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Asiatische Hornisse → 20 Min. Lesezeit

Asiatische Hornisse Deutschland: Karte & Stand 2026

Wie sich die Asiatische Hornisse in Deutschland ausbreitet: Zeitleiste seit 2014, betroffene Bundesländer und was Sie zur Eindämmung beitragen können.

Von Vyacheslav Levchenko
Karte der Verbreitung der Asiatischen Hornisse 2026: etabliert in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und NRW, Ausbreitungsfront in Niedersachsen und Bayern

Etabliert ist die Asiatische Hornisse in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Hessen und Nordrhein-Westfalen – zusammen rund ein Drittel des Bundesgebiets. Niedersachsen und Bayern liegen an der Ausbreitungsfront, der Osten Deutschlands ist bislang weitgehend frei. Seit dem Erstnachweis 2014 rückt die Art etwa 80 Kilometer pro Jahr nach Norden und Osten vor (NABU, 2026).

Die Asiatische Hornisse ist eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, wie schnell sich eine eingeschleppte Art in Europa ausbreiten kann. Innerhalb von rund zwei Jahrzehnten hat Vespa velutina von einem einzigen Eintrittspunkt in Südfrankreich aus große Teile Westeuropas besiedelt – und ist längst auch in Deutschland angekommen. Dieser Ratgeber zeichnet die Ausbreitung nach, zeigt die betroffenen Regionen und erklärt, warum die Art so erfolgreich ist.

Das Tempo dieser Ausbreitung ist bemerkenswert: Während viele eingeschleppte Insekten Jahrzehnte brauchen, um überhaupt Fuß zu fassen, hat die Asiatische Hornisse in derselben Zeit einen ganzen Kontinent erobert. Für Sie als Hausbesitzer, Gartenbesitzer oder Imker bedeutet das, dass die Art auch abseits der bekannten Schwerpunkte immer wahrscheinlicher wird – und dass ein wachsamer Blick und die richtige Einordnung eines Funds immer wichtiger werden.

Den Gesamtüberblick zum Thema finden Sie auf der Seite Asiatische Hornisse – erkennen, melden, schützen.

Inhalt · 8 Abschnitte

Hinweis

Verbreitungsangaben sind dynamisch und ändern sich von Saison zu Saison. Die hier genannten Regionen geben den allgemeinen Stand wieder, ersetzen aber keine tagesaktuelle Karte. Aktuelle Verbreitungsdaten führen die Naturschutzbehörden und Meldeportale der Länder. Nähern Sie sich keinem Nest und melden Sie Funde, statt selbst einzugreifen.

Herkunft und Einschleppung nach Europa

Die Asiatische Hornisse stammt aus Südostasien, wo sie in einem großen Verbreitungsgebiet von Nordindien über China bis nach Indonesien heimisch ist. In ihrer Ursprungsregion ist sie eine von vielen konkurrierenden Hornissen- und Wespenarten und steht dort unter dem natürlichen Druck von Fressfeinden, Parasiten und Krankheiten, die ihre Bestände regulieren. Genau dieser regulierende Rahmen fehlt ihr in Europa.

Nach Europa gelangte sie aller Wahrscheinlichkeit nach um das Jahr 2004 mit Warenimporten – nach gängiger Annahme mit einer Lieferung Töpferwaren aus China – in den Südwesten Frankreichs, in den Raum um Bordeaux (Region Aquitanien). Vermutlich überwinterte dabei eine einzige begattete Jungkönigin unbemerkt in der Fracht und gründete im folgenden Frühjahr ein erstes Volk. Von diesem einzigen Eintrittspunkt aus begann eine der schnellsten dokumentierten Ausbreitungen einer invasiven Insektenart in Europa – zunächst innerhalb Frankreichs, später über die Grenzen in die Nachbarländer.

Die in Europa auftretende Unterart Vespa velutina nigrithorax ist besonders anpassungsfähig und kommt mit dem gemäßigten mitteleuropäischen Klima überraschend gut zurecht. Sie besiedelt sowohl ländliche Räume als auch Städte und Vorstädte, wo sie in Gärten, Parks und an Gebäuden geeignete Bedingungen findet. Diese Flexibilität unterscheidet sie von vielen anderen eingeschleppten Arten, die sich unter europäischen Bedingungen nicht dauerhaft etablieren können und nach einzelnen Funden wieder verschwinden.

