktion ins Bad wandern. In diesem Fall ist die Lösung nicht im Bad – sondern im Nachbarraum. Eine grundlegende Analyse aller Feuchtigkeitsquellen im Haushalt finden Sie in unserem Ratgeber zur Luftfeuchtigkeit in der Wohnung und in der allgemeinen Kellerasseln-Bekämpfungsanleitung.
Atembeschwerden, Husten ohne Erkältungs-Symptome, brennende Augen oder Hautausschläge nach Bad-Aufenthalten können auf Schimmelbelastung hindeuten. Konsultieren Sie eine Hausärztin oder Allergologin. Eine Selbstdiagnose anhand der Kellerassel-Sichtung ist nicht möglich – Asseln sind ein Indikator für Feuchte, nicht für gesundheitliche Belastung.
Nein. Kellerasseln beißen und stechen nicht, übertragen keine Krankheiten und sind keine Hygieneschädlinge im klassischen Sinn. Gesundheitlich relevant ist jedoch die zugrundeliegende Feuchte: Wo Kellerasseln dauerhaft überleben, kann sich Schimmel bilden – und Schimmelsporen sind die eigentliche Belastung für Atemwege und Allergiker.
Frische Silikonfugen, neue Estriche und Spachtelmassen geben über mehrere Wochen Restfeuchte ab. In der Trocknungsphase ist die Raumfeuchte erhöht, und Kellerasseln wandern aus angrenzenden Räumen oder vom Estrich-Untergrund ein. Nach abgeschlossener Trocknung (4–8 Wochen) und mit aktivem Lüften verschwinden sie meist von selbst.
Konsequentes Lüften nach jedem Duschen senkt die Raumfeuchte auf das Zielniveau unter 55 Prozent – das entzieht den Tieren ihre Lebensgrundlage. Wenn jedoch Eintrittspforten offen bleiben (defekte Silikonfugen, undichte Rohrdurchführungen, leere Siphons), wandern immer wieder neue Tiere ein. Lüften plus systematische Abdichtung ist die langfristige Lösung.
Sobald Sie regelmäßiges Auftreten über mehr als vier Wochen dokumentiert haben, sich sichtbarer Schimmel zeigt oder die Silikonfugen erkennbar gealtert sind (über 5 Jahre, brüchig, mit Rissen). Senden Sie eine schriftliche Mängelanzeige per Einschreiben mit Fotos, Datum und einer Frist von 14 Tagen zur Stellungnahme. Bei Bauwerksmängeln ist der Vermieter zur Behebung verpflichtet.
Hochwertiges neutralvernetzendes Sanitärsilikon mit integriertem Fungizid-Schutz hält bei sachgerechter Verarbeitung 10–12 Jahre. Entscheidend ist die Vorbereitung: alte Silikonreste vollständig entfernen, Untergrund entfetten, 24 Stunden trocknen, dann sauber abkleben und mit Glättkelle abziehen. Schlechte Vorbereitung halbiert die Haltbarkeit unabhängig von der Silikon-Qualität.
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