Bemerkenswert ist, dass die gesamte europäische Population vermutlich auf sehr wenige Gründertiere – nach verbreiteter Annahme sogar auf eine einzige Königin – zurückgeht. Genetisch ist die Art hier also erstaunlich einheitlich. Dass ein derart schmaler Ausgangsbestand einen ganzen Kontinent besiedeln konnte, unterstreicht, wie durchsetzungsstark Vespa velutina unter den hiesigen Bedingungen ist. Für Sie in der Praxis heißt das vor allem eines: Es genügt bereits eine einzelne verschleppte Königin, damit an einem völlig neuen Ort ein Vorkommen entstehen kann.

Asiatische Hornisse (Vespa velutina) – orangefarbenes Gesicht, schwarzer Brustkorb und auffällig gelbe Beinenden
Eine einzige überwinternde Jungkönigin kann im Frühjahr ein komplett neues Volk gründen – der Schlüssel zur schnellen Ausbreitung. Erkennbar ist die Art am orangefarbenen Gesicht, am samtig schwarzen Brustkorb und an den gelben Beinenden; die heimische Hornisse hat dagegen einen rotbraunen Vorderkörper und ein durchgehend gelb-schwarz gebändertes Hinterteil. Foto: Danel Solabarrieta · CC BY-SA 2.0 · via Wikimedia Commons

Zeitleiste der Ausbreitung

Die wichtigsten Stationen der Ausbreitung in Europa und Deutschland im Überblick:

Ausbreitung von Vespa velutina

  1. 1
    2004 – Ankunft in Europa

    Erster Nachweis im Südwesten Frankreichs, vermutlich über Warenimport

  2. 2
    2004–2012 – Frankreich und Nachbarländer

    Rasche Besiedlung Frankreichs, Ausbreitung nach Spanien, Belgien und Portugal

  3. 3
    2014 – Erster Nachweis in Deutschland

    Fund in Baden-Württemberg nahe der französischen Grenze

  4. 4
    2015–2020 – Etablierung im Südwesten

    Ausbreitung entlang des Rheins, feste Populationen in mehreren Landkreisen

  5. 5
    ab 2021 – Beschleunigte Ausbreitung

    Zunehmende Funde nach Norden und Osten, mildere Winter begünstigen die Art

Vespa velutina in Deutschland: Verbreitungsstand 2026

Baden-Württemberg: stark verbreitet Bayern: Ausbreitungsfront Berlin: Einzelfunde Brandenburg: keine Fälle gemeldet Bremen: Einzelfunde Hamburg: Einzelfunde Hessen: stark verbreitet Mecklenburg-Vorpommern: keine Fälle gemeldet Niedersachsen: Ausbreitungsfront Nordrhein-Westfalen: stark verbreitet Rheinland-Pfalz: stark verbreitet Saarland: stark verbreitet Sachsen-Anhalt: keine Fälle gemeldet Sachsen: keine Fälle gemeldet Schleswig-Holstein: keine Fälle gemeldet Thüringen: keine Fälle gemeldet BW BY HE NI NW RP SL
  • etabliert
  • Ausbreitungsfront
  • Einzelfunde
  • keine Fälle gemeldet
Baden-Württemberg
stark verbreitet — Ausgangsregion; 2025 rund 3.300 gemeldete Nester
Rheinland-Pfalz
stark verbreitet — entlang von Rhein und Mosel
Saarland
stark verbreitet — an der französischen Grenze
Hessen
stark verbreitet — Schwerpunkt Südhessen und Rhein-Main
Nordrhein-Westfalen
stark verbreitet — weite Teile, vor allem das Rheinland
Niedersachsen
Ausbreitungsfront — erste Funde 2023 (Diepholz, Northeim, Grafschaft Bentheim), seit März 2025 im Management-Regime
Bayern
Ausbreitungsfront — 2022 erster Fund, 2025 bereits 33 entfernte Nester
Hamburg
Einzelfunde — weitere Ausbreitung bisher verhindert
Bremen
Einzelfunde — weitere Ausbreitung bisher verhindert
Berlin
Einzelfunde — weitere Ausbreitung bisher verhindert
Die Front verschiebt sich jede Saison. Entscheidend ist nicht, ob Ihr Bundesland rot ist, sondern ob in Ihrem Landkreis bereits Nester gemeldet wurden — das zeigen die Meldeportale der Länder tagesaktuell. Datengrundlage: NABU (Stand 2026), Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, LWG Bayern, NLWKN Niedersachsen. Kartografische Auswertung: wohnschutz.com Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG (VG2500), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0

In Frankreich verlief die Ausbreitung nach 2004 zunächst rasant: Binnen weniger Jahre war die Art über weite Landesteile verteilt, und schon Ende der 2000er-Jahre erreichten die ersten Tiere die angrenzenden Länder. Von Frankreich aus rückte Vespa velutina nach Spanien, Portugal, Belgien, in die Niederlande und schließlich nach Deutschland vor. Diese Wanderung folgte weniger einer geraden Linie als vielmehr den günstigen Landschaften: Flusstäler, milde Weinbauregionen und dicht besiedelte Kulturlandschaften mit einem reichen Insektenangebot boten ideale Bedingungen.

Der erste bestätigte Nachweis in Deutschland gelang 2014 in Baden-Württemberg, im Raum Karlsruhe nahe der französischen Grenze – dort also, wo der Vormarsch aus dem Elsass zu erwarten war. In den Jahren danach verdichteten sich die Funde entlang des Oberrheins, und die Art schob ihre Verbreitungsfront Schritt für Schritt nach Norden und Osten. Ab den frühen 2020er-Jahren nahm die Zahl der Nachweise deutlich zu, und die einzelnen Vorkommen wuchsen vielerorts zu festen Populationen zusammen. Für das Jahr 2026 lässt sich der Stand am ehesten so beschreiben: Die Asiatische Hornisse ist in mehreren Bundesländern fest etabliert und breitet sich weiter aus. Genaue, tagesaktuelle Bestandszahlen sind naturgemäß schwer zu fassen und schwanken je nach Meldeaufkommen von Saison zu Saison – tragfähig ist vor allem die Richtung der Entwicklung, nicht eine exakte Zahl.

Wo sie in Deutschland vorkommt

Schwerpunkt der Verbreitung ist der Südwesten Deutschlands. Als weitgehend etabliert gelten:

  • Baden-Württemberg – Ausgangsregion der deutschen Ausbreitung, viele Nachweise
  • Rheinland-Pfalz und Saarland – entlang des Rheins und an der französischen Grenze
  • Hessen – zunehmend dichte Funde, vor allem im Süden
  • Nordrhein-Westfalen – wachsende Populationen im Rheinland

Dass gerade der Südwesten den Schwerpunkt bildet, hat einen einfachen Grund: Hier trat die Art zuerst über die französische Grenze ein, und das milde Klima des Oberrheingrabens mit seinen warmen Sommern und relativ frostarmen Wintern kommt ihr besonders entgegen. Der Rhein und seine Nebentäler wirken dabei wie ein Leitkorridor, entlang dessen sich die Tiere bevorzugt ausbreiten.

Im Osten Deutschlands ist die Art bislang weitgehend nicht angekommen: In Hamburg, Bremen und Berlin gab es Einzelfunde, deren weitere Ausbreitung verhindert werden konnte. Die Verbreitungsfront verschiebt sich dennoch kontinuierlich weiter. Zwischen einem ersten Einzelfund und einer stabilen örtlichen Population liegen dabei oft nur wenige Jahre. Ob ein Fund in Ihrer Region tatsächlich neu ist oder ob die Art dort bereits bekannt ist, lässt sich am besten über die Meldeportale und Naturschutzbehörden Ihres Bundeslandes klären. Wichtig ist, ein verdächtiges Tier nicht vorschnell einzuordnen: Die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist deutlich größer und überwiegend rotbraun-gelb gefärbt, während die Asiatische Hornisse kleiner und insgesamt dunkler wirkt. Die sichere Bestimmung anhand aller Merkmale gelingt mit dem Ratgeber Asiatische Hornisse erkennen.

Für eine ruhige Beobachtung aus der Distanz – etwa um die Flugrichtung zu einem Nest zu verfolgen – ist ein Fernglas hilfreich.

Gemeldete Nester: wie schnell die Zahlen steigen

Jahr Baden-Württemberg Bayern
2022 bereits etabliert 1 Einzelfund (Lkr. Main-Spessart)
2023 steigende Zahlen 5 Nester
2024 rund 1.650 Nester 19 Nester
2025 rund 3.300 Nester 33 Nester

Die beiden Spalten zeigen dasselbe Muster in zwei Phasen: Baden-Württemberg hat die Verdopplung von Jahr zu Jahr bereits hinter sich und meldet inzwischen Tausende Nester, Bayern steht dort, wo der Südwesten vor etwa acht Jahren stand. Ein einzelnes reifes Nest beherbergt bis zu 2.000 Tiere — deshalb macht schon eine Handvoll übersehener Nester im Folgejahr einen spürbaren Unterschied.

Warum sie sich so schnell ausbreitet

Warum aber gerade diese Art so viel erfolgreicher ist als andere Neuankömmlinge, lässt sich nicht mit einem einzigen Grund erklären. Es ist die Kombination aus biologischen Eigenschaften und äußeren Umständen, die Vespa velutina zum Ausnahmefall macht. Mehrere Faktoren wirken zusammen:

Faktoren der schnellen Ausbreitung

Faktor Wirkung
Milde Winter Mehr Jungköniginnen überleben und gründen im Frühjahr neue Völker
Keine Gegenspieler In Europa fehlen natürliche Feinde, die die Art regulieren
Hohe Vermehrung Ein großes Nest entlässt im Herbst viele neue Königinnen
Verschleppung Königinnen reisen unbemerkt in Fahrzeugen, Holz und Waren mit
Breites Nahrungsspektrum Neben Bienen werden viele Insektenarten erbeutet

Besonders der Klimawandel spielt eine Rolle: Mildere Winter erhöhen die Überlebensrate der überwinternden Jungköniginnen, von denen jede im Frühjahr ein neues Volk gründen kann. Schon eine kleine Steigerung dieser Überlebensrate beschleunigt die Ausbreitung spürbar, weil sich der Effekt Jahr für Jahr aufsummiert.

Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser Faktoren. Ein einzelnes reifes Nest entlässt im Spätsommer und Herbst eine große Zahl neuer Geschlechtstiere; von den daraus hervorgehenden Jungköniginnen überstehen zwar längst nicht alle den Winter, doch selbst wenn nur ein kleiner Teil überlebt, kann jede Überlebende im Frühjahr einen eigenen neuen Staat begründen. Da natürliche Gegenspieler wie spezialisierte Parasiten oder Fressfeinde in Europa weitgehend fehlen, wird dieses Wachstum kaum gebremst.

Hinzu kommt die Verschleppung durch den Menschen: Eine überwinternde Königin, die sich in Brennholz, Transportgütern, Wohnwagen oder Fahrzeugen versteckt, kann in einer einzigen Fahrt Hunderte Kilometer weit verfrachtet werden. So entstehen sogenannte Sprunginseln – neue Vorkommen weitab der eigentlichen Verbreitungsfront, von denen aus sich die Art dann erneut in die Fläche ausbreitet. Dieses Zusammenwirken von hoher Vermehrung, fehlender Kontrolle, günstigem Klima und unfreiwilligem Ferntransport erklärt, warum sich Vespa velutina so viel schneller ausgebreitet hat als die meisten anderen Neuankömmlinge.

Prognose – wie geht es weiter?

Fachleute gehen davon aus, dass sich die Asiatische Hornisse mittelfristig über weite Teile Deutschlands ausbreiten wird, ähnlich wie zuvor in Frankreich. Ein Blick auf das Nachbarland ist dabei aufschlussreich: Dort ist die Art seit rund 2004 präsent und gilt heute in großen Teilen des Landes als flächendeckend etabliert. Trotz erheblicher Anstrengungen ließ sich die Ausbreitung dort nicht rückgängig machen. Diese Erfahrung prägt die Erwartungen für Deutschland – eine späte, flächige Etablierung erscheint wahrscheinlicher als eine dauerhafte Zurückdrängung.

Eine vollständige Ausrottung gilt in bereits besiedelten Gebieten deshalb als kaum noch realistisch. Das erklärte Ziel ist stattdessen Eindämmung statt Ausrottung: die lokale Nestdichte niedrig halten, das Vordringen in neue Regionen verlangsamen und so den Druck auf Honigbienen und heimische Insekten begrenzen. In neu besiedelten Randgebieten, in denen erst wenige Nester vorhanden sind, kann konsequentes Melden und Entfernen die Entwicklung noch spürbar bremsen – hier zahlt sich frühes Handeln am meisten aus.

Für Sie im Alltag heißt eine solche Zukunft nicht, dass jeder Garten künftig von Hornissen beherrscht wird. Vielmehr wird es darauf ankommen, mit der Art umzugehen: Nester frühzeitig erkennen, Abstand halten und sie fachgerecht entfernen lassen, statt selbst einzugreifen. Für Imkerinnen und Imker rückt der Schutz der Bienenvölker vor dem Flugloch stärker in den Fokus, während Gartenbesitzer vor allem auf verdächtige Nester an Bäumen, Hecken und Gebäuden achten sollten. Welche Folgen die Ausbreitung für die Imkerei hat und warum Bienenvölker besonders betroffen sind, beschreibt der Ratgeber Asiatische Hornisse und Bienen.

Was gegen die Ausbreitung getan wird

Die Asiatische Hornisse ist auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten geführt, die auf der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 beruht. Entscheidend für die Praxis ist aber eine Änderung von Ende März 2025: Das Bundesumweltministerium hat der EU-Kommission gemeldet, dass die Art in Deutschland als weit verbreitet gilt. Damit fällt sie aus dem Regime der sofortigen Beseitigung (Artikel 17) heraus und in das Management etablierter Arten nach Artikel 19.

Was die Einstufung für Sie praktisch bedeutet

Die Pflicht der Naturschutzbehörden, jedes gemeldete Nest zu beseitigen, ist damit entfallen. In Baden-Württemberg werden Nestentfernungen nur noch öffentlich finanziert, wenn ein Schaden für die Biodiversität nachweisbar ist — im Frühjahr gibt es zusätzlich eine Förderung für Primärnester. In allen anderen Fällen tragen Eigentümerinnen und Eigentümer die Kosten selbst. Melden bleibt trotzdem sinnvoll: Die Meldung steuert das Monitoring und entscheidet mit darüber, wo Bekämpfung noch etwas bewirkt.

Für Deutschland bleibt der gemeinsame Rahmen aus Überwachung, Meldesystem und koordiniertem Vorgehen bestehen — nur das Ziel hat sich verschoben: von der Ausrottung zur Begrenzung. Frankreich, das schon deutlich länger mit der Art lebt, dient dabei als Lernbeispiel dafür, welche Maßnahmen wirken und wo die Grenzen liegen.

Sekundärnest der Asiatischen Hornisse hoch in einer kahlen Baumkrone – kugelförmiger Bau, erst nach dem Laubfall sichtbar
So sieht ein Sekundärnest aus: kugelig bis eiförmig, bis zu 80 cm groß, hoch in der Baumkrone und mit seitlichem Eingang. Sichtbar wird es meist erst im Herbst, wenn das Laub fällt — bis dahin hat das Volk seine Jungköniginnen längst entlassen. Foto: Fredciel · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons

Auf dieser Grundlage arbeiten Behörden, Imkerverbände und Naturschutzorganisationen zusammen. Zu den Maßnahmen gehören Monitoring und zentrale Erfassung der Funde, die koordinierte Entfernung von Nestern durch geschulte Fachkräfte, Aufklärung der Bevölkerung sowie Schulungen für Helfer und Schädlingsbekämpfer. Weil die Nester häufig hoch in Baumkronen oder verborgen an Gebäuden sitzen und erst im Spätsommer auffällig groß werden, ist ihre Ortung anspruchsvoll. Entscheidend ist deshalb ein flächendeckendes Meldesystem, das jeden einzelnen Fund erfasst – und genau hier kommen aufmerksame Bürgerinnen und Bürger ins Spiel.

Ihr Beitrag zur Eindämmung

Jede einzelne Meldung verbessert die Datenlage und ermöglicht eine schnellere Reaktion. Gerade in Regionen, in denen die Art noch neu ist, kann Ihr Hinweis den Unterschied machen: Wird ein frühes Nest rechtzeitig gefunden und fachgerecht entfernt, entstehen im Herbst weniger neue Königinnen – und damit im Folgejahr weniger neue Völker. Ihre Beobachtung ist somit kein bloßer Datenpunkt, sondern ein aktiver Beitrag zur Eindämmung. So helfen Sie konkret:

So tragen Sie zur Eindämmung bei

  • Merkmale kennen und die Asiatische Hornisse sicher von der heimischen Art unterscheiden
  • Verdächtige Tiere und Nester aus sicherem Abstand fotografieren
  • Funde zeitnah über das Meldeportal Ihres Bundeslandes melden
  • Nester niemals selbst entfernen – Fachleuten überlassen
  • Im Bekanntenkreis und Verein über die Merkmale informieren

Wohin melden? Bundesweit sammelt das Portal beewarned.de Sichtungen; Bayern bittet ausdrücklich darum, Funde nur dort und nicht direkt beim Landratsamt zu melden. Baden-Württemberg nimmt Meldungen über die Landesanstalt für Umwelt und die App „Meine Umwelt” entgegen, Niedersachsen über den NLWKN. Ein Foto aus sicherer Entfernung genügt in der Regel für die Bestätigung.

Die genauen Meldewege und den Ablauf der Nestentfernung erklärt der Ratgeber Asiatische Hornisse melden und Nest entfernen lassen.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es die Asiatische Hornisse in Deutschland?

Der erste Nachweis in Deutschland gelang 2014 in Baden-Württemberg, nahe der französischen Grenze. Seitdem breitet sich die Art kontinuierlich aus, vor allem entlang des Rheins und in den südwestlichen Bundesländern. Inzwischen gibt es Nachweise in zahlreichen Regionen.

Welche Bundesländer sind am stärksten betroffen?

Am stärksten etabliert ist die Asiatische Hornisse in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Von dort breitet sie sich weiter nach Norden und Osten aus. Einzelfunde gibt es mittlerweile in den meisten Bundesländern.

Muss ich die Entfernung eines Nestes selbst bezahlen?

Meistens ja. Seit das Bundesumweltministerium die Art Ende März 2025 als weit verbreitet eingestuft hat, sind die Naturschutzbehörden nicht mehr verpflichtet, jedes Nest zu beseitigen. In Baden-Württemberg wird eine Entfernung öffentlich finanziert, wenn ein Schaden für die Biodiversität nachweisbar ist; für Primärnester im Frühjahr gibt es eine Förderung. In allen anderen Fällen zahlen Eigentümer selbst. Melden Sie den Fund trotzdem – die Meldung steuert das Monitoring.

Warum breitet sich die Asiatische Hornisse so schnell aus?

Mehrere Faktoren begünstigen die Ausbreitung: milde Winter durch den Klimawandel, das Fehlen natürlicher Gegenspieler, eine hohe Vermehrungsrate mit vielen neuen Königinnen pro Nest und die unfreiwillige Verschleppung über Warentransporte und Fahrzeuge.

Kann man die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse noch stoppen?

Eine vollständige Ausrottung gilt in etablierten Gebieten als kaum noch erreichbar. Ziel ist daher die Eindämmung: frühes Erkennen, konsequentes Melden und das Entfernen von Nestern, um die lokale Dichte und damit den Druck auf Bienen niedrig zu halten. Jede Meldung trägt dazu bei.

Wie kam die Asiatische Hornisse überhaupt nach Europa?

Nach gängiger Annahme gelangte sie um 2004 mit Warenimporten aus China in den Südwesten Frankreichs, in den Raum um Bordeaux. Vermutlich überwinterte eine einzelne Königin unbemerkt in der Fracht und gründete im Frühjahr ein erstes Volk. Von diesem einzigen Eintrittspunkt aus breitete sich die Art über Frankreich und weite Teile Westeuropas aus.

Ist die Asiatische Hornisse in Deutschland gesetzlich geregelt?

Ja. Sie steht auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten nach der EU-Verordnung 1143/2014. Daraus ergeben sich für die Mitgliedstaaten Pflichten zur Überwachung und Eindämmung sowie ein Frühwarn- und Reaktionssystem. In Deutschland setzen Bund und Länder diesen Rahmen mit Monitoring, Meldeportalen und der koordinierten Entfernung von Nestern um.

Wie unterscheidet sich die Lage in Deutschland von der in Frankreich?

Frankreich lebt seit rund 2004 mit der Art und gilt heute in großen Teilen als flächendeckend besiedelt. Deutschland steht mit dem ersten Nachweis 2014 zeitlich dahinter und befindet sich noch in einer Ausbreitungsphase, in der vor allem der Südwesten betroffen ist. Die französische Erfahrung zeigt, dass frühes Melden und Entfernen in neu besiedelten Gebieten am wirksamsten ist.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über die Verbreitung einer invasiven Art. Verbreitungsdaten ändern sich laufend; verbindliche und tagesaktuelle Angaben führen die Naturschutzbehörden und Meldeportale der Länder. Bei allergischen Reaktionen nach einem Stich suchen Sie sofort ärztliche Hilfe oder rufen Sie den Notruf 112.

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